Neubau - noch akzeptabel in 40 +++Jahren

30.12.2010


Hallo zusammen!

Nach Stunden im sehr interessanten und kontroversen Fachwerk-Forum würde mich mal eine Frage interessieren:
Wenn ihr alle NEU bauen MÜSSTET ;-), wie würdet ihr dann bauen?

Welche(r) Baustoff(e), Dämmung oder ganz massiv, Wandaufbau?

Ich hab hier (und auf so manch anderen einschlägigen hier ebenfals vielzitierten und kontrovers diskutierten Seiten...) so viel gelesen über die Fehler vor allem von vor 40 +/- 10 Jahren.

Da wir ein Mehrfamilienhaus (2 VG und ausgebautes Pultdach) bauen wollen, möchte ich mal wissen, von welcher Bauweise ihr glaubt, dass sie in 40 Jahren auch unter energetischen Gesichtspunkten nicht als "Fehler" dasteht...

Ach ja, wegen möglicher Erdbeben favorisieren wir derzeit Holz... Aber es muss in der Größe natürlich auch noch finanzierbar sein.

Viele Grüße und schon einmal DANKE für interessante Antworten,
Fiolina





Ich persönlich würde ein Holzhaus bevorzugen, als Dämmung kämen Stampflehmwände in die engere Wahl.

Was nicht verbaut werden sollte wären z.B. jegliche art von Folien, Glaswolle, Betonteile usw.

Dieses Prinzip würde auch in 40 Jahren noch gut da stehen.

Aber wie gesagt, ich "würde", wenn das liebe Geld nicht wär.



Das ja mal ´ne Frage ;-))



Damit lassen sich etliche Professoren auf Jahre beschäftigen. In den letzten Jahrtausenden hat die Menschheit eine Vielzahl von Bautechniken entwickelt, die unterschiedlichsten Baustoffe gefunden und erfunden. Vieles wurde wieder verworfen, neues entdeckt. Nicht alles alte ist gut, nicht alles neue ist schlecht.
Vor allem müssen vor dem eigentlichen Planungsbeginn die Anforderungen an das Gebäude exakt definiert werden. Und man muss versuchen, die Ansprüche in 40 Jahren vorherzusagen ;-)), also "Spökenkiekerei" betreiben.
Mal ganz konkret meine ganz persönliche Meinung:
Bezüglich Erdbebensicherheit ein Stahlbetonfachwerk mit Stahlbetondecken. Ausgefacht mit Stampflehm oder Lehmmauerwerk. Eine Aussendämmung aus Holzweichfaser mit Kalkputz auf Ziegeldraht. Kein Pultdach, sondern ein Satteldach mit >40 Grad ( reduzierung der Schneelast) und ausreichenden Dachüberständen. Fussboden und Wandheizung, sämtliche Installationen möglichst in Kanälen und Schächten unterbringen, das erleichtert und verbilligt Reperaturen und Modernisierungen und Erweiterungen erheblich.
Naja, denn mal fröhliches Brainstorming und ´nen guten Rutsch ;-)).
MfG
dasMaurer



Immer wieder so



wir haben uns 2000 auch diese Frage gestellt und die eindeutige Antwort ist "immer wieder so"
www.lehmschwalbe.de

grüße aus der Uckermark



Der Traum...



...ist ein Vollholzhaus zum Beispiel von Holz 100, dass ist Dämmung und Speicherung in einem.
Aber dazu fehlt die Knete.
Einfach Häuser ansehen, die länger als 50 Jahre stehen und in Ordnung sind!
Da bleibt nur noch ein Haus aus Vollmauerwerk mit kleinformatigen Steinen (gibts kaum noch) 49 cm dick und außen als Sichtmauerwerk, mit gemauerten Bögen und Gesimsen, sowie innen mit Strahlungsheizung. Die meisten dieser Häuser zeigen nach Jahrzehnten keine Schäden. Hier und da mal Fugen ausbessern.
Ist aber auch eher ein Traum!
Kaum noch zu verwirklichen!
Die Tendenz geht aber wieder in die natürlichere Richtung!
Wer in einer luftdichten Fertigteilbude oder im gedämmten Altbau krank geworden ist, der denkt um!
Ob die Häuser auf dem Foto schon mal eine Reparaturkelle gespürt haben, konnte ich nicht erkennen!
Man sollte heute, wo sich alles immer schneller und schneller dreht, nicht so weit schauen. Vor allem sollte man sich wegen eines Hauses nicht über beide Ohren verschulden, gerade wenn vieles durch fragwürdige Verordnungen und "günstige" Kredite geschieht!
Viel Glück!



nun



ein Mehrfamilienhaus aus Holz - ich denke, das scheitert für uns normal sterblichen wohl als erstes am Geld. Die Frage wäre da noch - wieviel Wohnparteien ?

Um dem ganzen eine Form zu geben - ich persönlich würde mich immer an alte Hausformen und Baustiele halten, die in der Gegend typisch sind und schon hunterte Jahre sich bewährt haben. Da sehe ich das Problem weniger beim Erdbeben als die Gefahr wegen eines Brandes - Holz (wohl wissend, daß Massivholz auch brandschutztechnisch gute Eigenschaften hat).
Wenn man sich aber anschaut, welche Häuser die letzten hundert oder mehr Jahre überlebt haben, so sind das Fachwerkhäuser (mit einem elativ hohen Unterhaltungsaufwand) und aus Steinen gemauerte Häuser. Reine Holzhäuser sind die Ausnahme und wohl eher in waldreichen Gegenden anzutreffen.
Zwecks der Baukosten würde ich wohl einen Ziegelbau (Leichtziegel ohne zusätzliche Füllung) wählen, der außen durchaus eine Verklinkerung erhalten könnte und die Innenwände aus Vollziegel. Die Wandstärke spielt bei einem Rohbau bezüglich der Kosten eine untergeordnete Rolle, allerdingshat ein bekannter die Erfahrung gemacht, dass sein 56er Leichtziegelhaus, Baujahr 1995, auch im Sommer sehr kalt ist. Für mich als Maurer spielt natürlich auch das Selbermachen eine große Rolle. Vor Betonteilen hätte ich aus gesundheitlichen Gründen die wenigste Angst, eher würde ich kein Obst und Gemüse im Laden kaufen ......
Natürlich gehört der Haustechnik besondere Aufmerksamkeit, aber da spielen persönliche Befindlichkeiten eine übergeordnete Rolle, der eine wills mit Holz, weil Wald da ist, der andere möchte möglichst wenig Arbeit, da keiner in der Familie für so etwas Zeit und Kraft hat. Aber wie Ulrich wohl gut schreibt - Damit lassen sich etliche Professoren auf Jahre beschäftigen. Nur wohnen die dann nicht drin und müssen es bezahlen.
Wohl aus dieser Problematik heraus wählte ich mein Motto nach einer alten Bauweisheit.

Allen einen Guten Rutsch ins neue Jahr wünscht Olaf aus dem verschneiten Sachsen bei aktuellen -9°C und Sonnenschein.



Danke für die guten Ideen !



Ja, danke erst mal für die Antworten.
Das das eine Frage ist, über die sich Professoren jahrelang beschäftigen könnten, ist mir klar. Deshalb frage ich ja hier, die Praktiker, die erfahrenen Leute, die ihre Häuser selbst bewohnen müssen bzw. dürfen... Am Besten lernt man doch, wie man es nicht machen sollte. Und auch wenn man es fast perfekt gemacht hat, würde man es beim nächsten Mal doch ein bißchen anders machen.

Wir wohnen derzeit in einem kleinen 10 Jahre altem Fertighaus, typisch gedämmt, Ausbauhaus mit Wohnzimmer-Pelletofen, thermischer Solaranlage und Wandheizung.
Was soll ich sagen, das Haus ist gut soweit, das Raumklima auch. Vielleicht durch den WoZi-Zentralofen, der frische Luft ansaugt, alle Türen stehen immer offen.
Die Heizungsanlage insgesamt eine Katastrophe, aber eher wegen der Ausführung und den schlechten Schnittstellen, Montagsgeräten... aber nicht generell. Die Wandheizung ist Klasse. Den Energieverbrauch finde ich gigantisch niedrig, wir brauchen etwa 1t Pellets pro Jahr bei einer Wfl von 144 qm plus nachträglich ausgebautem Keller. Der Keller war nicht zum Ausbau vorgesehen, da haben wir Heraklitplatten an die Betonwände montiert, Heizschleifen in Lehmputz drüber und das Raumklima ist gigantisch...

Jetzt wollen wir ein 3-Generationenhaus in der Stadt bauen und haben einen ehemaligen Garten als Baulücke gekauft. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, wollen wir auf drei Etagen die einzelnen Generationen unterbringen, bei Bedarf sollten später drei Einzel-Wohnungen daraus entstehen.
Durch ein Geothermiewerk hat hier schon die Erde gewackelt und es ist mit weiteren Beben zu rechnen. Es gab auch schon Gebäudeschäden.
Das Pultdach kommt ins Spiel, um die dritte Etage mit Dachterrasse und trotzdem genug Wohnraum realisieren zu können, da wir nicht so hoch hinaus dürfen. Ein Keller soll auch wieder drunter.
Auch wenn wir uns in unserem Fertighaus (noch?) wohl fühlen, möchten wir keine Folien mehr. Die Horrorberichte von verschimmelter Dämmung machen mir Angst. Das Geld reicht nicht für ein Luxusschloss, aber es soll auf jeden Fall etwas Vernünftiges sein und wir sind auch bereit, dafür etwas mehr zu zahlen. Es soll das letzte Mal sein, dass wir bauen...
Stampflehm klingt gut, Ziegelbau ist auch gut, scheidet aber für uns wegen der Bebengefahr eher aus. Bei Stahlbeton habe ich auch schon viel Negatives gelesen.
Wir sind für weitere Anregungen dankbar!
Grüße aus der aufgetauten Südpfalz...





Ich würde ein klassisches Walserhaus bauen, schattseitig massiv Steinwände, sonnseitig Holzblockbau, unter strenger Beachtung des konstruktiven Holzsschutzes. Als Heizung einen Grundofen, der von der Küche oder von einem kleinen Heizraum aus beheizt wird und über zwei Stockwerke geht - keine Rohre, keine Pumpen, keine Steuerungen.
Das passt allerdings in die Alpen, nicht aber an die Wattenmeerküste. Man baut ja auch für oder gegen die anderen, die den Traum dann jahrzehntelang ertragen müssen. Deshalb ist die Wahl des Bauplatzes ebenso wichtig als die des Baustils. Mein Haus soll so aussehen, als sei es schon immer dagewesen, und nicht eine Selbstdarstellung werden.



Erdbeben und Ziegelhaus



Hallo Fiolina,

ich wohne im Rheingraben, wo es auch immer wieder gut ruckelt, ich kann mich an Stärke 5 im Jahr 2002 noch gut erinnern. 2007 hatten wir hier ein Erdbeben der Stärke 3,9 und mein 100 Jahre altes Ziegelhäuschen stand mitten im Epizentrum. Hat trotzdem nicht den geringsten Schaden erlitten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ziegelhäuser in der Südpfalz einsturzgefährdet sind.

Viele Grüße



Das ganze mal aus energetischer Sicht betrachtet



Als Zimmerer der viel mit Fachwerk zutun hat würde ich nie ein Fachwerk oder Skeletthaus bauen!!
Wenn das Haus auch in 40 Jahren noch aktuell sein soll muss ganz klar der Gesamtenergiebedarf betrachtet werden. Damit fallen alle Massivbauweisen raus. Außer man will direkt nachdem das Haus fertig ist es von außen gleich wieder mit einem Vollwärmeschutz einpacken???
Gegen eine Stampflehmwand im Inneren habe ich keine Bedenken. Als Energiespeicher sicherlich von Vorteil. Aber bitte nicht im Außenwandbereich.
Aus meiner Sicht gibt es zu einem Holzrahmenbau in Passivbauweise mit kontrollierter Be und Entlüftung keine Alternative.
Dämmung überall Zellulose wegen der guten Primärenergiebilanz und dem sommerlichen Hitzeschutz.
Wegen der Erdbebenregion sollte die Fassade nicht mit Putz sondern mit Fassadenplatten oder Holzschalung hergestellt werden. Fenster mit 3-fachverglasung, Sonnenkollektoren (Wasser) auf das Satteldach (40° Dachneigung, First in West-Ost Richtung)



zum



letzten Beitrag eine persönliche Erfahrung: duch welchen Zufall auch immer, sind viele der alten Häuser in meiner Gegend schief zu den Straßen und Grundstücksgrenzen ins Feld gesetzt, 3-Seiten-Höfe selbstverständlich nach Westen geschützt. Beim eigenen Haus (um 1814 gebaut) konnte ich feststellen, dass im Sommer alle Seiten Sonne haben, zumindest im Sommer, meine Jungs hatten also alle den gleichen Status, keiner mußte auf die Sonnenlose seite. Der First zeigt auf 15.00 Uhr (Winterzeit) (S/W-N/O), also genau mitten zwischen die starren Himmelsrichtungen. Ob gewollt oder mit Wissen und Absicht der Alten - ich weis es nicht! Aber mir gefällt es. Da ich bei einem Neubau mich in der Dachform mit 51° wohl wieder der Umgebung anpassen würde, hätte die geplante Dachform keinen gewollten Einfluss auf die Energiebilanz, wichtiger wäre mir da wohl das Klima im Haus - Licht auf allen Seiten, wie ich es positiv jedes Jahr feststellen kann.



Was bitte



ist ein Holzrahmenbau?? Doch wohl nix anderes als eine Form des Fachwerks??
MfG
dasMaurer



Zu der Firstrichtung



Die Firstrichtung lässt sich oft nur bedingt selbst bestimmen. In Bebauungsplänen und auch bei Bauten nach §34 (Einfügung in die Umgebungsbebauung) ist die Ausrichtung des Baukörpers oft vorgegeben. Dazu kommt auch nicht selten noch die Vorschrift der Firstausrichtung.
Wir müssen unser Haus auch genauso ausrichten, wie alle anderen. Mit schräg oder so ist da nichts. Wenn wir ein Satteldach bauen würden, würde man uns auch die Ausrichtung vorgeben.
Da aber die grundsätzliche Dachform laut unserem Bauamt kein Einfügekriterium ist, können wir ein Pultdach ausführen.

Aber grundsätzlich finde ich die Überlegungen zu reichlich gutem, natürlichem Licht im Haus auch sehr wichtig. Dies spart ja schließlich auch Energie...
...und erhöht das Wohlbefinden ungemein...

Viele Grüße!




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