Hauswand driftet zur Seite. Abfangen möglich?

16.08.2014 Maddin248



Hallo,
Ich habe vor einem Jahr ein Haus geerbt und beschäftige mich zur Zeit mit der Renovierung.

Das Haus wurde ca. 1880 gebaut. Das Fachwerk steht auf einer 1m bis 1,5m dicken Schieferwand.
Eine dieser Wände, früher vermutlich durch den Hausstein gehalten driftet jetzt nach außen. Momentan nur ca. 5-10cm allerdings reicht das um die jeweils ersten Gewölbeböden reißen zu lassen und es sind schon sehr deutliche Risse sichtbar.
Gibt es Möglichkeiten diese Wand dauerhaft zu fixieren, z.b. durch anfallen von Erdreich oder sollte ich von der Renovierung Abstand nehmen?

Schonmal vielen Dank für eure Antworten und Ratschläge.

Martin



Widerlager



Holen Sie sich schnellstens einen Fachmann zur Begutachtung ins Haus der Ahnung von Gewölben hat.
Stellen Sie ein paar Fotos hier ins Forum ein.



Leider nicht zu Hause...



Ich bin leider zur Zeit Beruflich in München. Ich werde aber so schnell wie möglich Bilder machen und hier einstellen.



Dafür, dass



bei einem Fachwerkhaus eine wand nicht abhaut, sind die daran angrenzenden Querwände mit ihren Holzverbindungen (Schwellen und Rähme: Verkämmungen, Riegel: Zapfen mit Holznägeln)zuständig.
Wenn die kaputt sind, kann es zu solchen "Wanderungen" kommen. Meistens liegt's an der Schwelle.
Dem kann mit modernen Verbindungsmitteln entgegengewirkt werden. Mit Verbolzungen zu einem intakten (!) Fundament, Zugverbindung zu noch intakten(!) Schwellen der Innenwände...
Dass eine Fachwerkwand aufgrund der Einwirkungen der Jahrhunderte schräg ist, ist an und für sich nicht tragisch, wenn einer weiteren Fluchtgefahr Einhalt geboten wird.
Ich musste mal eine herausgenommene und geflickte Fachwerkwand wieder schräg einbauen, weil Bauherr und Denkmalpfleger es so wollten. Obwohl es ein leichtes gewesen wäre, sie wieder im Sinne der Erbauer einzubauen. Mit funktionierenden Holzverbindungen, senkrecht. Wenn die mir nicht reinreden mache ich das auch so.
Ralph Schneidewind



Hauswand wandert-Schwelle Weggefault



Hallo,
auch wir hatten das Problem das sich Wände nach außen gedrückt haben.Bei uns lag das Problem darin das rund ums Haus alles mit Estrich zugegossen wurde und im laufe der Zeit die Schwellen wegmoderten,sodass die Riegel mit Zapfen keinen Halt mehr fanden.Letzendlich mußten sämtliche Schwellen erneuert werden.



Nicht das Fachwerk sondern die Grundmauern auf der es sitzt



Bewegt sich. Es geht also im die Schieferwand, die etwas nach außen driftet. Das Fachwerk ansich ist nach wie vor gerade und nur die Grundmauern darunter drückt sich etwas hervor.

Diese Grundmauern umgeben das gesamte Haus auf der Kellerebene und darauf setzt dann das Fachwerk auf Der Hintere Teil dieser Mauern ist völlig mit Erdreich bedeckt. Der vordere Teil liegt teilweise frei.

Vielen Dank bereits jetzt für die guten Antworten!



Endlich Bilder



Endlich bin ich daheim und kann euch ein paar Bilder der Baustelle zeigen.

Das erste Bild zeigt das Haus komplett.
Auf dem zweiten Bild sieht man, wie die Wand genau da wo der Schiefer anfängt einen Bauch wirft.
Das dritte Bild ist aus der rechten Keller, welcher von außen keine Erde angefüllt hat und das vierte Bild aus dem linken Keller, der noch ein bisschen in der Erde ist.



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Bild 2



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Bild 3



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Bild 4



Gewölbeschub



Das sieht sehr ernst aus.
Hier muß unverzüglich gehandelt werden, holen Sie sich umhgehend einen Fachmann für Gewölbe, am besten einen Statiker, ins Haus.
Nach den Foros zu urteilen ist das Gewölbe akut einsturzgefährdet. Sowohl der Keller als auch der Raum darüber sollten NICHT mehr betreten werden. Die sich ausbeulende Wand muß von außen mittels Spreizen gegen weiteres Ausbeulen gesichert werden. Der Zustand des Gewölbefeldes ist mittlerweile schon so akut das eine Sanierung wohl nicht mehr möglich sein wird. Vermutlich muß das Gewölbe entfernt und eine Stahlbetondecke neu eingezogen werden, auch um die Standsicherheit der Außenwand wieder herzustellen. Keinesfalls sollten Sie versuchen das Gewölbe mittig zu stützen und nach oben zu drücken!
Wie kann so etwas passieren?
Wurde in letzter Zeit an der Außenwand oder oben am Gewölbe baulich etwas verändert?
Auf dem Foto von der ausbeulenden Wand sieht man eine Tür. War die immer schon da?
Falls Sie erst mal Niemanden auf die Schnelle finden rufen Sie mich an. Ich kann morgen vor Ort sein.



Das klingt ernst...



Hallo Herr Böttcher,
Wie schon gesagt war die Wand früher von einem großen Hausstein gestützt. Dieser wurde aber vor ca. 50 Jahren weggemacht. Die Tür war schon immer da und auch sonst sind mir keine Baulichen Veränderungen in den letzten Jahren bekannt.
Das Gewölbe sieht meines Wissens schon ca. 4-5 Jahre so aus.
Die Gewölbebögen befinden sich jeweils in den äußeren Teilen des Hauses.

Es wäre also möglich das Haus als solches zu erhalten, wenn man das Gewölbe herausnimmt und durch eine Betondecke ersetzt?

Bereits jetzt vielen Dank für Ihre schnelle Antwort!



Gewölbeschub



Nein, so einfach ist das nicht.
Anscheinend ist das eine preußische Kappendecke mit relativ weit spannenden Kappen. Wenn Sie eine Kappe ohne gesonderte Sicherungen herausnehmen können die anderen wie Dominosteine auch herunterbrechen oder zumindest einsacken weil der Gegendruck des ausgebauten Gewölbes fehlt.
Irgendetwas hat sich in den letzten paar Jahren geändert, diese Ursache muß ermittelt und ggf. beseitigt werden. Es gibt noch eine Reihe anderer möglicher Ursachen. Abklären kann man das nur vor Ort.



Falsch verstanden



Ich meinte das gesamte Gewölbe herauszunehmen, und nicht nur den eingestürzten Teil, und dann eine komplett neue Decke einzuziehen.
Allerdings ist dann ja nach wie vor die Wand in Bewegung. Ich bin mir auch nicht sicher, ob es genügen würde diese von außen mit Erdreich anzufügen um sie zu stabilisieren.



Wandstabilisierung



Mit angefülltem Erdreich können Sie so eine Wand nicht stabilisieren.