Hausbock im Gebälk

15.01.2021 Frank1986


Hallo zusammen,

wir haben im Jahr 2017 begonnen eine denkmalgeschützte Scheune in ein Wohnhaus umzubauen. Fertigstellung war im Juni 2017.
Jetzt ist uns aufgefallen dass wir im Gebälk den Hausbock haben. Es sind deutliche Fresgeräusche zu hören, auch sind die typischen Löcher sichtbar.

Die erste Frage lautet, was kann ich dagegen tun? Hat jemand Erfahrungen mit diesem Thema?

Die zweite Frage, kann ich hierfür meinen Architekten haftbar machen? Die Tiere waren schon zu Baubeginn im Gebälk. Dies hätte er doch prüfen müssen!? Er war für alle Leistungsstufen beauftragt...

Vielleicht kann uns hier jemand weiterhelfen, wir sind wirklich verzweifelt!

Freundliche Grüsse Frank



Holzschädlinge



Heißluftbehandlung ist ggf möglich.
Die Balken sollten möglichst frei liegen, damit die Hitze gut eindringen kann.

Der Holzzustand sollte vor einem Ausbau immer als erstes auf Schädlinge oder andere Schäden untersucht werden



Röntgenaugen



Zur ersten Frage hat Herr teich ja schon was geschrieben. Austausch geht natürlich auch.

Zur zweiten Frage - eine Rückfrage. Gibt Beweise dafür, das es augenscheinliche Anzeichen gab, dass ein aktiver Hausbockbefall vorlag bevor das Material verbaut wurde?
Wenn ja, hat der, der diese Beweise festgestellt hat sowohl den Verarbeiter, den Lieferanten als auch die Bauleitung darauf nachweislich hingewiesen?
Sollten beide Fragen mit JA beantwortet werden rate ich dazu einen Fachanwalt für Baurecht auzusuchen und die verjährung dort klären zu lassen.

Alles Gute - M.Mattonet, Ingenieurbüro bergisches Land



Antwort...



Zuerst einmal vielen Dank für Ihre Antworten!

Die Balken liegen zum Glück alle frei, bzw. sind mindestens 2/3 der Balken frei, der Rest ist mit einer Decke abgehangen.

Leider gibt es kein Protokoll oder Gutachten das darlegt, dass die Schädlinge schon zu Baubeginn im Gebälk waren. Daher meine Hoffnung dass man jetzt nachträglich durch einen Sachverständigen beweisen kann, dass die Tiere schon deutlich länger hier zu gange sind!
Die Frage ist halt ob sich der ganze Aufwand lohnt, bzw. ob es überhaupt möglich ist hier den Architekten als Schuldig zu erklären und dieser dann die Kosten für die Sanierung übernehmen muss!?

Ich werde morgen zu einem Fachmann Kontakt aufnehmen (öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer).
Hoffentlich kann dieser uns weiterhelfen...

Freundliche Grüsse Frank



Holzbock



Die Frage der Schuld ist eine komische Frage.
Der Holzbock kommt in der Natur vor. Wer ist das Schuld?
Noch mal ... selbst wenn entsprechend befallenes Holz verbaut wurde ist die Kette der Leute die dies festgestellt haben sollten lang. Vom Sägewerk über den Händler und verbauenden Handwerker bis zu Bauleitung. Vielleicht ist er auch im Nachgang rein gegangen.
Die Chance das der Architekt als Bauleiter in die Haftung kommt sehe ich hier äußerst gering.



In neu verbauten Holz?



Hallo, ich hätte ein paar Nachfragen.
Handelt es sich wirklich um den Holzbock - also sind die Ausfluglöcher 5-7 mm und oval oder kleiner und rund?
Und liegt der Befall im alten Holz des Dachstuhls vor oder in neu verbautem Holz? Ein Schädlingsbefall in alten Scheunen ist eigentlich der Normalzustand und nicht außergewöhnlich. Sollte der Befall im alten Holz vorliegen, dann hätte der Architekt die Festigkeit der Balken jedoch prüfen lassen müssen. Was sagt der Architekt denn dazu?



Neues Holz



soviel ich weiß, legt der Hausbock seine Eier in Rissen und Ritzen im Holz, also auch in neues Holz, vielleicht schon weit vor dem Sägewerk. Da das Larvenstadium über mehrere Jahre gehen kann, wird das befallene Holz unbemerkt eingebaut. Die Löcher sind ja die Ausflugslöcher, also wenn man die sieht, ist die Larve mit Fressen fertig. Soweit meine Vorstellungen, lasse mich aber von Kundigen gern aufklären.



Nadelholz



Der Hausbock geht nur an Nadelholz. Der Holzkäfer Anobium hingegen an alle Arten, vorzugsweise in den Splint, lediglich bei geschädigten Hölzern auch in den Kern. Die Eier legen beide Käfer in Ritzen oder alte Fraßgänge. Kann also eingeschleppt worden sein. Ohne Fotos und bessere Beschreibungen ist aber alles nur eine Vermutung.



Danke



also entnehme ich Deiner Beschreibung, dass der Hausbock durchaus mit "neuem" Bauholz eingetragen werden kann.



Neuer Untermieter



ja, natürlich kann der Holzbock mit eingetragen werden. Aber meistens passen den frisch eingeschleppten Schädlingen die Lebensbedingungen nicht, so dass der Befall sich nicht ausbreitet. Ausnahmen gibt es natürlich immer, aber es ist jetzt nicht so wie bei Lebensmittelmotten.
Ich habe den Beitrag aber so gelesen, dass der Befall im alten Dachstuhl der Scheune bemerkt wurde und nicht im neuen Holz. Aber das kann nur der Fragende klären.



Hmm



und ich lese in dem Beitrag, dass sich jemand auf Kosten anderer seiner Probleme entledigen will.

Ein altes Haus ist ein altes Haus und bleibt ein altes Haus - mit allen Risiken, Besonderheiten und Schönheiten.

Auch dieser Architekt hat einen Auftrag dezidiert erhalten. War darin denn überhaupt die Erstellung eines Holzgutachtens enthalten?
Vermutlich eher nicht, sondern die Planung, Beantragung der Genehmigung, Nutzungsänderung und Baudurchführungsaufsicht, Abrechnung etc.

Nur wenn er die Holzschäden offensichtlich sah bzw. von Handwerkern darauf hingewiesen wurde und trotzdem ungestört weiter bauen ließ, hat er einen Fehler gemacht.

Es kommt mir so vor wie die Leute, die mit ihrem alten halbverrotteten Körper zum Arzt gehen, und wenn er sie nicht "neugeboren" macht man dem Arzt einen Anwalt auf den Hals hetzt.

Das Leben ist ein Risiko - das Bauen auch!



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Die Schädlinge sind hauptsächlich im alten Gebälk, allerdings scheint es mir so dass Sie in die neuen Balken gewandert sind. Ich habe heute mit einem Sachverständigen kontakt aufgenommen, der sich die ganze Sache in nächster Zeit anschaut.
Die Ausflugslöcher sind ca. 6-9mm groß und oval. Den Architekt habe ich noch nicht kontaktiert, ich möchte mich zuerst einmal selbst darüber informieren. Werde mich aber, sobald ich Fakten habe, mit ihm in Verbindung setzen.

Bzgl. der Aussage "dass sich jemand auf Kosten anderer seiner Probleme entledigen will" kann ich folgendes dazu schreiben:
Warum beauftragt ein laie einen Fachmann mit Aufgaben, die er selbst nicht ausführen kann bzw. womit er sich nicht im geringsten auskennt? Der komplette Bau hat mehr als 400000€ gekosten, davon gingen alleine knapp 70000€ an den Architekten / Generalplaner. Für diese Stange Geld erwarte ich, dass dieser mir sagt welche Gutachten vor Baubeginn erstellt werden müssen bzw. welche Dinge für das Vorhaben geprüft werden müssen. Ich lasse mich gerne für meine Ansicht korrigieren!
Anbei Fotos von unserem Wohnraum, insgesamt haben wir hier eine Deckenhöhe von 3,60m. Deshalb ist auch eine kontrolle auf eventuelle Späne relativ schwer, bis diese auf den Boden rieseln sind Sie weitläufig verteilt... Die weiteren Fotos zeigen die am schlimmsten befallenen Stellen. Wie man darauf erkennen kann, sind die Balken schon deutlich angenagt...
Danke nochmals für eure zahlreichen Antworten, einen schönen Abend zusammen!



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foto2



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Foto 3



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Foto 4



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Foto 5



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Foto 6



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Foto 7



Foto 6



ist da noch Rinde dran ?



Käfer?



Wurden denn Käfer gefunden? Die fliegen meist zwischen Mai und August. Die Balken wurden anscheinend lasiert? Fällt da vielleicht auch nur Spachtelmasse raus, wenn jetzt ordentlich geheizt und gekocht wurde?



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Es ist an wenigen Balken in den Randbereichen noch etwas Rinde dran. Aber wirklich nur ganz wenig...
Käfer wurden noch keine gesichtet und auch keine toten gefunden. Die Balken wurden mit Osmo Hartwachsöl nach der Reinigung der Balken gestrichen. Gespachtelt wurde an den Balken nicht, es wurde der "Ist-zustand" der Balken belassen...



hausbock und kein Ende


hausbock und kein Ende

Hallo zusammen,

ich möchte einen neuen Zwischenstand der bereits genannten Problematik melden....

Wir hatten zwischenzeitlich einen IHK-Sachverständigen für Holzschutz im Hause. Dieser hat den Befall durch Hausbock bestätigt. Leider konnte er mir keine genaue Auskunft für die Bekämpfung des Schädlings mitteilen.
Er ist gleichzeitig Eigentümer einer Schädlingsbekämpfungsfirma. Sein Vorschlag war, dass seine Mitarbeiter erst mal eine Befallsanalyse durchführen. Aufgrund dieser Grundlage würde er dann eine Strategie zur Bekämpfung festlegen. Kosten der Analyse alleine ca. 2000€...

Ich habe zwischenzeitlich einiges hier im Forum gelesen und hoffe auf ehrliche Meinungen zu meinen Gedanken:

Ich würde mich mit den entsprechenden Geräten zur Bohrlochinjektion ausstatten und diese dann mit Bohrsalzlösung selbst durchführen. Mein Statiker hat mir schon mitgeteilt dass es bzgl. der Statik keine Bedenken gibt die Balken im vorgegebenen Abstand / Muster anzubohren.
Des weiteren würde ich die definitiv befallenen Stellen (Fraßspuren, Fraßgeräusche...) zuerst Abbeilen und anschließend mit Wärme behandeln (Mikrowelle).
Meine größte Sorge ist allerdings, dass der Bodenaufbau vom Obergeschoss folgendermaßen ausschaut:
Zwischen die Balken wurden Dachlatten 30/50 angeschraubt mit einem Abstand von 25mm zur Oberkante Balken. Darauf wurden 25mm OSB-Platten eingelegt. Darauf dann über die ganze Fläche eine 8mm starke Spanplatte... Von der Unterseite sind Trockenbauplatten an die Dachlatten montiert. Der Zwischenraum ist mit Mineralwolle aufgefüllt.
Ist es denkbar dass die Viecher auch die Dachlatten anfressen? Ich habe ehrlich gesagt mega schiss, dass mir irgendwann trotz Behandlung die Decke oder sogar der komplette Boden herunter kracht!

Habt ihr evtl. weitere Ideen für die Behandlung?

Viele Grüsse
Frank



Mit der Bohrlochtränkung werden Sie nicht weit kommen



Siehe:
Bohrlochtränkung / Fachwerk.de-Webinar



Hausbock



Lieber Frank1986 - du hast ein Problem.
Aber wie bei allen Problemen gibt es die Möglichkeiten rumzupfuschen oder es gleich richtig zu machen.
Mein Tipp - wenn ein Gutachter direkt etwas verkaufen will - schick ihn zum Teufel.
Ich würde einfach mal Lutz Parisek anrufen und mit ihm zu den Möglichkeiten sprechen.
Auch der wird nicht kostenlos arbeiten aber wenn es einen gibt, der sich mit der Thematik auskennt und welche Möglichkeiten es nun gibt, dann er.

Viel Glück.



...



Vielen Dank für eure Antworten.
Ich habe mich an Herrn Parisek gewandt, er meldet sich die Tage bei mir.
Bin gespannt...



Das ist ja der Hammer



https://community.fachwerk.de/upload/opti/dachlatten-hausbock-balken-i26382_202121674651.jpg

Das letzte Bild ist ja der Hammer! Und das ist jetzt während der letzten Wochen so zerfressen worden?

Ich glaube, ich würde mir eine Rollrüstung in das Zimmer stellen und den Balken Freilegen und selbst untersuchen. Eventuell ist es auch besser den Balken teilweise oder vollständig heraus zu nehmen und zu tauschen. Vermutlich geht das von unten mit entsprechenden Abstützungen und Absägen der Nagelverbindungen etc.
Ich würde so weit gehen, bis überhaupt keine Frasstellen/-löcher mehr zu sehen sind.

Auf jeden Fall würde ich nicht noch lange warten.

Gutes Gelingen!



Hausbock ungleich Biber



Wenn der Hausbock in so kurzer Zeit solche Schäden anrichten könnte, würden wir nicht von Heißluftverfahren oder ähnlichem sprechen, sondern da kämen wohl er Schrotflinten oder Flammenwerfer in Frage. ;-)



ich habe mich gewundert



Auf den anderen Bildern konnte ich solche Fraßspuren nicht entdecken.
Auf jeden Fall sieht das absolut nicht gut aus und ich würde da nicht still sitzen können, wenn ich das in unserem Haus täglich vor der Nase hätte.



echt so schnell diese Fraßspuren in so kurzer Zeit ?



so sahen unsere ( vermeintlich "guten" ) Balken auch aus nachdem wir die Bürsten-Flex angesetzt hatten.
Allerdings war kein aktiver Befall mehr vorhanden. Da unsere Balken im Kern aber kein Stabilitätsproblem haben bleibts nach dem Bürsten jetzt so.




Hausbock-Webinar Auszug


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