Echter Hausschwamm in Holzbalkendecke

16.03.2004


Bei unserer Haussanierung wurde ein Schwammbefall (Echter Hausschwamm - EH) vom damaligen Gutachter übersehen, eventuell Rechtsstreit ...
Jedenfalls sind ca. 50cm vom äußeren Holzbalken einer Holzbalkendecke zw. Keller und EG vom EH befallen (lt. neuem Gutachten). Der Balken liegt am Außenmauerwerk. Ursache war früher eine defekte Dachrinne --> Durchfeuchtung Mauerwerk --> Schwammbefall am angrenzenden Balken. Während der Sanierung wurde die Dielung vom EG her geöffnet, es wurde an dieser Stelle --> Balkenoberseite, Schüttung nichts gefunden. Die geöffneten 1.5m² Fußboden wurden mit neuen Dielen geschlossen. Leider wurde versäumt, vom Keller her den Decken-Schilfputz samt Lattung zu öffnen. Jetzt, im bewohntem Zustand zeigte sich nach entfernen des Schilfputzes und der Lattung an der Balkenunterseite kurz vor dem Balkenauflager ein ca. 50cm großer Schwammbefall durch EH, typischer Würfelbruch. Die Holzfeuchte im Balken beträgt jetzt 10% (sehr trocken --> Haus wurde auch ringsum trockengelegt). Unser Bauleiter möchte die gesamte Holzbalkendecke entfernen, durch Betondecke ersetzen, sowie Schwammbekämpfungsmittel vorbeugend ins Mauerwerk injizieren. Leider steht genau über dem Balken unsere massiv geflieste Küche, die unweigerlich zerstört würde. Sicherlich ist die Betondecke wegen EH hier das Beste, aber ist Sie auch die optimalste Lösung ? Ich würde gern den betroffenen Balken austauschen, das Mauerwerk um die befallene Stelle mit Schwammbekämpfungsmittel injizieren, sowie die gesamte Schüttung vom Keller her abtragen. D. h. ich sehe hier vom Keller die Küchendielen, diesen Zustand möchte ich einige Jahre so belassen, so daß eine ständige Belüftung und Beobachtung gewährleistet ist. Wie wird mein Vorschlag hier gesehen. Was könnte noch empfohlen werden?

Danke,
Viele Grüße
aus Dresden
N. Labrenz




Echter Hausschwamm in Balkendecke



Sehr geehrter Herr Labrenz,
ich möchte Ihnen eine
Sanierungsmöglichkeit nennen, die Ihnen die Chance gibt nicht die gesamte Decke zu entfernen. Es handelt sich um die sogenannte Beta-Prothese der Firma Bennert GmbH aus Hopfgarten bei Weimar(finden Sie auch im Internet) Diese Prothesen werden an dem noch vorhanden gesunden Holz verdübelt und angegossen. Die Mischung ist ein Geheimnis ... hier hat die Firma ein Patent. Der notwendige Holzschutz in den angrenzenden Bereichen ist natürlich ebenso durchzuführen. Mit dieser Methode erspart man sich schwerwiegende Eingriffe in das Baugefüge. Trotzdem ist diese Methode nicht ganz billig aber den Aufwand müßte man ohnehin gegenrechnen. Wir haben 2003 im Rittergut Knau im Saale-Orla-Kreis in Thüringen diese Sanierungsvariante angewendet, weil wir die unter der geschädigten Deckenbalkenebene liegende bemalte und mit Stuck versehene Decke halten wollten.
Mit freundlichen Grüßen
S.Berner



Geheimnis



Das Wort "Geheimnis" muß man mal vor dem Hintergrund der Bauordnungen aller Länder lesen, in denen genau steht, welche Baumaterialien verwendet werden dürfen. Ich müsste mich gewaltig irren, wenn irgendwelche "Geheimrezepturen" in Europa verwendet werden dürften. Das überlasse ich jedenfalls Coca-Cola & Co.
Wer sowas benutzt und hinterher einen Schaden hat, dürfte wohl wegen mitwirkenden Verschuldens - was in diesem fall wohl einem Alleinverschulden gleichkäme - jeden Anspruch auf Schadensersatz verlieren.



Wo ist das Problem?



Die Feuchtigkeitsquelle wurde beseitigt und das Holz ist wieder trocken!
Der Echte Hausschwamm wird innerhalb eines Jahres "verdursten" und absterben. Er ist schließlich auch nur ein Mensch (in diesem Fall: Pilz) und kann bei 10% Holzfeuchte nicht existieren!



Hilfe naht....



Hallo,

bei Ihren Problem der Schwammsanierung möchte ich Ihnen gerne einen Handwerksfirma empfehlen die schon oft Schwamm erfolgreich beseitigt hat bzw. vernünftig saniert hat. Wenn sie Interesse haben melden Sie sich doch bei uns. Wir vermitteln gerne weiter. Gegen das komplette auswechseln der Decke bin ich auch das nützt nur dem Auftragnehmer und dessen Brieftasche und ist auch selten nötig.

Mit freundlichen Grüßen

das Arge Lehmwerk Team aus der Oberlausitz



...mmhmm...



Zuerst einmal ein paar Ergänzungen zu den vorherigen Antworten:
- Der Hinweis mit dem Absterben des Pilzes nach einem Jahr kann ich weder literaturmäßig noch aus eigenen Erfahrungen bestätigen. Im Gegenteil ist bei Echtem Hausschwamm mit sehr langen Trockenstarrezeiten zu rechnen. Die Begründung liegt darin das sich in verbliebenen, zuvor befallenen Bauteilen aus kleinen Resten von Pilzfäden (Mycel) oder aus an Konidien gebildeten Arthrosporen der Echte Hausschwamm wieder neu entwickeln und sein Zerstörungswerk u.U. nach langer Trockenzeit fortsetzen kann. Jahresangaben finden sich in der gesamten mir bekannten Literatur nicht!
Natürlich ist dafür die Einstellung auf optimale Wachstumsbedingungen notwendig: 20-30% Holzfeuchte und 18-25°C als optimaler Bereich.
- Das BETA-Verfahren der Fa. Bennert wurde bereits häufig im Bereich der Denkmalpflege an schwierig zu behandelnden Bereichen eingesetzt und ist ein patentiertes und bauaufsichtlich zugelassenes Verfahren. Die Mischung besteht aus Epoxyd- und/oder Polyesterharzen und trockenen, gereinigten Quarzsanden. Zusätzlich wird eine Armierung aus glasfaserverstärkten Polyesterstäben oder profiliertem Betonstahl benötigt. Die Stäbe werden in das Hirnholz des verbleibenden Holzes eingebohrt, die Masse wird wie Beton in eine Schalung eingebracht. Auch hier stellt sich in Ihrem Fall die Frage der Zugängigkeit und natürlich der Kosten (die Methode ist nicht ganz billig und kann nur von lizensierten Fachfirmen ausgeführt werden). Das "Geheimnis" kann also bis auf die genaue Rezeptur eingeschränkt werden.
- Schwammbekämpfungsmittel fürs Mauerwerk sind leider noch nicht erfunden: auch wenns nach Haarspalterei klingt, es kann sich hierbei nur um ein Schwammsperrmittel handeln. Das Mauerwerk ist und bleibt schwammverseucht, es wird lediglich eine Sperre um den vermutlich durchwachsenen Bereich gelegt.
Jetzt zu den Möglichkeiten:
Eine Betondecke ist natürlich die ultimative Hammerlösung, da gibt es für den Echten Hausschwamm nix mehr zu wollen.
Die DIN 68800-Lösung lautet verkürzt wie folgt: Gesundschnitt aller Hölzer (Balken, Dielen, Unterschalung, Türstöcke, usw.) im Umkreis von einem Meter um den erkennbaren Schadensbereich herum. Erneuern der Fehlböden im Umkreis von 1,50 m. Behandlung des angrenzenden Mauerwerkes mit Schwammsperrmitteln im Umkreis von 1,50 m im Injektage- (bei Durchwachsungen) oder Oberflächenverfahren (bei oberflächigem Besatz).
Außerhalb der DIN 68800 finden sich nur Lösungen die durch den Sachverständigen verantwortet und befürwortet werden können und von Ihnen als Bauherrn mitgetragen werden. Da wären Einschränkung der Gesundschnittzone, Belassung des Zustandes weil momentan kein erneuter Befall wahrscheilich erscheint, Verzicht auf Beseitigung des Dielenbodens u. ä.. Das allerdings kann wirklich nur örtlich und im Gegenseitigen Vertrauen mit dem beauftragten Sachverständigen festgelegt werden.
Auch Ihre Lösung gehört in diese Abteilung und kann durchaus so ausgeführt werden, aber Ihnen muß klar sein das dafür die Ausführenden und die Gutachter in Ihrer Verantwortung möglichst weit zurückziehen werden, weil die Variante nicht dem Regelwerk entspricht.
Jeder verantwortungsbewußte Sachverständige in diesem Bereich hat insgeheim immer die Befürchtung das er etwas vergessen, übersehen oder falsch beurteilen könnte (sind halt auch nur Menschen). Deshalb hält sich auch jeder formelle Hintertürchen in seinem Gutachten offen um nicht gleich mit Hurra in jedes aufgeklappte Messer zu rennen. Außerdem gilt auch hier: Recht haben ist nicht gleich Recht bekommen. Rechnen Sie also vorsorglich damit auch diese Sanierung mit eigenen Mitteln bestreiten zu müssen und freuen Sie sich darüber wenn sich die Situation später anders darstellt. Schalten Sie einen Rechtsanwalt mit Baurechtskenntnissen ein, weil Fallstricke reichlich vorhanden sein können.
Grüße aus Leipzig von



Wer hat hier eigentlich die Diagnose gestellt?



Sehr geehrter Hr. Labrenz,

Herr Malangeri hat ja schon eine ausführliche Information über den Hausschwamm und dessen Bekämpfungsmöglichkeit, sowie über das BETA-Verfahren gegeben.
Für mich geht jedoch nicht eindeutig hervor, ob es sich tatsächlich um Echten Hausschwamm handelt, oder ob ein anderer Holzzerstörer am Werk ist; grober Würfelbruch alleine ist als alleiniger Hinweis noch zu wenig, den Echten Hausschwamm eindeutig zu identifizieren.
Sollte es nämlich kein EH sein, ist die weitere Vorgangsweise bei weitem nicht so aufwändig.
Das Um- und Auf bei der Bekämpfung d. Echten Hausschwammes ist das Finden seines Ausgangspunktes (dies dürfte bei Ihnen die Dachrinne sein!) und dann zu schauen, wie weit geht sein Umfang; sollte es der EH sein, glaube ich nicht, dass er sich nur auf einen Balken beschränkt, d.h. es ist aus meiner Sicht auch nicht ausreichend, nur den Balken zu entfernen und diesen Bereich zu behandeln.
Man muss aber sagen, dass per Ferndiagnose keine zuverlässigen Aussagen getroffen werden können; daher mein Tip: Zuziehen eines kompetenten Fachmannes (wird sicherlich in der Zwischenzeit schon geschehen sein) und mit seiner Hilfe ein entsprechendes Bekämpfungs- bzw. Sanierungskonzept erstellen.

Gruß aus Salzburg

DI. Bernhard Schachenhofer
www.feuchtemauern.de



Die biblische Plage "Hausschwamm"



Lieber Norbert Labrenz

Ich halte die umfangreiche Aussage von Herrn Malangeri aus fachlicher Sicht für vollkommen zutreffend und würde dringend empfehlen seinen detaillierten Erläterungen und Ratschlägen zu folgen.

Mit besten Grüßen

L. Parisek



Hausschwamm


Hausschwamm

guten tag
ich kann weiter helfen und sie können sich ja bei mir melden wenn sie fragen zum Fachwerk haben

Sachverständigenbüro Andreas Vollack
Von der Handwerkskammer Hildesheim
Öffentlich bestellt und vereidigter Sachverständiger
für das Zimmererhahnwerk
Sachgebiete :
Historisches Fachwerk
Fachwerk Konstruktionsschäden
Altholzuntersuchungen
Pilze und Holzschädlinge an Fachwerken
Beweissicherung
Lehmbau im alt und Neubau
Bauberatung

Wesersraße11 OT Hemeln 34346 Hann.Münden
Tel. 05544/ 8376 D2.0172/5641202
Fax.05544/ 999779 E-Mail. Andreas.vollack@t-online.de

mit zimmerlichem gruß
andreas vollack