Haus von 1900 und die liebe Dämmung

27.09.2017 Ratzi



Hallo liebe Mitstreiter...

Wir haben uns ein Haus aus dem BJ um ca. 1900 gekauft, welches wir jetzt am sanieren sind.
Dach neu, Fußböden neu, Heizung neu.
Fußbodenheizung mit Gasbrennwerttherme, ich glaube Wärmepumpe wird nix (lass mich aber gerne Überzeugen)

Nun aber zur eigentlichen Frage: Wanddämmung...
Von Außen kommt nicht in Frage (50 cm Backsteinwand)
Muss ich überhaupt von Innen die Wände Dämmen? Und wenn, wie? (Multipor, Holzfaser Unger, oder Vorsatzschale mit Zellulose)

Achso, Ich heiße Christian, bin 34, Meine Freundin ist 29, und unsere Tochter 8. Wir sind aus der Nähe von 17194 Waren (Müritz)

Viele Grüße
Christian



Bei 50 cm Wandstärke



tippe ich mal, dass deine Wand zweischalig mit Hohlschicht ist + innenseitig noch eine Bimsschicht oder Heraklitplatten o.ö. besitzt. Dann brauchst du nicht zu dämmen.



Nö Nö



massiv 50 cm gemauert und dann Putz (innen)



Außen



Und hier von Außen.
Die alten Rundbögen sollen wieder hergestellt werden.
Was der Vorbesitzer da dem Haus angetan hat, geht gar nicht...



Ohoh



von dem Baujahr sieht man ja nicht mehr viel. Die tollen Hochkant-Segmentbogenfenster sind verschwunden zugunsten der in den 60'ern modischen liegenden Fenster. Das wieder herzustellen wäre eine tolle Sache.

Eine 50'er Wand kann man dämmen, muss man aber nicht. Die Dämmung wird KfW-gefördert, wenn man auf die Dämmung verzichten möchte, dafür gibt es gute Gründe, dann könnte die Förderung (teilweise) futsch sein. Die EnEv schreibt eine Dämmung vor, wenn man die Wand saniert, es sei denn man weist nach, dass der Dämmwert ohnehin schon hoch ist - bitte einen gescheiten Sachverständigen einschalten. Ich persönlich würde auf Dämmung verzichten und auf dichte Fenster und ein gedämmtes Dach setzen.



Dämmung



kommt ins Dach und unter die neuen Bodenplatten.
Ich würde am liebsten auch auf die Dämmung der Wände verzichten.
KFW und ENEV wissen nichts von der Renovierung ;-)



würde ich auch so



sehen. Diese Dämmvorschrift halte ich zudem für verfassungswidrig, denn sie widerspricht dem Eigentumsrecht, welches ausgehebelt wird, wenn ich gezwungen werde mein Eigentum gegen meinen Willen zu verändern. Von Gefahrenabwehr, öffentlichem Interesse oder allgemeiner Sicherheit kann man hier nicht sprechen. Auch der Grundsatz "Eigentum verpflichtet" greift hier nicht, die EneV ist hinsichtlich der Altbausanierung teilweise Grundgesetzwidrig. Es gab auch noch kein Gerichtsverfahren, weil jemand nicht gedämmt hat. Die Industrie versucht es stattdessen über den Hebel KfW-Förderung. Anreize, dass der Staat den Großteil der Dämmkosten bezahlt, gepaart mit dem Einsparversprechen und aggressiver Werbung ist das schon erfolgreich genug.



Sanierungskonzept



Viel ist von dem ursprünglichen Gebäude nicht mehr übriggeblieben.
Ehe Sie über Einzelmaßnahmen nachdenken sollten Sie erst einmal eine gründliche Bestandsaufnahme des aktuellen Zustandes vornehmen. Wenn Sie nicht wissen wie die Außenwand aufgebaut bzw. wie sie bereits gedämmt wurde ist ein Fabulieren über Dämmung Nonsens.



Fassade



Hallo,
Was da Außen dran ist sind 6 cm Styropor und irgendwelche Faserzementplatten. Spielt aber keine Rolle, kommt weg.
Wandaufbau hatte ich oben schon geschrieben: 50 cm Ziegel und Innenputz.

Auf dem Bild ist die andere Haushälfte, so soll unsere auch wieder aussehen...



Innendämmung



Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen:
Ich glaube schlichtweg nicht das ein eingeschossiges Haus 50 cm starke Ziegelwände hat; wenn dann wurde hier ein vorhandenes mehrgeschpossiges Gebäude heruntergebaut.
Wenn Sie wissen wollen wie bzw. nach welchen Grundsätzen Innendämmung geplant und materialtechnisch ausgewählt wird:
Das steht in den WTA- Merkblättern, insbesondere im Blatt 6-4 und im Blatt 6-5.
Mehr kann man dazu leider nicht sagen weil die Ausgangslage zu dürftig ist.
Grundsätzlich gibt es mehrere Wirkprinzipien nach denen man eine Innendämmung aufbauen kann:
diffusionsoffen mit kapillaraktiver Rücktrocknung
diffusionsbremsend
diffusionsdicht.
Welches Prinzip und welcher Aufbau ist wie gesagt nur anhand der materialtechnischen Kenndaten, der Klimadaten vor Ort und der zukünftigen Nutzung in Verbindung mit wirtschaftlichen Überlegungen ermittelbar.
Sie können natürlich auch nach Gefühl eine Auswahl treffen.
Das funktioniert sicher auch; wird aber das optimale Ergebnis nur zufällig ergeben.



Gebäudesanierung und -dämmung



Wie schon bemerkt wurde:
Zuerst den gesamten Wandaufbau feststellen-
50 cm massive Ziegelwand bei einem eingeschossigen Bau wäre verwunderlich.
Der Wandaufbau läßt sich leicht mit einem Kernbohrer/Hohlbohrer und Endoskop feststellen- die gibt's für unter 50,-€, für den Zweck genügt'.

Bohren zB mit 12 mm Bohrer in die Ziegelfugen von außen oder mit Hohlbohrer von innen bis max zum äußeren Ziegel.

Sollte doch eine Luftschichten vorhanden sein kann diese zB mit Perlite gedämmt werden.
Innendämmung kann ggf mit Mineralschaum- oder Holzfaserplatten erfolgen.
Boden- und Dachdämmung sind ohnehin sinnvoll.

Der mögliche Dämmstandard und Heizenergiebedarf bedingt dann die Möglichkeiten des Heizsystems.
Effektive Niedertemperatur-/Brennwertkessel und Wärmepumpen setzen gute Dämmung bzw niedrige Vorlauftemperaturen voraus.

Ich würde voraussichtlich Wandheizung mit Innendämmung wählen.
Fußbodendämmung hängt von den Gegebenheiten ab. Ebenso die Dachdämmung.

Die an der Rückseite sichtbaren Ziegel-Gesimse sind an der gedämmten Fassade sicher abgeschlagen worden und müßten ggf wieder hergestellt werden-viel Aufwand. Ebenso das Entfernen des EPS-Ansetzmörtels.

Wie gesagt-
Zuerst genauen Bestand feststellen
U-Werte vom Bestand berechnen
Dämmmöglichkeiten ermitteln
Dämmstandard in Abhängigkeit vom Heizsystem festlegen
und Wärmebedarfsrechnung nach Dämmung kalkulieren-

davon hängt die Leistung des Kessels und die benötigte Heizleistung für jeden Raum ab.

Die Auswahl neuer Fenster muß ebenfalls berücksichtigt werden.
Wärmebrücken vermeiden, zB beim Fensterbankeinbau.

Andreas Teich



Sollte es tatsächlich....



....eine massive 50ger Ziegelwand sein, brauchen sie in keinster weise über eine Dämmung innen oder außen nachzudenken.
Auf die innenseitigen Außenwände eine Wandheizung verlegt und dann mit Lehm zweilagig verputzt.





Guten Morgen,
Ich bekomme ende nächter Woche eine Rüstung. Dann kommt die Verkleidung runter und dann werde ich noch an 2-3 Stellen die Mauer anbohren. Vielleicht habe ich ja beim erten mal ne scheiß Stelle erwischt.
Aber der Nachbar meinte auch das es Massiv ist.

LG
Christian



Sanierungskonzept



Bei der Gelegenheit können Sie auch gleich den aktuellen Fußbodenaufbau überprüfen.
"Dämmung ...unter die neuen Bodenplatten."
Auch so etwas kann sich als unüberlegter Schnellschuß erweisen.
Ihr Vorgänger hat sich sicher bereits als Betonbauer geoutet und unnötig dicke Betonplatten eingebaut. Den Fehler brauchen Sie nicht zu wiederholen und schon gar nicht den, unter die Tiefbauer zu gehen um die Dämmlage unnötigerweise unter so eine Betonplatte zu bringen.
Das DG ist mit Sicherheit ebenfalls schon gedämmt.
Bedenken Sie eines:
Das was Sie jetzt abreißen haben Sie mit Ihrem Geld beim Hauskauf bezahlt.



Genau



wenn das Dach dicht ist und sogar gedämmt, warum soll das dann neu?





Dach ist undicht, Unterspannbahn kaputt. Dämmung war nass, ist schon alles ensorgt.
Fussboden oben ist Holzbalkendecke und unten siehe Bild