Massivholzdielen, Leinöl oder Hartöl?

11.02.2012



Ich kämpfe gerade mit der Frage, welches Öl für unseren zukünftigen Eichen-Dielenboden. Direkt ab Hersteller könnte ich die Dielen direkt fertig geschliffen und mit/ohne Leinöl (gekocht, harzfrei) erhalten. Die Behandlung mit Öl würde per m² gerade einmal 5 Euro/m² extra kosten. Bei uns handelt es sich um nahezu 130m² Dielenboden, einschließlich Bäder. Davon 60m² im EG, wo auch schon mal mit Schuhen gelaufen wird.

Ich habe mich nun schon durchs Forum gelesen, allerdings nicht wirklich gute Informationen zum Thema Leinöl oder Hartöl oder welches Öl auch immer gefunden. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist ein mit Hartöl behandelter Boden deutlich strapazierfähiger und erhält deutlich mehr den ursprünglichen Holzcharakter und Farbe. Korrekt? Der Aufwand wäre allerdings gegenüber fertig geölt deutlich höher und kostenintensiver.

Leinöl scheint dagegen leicht ins Gelbe abzudriften, ich habe ein Muster unserer Dielen herumliegen (siehe Bild). Die Eindringtiefe des Öls beim Muster liegt bei etwa 1-1,5cm, wenn ich dies anhand der Schnittkannten korrekt deute. Was mir aufgefallen ist, ich habe gestern eine Tasse Kaffee auf dem Muster abgestellt und kann sehr deutlich die Ränder erkennen, dort ist der Boden heller geworden. Wenn dies die Pflegeintensität darstellt, ist diese wohl sehr hoch! Daher habe ich leichte Angst, nach kurzer Zeit Laufspuren und ähnliches zu bekommen. Keine Ahnung ob dies bei Hartöl ähnlich ist!

Angenommen, ich lasse die Dielen mit Leinöl behandelt liefern, kann man später den Boden ggf. noch mit Hartöl nachbehandeln oder ist man dann auf Leinöl eingeschossen, wenn man feststellt, das dieser doch zu pflegintensiv ist? Ich vermute einmal, das der gelbliche Stich wohl nicht mehr weg zu bekommen ist, egal was man später noch an Bodenbehandlung durchführt?

Ich bin mir ehrlich gesagt gerade nicht so richtig schlüssig, was die bessere Wahl darstellt. Fertig geölt hat auch einen immensen Zeitvorteil. Welches Hartöl wäre dann direkt die nächste Frage.



Leinöl - Hartöl?



@ Fragesteller,

die Frage die sie hier stellen ist dann insofern unwichtig, da sie sich für ein und die gleiche Behandlung entschieden haben und die sich ergebebenen Nachteile auch gleich mit beschrieben haben. Im wesentlichen bleibt der Werkstoff offen bzw. muss ständig nachbehandelt werden. Da die Oberfläche offen bleibt, können sowohl teilweise Wasser wie auch Schmutz wie Staub in die Oberfläche eindringen. Dies fällt vielleicht erst mal nicht so auf, aber nach einiger Zeit bilden sich dann an den Hauptverkehrswegen die "Laufgassen". Ob dies einem gefällt, muss man dann selbst entscheiden. Insbesondere ist diese Art der Bodenbehandlung äußerst arbeitsintensiv und bringt das Pflegepersonal, in einem Haushalt mit Kindern und Haustieren gerade in der feuchten Jahreszeit, schier zur Verzweiflung. Ein nachträgliches Wachsen hilft nur anfänglich, da auch hier nach einigen Jahren unschöne Gebrauchsspuren zur Tage treten. Hier spreche ich aus Erfahrung!!
Und so einen Boden denn wieder aufzuarbeiten - viel Spaß!

Daher bin ich durch diese Erfahrungen zu der Überzeugung gelangt, das man eine Boden besser versiegeln sollte. Dies geht auch mit Biofarben auf Wasserbasis wie z.B. von der Firma Biopin. Falls da mal was beschädigt bzw. auf den Boden kommt ist das nicht so tragisch. Auch Wasserflecken machen dann so erst mal keine Flecken bzw, hinterlassen hässliche Kränze.

Aber wie gesagt - Vielleicht muss man das beschriebene erst selbst erleben!

Grüße aus NRW - Voreifel

ROLF



Leinöl...



...ist für die gewerbliche (Vor) Behandlung denkbar ungeeignet, da es deutlich länger trocknet als Hartöl. Gibt es einen Link zum Lieferanten oder eine Produktbeschreibung? Ich kann mir nicht vorstellen daß sowas wirklich geliefert wird.

Ein gutes Fußbodenhartöl hingegen ist die erste Wahl für die Fußbodenbehandlung. Da stimme ich dem Voreifel-Rolf nicht zu, er hat offenbar keine Erfahrung mit Ölen, oder hat bisher alles damit falsch gemacht. Gerade Wasserlacke sehen ein Weilchen nett aus, und dann schleift man wieder. Richtig geölte Böden bilden keine Laufstraßen, und nehmen kaum flüssiges Wasser auf. Sie nehmen aber an der Luftfeuchteregulation im Raum teil. Da keine Lackschickt AUF dem Holz zerstört werden kann, sind sie sogar wesentlich pflegeleichter, da gut geölte Böden bei richtiger Pflege über Jahrzehnte nicht geschliffen werden müssen.

Geölt wird vorzugsweise mit der Einscheibenmaschine vor Ort. Die Flächen werden besser als fertiggeölte Böden, da das Öl besser eingearbeitetr werden kann und mehr Zeit für das Aushärten (und damit auch für das Eindringen) zur Verfügung steht. Auch wenn das Öl realistischerweise höchstens 1-2mm eindringt, wird die Holzoberfläche doch durch die Verengung der Porengröße sehr gut imprägniert.

Die aus meiner Sicht beste Variante des Ölens stellt das Heißölverfahren von Natural dar. In Sachen Robustheit, Standauer und Wartezeiten bis zur Nutzung sehe ich nichts besseres. Ich arbeite seit 2004 ausschließlich damit, und kann Ihnen gern Öl und Maschine vermitteln, wie auch telefonisch bei Problemen beistehen, als Öl-Hotline sozusagen.

In meiner eigenen Küche wurde vor 4 oder 5 Jahren heiß geölt, alles ist bisher bestens. Der Ring unter der Tasse ist im Übrigen kein Fleck in der Ölschicht, sonders ausgeschwemmte Gerbsäure und ist eichetypisch. Nach 1-2 mal Wischen sollte die oberflächlich anlösbare Gerbsäure so stark vermindert sein, daß solche "Scheinwasserringe" nicht mehr auftreten. Ich gebe meinen Kunden den Hinweis mit, daß 14 Tage nach der letzten Ölung warm und leicht feucht durchzuwischen ist. Über eine nachfolgende Wasserfleckenbildung habe ich noch nichts gehört.

Grüße

Thomas



Eiche richtig ölen ...



Natürlich klingt es verlockend, wenn man sich die Arbeit mit dem Ölen sparen kann. Jedoch:

Rohes Holz lässt sich nur einmal richtig mit Öl sättigen.

So ist es schon entscheindend welches Öl man dafür verwendet. Wie Thomas schon schrieb: Es wäre gut, wenn Du da klärende Auskunft erhälts. So hat zum Beispiel das Parkettöl - Fußbodenöl von Natural nicht nur Leinöl als Bestandteil, sondern auch Tungöl und vor allem gelöste Naturharze. Wenn damit die Faser gesätigt wird, dann erhält man im Holz einen Oberflächenschutz. Das von Rolf genannte "Versiegeln" wäre ein Schutz auf der Oberfläche. Diese Schicht wird leiden und abgearbeitet werden.

Gestern erst hatte ich mit ein paar Handwerkern eine Schulung über Oberflächenbehandlung mit Naturölen. Wir hatten viel Eiche vor uns und machten ein paar Experimente mit Permanent-Marker, Kugelschreiber, schwarzen Gummisohlen, Wasser, etc. - Keiner der anwesenden Parkettlegemeister sprach da noch von Lack. "Ölen statt Versiegeln" ist ein Motto, dass wir seit vielen Jahren umsetzen.

Die genannte Offenporigkeit braucht man nicht fürchten. Auch bei einem geölten Boden kann ich die Poren schließen - dazu muss ich keine Schicht aufbringen.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Fussböden ölen mit Leinöl - Nein ! mit Natural Heissöl !



Hallo lieber Holzhandwerker,
ich kann wie auch Herr Thomas Böhme nur zum
Heissölsystem von Natural Naturfarben raten.
Es ist das tiefenwirksamste und sauberste Ölsystem welches
am Markt vefügbar ist.
Regional sind überall die Maschinen verfügbar und ich helfe
gern bei der Maschinenbeschaffung.
Das Öl am besten bei einem Fachhandwerker kaufen !!
Thomas Böhme,Parkettfachhandel z.b.
Nicht im Online Shop !

Liebe Grüße aus der Oberlausitz

von

Christoph Schulze
Natural Naturfarben - Anwendungstechnik
Tel. 01752325093



Hartöl? Heißöl?



Gibt es für o.g. Bezeichnungen Definitionen oder DIN/EN-Normen, oder sind es nur Handelsbezeichnungen der jeweiligen Hersteller?



Das...



Heißöl heißt Heißöl, weil es auf der Oberfläche erhitzt wird. Namensgeber ist die Fa. Natural, die das Verfahren entwickelt hat und das einzige mir bekannte reine Heißöl herstellt.

Zum Hartöl: Da Sie so gern bei Wikipedia reinschauen, finden Sie da die Erklärung, daß es eine anpolymerisierte Form des Leinöls ist.

Grüße

Thomas