Haus aus Granitstein bauen Schnapsidee??

23.06.2014 Herr jakobe



Hallo liebe Community,

ich habe die Idee ein Haus aus Granit zu bauen (foto im Anhang) und moechte erst einmal infos sammeln.
1.ist eine solche idee Realistisch? oder nur spinnerei?
2.Ich wohne in Brasilien und der Granit ist ziemlich billig.
habe mal eine Rechnung aufgemacht Haus 10 x 10 meter
Grundflaeche. Mauerdicke 80 cm 3 meter hoch.
Meine rechnung 10x3x0,8= 24 m3 x 4(da ja 4 Waende= 96 m3
1 m3 Granit ca. 2,8 tonnen 96x 2,8 tonnen = 268 tonnen
Granitstein.
1 Tonne Gestein kostet mich 15 Euro frei Haus.
Was bedeutet 270x15=4015 Euro kostet das ganze gestein
(natuerlich Fenster, tueren nicht rausgerechnet.
Dei jahresdurschnittstemperatur betraegt 21,5 Grad also kein
Frost. Es gibt hier kein Trasszement (nur Portlandzement)
Da ich erst einmal infos sammele und ich kein Spezialist bin
(aber Bauerfahrung habe) Wollte ich mich mal ein wenig schlau machen.
Ist das ganze vorhaben nur eine Schnapsidee? ( in Norddeutschland habe
ich Haeuser aus Bruchstein gesehen, also warum sollte man ein
Haus nicht auch aus Granit bauen koennen?)
Welche dinge sind nach euerer meinung zu beachten.
Grüsse Jakob



Granithaus



Hallo Jakob,

Hier bei uns gibts auch massenhaft Granit, wir haben bis ca 5 to Felsen auf dem Grundstück bewegen müssen, jedoch nur für Trockenmauern.
Grundsätzlich ist Granit natürlich fein als Baustoff, super Speicherfähigkeit, stabil etc.
Kommt nur drauf an, wie die bearbeitet sind bzw in welcher Form und Größe die den Steinbruch verlassen.
Das Mauern wäre natürlich wesentlich einfacher, wenn die zumindest 2-seitig bearbeitet oder flach wären.
Vermauern kannst du natürlich auch mit Lehm, dann muß man aber mauern können, sodass der Lehm eigentlich nur die Hohlräume füllt, aber nicht die Stabilität gibt-die muß vom Mauerverband her kommen.
Dafür ist Lehm flexibler, baubiologisch besser,unbegrenzt lange verarbeitbar und kostet meist nichts und viel besser zu verarbeiten.
Ggf nur die ersten Lagen mit Zementmörtel bzw Beton verlegen.
Ich würde dabei natürlich auf einen genügend großen Dachüberstand achten.
Hauptfrage wäre, wie du die Steine bewegen willst- am besten wäre natürlich ein Bagger/Greifer mit Rotator, sodass du die Steine in die richtige Position drehen kannst.
Wenn es eine Erdbebenregion ist natürlich besonders sorgfältig arbeiten-in den Ecken und bei Öffnungen größere rechteckige Steine nehmen.
Am besten sehen, wie es traditionell gemacht wurde.

Zur Durchschnittstemperatur:
die ist natürlich nicht so entscheidend wie die jeweiligen Extremtemperaturen, sowie Dauer, Verteilung etc
Wäre jedenfalls ein interessantes Projekt



Soweit ich weiß



ist Granit einer der Steine, die die höchste natürliche Radioaktivität haben. Deshalb würde ich diese Steine nicht exzessiv einsetzen.
Ralph Schneidewind



Stimmt



Granit ist eine natürliche Radonquelle.

Ansonsten erinnere ich daran, dass Georg Böttcher mal einen Auszug aus einem Maurerhandbuch von ca. 1910 veröffentlicht hat. Der besagt sinngemäß, dass Granit wenn überhaupt nur(!) mit Zementmörtel zu vermauern ist.

Rein von der Bautechnik her würde ich annehmen, dass die größeren Schwierigkeiten und Kosten nicht beim Material anfallen, sondern bei der Arbeit und darin, überhaupt Menschen zu finden, die diese Techniken beherrschen. Mauern mit Bruchstein ist ja nun nicht mehr ganz alltäglich.



Granit



In einem Land wie Brasilien ist das Vorhaben von der Bauphysik her machbar. Das Material ist nicht das Problem sondern die Verarbeitung. Eine zweischalige Bruchsteinwand kann nur mit Zement- oder Kalkzementmörtel gesetzt werden, Lehm geht nicht. Sie brauchen dafür Maurer die sich damit auskennen. Fenster- und Türgewände müssen entweder mit Werkstein bzw. Ziegelstein gemauert oder betoniert werden. Auf die Mauern gehört unbedingt ein Ringbalken aus Beton wenn keine Stahlbetondecke draufkommt (die hat einen Ringanker). Die Decke empfehle ich ihnen in Massivbauweise auszuführen, sonst ist der Effekt der massiven Wände bezüglich solarer Erwärmung verpufft. Bei entsprechendem Grundriss können die Decken auch als Gewölbe ausgeführt werden, dann aber in Ziegelstein.
Man kann die Wände auch einschalig mit ca. 30 cm Dicke in Werkstein ausführen. Dafür brauchen Sie Steinmetze oder Leute die Granit bearbeiten können.



Auf jeden Fall...



sollten die gesamten Rohbaukosten betrachtet werden. Das billige Material ist nur mit einem größeren Mehraufwand an Teit und Zement zu verarbeiten.

Grüße

Thomas



Warum sollte



der Wandaufbau zweischalig gemauert werden und warum kann nur mit Zement- oder Kalkzementmörtel gemauert werden?

Wie kann da meine Bruchsteinwand von 1679 halten die nur mit Kalkmörtel gemauert ist?

Das Material ist schwer und passt in die Temperaturzone! Die mögliche Radioaktivität würde ich prüfen.

Grüße aus Koblenz
Gerd



Bruchstein



Da fallen mir sofort Fragen ein:
Ist das auch Bruchsteinmauerwerk?
Die Qualität der Ausführung spielt eine entscheidende Rolle im Hinblick auf die Festigkeit.
Ist das auch das was Sie unter Kalkmörtel- nämlich Luftkalkmörtel- verstehen? Hydraulische Mörtel gab es auch schon vor der Erfindung des Portlandzementes. Gerade an der Mosel gibt es eine lange Tradition seit den Zeiten des römischen Reiches was die Gewinnung und Verarbeitung von Naturzement betrifft, den Eifeltrass. Ohne importierten Trass wäre Holland nie zu einer Seefahrer- und Wasserbaunation aufgestiegen.

Ein nach den Regeln der Handwerkskunst gesetztes Mauerwerk aus exakt bearbeiteten Werksteinen und dünnen, parallelen Fugen funktioniert auch mit weichem Mörtel, der übernimmt die Funktion der Lastverteilung in der Fuge. Im Prinzip funktioniert so eine Mauer auch ohne Mörtel wenn die Verbandsregeln eingehalten, die Steine schwer und die Lager- und Stoßflächen parallel genug sind; die Inkas haben das bewiesen.
Das aber bitte nicht mit dem regellosen Klamottenmauerwerk verwechseln das heute allgemein als Bruchsteinmauerwerk herhalten muß. Hier muß der Mörtel in viel zu dicken Fugen die tragende Funktion sichern und Druck- sowie Scherspannungen aufnehmen. Das geht nur mit hydraulischem Mörtel.
Bruchsteinmauerwerk als freistehende Mauer ist IMMER! zweischalig, es sei denn ich setze es gegen eine Baugrubenwand.



Wie



funktioniert das bei den toskanischen Bauernhäusern? Die sind aus sehr unregelmäßigen Steinen mit relativ weichem Mörtel gemauert. Spätestens wenn das Dach Löcher hat stürzen die dann auch meistens ein.



Ich



habe mit zweischaligem Mauerwerk verstanden, dass innen eine Luftschicht ist! Jetzt weiß ich es besser!

Natürlich wurde hier teilweise Trass als hydraulisches Bindemittel eingesetzt. Ich habe auch schon Bruchsteinwände gesehen die mit Sumpfkalkmörtel vermauert waren.

Grüße



Decke



Hallo zusammen,
erst einmal möchte ich mich für die vielen guten Antworten bedanken.das ist hier ja voll super.
Zur decke habe ich die idee eine Holzdecke zu bauen. wie auf dem foto nur moechte ich die Balken in die Wände einlassen. brauche ich dann trotzdem ein ringfundament?
..Hallo Andreas grose Temperaturunterschiede habe ich hier nicht vieleicht tag nacht schwankungen von 7-10 grad. die Steine sind 25 bis 35 cm gross.An einem Dachueberstand habe ich auch schon nachgedacht (soll ein verlaengertes dach werden welches in Terasse uebergeht)
Zum Fachpersonal: das haben hier natuerlick einige gut gesehen, das kann man sich hier in Brasilien abschminken. ich habe mir vorgestellt alles selber zu machen und mich von Fachleuten (Altgesellen und Maurermeister) , die diese arbeiten noch beherschen, anlehrnen zu lassen.



Bruchsteinwand



Die Steingröße ist in Ordnung. Die sollten mindestens eine gerade, ebene Fläche als Wandebene haben, besser zwei im 90°- Winkel (eine in der Wandebene, eine als Lagerfuge). Warum massives Dach? Die Lufttemperatur mag kaum variieren, aber Sonneneinstrahlung auf ein leichtes Blechdach verwandelt die Räume darunter tagsüber in eine Sauna. Massive Decken puffern Hitzespitzen ab. Ein funktionierendes Dach gehört natürlich trotzdem drauf.
Was die Toscana und die gute alte Zeit betrifft:
Man sollte immer von den konkreten klimatischen Bedingungen ausgehen, Frost-Tauwechsel wie in Deutschland findet man dort kaum. In den Ebenen und in der Crete wurde mit Ziegeln gebaut, in den Bergen wie im Chianti oder im Rufina mit Naturstein. Der war entweder als Quadermauerwerk sauber verarbeitet oder bei Bruchsteinmauerwerk verputzt. Verwendet wurde in der Regel hydraulischer Mörtel.



Warum Massives Dach?



ja das kenne ich hier.
Viele Daecher sind aus Etanit, das kann man vergessen dann hat man einen Backofe. Ich habe mir ein Satteldach vorgestell mit Dachterass.Wenn ich die steine mit einem oder 2 eben flaechen habe bedeutet das die muessen maschinel bearbeitet werden das macht dann allerdings das vorhaben wieder teuer.
Wollte ich wenn moeglich vermeiden.(die ganzen Steine kann man ja schlecht selber schneiden)



Granithaus



Hallo jakobe,

falls es genug Lehm bei dir gibt, wäre es doch auch eine Möglichkeit, ein Lehmhaus zu bauen und das dann ggf. außen oder auch innen mit Granit zu verkleiden.
Wäre bautechnisch wesentlich leichter, hat auch den Vorteil der Wärmespeicherung durch schweren Baustoff, ökologisch etc
und Mithilfe beim Bauen zu bekommen wäre auch viel leichter.
Gruß von Andreas



Na,



eine Wärmespeicherung wird eher unerwünscht sein. Wielange der Lehm braucht, um bei den Luftfeuchten vor Ort zu trocknen steht in den Sternen. Die Trocknung wird auch nicht gerade durch die Kombination mit Granit verbessert.

Das dürfte denn kein Baustoff für dieses Projekt sein.

Grüße

Thomas



Granithaus



Lehmputz innen kann ich mir vorstellen; ob der wärmetechnisch was bringt glaube ich nicht.
Ein Satteldach oben drauf geht gut, das ergibt dann einen Dachboden oberhalb der Decke. Am Tage heiß- aber als Lagerraum brauchbar, vor allem wenn es was zu trocknen gibt. Naturstein wird seit tausenden von Jahren als Mauerstein eingesetzt, auch ohne maschinelle Bearbeitung. Granit läßt sich per Hand sehr gut spalten und behauen. Ein ordentlicher Maurerhammer und bei Bedarf ein Fäustel und gute Meißel reichen dafür. Die Inkas haben das ohne Werkzeugstahl, Diamantsäge und hydraulischer Spaltbank auch hingekriegt.



Lehm



lehm ist glaube ich keine gute idee (75 % Luftfeuchtigkeit).
ich stelle mir vor alles natuerlich/rustikal zu belassen.denke sieht ganz gut aus.werde mir aber erst einmal die technik aneignen muessen, da ich das Mauern selber uebernemen muss.(fehlenses Fachpersonal)
Also liebe Leute ich moechte mich an dieser stelle herzlichtst bedanken fuer euere guten tipps.
Gruss
Jakob