Schädlingsbefall - Holz - Dachstuhl




Hallo,

eine Frage zum Zustand des Dachstuhls - würde mich sehr freuen, wenn jemand seine Meinung äußern könnte.
(wobei mir natürlich klar ist, dass Fendiagnose aufgrund eines Fotos nur vage Schätzung sein kann.)

Ich persönlcih finde nach meiner unfachmännischen Meinung, dass das Dach einen passablen Eindruck macht, zumindest einen trockenen. Allerdings konnte ich - siehe Foto - auf den Rundbalken Löcher und Fraßspuren entdecken. Ich kann den Schaden nicht einschätzen, kann nicht sagen, um welches Insekt es sich handelt, ob älterer Befall, oder noch aktiv oder ob es der Stabilität der Balken nicht weiter schadet etc... muss sicher auf jeden Fall einen Gutachter oder ähnliches vor Ort bestellen. Aber wenn jemand im Vorraus schonmal grob schätzen könnte, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Balken noch eine Weile erhalten bleiben können, oder ob eine Kompletterneuerung des Dachstuhls unvermeidbar wäre, wäre das hilfreich.

Vielen Dank!



Moin dreah,



haben wir bei uns auch an mehreren Ecken, solange nur der Splint befallen ist eigentlich kein Problem.

Bei Verdacht auf lebenden Befall alles absaugen, dunkles Papier, Pappe, Folie drunterlegen und beobachten. Sollte frisches Mehl auftauchen, der Sache nachgehen.

Du kannst es auch mal mit abklopfen probieren: Ein durchgefaultes/zerfressenes Holz "tönt" dumpfer, als ein kerngesundes.

Andere Variante ist noch mit einem spitzen Schraubenzieher oder Messer reinstechen. Je tiefer es reingeht desto kaputt.

Zur Sicherheit nochmal einen Zimmermann beiholen, der sich's live und in Farbe anschaut.

Gruss, Boris



Eine Kompletterneuerung



des Dachstuhls ist immer dann vermeidbar, wenn ausreichend tragfähige Substanz vorhanden ist und diese erhalten werden kann.
Ob ein Befall aktiv ist, erkennt man "in einer ruhigen Minute" an Fraßgeräuschen (nicht anklopfen!)
oder durch Abkleben eines Holzbereiches mit sehr dünnem Papier (hierbei muss man jedoch das Käferstadium der schlupfwilligen Insekten abwarten und das kann dauern)

Wie groß sind die Ausfluglöcher? 0,5 bis 1,5mm oder eher 1,5 bis 3mm oder...?

Durch Erschütterung bei Begang oder Autoverkehr vor dem Haus kann Fraßmehl aus den Löchern rieseln, ist also kein Aktivitätsnachweis.

ich untersuche auch in Nordhessen und Südniedersachsen

freundliche Grüße

Michael Ochsler
Sachverständiger für Holzschutz (EIPOS)



Sieht nach Hausbock aus.



Da der Schaden nicht so dramatisch ausschaut empfehle ich erstmal die vermulmten Bereiche abzubeilen (Folie auslegen).
So erhalten Sie sicheren Aufschluss über die Restquerschnitte und entfernen eventuell noch aktive Larven aus dem Holz.
Wenn die Schwächung des Holzes (Zimmermann/ Statiker fragen) die Standsicherheit des Tragwerks nicht beeinträchtigt kann man die Konstruktion so belassen und in den folgenden Jahren auf neue Ausfluglöcher überprüfen.

Die Chancen das Sie ohne neuen Dachstuhl und ohne chemischen Holzschutz auskommen stehen gut.

Grüße
Oliver Struve



danke



herzlichen dank soweit für die informativen antworten. das klingt ja erstmal nicht schlecht. habe noch ein weiteres foto eingestellt - so etwa sehen allerdings alle der rundhölzer aus. die Lattung hingegen scheint mir relativ einwandfrei, konnte zumindest auf die schnelle keine löcher erkennen.
frisches fraßmehl ebenso nirgends, auch nicht bei den großen balken. werde nach den genannten hinweisen selber nochmal genauer schauen und vorsichtshalber noch einen Zimmermann direkt vor ort hinzuziehen und dann bei hoffentlich grünem Licht das häuschen wohl auch kaufen. (es steht an der schönen ostsee)
vielen dank!



aus gutem Grund



wird Abbeilen nicht mehr praktiziert.

1. Kann es einen (unter Umständen unnötigen) Eingriff in die Tragkonstruktion darstellen.

2. sind Abbeilungen in den Kontaktstellen zweier Hölzer nicht durchführbar (und sollten auch unterlassen werden)
Beispiel Stütze- Stuhlrähm, Stuhlrähm- Kehlbalken, Sparren- Dachlatten

3. ist der optische Eindruck einer abgebeilten Holzkonstruktion verheerend

4. gibt es Alternativen ohne solche Eingriffe

"immer sachte!"

freundliche Grüße

mo





Herr Ochsler,

ich weiß nicht welcher Quelle Sie entnommen haben wollen dass das Abbeilen nicht mehr praktiziert wird, in jedem Fall ist diese Aussage falsch.

Ohne das Abbeilen sind Ermittlungen von Restquerschnitten erst gar nicht möglich.
Und wenn Sie keine (Rest)querschnitte haben können weder Sie noch ein Zimmerermeister oder ein Statiker errechnen ob das Tragwerk noch Standsicher ist und welche Teile gegebenenfalls verstärkt- oder ersetzt werden müssen.



Zu 1.
Wie kann es einen Eingriff in die Tragkonstruktion geben wenn lediglich nicht Tragfähige VERMULMTE Schichten entfernt werden?

Zu 2.
Genau die Kontaktstellen sind in der Regel Kernholz und das wird vom Hausbock eher weniger befallen und wenn doch muss es halt (je nach durch abbeilen sichtbar gewordener Schädigung) verstärkt- oder ersetzt werden.

Zu 3.
Der optische Eindruck muss in solchen Fällen hinten angestellt werden. Vermulmt und rieselndes Holz sieht so prall im übrigen auch nicht aus.

Zu 4.
Welche Alternativen gibt es denn???

Grüße
Oliver Struve



Da sind...



Fraßgänge inzwischen toter Bockkäferlarven zu sehen und wenige "Holzwurm" - Löcher.

Soweit es kein frisches Bohrmehl gibt, gibt es auch keinen Handlungsbedarf.

Grüße

Thomas



Bockkäfer - aber kein Hausbock



Zur Beruhigung: zu sehen ist der typische Platzfraß von Bockkäfern (z.B: Scheibenböcke) unter der Rinde, der lediglich bis in den ersten oder zweiten Jahrring vorgedrungen ist. Mit Abtrocknung des Holzes nach dem Einbau ist der Befall zum Erliegen gekommen.

Dann sind dort noch Ausschlupflöcher von wahrscheinlich Nagekäfern zu erkennen. Das könnte man mal untersuchen lassen bzw. langzeiltlich beobachten. Tipps hierzu wurden ja bereits gegeben. Anzeichen für Aktivität sind aber auf den Fotos nicht erkennbar.

@ABBEILEN: Bei Nagekäferbefall klares NEIN, da tatsächlich tragende Holzsubstanz zu stark geschädigt wird (Fraßaktivität im Splintholz zu stark verteilt) - bei Hausbock: klares JA, da Fraßaktivität zunächst nur auf die oberen Schichten beschränkt, damit die Mehrzahl der Larven bereits entfernt werden kann und das Fraßmehl bei nicht Entfernen das Holzschutzmittel wie ein Docht aufnehmen würde, so dass an die ungeschädigte Holzsubstanz fast keine Wirkstoffe gelangen könnten (Holzschutzmittel im Fraßmehl hat nur bei Kontaktinsektiziden einen geringen Einfluß auf den Befall).
Das vorstehend genannte bezieht sich natürlich nur auf den bekämpfenden chemischen Holzschutz.

Gruß
Boris Blenn