Historischer Isolierstoff - Was ist das?

12.06.2006



Hallo Fachwerkfreunde,

bei der Sanierung unserer alten Molkerei sind wir auf einen Kellerraum gestoßen, der offenbar zur Kühlung genutzt wurde. Als Isolation ist an Wänden, Decke und Fußboden ein schwarzen Material angebracht, das in der Beschaffenheit an Styropor erinnert, es ist nur unflexibler und eben schwarz. Ich könnte mir vorstellen, daß Teer, Bitumen o.ä. aufgeschäumt und in Form gepresst wurde. Das Baujahr des Hauses ist ca. 1920, ob das Zeug bauzeitlich ist, ist nicht bekannt. Standort ist der Kreis MST, also im Osten.

Ich bin für jeden Hinweis dankbar,
Gruß, Thomas



Hallole!



Bei dem beschriebenen schwarzen Dämmstoff handelt es sich sicher um Foamglass, ein geschäumter Glasdämmstoff in Plattenform.



Hallole!



Bei dem beschriebenen schwarzen Dämmstoff handelt es sich sicher um Foamglass, ein geschäumter Glasdämmstoff in Plattenform. Überprüfung: Beim zerstören von Schaumbläschen stinkt es nach faulen Eiern.





Hallo Thomas,

in früheren Zeiten wurden auch Dämmungen aus Korkschrot mit Teer oder Bitumen verpreßt. Wenn man das Material mit einer Säge schneidet, ist der Unterschied zwischen Foamglass - auch Schaumglass genannt und der Korkschrotdämmung leicht zu erkennen.

Gruß Holger S.



Ihre Beschreibung paßt zu einem sehr alten Korkdämmstoff,



mit dem z.B. in Frankreich im 19.Jahrhundert die Fußbödender ersten industriell genutzten Kühlhäuser gedämmt wurden.
Damals hat man auch ganze Wände aus einem Kork-Kalk-Sandgemisch in Schalungstechnik (vergleichbar Beton) hergestellt. Auch heute dämmt man in Portugal+Spanien Neubau-Fußböden und Dächer mit einer ähnlichen Kork-Kalkmischung.



Kork!



Hallo zusammen,

das Rätsel ist teileise entschlüsselt. Es riecht nicht nach faulen Eiern und bei ersten Proben habe ich eindeutig Korkreste gefunden. Das ganze gibt es noch in zwei Qualitäten: locker verpresst an den Wänden und etwas fester zur Isolation von Rohren. Ich habe mal ein Foto zur Illustration gemacht.

Mir stellen sich jetzt zwei Fragen: Ist das Zeug in irgendeiner Form gesundheitsschädlich? Und: Wie kann man das entsorgen? Teer und Bitumen ist ja bei Entsorgungsfragen ein großer Unterschied...

Gruß, Thomas



noch ein Detail





und die Plattenverlegung an Decke und Wand





wie soll die Molkerei saniert werden?



Falls die bituminierten Korkplatten auf Wandinnenseiten aufgebracht wurden, könnte man darauf direkt einen dicken Lehmputz (notfalls mit Schilfgewebe als Putzräger) aufbringen.Auf Korkplatten läßt es sich erfahrungsgemäß mit Lehm gut putzen, da er in hohem Maße Gerüche bindet/filtert.
Falls Sie die Platten entsorgen wollen, wirds dank der Bitumenbindung sehr teuer.



Expansit!



Hallo,

noch ein Nachtrag: Bei dem Material handelt es sich um Expansit, einen Dämmstoff, der 1913 von Grünzweig und Hartmann vorgestelt wurde. Auf der zweiten Plattenschicht war der Markenname aufgedruckt. Heute heißt G+H Isover, dort war man so nett, mir ein Datenblatt zur Verfügung zu stellen. Es handelt sich tatsächlich um expandierten Kork mit einer Pechbindung. Ein sehr interessantes Material eigentlich. Wir haben trotzdem alles rausgerissen, da sich hinter den Platten gnadenlos Feuchte Wände vorgefunden haben. Jetzt bin ich mal gespannt, was mein Entsorgungsbetrieb anbietet...

Gruß und Danke,
Thomas