Fachwerkhaus wieder zurecht machen! Balken weggeknickt und abgesackt!

26.03.2013 Björn



Hallo Fachwerk.de Community,
ich habe vor kurzem ein Fachwerkhaus geschenkt bekommen, welches ich sehr gerne erhalten möchte, da auch einige Erinnerungen darin stecken.
Ich habe ein Bild in den Anhang geladen, wo man die Baustellen sieht, die mir am meisten Sorge bereiten.
Ich bin neu hier und hoffe, das ich hier ein paar hilfreiche Tipps bekomme, was ich machen könnte.

1. An der Außenwand ist ein Balken nach Außen weggeknickt, was kann man da tun? Ein bekannter meinte, den oberen Balken mit 2 Baustützen hoch drücken und einen neuen Balken einsetzen. Ist das nicht gefährlich wenn man das hoch drückt?

2. In der unteren Etage ist der Fußboden stark eingesackt, die Ursache scheint im darunter liegenden Keller (ca. 1m hoch und wurde früher als Rübenkeller genutzt) zu liegen, dort scheint ein Stützbalken auf einer Mauer aufzuliegen und ist seitlich weggeknickt. Auch dort wurde mir geraten, das ganze mit einer Art großem Wagenheber hoch zu heben und neu Abzustützen. Und da das Haus im Hochwassergebiet steht und alle paar Jahre mal Wasser in dem Keller steht, wurde mir vorgeschlagen, um mehr Stabilität und einen festen Fußboden zu bekommen, den Keller mit Kies, Bauschutt usw. dreiviertel voll zu schütten und den Rest dann mit Beton aufzufüllen. Aber von anderer Seite wurde mir gesagt, das dann die Feuchtigkeit z.B. Grundwasser nach oben Steigt. Was wäre die beste Lösung? Übrigens ist der Bereich mit dem Keller nur eine hälfte das Hauses, da wo auf dem Bild die kleine Tür zu sehen ist, die andere ist fest gemauert mit großen Steinen (vermutlich Sandstein).



Sorry



Als erstes würde ich die Bekannten und die Ratschläger vom Hof jagen!

Herzlichen Glückwunsch,schicke Hütte!

Grüße Martin



Glückwunsch



Aber bitte bloß niemanden vom Hof jagen. Du wirst noch sehr viele helfende Hände brauchen.
Und jede Infermation ist hilfreich, auch wenn sie falsch ist. Du msst es ja nicht so machen, es hilft dir aber zu verstehen warum was gemacht wird.
Der Zeitpunkt ist auch gewählt sich sowas schenken zu lassen. Es soll ja jetzt Frühling werden.

Wichtig: Bevor du jetzt drauf los schuftest. Kopf einschalten.
Lass dich beraten. Manches wird was kosten ist aber oft sinnvoll angelegtes Geld.
Wenn du zeit hast lese viel hier und leih dir Bücher aus.
Fang an die Sachen zu untersuchen (erst mal mit dem Auge) mach dir Zeichnungen, Bilder etc.
Erst mal eine Bestandsaufnahme.

Dann solltest du dir ein Konzept erstellen (lassen) welches Detaillösungen nicht ausklammern darf.

Handwerker einladen, Kostenvoranschläge erstellen lassen, über Eigenleistungen reden.
Dann aber nicht verunsichern lassen, wenn manche Handwerker es evtl. anders machen würden.
Manche Handwerker haben Hospitalisierungserscheinungen (haben wir schon immer so gemacht, ..... etc) Mag ja sein, aber muss es deswegen dir ins Haus passen?

Aber vieleicht ist es innen drinnen ja auch komplett bewohnbar und du willst es erst mal so lassen? Dann telefonier mit einem Zimmermann und erklär ihm die Situation, er wird vorbei kommen und dir sagen was er vorschlägt. Sei schlau und frag ihn gleich nach alternativen Mglichkeiten und auch warum er es so oder so machen würde. Du kannst nur lernen.


So konkretes konnte ich dir leider nicht sagen.
Aber wirst du bestimmt auch noch hier hören.
Evtl. die "Problemzonen" detailierter bebildern und beschreiben. Ausgangssituation und auch was du wie haben willst.
Dann fält es leichter nach Lösungen zu suchen.

Grüße



Sehr hübsch



Das ist ja ein sehr nettes Haus. Allerdings besteht da doch ein recht hoher Reparatur/Sanierungsstau, so wie es aussieht. Der Zimmerer (und danach der Lehmbauer) muss da auf jeden Fall dran. Und vermutlich wird man da in absehbarer Zeit auch noch so einiges mehr machen müssen. Wie sieht es denn mit Elektro/Wasser/Heizung aus? Fenster?

Es hängt jetzt davon ab, was du mit dem Haus vorhast und wieviel Geld du da reinstecken willst/kannst. Zumindest einen Zimmerer, der Erfahrung mit Fachwerk hat, würde ich da möglichst schnell draufschauen lassen.

Idealerweise hätte da VOR der Schenkung ein Sachverständiger einmal draufgeschaut und dir gesagt, was alles gemacht werden muss und was das vermutlich kosten wird. Einem geschenkten Haus würde ich definitiv ins Maul schauen wollen. Aber auch wenn das Haus jetzt schon deins ist macht das immer noch Sinn, als Laie sieht man einfach vieles nicht.

Lass dir eine Aufstellung machen, was alles getan werden muss, und was erst noch einmal warten kann. Man kann vieles selber machen, Balken im Fachwerk tauschen gehört allerdings nicht unbedingt dazu. Ganz besonders, wenn das schon abgesackt ist. An der Stelle würde ich auch auf keinen Fall das Gefach entfernen.

Ich wünsche auf jeden fall noch viel Spaß mit dem Haus.

Tina



Fachwerkhaus



Handwerker einladen, Kostananschlag erstellen lassen..
Was soll Björn damit anfangen? Vergleichen kann er die Angebote nicht es sei denn es sind sehr einfache, überschaubare Arbeiten.

Viele Grüße



von Anfang an …



erst mal schauen, was Sache ist …

Anamnese … Diagnose … Therapie

die Therapie ist dann das fertige Konzept, das möglichst alle Fakten mit einschliesst und einen Überblick verschafft, was alles und zu welcher Zeit gemacht werden soll, kann oder muss …

… einfach Handwerker fragen, was zu tun ist, ist Leichtsinn oder Lottospielen …

… frag einen Metzger, was du kaufen sollst … der sagt: Fleisch …
… frag einen Gemüsehändler, was du kaufen sollst … der sagt: Gemüse …
… frag einen Bäcker, was du kaufen sollst … der sagt: Brot …

ein guter Berater muss erst wissen was alles kaputt ist und woher die Schäden kommen und was am Ende dastehen soll …

Florian Kurz



Einem geschenkten Gaul ...



... schaut man nicht ins Maul; einem geschenkten Haus sollte man doch etwas genauer auf die Substanz schauen, wenn sich deutliche Schäden zeigen.

Wie bereits gesagt, halte auch ich eine Inaugenscheinnahme durch jemanden, der sich mit historischer Bausubstanz bestens auskennt, für dringend angeraten. - Handwerker sollten erst zum Einsatz kommen, wenn klar ist, woran das Gebäude "krankt" und wie die "Heilung" erfolgen soll.

Auf unserer Website haben wir unter der Rubrik "Bauberatung" einen Beitrag "Bauschäden - Analyse als Voraussetzung für sinnvolles Handeln" eingestellt, in dem anhand eines realen Beispiels aufgezeigt wird, wie Ursachenforschung betrieben werden und was sie alles zu Tage fördern kann.
Über unser unten stehendes Profil gelangt man - wenn man möchte - direkt auf unsere Website.

Ansonsten können wir natürlich auch anbieten, uns der Schadensanalyse anzunehmen.
Wäre im Übrigen ein schöner Anlass, mal wieder nach Morschen zu kommen, wo ein Teil meiner Familie gewohnt hat und ich als Kind gern zu Besuch gewesen bin.

Viele Grüße

i. V. Dirk Meisinger



Hallo Björn,



Glückwunsch zu diesem Schmuckstück...gebrochene Stützen sind nix, was man nicht reparieren könnte...beim Keller sieht es schon etwas schwieriger aus...aber auch da wird sich eine Lösung realisieren lassen.
Ich schließe mich meinen Vorrednern im Grundsatz an...da reicht es nicht, einen Zimmermann oder nen Maurer zu fragen...da muß ein Gesamtkonzept her...zumindest die Statik des Hauses sollte überprüft werden, weil der Stockwerksrähm ebenfalls mit abgesackt ist. Ich kenne genügend Fachwerkhäuser, bei denen der Rähm dann so durchgebogen gelassen wurde, d.h. gar nicht erst versucht wurde, daß Stockwerk wieder im Ganzen zu heben, sondern der Rähm lediglich auf der momentanen Höhe gestützt wurde.

Aber ein Gesamtkonzept muß her...und da können bei einem Vororttermin durchaus Architekt, Statiker und Handwerker aufeinandertreffen und ihre Meinungen dazu austauschen.

Wünsch Dir viel Erfolg und nochmals Glückwunsch...

Gruß Andreas



Sanierungskonzept



Hallo Björn,

allen Unkenrufen zum Trotz kann man natürlich auch zuerst Handwerker fragen um sich an solch ein Projekt heranzutasten. (Da soll es durchaus auch welche geben, die durch entsprechende Berufserfahrung den Sanierungsbedarf einschätzen können) Mit Leichtsinn oder Lottospielen hat das nichts zu tun. Man kann sowohl bei Architekten so wie auch bei Handwerkern an den Falschen geraten....

Die gewerkübergreifende Koordination und die Planung sollte durch einen Architekten erfolgen.

Eine Bestandsaufnahme der Schäden, insbesondere am Fachwerk sollte ein Profi aus dem Zimmererhandwerk durchführen. Auf Grundlage dessen kann für diese Arbeiten ein grober Kostenrahmen abgesteckt werden. Und vor allem kann die Sanierung dann mit "System" durchgeführt werden. Manche Schäden am Fachwerk sind sehr komplex und auf den ersten Blick auch für Profis nicht sofort sichtbar. Daher die Bestandsaufnahme. Um das Risiko von unliebsamen Überraschungen zu minimieren und die Arbeiten sinnvoll miteinander zu verbinden.
Für diese anspruchsvolle Aufgabe kenne Ich keinen besseren in Nordhessen als dieses Community - Mitglied:

http://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/community/a/showMitglied/10025$.cfm

http://www.gaia-holzbau.de/

Wichtig ist ein gutes Team aus Planer und Handwerkern zusammenzustellen, welches in der Lage und Willens Ist auch mal auf dem kleinem Weg miteinander zu kommunizieren und nicht nur stur ihr Gewerk abarbeiten. Wenn die Kommunikation und Planung nicht stimmt, leidet das ganze Bauvorhaben und zwangsläufig der Geldbeutel des Bauherrn.

Für planerische Leistungen kann ich ebenfalls ein Community - Mitglied aus Nordhessen empfehlen.

http://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/community/a/showMitglied/453$.cfm

http://www.punkt4.net


Lehmbauarbeiten / Fachwerksanierung ist unser Spezialgebiet. Wir führen dies seit mehr als einem Jahrzehnt in Nordhessen aus.

www.lehmbau-sanierung.de

Zusammen gäben wir ein starkes Nordhessen - Team ab.


Bei den hier genannten Betrieben ist Eigenleistung übrigens immer gern gesehen und wird unterstützt.

Wie wärs mit einem vor Ort Termin Planer / Zimmermann / Lehmbau ? Könnte ein Brainstorming werden :-)

Gerne können wir auch erst mal telefonisch "Fachsimpeln"
am besten abends gegen 21 Uhr (Bitte vorher per mail ankündigen, damit ich dann auch im Büro bin)




Grüße aus Edertal





Hallo Björn,

einerseits ganz herzlichen Glückwunsch zu Deinem Haus - das was ich auf dem Foto erkennen kann schaut interessant aus!

Anderseits: Du hast exakt 1 Euro weniger bezahlt als wir für unser Haus. Uns haben viele Leute gesagt "Geschenkt ist noch zu viel"... Als Laie - bin ich auch - ist es nicht einfach festzustellen, was gemacht werden muss und was das ganze dann kostet. Dazu hast Du aber schon gute Tipps und Namen bekommen. Es kann sein, dass die Sanierung weniger kostet als Du denkst. Manche Zimmerleute können zaubern, da steht ein halbes Haus "aufgebockt" und sie tauschen drunter aus was morsch ist. Aber: Was passiert falls die Sanierung teuer wird? Könntest Du das notfalls stemmen? Vorsichtshalber deswegen die Frage: Hast Du das Haus "nur" geschenkt bekommen - oder stehst Du auch schon als Eigentümer im Grundbuch?

Handelt es sich eigentlich bei Deinem Haus um ein Einzeldenkmal?

Viele Grüße - und alles Gute für Dich und das Haus!

Dirk



Danke!



Erst mal danke für die vielen Hilfreichen antworten. Ich werde wohl die Ratschläge befolgen und einen Fachmann hinzu ziehen.
Um die letzte Frage zu beantworten, es handelt sich um ein EINZELDENKMAL und ja, ich stehe im Grundbuch.



Einzeldenkmal



Hallo Björn,

bei einem Einzeldenkmal - aber auch bei einem Haus das "einfach nur ziemlich alt ist" - würde ich in die Sprechstunde der Unteren Denkmalschutzbehörde gehen. Zumindest war das bei unserem Haus die 100% richtige Entscheidung. Wir haben so früh wie möglich darüber gesprochen was unser Haus braucht, was aus Sicht der Denkmalpfleger(innen) "richtig" ist, welche Ideen wir haben.

Ja, es gibt wohl immer wieder auch Fälle, in denen die Chemie nicht stimmt. Wo Denkmalpfleger und Eigentümer nicht zusammen kommen und es sehr knallt. An ein paar Empfehlungen/Vorgaben habe ich auch geknabbert. Aber bei uns war die Zusammenarbeit sehr konstruktiv: Alle Beteiligte hat der Fachwerk-Virus befallen - so wie Dich auch ;-)

Viele Grüße

Dirk

Ps: Falls Du an Butzbach vorbei kommst, lad' ich Dich gern auf einen guten Kaffee und eine Baustellenbesichtigung ein ;-)



Fachwerkhaus wieder zurecht machen!



Ich würde dies auch so machen wie es Dirk vorschlägt.
Die wollen gefragt werden und kommen sogear ins Haus!

Glückwunsch und viele Grüße