Haftet Wilder Wein (Veitchii) nicht auf gekalkter Mauer?

22.07.2014 Weinviertel



Hallo, liebes Forum!

Mein Mann und ich haben zwar kein Fachwerkhaus, aber einen alten Weinviertler Streckhof. Der Hof ist mit einer Mauer zur Nachbarin abgegrenzt, Gesamtfläche geschätzte 120-130 m2. Diese Mauer haben wir mit Sumpfkalk gekalkt (sie war angeblich schon vorher gekalkt, allerdings blättert der alte Anstrich, und unser neuer Kalkanstrich hält nicht wirklich gut auf dem alten).

Unser Plan war/ist, Wilden Wein (Veitchii) hochklettern zu lassen, um die Mauer völlig zu begrünen. Diese Pflanze ist ein Selbstklimmer, haftet also ohne Rankhilfen. 5 Pflanzen haben wir vor 2 Jahren gesetzt, sie klettern gerade mal 30-50cm hoch, dann lösen sich die Ranken, fallen wieder ab und kriechen mehr oder weniger im Gras herum.

Wir waren geduldig, dann ratlos.

In einer Gärtnerei erfuhren wir, dass Selbstklimmer keine gekalkten Mauern mögen.

Unser Wein scheint ja den Beweis für diese Information zu liefern, aber uns wundert das trotzdem sehr:
War nicht Kalk auch in vergangenen Jahrhunderten ein Anstrich für Außenfassaden, und kletterten da nicht Efeu, Veitchii, etc. hoch, bis schließlich das Haus kaum noch zu sehen war?

Verändert sich der Kalk mit den Jahren, verliert er einen Bestandteil bzw. wandelt er sich um, sodass er mit der Zeit "pflanzenfreundlich" wird?

Hat von Ihnen jemand Erfahrung mit gekalkten Mauern und Kletterpflanzen? Wenn Kalk gar nicht geht, was klappt dann? Welche Außenfarbe oder welcher Putz hält auf Kalk?

Und wie finden wir heraus, womit der alte Anstrich gemacht wurde? Die Nachbarin behauptet, es sei damals gekalkt worden, aber wenn unser Kalk am alten Kalk nicht hält, macht uns das auch stutzig...

Unser bisheriger Plan B war ein eng gesetztes Holzspalier über die gesamte Mauer. Heute schlug ein Mensch, der mauern kann vor, die alte (Kalk-?)Farbe und unseren neu gestrichenen Kalk etwas abzukratzen, dann mit mineralischem Haftgrund/Tiefengrund die gesamte Mauer zu Streichen und da drauf dann Putz anwerfen. So eine Haftgrundierung ist nicht die sympathischste Methode (Inhaltsstoffe), aber was meinen Sie zu diesem Plan C? Könnte zudem die Nachbarin dort, wo unsere Hofmauer ihre Wohnhausmauer ist, ein Feuchtigkeitsproblem bekommen? Wie atmungsaktiv ist eine haftgrundierte Mauer?

Viele Fragen... danke schon mal im Voraus für hilfreiche Antworten!

Die Weinviertlerin





der "wilde Wein" hält auf festen Untergünden mehr als fest,
was dazu führt, dass man ihn kaum schadensfrei wieder wegbekommnt.
er geht auch in jede Ritze und sieht im Winter gewöhnungsbedürftig aus und produziert viel Laub.

Man bekommt ihn nur mit erheblichen Beschädingungen der Oberfläche ab und dann auch oft nicht rückstandslos.

Wenn er nicht hält, ist die Oberfläche das Problem.

Ich habe eine ganze Wand davon aufwändig befreit, neu verputzt und gestrichen; viel Arbeit.

Wenn die Mauer gut aussieht: wäre eine robuste Kletterrose am Spalier m.E. schöner, ggf. mit einer Clematis (oder anstatt), weitere Kandidaten sind Glycine, Lonicera, Beerenobst (Kiwi, Himbeere, Brombeere, die beiden letzten muss man regelmäßig schneiden, wenn das Klima stimmt, sogar echter Wein, insbesondere im Weinviertel!) oder aber ein paar schöne Büsche?

wenn nur noch wilder Wein bleibt weil die Wand so schäbig ist, und noch nicht einmal das gut aussieht, würde ich eine Alternative empfehlen.

beste Grüße nach Österreich

GE

eine schöne Übersicht findet man hier:

http://www.fassadengruen.de



Ich



schaue hier (nordwestliches Weinviertel, Dreiländereck) aus dem Küchenfenster auf eine komplett mit Veitchi bewachsene gekalkte Stallwand. Geht also. Allerdings war das Gebäude schon ein paar Jahre gekalkt als meine Eltern das Haus gekauft haben, ich kann daher über die Anfangsphase wenig sagen.

Über Mauerschäden muss man sich meiner Erfahrung nach keine Sorgen machen, aber die Saugnäpfe gehen in der Tat nie wieder weg wenn sie einmal halten. Außerdem ist das Zeug recht schnellwachsend, Fenster, Dachrinnen etc. muss man also mehrmals jährlich freischneiden.

Kurioserweise endet bei uns das Wachstum in annähernd waagrechter Linie auf etwa 2 m Höhe, bis auf einen schmalen Streifen wo der Veitchi sehr wohl regelmäßig die Dachrinne erreicht.



Mauer- und Pflanzenprofis gefragt!



Liebes Forum,
danke schon mal für die bisherigen Antworten.

An GEhlerding:

Dass der Wilde Wein prinzipiell mehr als fest hält und nur schwer abzumachen ist, ist für uns definitiv ein Vor- und kein Nachteil - wir wollen ja, dass der Wilde Wein bleibt und denken gar nicht daran, das Mauergrün irgendwann zu entfernen.

Die vorgeschlagenen Alternativ-Ranker oder -Kletterer sind zwar schön, aber erstens ist die Mauer zu einem großen Teil knapp 6 m hoch und wie ich in meiner Anfrage schrieb: Unsere Pflanze der Wahl ist Wilder Wein - wächst schnell, ist schön, färbt sich im Herbst wunderbar rot, hat ein schönes Windspiel, ist robust (der Wilde Wein auf der Terrasse unserer Wiener Stadtwohnung ist seit 15 Jahren absolut schädlings- und krankheitsfrei). Dass er viel Laub produziert, gehört bei einem derart Mauer deckenden Kletterer nunmal dazu, ist schließlich ein Stück Natur. Ein paar eingestreute Spaliere mit blühenden Rankern haben wir auch geplant, aber die Hauptbegrünung wird - so er endlich anwachsen will - Wilder Wein sein. Und echten Wein haben wir schon an einem ehemaligen Wirtschaftsgebäude, der schlingt sich brav ums Spalier.

Die sehr gute und informative Seite fassadengruen.de kannten wir bereits, auf die stößt man beim Googeln nach Kletterpflanzen unweigerlich. Leider ist dort auch nichts über die chemische Beschaffenheit des Putzes oder der Außenwandfarbe zu finden.


An Klaus und Kellergassenkatze:

(An Klaus: Schön ist das Schloss Buskow, und vermutlich ein zeitintensives Objekt.)

Die fragliche Mauer bei uns ist glatt und ohne Fenster oder Dachrinnen, was die Sache - falls da mal Wilder Wein wachsen sollte - relativ problemlos gestaltet.

Wir waren/sind der Aussage, Veitchii halte nicht auf gekalkten Mauern, ja auch skeptisch gegenüber, aber da unser Veitchii den Beweis vor unseren Augen angetreten ist und seit 2 Jahren immer noch in Bodennähe herum kümmert und beim ersten stärkeren Regen oder Wind die Saugnäpfe wieder loslassen, hatte der befragte Gärtner zumindest einstweilen noch Recht. Unsere Überlegung ist daher, ob sich der Kalk mit der Zeit (und der Witterung) verändert und "pflanzenfreundlicher" wird.


Daher an alle, die sich beim Zusammenspiel von Untergründen und Pflanzen auskennen, nochmals unsere konkreten Fragen:

Verändert sich der Kalk mit den Jahren, verliert er einen Bestandteil bzw. wandelt er sich um, sodass er mit der Zeit "pflanzenfreundlich" wird? Falls ja, wie lange dauert dieser Prozess?

Hat von Ihnen jemand Erfahrung mit gekalkten Mauern und Kletterpflanzen? Wenn Kalk gar nicht geht, was klappt dann?
Welche Außenfarbe oder welcher Putz hält auf Kalk? Wieviel muss vom alten Anstrich abgemacht werden vor einem Neuanstrich: nur das, was sozusagen schon von selber abgeht + ein bisschen mehr, oder alles?

Und wie finden wir heraus, womit der alte Anstrich gemacht wurde? Die Nachbarin behauptet, es sei damals gekalkt worden, aber wenn unser Kalk am alten Kalk nicht hält, macht uns das auch stutzig...

Unser bisheriger Plan B war ein eng gesetztes Holzspalier über die gesamte Mauer.

Heute schlug ein Mensch, der mauern kann vor, die alte (Kalk-?)Farbe und unseren neu gestrichenen Kalk etwas abzukratzen, dann mit mineralischem Haftgrund/Tiefengrund die gesamte Mauer zu streichen und da drauf dann Putz anwerfen. So eine Haftgrundierung ist nicht die sympathischste Methode (Inhaltsstoffe), aber was meinen Sie zu diesem Plan C? Könnte zudem die Nachbarin dort, wo unsere Hofmauer ihre Wohnhausmauer ist, ein Feuchtigkeitsproblem bekommen? Wie atmungsaktiv ist eine haftgrundierte Mauer? Akzeptiert der Wilde Wein einen mit Haftgrund behandelten, verputzten Untergrund? Und gibt es einen Putz, der (so gut wie) weiß ist, ohne wiederum Kalk zu enthalten? Denn was uns im Winter nach dem Laubfall dann zwischen den Ranken entgegenschimmern wird, sollte möglichst weiß sein und nicht etwa dunkelgrau.

In der Hoffnung auf ein Heureka! grüßt

Die Weinviertlerin



Parthenocissus



Hallo,
das Haftprinzip beim wilden Wein ist teils "chemisch" Klebstoff und mechanisch ,die Haftscheibe wird zuerst angeklebt ,die dann verholzt und eine dauerhafte mechanische Haftung bewirkt.
Das die Haftscheiben nicht auf Kalk halten sollen ,kann ich mir nicht vorstellen,findet sich den an den Haftscheiben Kalk?

Sprich lößt der Kalk sich vom Untergrund mit samt der Haftscheibe?

Ich würde zwei Dinge ausprobieren ,haftet an dieser Wand Efeu ? Dann muß es auch mit Wein klappen .Eine neue Pflanze kaufen und einsetzen ,vielleicht liegt es an den vorhanden Pflanzen selber ,die Haftscheiben verholzen nicht ,unwahrscheinlich aber möglich.

Das Zeug hält selbst auf Glas.....

Grüße Martin



Kalk- und Pflanzenprofis gefragt!



Hallo Martin,

danke für den Kommentar. Die Haftscheiben werden wir am Wochenende gleich inspizieren - hoffentlich klebt Kalk dran. Ich meine mich aber zu erinnnern, dass die abgegangenen Haftscheiben, die ich immer wieder mal desillusioniert betrachtet habe, kalklos runterhängen...

Zum Tipp mit dem Efeu: Der ist ja von uns wegen der - zugegebenermaßen sehr subjektiven - Friedhofsassoziationen, die wir dabei haben, wenig geliebt und wurde gleich nach Kauf des Hofes mühsam und erfolgreich ausgerottet. Aber als Versuchspflanze könnten wir uns den schon vorstellen, einen Versuch ist es allemal wert.

Eine andere Beobachtung, die hier nur am Rande erwähnt sein soll, betrifft den Wilden Wein in unserem Innenhof in Wien: Die Feuermauer, an der er hochklimmt, wurde vor etwa 10 Jahren wegen eines größeren feuchten Bereiches saniert, neu verputzt, weiß gestrichen. Der Wilde Wein war damals schon ein paar Meter hoch gewachsen, aber noch unterhalb dieses Bereiches. Sein Wachstum, das sonst üppig und zügellos war, macht hier seitdem seltsame Bögen: Er verweigert diesen sanierten Fleck und wächst stur und konsequent links und rechts daran vorbei, oben drüber dann wieder zusammen. Noch so ein Rätsel...

Schönen Gruß!
Die Weinviertlerin



So



ein Rätsel haben wir am erwähnten alten Stall auch. Auf ungefähr zwei Metern Höhe ist Ende, ab da geht es praktisch nur mehr in die Tiefe, d.h. die Ranken hängen von der Mauer weg. Nur in einem Eck geht es nach oben.