Holzbock oder Hausbock im Neubau




Hallo zusammen,
wir haben 1994 ein neues Haus gebaut bzw. bauen lassen. Wie nun bei einem Außenanstrich festgestellt wurde, ist draußen auf dem Balkon ein Balken vom Holzbock befallen oder befallen gewesen. Daraufhin habe ich sofort die Dachbalken im Innenbereich untersucht und dabei an der Mittelfette (16 x 26 cm dick) ebenfalls Spuren des Hausbocks festgestellt. Dazu muß man vielleicht sagen, daß ich schon seit ein paar Jahren nagende Gräusche gehört habe. Leider immer nur ich und niemand anders. Meine Frage ist nun, wie finde ich einen "guten" Sachverständigen in der Region Kreis Borken, der beurteilen kann, ob noch mehr befallen ist und wie man den gefundenen Befall behandeln kann. Weiterhin stellt sich die Frage, wer kommt für die Kosten auf. Handelt es sich um einen versteckten Mangel? Kann man feststellen wie lange der Hausbock schon im Holz sitzt?
Gruß Susanne



Hausbock



Guten Tag,
den Schädling und die Befallsgrenzen kann ein Sachkundiger bzw. Sachverständiger ermitteln. Danach muß ein Konzept zur Bekämfung entwickelt werden, sofern ein aktiver Befall vorliegt (was nach Ihrer Beschreibung wahrscheinlich ist). In der Regel erstreckt sich eine Behandlung bei Hausbockbefall auf ale tragenden Holzbauteile des Daches. Es ist nicht davon auszugehen und erst recht nicht nachzuweisen, daß ein Befall bereits bei Einbau der Hölzer vorlag. Die Larvenentwicklung ist wie alles in der Natur nicht exakt messbar und berechenbar. Möglich ist aber, daß das Holz zu nass eingebaut wurde und deshalb Trockenrisse aufgetreten sind, die tiefer reichen als die imprägnierte Zone bzw. das die Imprägnierung unzureichend erfolgt ist. Solche Sachverhalte können (wenn überhaupt) nur bei einer Begutachtung geklärt werden.
Da der Kreis Borken noch halbwegs für mich erreichbar ist, besteht die Möglichkeit, daß ich zumindest zu einem Ortstermin zu Ihnen komme. Damit Sie sich nicht von mir überrumpelt fühlen einige Angaben wo Sie noch Sachkundige und Sachverständige finden können: Bei der IHK und der Handwerkskammer nachfragen; Das Anwaltsbüro Omankowsky in Köln führt die Liste aller durch den Ausbildungsbeirat bekämpfender Holzschutz geprüfter Sachkundiger; einig Hochschulen zB. Hamburg, München, Göttingen, Eberswalde usw. verfügen über qualifizierte Wissenschaftler. Außerdem gibt es Fachverbände wie den Dt. Holz und Bautenschutzverband und Holzschutzfachverbände. mfG. Ulrich Arnold



Kein Mangel



Mit einem Hausbock am Dachboden sind Sie nicht alleine;
der Käfer (besser die Käferlarven des Hausbocks) ist nicht nur auf einen Balken beschränkt, sondern man kann davon ausgehen, dass er im ganzen Dachstuhl verbreitet ist.
Als Bekämpfung kommt sowohl das Heißluftverfahren, als auch die Bekämpfung mit flüssigen Chemikalien in Frage. Ich persönlich würde das Heißluftverfahren aus Kosten- und Umweltgründen vorziehen; darüberhinaus ist bei der Heißluft ein sofortiger Erfolg messbar. Wo die nötigen Temperaturen nicht erreicht werden können, müssen Sie ohnehin eine Bekämpfung mit flüssigen Chemikalien durchführen.
Nachdem ein Hausbockbefall kein versteckter Mangel ist (meines Wissens auch nicht in Deutschland), müssen Sie für die anfallenden Kosten selbst aufkommen.
Mit einem Sachverständigen bzw. einer seriösen Firma in Ihrer Gegend kann ich leider nicht dienen; es findet sich aber sicher ein Forumsteilnehmer, der Ihnen hilft (sonst fragen Sie einmal Hrn. Malangeri, od. Hrn. Rüpke).
Gruß aus Salzburg





Hallo Herr Schachenhofer, vielen Dank für die schnelle Antwort. Aus Gesundheitsgründen würde ich mich auch für das Heißluftverfahren entscheiden wollen. Ich glaube aber nicht, das das bei uns machbar ist. Dazu muß ich noch erklären, daß unser Wohnraum bis unter das Dach offen ist. Die gesamte Dachkonstruktion ist vom Wohnzimmer und einer offenen Galerie aus sichtbar. Es ist also kein Dachboden.

Hallo Herr Arnold, vielen Dank auch Ihnen für die Auskunft und Ihr Angebot. Darüber werden wir nachdenken und uns dann gegebenenfalls mit Ihnen in Verbindung setzen. Wie ich heute Abend durch den Zimmermann erfahren habe, brauchte das Holz im Innenraum nicht imprägniert werden (lt. Verordnung ?)und sie ist auch wohl nicht erfolgt. Gibt es da entsprechende Vorgaben und was ist wenn diese nicht eingehalten wurden?
Gruß Susanne



DIN 68800



Es gibt unter bestimmten Vorraussetzungen die Möglichkeiten Ihre Konstruktionshölzer nach DIN 68800 auf Gefährdungsklasse 0 einzustufen und damit auf einen Chemischen Holzschutz zu verzichten. Für den Normalfall würde ich eine Gefährdungsklasse 1-2 für Ihr Haus annehmen. Um die GK O zu erreichen sind folgende Vorraussetzungen notwendig: "Verwendung splintfreier Farbkernhölzer der Resistenzklassen 1-3" (nachprüfen) und das "Holz zum Raum so offen angeordnet ist, daß es kontrollierbar bleibt" (wahrscheinlich gegeben). Allerdings sind die freiliegenden Holzbereiche Außen (Balkon, Dachüberstände) in die GK 3 einzuordnen. Wenn an dieser Stelle auch auf den chem. Holzschutz verzichtet wurden dann hätten Hölzer der Resistenzklasse 1 und 2 nur verwendet werden dürfen, das würde eine Ausführung in Eiche oder Robinie oder verschiedenen tropischen Exoten bedeuten. Die Resistenzklasse 3 würde beispielsweise die Kiefer gerade noch miteinschliessen. Da das Kernholz vom Hausbock nicht angegriffen wird, ist splintholzfreie Ware zu verwenden. Ist dies nicht gegeben besteht ein Mangel. Ob jemand noch haftbar für den Mangel gemacht werden kann, hängt von den abgeschlossenen Bauverträgen und den darin enthaltenen Gewährleistungzeiten ab. Die Dauer eines Befalls in Abhängigkeit von der sichtbaren Schädigung zu beurteilen ist grundsätzlich schwierig und bleibt zwangsläufig sehr theoretisch, ist also damit sehr schnell anfechtbar. Grundsätzliche teile ich die Meinung mit Herrn Schachenhofer bezüglich Heissluft, hätte aber andere Bedenken gegen die Ausführung als Sie: Für eine Heissluftbehandlung müssen hohe Temperaturen angenommen werden, um mit Bauteilinneren auf die erforderlichen 65°C zu kommen. Hitzeempfindlichen Materialien sind also immer stark gefährdet! Betrachten Sie diese Erläuterung als Grundsatzinformationen, in einem Ortstermin mit einem Sachverständigen kann und sollte die gesamte Sachlage genau geprüft werden. Grüße aus Leipzig von



hausbock



Hallo Herr Malangeri, danke für die ausführliche Antwort. Ob bei uns "splintfreie Farbkernhölzer" verbaut wurden kann ich nicht sagen. Falls wirklich ungeeignetes Holz verwendet wurde, wird sich der Zimmermann sicherlich nach 9 Jahren davon nichts mehr annehmen. Die Garantie liegt glaube ich im allgemeinen bei 5 Jahren. Das alles und die weiteren Maßnahmen zur Bekämpfung der unliebsamen Gäste werden wir wohl mit einem Sachverständigen klären müssen. Vielen Dank für Ihre Bemühungen. Ein schönes Wochendende wünscht Susanne



Heissluft!



Hallo Susanne,

Dass Ihre Balken frei im Wohnraum liegen, habe ich erst jetzt durch Ihre Beschreibung erfahren. In solchen Fällen stosst das Heißluftverfahren an die Grenzen (sehr scharfe Bedingungen durch die trockene heiße Luft). Anm. es sind übrigens "nur" 55°C in Balkenmitte die man erreichen muss.
Ob ein Mangel vorliegt muss, wie schon Hr. Malangeri sagte, ein Sachverständiger klären.
Zur Behandlung selbst käme bei Ihnen auch noch das sog. Thermolignumverfahren in Frage. Dabei wird mit feuchter Warmluft gearbeitet und die Bedingungen ganz genau kontrolliert. Clou ist der, dass das Klima genau auf die vorhandene Feuchte der Holzteile eingestellt wird, sodass es zu keinen Schäden kommt (es werden mit diesem Verfahren auch Kunstwerke und Möbel sehr erfolgreich behandelt). Das ganze ist aber etwas aufwändiger als das normale Heissluftverfahren und bei Innenraumbehandlungen dadurch auch teurer. Sollten Sie genauere Informationen darüber benötigen, sende ich Ihnen bei Bedarf gerne Unterlagen zu.
Gruß aus Salzburg



Holzbock



Hallo Susanne, leider haben wir ein sehr ähnliches Problem bei unserem ebenfalls 9 Jahre alten Haus, wobei bei der Befall in den tragenden Balken der Zwischendecke festgestellt wurde.
Meine Frage ist daher, wie Sie sich entschieden haben und ob Sie eine Empfehlung bezüglich eines Unternehmens haben, dass den Befall ermittelt und beseitigt.
Würde mich sehr über eine Antwort freuen.
Markus K.





Hallo Markus K., leider konnte ich mich erst jetzt melden, da ich einige Probleme mit meinem Rechner hatte. Wir haben bei unserem Haus eine Begutachtung durch einen Sachverständigen machen lassen. Wer da in frage kommt, ist natürlich abhängig von deinem Wohnort und Erreichbarkeit. Als nächstes habe ich mir Angebote für verschiedene Behandlungsmöglichkeiten angefordert, die aber noch nicht vorliegen. Darunter ist Heißluftbehandlung, Chemische Behandlung und Auswechseln der Mittelfette.
Gruß Susanne




Schon gelesen?

Beitrag ohne Titel