Hanfbeton - Beton de Chanvre - Hempcrete

19.07.2018 Mario Portmann



Guten Tag

Tatsächlich gibt es noch Themen, zu denen sich im Archiv wenig findet. Gibt es in hier im Forum Experten, die sich bereits damit beschäftigt haben?

Das Verfahren ist in Frankreich erfunden worden und findet im angelsächsischen Raum immer mehr Freunde.

Hanfbeton besteht aus Hanffasern und Kalkmischungen. Hanfbeton wird es genannt, weil die Eigenschaften des Materials denen normalen Betons ähneln, bzw. sie übertreffen sollen. Ein sechstel des Gewichts, dabei grössere Festigkeit und biegsamer als Beton. Natürliche Zutaten, keine Bauchemie drin. Guter Dämmwert (bei 30 cm Mauern aus Hanfbeton soll praktisch keine Heizung mehr notwendig sein). Sehr gutes Wärmespeichervermögen.

Hier ein kurzer Bericht aus England:
https://www.youtube.com/watch?v=3o9vZ_HEHWo

In Deutschland scheint es eine oder zwei Firmen zu geben, die ähnliches anbieten. Ansonsten habe ich zum Thema bislang nichts gefunden. Angesichts der Eigenschaften, welche Hanfbeton zugeschrieben werden, müsste es doch die Selbstbauer und Naturstoffliebhaber elektrisieren.

Mich interessiert insbesondere die Frage, ob das Verfahren schon im Innendämmungsbereich ausprobiert wurde, bzw. ganz allgemein, welche Erfahrungen und Einschätzungen es in der Community dazu gibt.

Grüsse, Mario



Ich weiß ganz genau



wer sich gleich hier meldet, hehe...



Eieiei



...ab diesem Punkt war es dann mit jedweder Glaubwürdigkeit vorbei:

Guter Dämmwert (bei 30 cm Mauern aus Hanfbeton soll praktisch keine Heizung mehr notwendig sein).



Proof of Concept



Die Behauptung stammt nicht von mir... Guck dir den YouTube-Link an. Eine englische Fernsehsendung berichtet über die Hemp-Lime-Bautechnik. Der Architekt Prof. Tom Woolley, der in dem Bericht ein Versuchshaus in dieser Technik baut, berichtet darin: "... that there ist almost zero energy required within the building to keep it warm."

Auch das grosse Lagerhaus der Brauerei in dem Bericht soll keine wesentliche Heizungsenergie verbrauchen.

Prof. Tom Woolley scheint ein seriöser Architekt zu sein:
http://www.bevanarchitects.com/practice/team/tomwoolley/

Klingt phantastisch. Kennt sich einer aus damit?





In Südfrankreich kann das mit der Heizung schon stimmen, da hast du bestenfalls mal nachts knappe einstellige Außentemperaturen.



Nordirland



Das Versuchshaus von Woolley steht in Nordirland. Natürlich wird es auch beheizt, davon gehe ich aus. Was interessant ist, ist das Gesamtpaket an Eigenschaften, von denen berichtet wird: Dichte, Stabilität, relativ leicht, Wärmespeicherkapazität, guter U-Wert, diffusionsoffen und schallisolierend.

In Virginia wurde offenbar eines der ersten Passivhäuser der USA mit Hempcrete gebaut.

Ist der Baustoff, bzw die Mischung Hanf und Kalke für die genannte Verwendung in Deutschland zugelassen?



Nunja



Ich sagte nicht, dass Du das sagtest, aber aus dem Zusammenhang heraus klingt das einfach unseriös.

Ich kenne nun Brauereien und deren Verfahrensabwärme nicht, aber es gibt auch hierzulande unbeheizte Lagerhallen. Mein früherer Chef hat auch immer gesagt, das neue Lager ist so gut gedämmt, da braucht man nicht heizen...Schwachsinn...wenn es innen warm werden soll, dann muss geheizt werden - oder das Lager gleicht sich den Außentemperaturen an...die Dämmung verlangsamt das! Und das Ende vom Lied war eine nachgerüstete Heizung, weil das Lager im Winter arschkalt war.

Wenn der Hanfbeton eine hohe Dichte und damit auch eine hohe Wärmespeicherfähigkeit hat, kann er kaum einen soooo tollen Dämmwert haben...das beißt sich in der Regel.

Es mag ein interessanter Baustoff sein, aber zaubern wird auch er nicht können



Ja wir haben Erfahrungen damit,



sowohl mit Kalk und Lehm und oder Miscantus als Innendämmung.

Grüße aus Koblenz



Info's darüber....



...kenne ich auch bereits seit einigen Jahren und weiß, dass es in Frankreich bereits wesentlich mehr damit läuft, als in dem Baukonzerne diktierten Deutschland.
Erfahren habe ich davon bei der Firma Hessler Kalkwerke und einem Partnerkollegen, Herrn Norbert Höpfer, der viele Versuche und auch Projekte mit diesem Material und Grenoblezement gemacht hat.

Am besten wäre es, sich mal mit denen in Verbindung zu setzen.

https://www.hessler-kalkwerk.de/

https://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/community/a/showMitglied/5410$.cfm





Ja, der Norbert dürfte ein kompetenter Ansprechpartner sein. Der gibt auch Seminare wo er auch in solchen Techniken unterweist. Wie Udo schon sagt, sollte man sich nicht davon abschrecken lassen, dass die Technik hier weitgehend unbekannt ist. Die Materialien werden bauseitig gemischt und mit viel Handarbeit verarbeitet, da kann die Industrie nichts daran verdienen.

Wirklich interessant ist die Morphologie dieser verholzen Pflanzenteile von Hanf oder auch Chinaschilf (Miscanthus), diese besteht ja zu einem großen Anteil aus Siliziumoxid was dann wiederum die Verbindung mit "Zement" logisch erscheinen lässt.

Diese schwammartigen Mikro-Strukturen können zu Kohle umgewandelt, zusammen mit Elektrolyten zukünftig vielleicht gar zur chemischen Speicherung von Elektrizität benutz werden.

Auch Holzbeton zement- oder manesitgebunden stellen so interessante Baustoffe dar, die durchaus schon in der Vergangenheit mehr Bedeutung am Bau hatten.

Es gibt im Internet eine mehrseitiges pdf, "Lösungen aus Hanf" da sind Anwendungsfälle und Richtrezepturen dokumentiert.



Hanfbeton



Hallo,
eigentlich ist es traurig , dass ihr soviel über Hanfbeton erzählt ... aber ich habe den Eindruck, dass niemand von Euch Experte ist aber manche tun leider so als ob ...
Warum schreibt Ihr den Prof Dr Wooley nicht einfach an um ihm ganz konkrete Fragen zu stellen ?
Ihr könnt auch mal auf die franz.Webseite schauen ( http://vegetal-e.com/fr/chanvre_55.html ), da steht auch schon sehr viel drin, denn tatsächlich waren die Franzosen die ersten die Renovieurungen und Konstruktionen mit dem Hanfgemisch herstellten.
Weiterhin viel Spass beim Entdecken :-)



Material



Ich kenne aus meinem Heimatdorf Steine, die wohl aus Stroh, Bims und einem Bindemittel(?) lokal produziert wurden. Eigentlich keine große Sache. Aber die Steine waren relativ leicht, und damit bestimmt auch gut für die Isolierung. Nur so weit ich weiß hat sich nie jemand Gedanken darüber gemacht. Als mehr Geld da war wurde das Material aus dem Steinbruch zu Hohlblocksteinen verarbeitet. Das alte Material kann man heute vor allem in Abbruchhäusern finden.

Da gibt es bestimmt lokal noch viele andere Baustoffe die über die Zeit verwendet wurden. Historisch finde ich das interessant, aber daraus eine Philosophie abzuleiten. Ich denke dass bei Hanfbeton der Name etwas irreführend ist. Ein Isolierstein, der statisch wenig belastbar ist wird als Beton bezeichnet. Die Zielgruppe in Deutschland aus der Öko-Ecke wird bei Beton erst einmal die Nase rümpfen.



Hanfbeton



"Beton" ist der Oberbegriff für eine Mischung aus mineralischem oder pflanzlichem Granulat mit einem Bindemittel.
Der Begriff Hanfbeton ist also hier sehr richtig verwendet.
Der Begriff Beton wurde von den Zementherstellern damals als genereller Begriff verbreitet und heute weiss kaum noch jemand, dass es lediglich der Begriff für eine mischung ist : Zement+Bindemittel = Zementbeton,
Hanf+Bindemittel = Hanfbeton, etc.