Halböl aus Leinölfirnis und Balsamterpentin

28.03.2015



Hallo,
da ich mehrere gute Erfahrungen über die Behandlung von Holzfußböden mit Leinöl gelesen habe, entschloß ich mich, meine neu verlegten Bodendielen aus Kiefern mit selbst hergestelltem Halböl aus Leinölfirnis (3) : Balsamterpentin (1) zu behandeln.

Nach dem ersten Anstrich bin ich der Meinung, daß das Öl gut in das Holz eingezogen ist. Das überschüssige Öl habe ich abgewischt. Zwar hat der anfangs sehr beißende Geruch abgenommen, aber auch nach zwei Tagen ist immer ein ziemlich unangenehmer Geruch da, so daß die ganze Zeit über gelüftet werden muß.

Nun habe ich zwischenzeitlich unterschiedliche Meinungen über die Anwendung von Balsamterpentin im Innenbereich gelesen (-> Gesundheitsgefahr). Manche empfehlen für neues Holz nur kaltgepreßtes Leinöl und raten auch von Leinölfirnis ab.

Daher wollte ich wissen, ob ich etwas Falsches gemacht habe bzw. ob und wann der Geruch bis auf ein erträgliches Maß verschwindet?

Kommt der unangenehme Geruch vom Leinöl oder ist es auch das Balsamterpentin? Das letzte müßte doch nach einiger Zeit verdunsten oder riecht es auch nach Wochen?

Wie sieht es mit der Toxizität von Terpentin aus: ist diese nur im flüssigen (Anfangs-)Zustand oder sind auch die im Holz befindlichen Reste toxisch (->Allergien)?

Oder sollte ich den Boden Schleifen und dann entweder nur Leinölfirnis auftragen oder auch darauf verzichten und nur mit Leinöl arbeiten?

Wenn die Holdbehandlung mit Leinölfirnis gesundheitlich unbedenklich sein sollte, werde ich jedenfalls in Zukunft auf das Verdünnen durch Balsamterpentin verzichten und statt dessen versuchen, die Leinölfirnis zu erhitzen, damit sich diese besser Verarbeiten kann.

Vielen Dank für Eure Antworten!



Bei einem Verhältnis...



...von 3:1 ist das strengenommen kein Halböl, außerdem ist die Mischung auch praktisch gesehen zu dick. Warum ist es nicht möglich, einfach ein Fußbodenhartöl für den Fußboden zu kaufen? Statt ohne vertiefte Fachkenntnisse zu experimentieren? Das Terpentin wegzulassen ist jedenfalls der falsche Weg.

Das Terpentin ist auf jeden Fall geruchsintensiv; ist die Ölqualität des Leinölfirnis mies, kann auch das lange riechen.

Warten und Lüften!

Grüße

Thomas





der lappen in meiner Werkstatt, der mal Balsamterpentin abbekommen hat, riecht schon eine ganze Weile, ich habe den Eindruck auch länger als bei Terpentin Ersatz.

Zur Toxozität: toxisch sind Stoffe in Abhängigkeit von der Menge die aufnimmt. Man wird den Fußboden nicht essen oder ablecken, aber die Dämpfe sehr wohl einatmen.
bei Ottoson gibts ein sehr umfangreiches Datenblatt über Balsamterpentin, auch zur Toxizität.
Die Angabe LD50 sagt aus, wieviel Substanz man als Versuchsratte oral (essen/trinken), dermal (über die Haut) und inhalativ zu sich nehmen kann, bis 50% der Kumpels im Käfig tot sind.
Nun ist Balsamterpentin eine schlecht definierte Gruppe von Destillaten aus verschiedenen Baumharzen, daher hilft einem das auch nur wenig. Wer weiß, was genau auf Deinem Fußboden ist, schließlich ist man ja auch keine Ratte.
Grundsätzlich gilt das bei Abnahme der Belastung die Toxizität abnimmt, die Allergie ist aber im Wesentlichen konzentrationsunabhängig, dafür gibt es aber auch nur sehr selten tödliche allergische Reaktionen, aber Dicke Augen, Luftnot, Hautjucken ...

Was hilt einem das alles: nix!

Bei aller Ökobegeisterung: naturstoffe können ebenso giftig und allergen sein wie künstliche.
Dafür kann man bei einem gut ausgewählten technischen Produkt etwas bekommen, das den Zweck erfüllt, das unter den Angaben der Verwendungsvorschrift nicht toxischer ist, als das Bier, das man danach trinkt und das ein Sicherheitsdatenblatt hat.

Ein schönes Bespiel ist das zitierte kaltgepresste Leinöl:
Zumeist wird das in Asien produziert, mit den dort verwendeten Pestiziden. Wenn man es auf den Fußboden streicht wird es Kleben und ggf. auch riechen bis zum St. Nimmerleinstag weil es kein Fixativ enthält. Es gibt also lange Stoffe an die "Wohnwelt" ab.

Hochwertige Fußbodenöle können z.B. als 2.Komponente Isocyanat enthalten, das ist tatsächlich giftig.
Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch ist dieses Öl aber spätestens am nächten Tag soweit chemisch undgewandelt und durchgehärtet, so dass nichts mehr an die Wohnwelt abgegeben wird.

Was man selbt nimmt muss aber jeder selbst wissen.

all das Geschwafel ändert aber nichts daran, dass man in der ggw. Situation nur abwarten kann.

Gruß

GE

die Profis sind aufgerufen das zu korrigieren, wenn ich Quatsch geschrieben habe.



Nun,



in üblichen Dosierungen (wie wohl beim Fragesteller) ist Toxidizität kein Thema. Ich persönlich bin (amüsanterweise als Restaurator) auf Balsamterpentin allergisch. Das ist aber offenbar hier kein Thema.

Leinöl trocknet auch ohne Sikkative - wenn die Qualität stimmt. Ich wage zu bezweifeln, daß man bei einem Baumarktprodukt (Leinölfirnis) davon ausgehen kann. Schließlich ist die Verlockung groß: Die allerletzte Heißpressung (ggf. gar der Extrakt der Reste mit Äther) von ganz weit weg kostet nur geringe Bruchteile einer ersten Kaltpressung skaninavischen Leinölsamens. Exakt dieses ist aber in den Fußbodenölen heimischer Naturfarbenhersteller enthalten. Als Standöl weiterverarbeitet, trocknet es schneller und gilbt weitaus weniger als das beste Leinöl und ist damit für den Fußboden zu bevorzugen.

Das kostet mehr als ein Baumarktprodukt. Und dieser Mehrpreis ist durch Leistung legitimiert. Wer sich kein anständiges Fußbodenöl leisten will, sollte konsequenterweise auch auf Dielen verzichten.

Grüße

Thomas



neue Dielen pflegen



@ GEhlerding, wenn ich Terpentinersatz lese, bekomme ich Bauchschmerzen. Das heißt nur so, ist aber ein Testbenzin, also hat rein garnix mit natürlichem Terpentin zu tun.

@ I am, bei einem Fußboden, der viel beansprucht wird, würde ich nicht experimentieren wollen. Leinölprodukte, egal wie stark und womit verdünnt, trocknen recht langsam und härten auch nicht wirklich das Holz. Außerdem vergilbt Leinöl recht stark im Laufe der Zeit.
Warum nicht als Laie auf die für Holzfußboden extra angebotenen Fertigprodukte zurückgreifen ? Ich würde auch wie von Thomas oben empfohlen ein Hartöl nehmen.
Sowohl Leinölfirnis als auch natürl. Terpentin sind nicht geruchsneutral. Terpentin sollte man nicht langezeit in höherer Konzentration einatmen. Für gute Lüftung beim großflächigen Auftragen sorgen.



Nachtrag: Isocyanat



Das ist in den Fußbodenölen der Naturfarbenhersteller des deutschen Sprachraumes nicht enthalten.

Also Livos, Naturhaus, Natural...

Ich persönlich arbeite mit Natural, Parkettöl und Heißöl, und habe durch mittlerweile reichlich 12 Jahre mit diesen Ölen ausschließlich gute Erfahrungen gemacht.

Grüße

Thomas





@DF
das mit dem Terpentinersatz ist ja klar.
Zahnersatz hat auch nur entfernt mit Zähnen zu tun, gern genommen wird's aber trotzdem.

@TWB
Isocyanat
Naturfarbenhersteller verkaufen das natürlich nicht. Das sind zwei-Komponenten Produkte für professionelle Verarbeiter, die sehr schnell härten, so dass das Gewerk schnell fertig ist.
Aus gutem Grund wird man das als Laie wohl nicht bekommen.
Die Frage, ob ein europäisches reines Leinöl-Produkt vorzuziehen ist, ist damit natürlich nicht beantwortet.

Mir ging's nur um die Frage, ob (gefühlt)natürlich grundsätzlich weniger gesundheitsschädlich ist, als (gefühlt)chemisch. Da habe ich eben Zweifel.

Wer weiß schon mit welchen Tricks die letzten Reste Balsamterpentin aus dem Balsam herausgelutscht werden, ähnlich wie beim Leinöl.

Ich folge aber gerne der Argumentation, dass ein voll-deklariertes Produkt ohne solche Zusätze, die schon bei der Verarbeitung den Handwerker belasten, vorzuziehen sind. Vorausgesetzt, man erreicht das Ziel.
Das gilt insbesondere für solche Menschen, die es mit dem Arbeitsschutz nicht so eng sehen.

Da gibt es sicher eine Menge im Angebot und wenn man den ganzen Ärger, den man hinterher ggf. hat abrechnet, ist das sicher auch preiswert - aber nicht unbedingt billig.

Überhaupt wird immer gerne vermutet, dass irgend ein Baustoff langsam und schleichend den Körper vergiftet.

Viel häufiger ist doch, dass man sich bei der Verarbeitung schweren Schaden zufügt, z.B. bei der alten Bleimeninnge, beim Chromat im Zement (gibt's wohl heute nicht mehr), bei den Lösemitteln in den Farben und beim Pinselreinigen, bei den Verätzungen insbesondere der Augen beim Kalk, bei den Krebserregenden Holzstäuben....
Am Ende sind Bauherr und Bauherrin zufrieden, wenn ein natürlicher Lehmputz an der Wand ist und die Balken schön glatt und gestrichen.
Was zwischendurch passiert ist, spielt da keine so große Rolle.

Friede und Freundschaft

GE





Danke, GE.Das kann ich alles gut mittragen.
Diejenigen, die es verarbeiten, können sich am heftigsten schaden.



Nun,



so selten sind Isocyanate nicht: das Magic-Oil von Pallmann kann jeder kaufen, und in jeden guten Bauschaum gehört Isocyanat. Das ist nicht ungefährlich, andererseits: 100g Kochsalz sind tödlich.

Man sollte einfach immer wissen, was man tut. Auch ein Schaschlykspieß kann zum Tode führen...

Bisonearth

Thomas