Wie ist es möglich, dass in der Ö-Norm elektroosmose Verfahren für die Trockenlegung enthalten ist?




Zwischenzeitlich sollte doch jeder der technisch ein wenig versteht wissen, dass diese Verfahren ungeeignet sind.
Mauertrockenlegung alter feuchter Gebäude mittels elektropysikalischer Verfahren ist meist nur "Lug und Trug"
In nahezu betrügerischer Weise wird von einigen Herstellern versprochen, mit sogenannten Erdstrahlablenkgeräten zum Teil primitivster Bauart eine Trockenlegung zu erwirken.
So wurde kürzlich einer älteren Hausbesitzerin in München mit 83 Jahren erklärt, dass durch das Aufstellen eines solchen „Entfeuchtungsgerät“ die Trockenlegung ihrer Fassade und des Kellers erfolge. Dafür wurden dieser Frau „nur“ 14.000 € in Rechnung gestellt.
Um es kurz zu machen: In der Praxis funktioniert dies alles nicht. Um so erstaunlicher ist es, wie viel „Fachleute„ auf diesen Hokuspokus immer wieder hereinfallen.

Diese Rosstäuscher tauchen in der letzten Zeit wieder öfter auf.
Die Werbung verspricht eine sehr „umweltfreundliche und schonende“ Sanierungsmethode ohne Lärm; ohne Aufgraben usw..
Viele Hausbesitzer haben Angst, dass bei einer Trockenlegung ihr Haus „Schaden“ erleidet.
Deswegen haben es manche Firmen leicht, ihre „mauerwerksschonenden“, jedoch auch fragwürdigen Verfahren anzubieten. Die Werbung sagt aus: ohne Schmutz; kein Lärm und auch das Aufgraben ist nicht notwendig.
Es fällt auf, dass insbesondere die Anbieter von elektrophysikalischen Verfahren mit zweifelhaften Argumenten sehr aggressiv im Wettbewerb auftreten. Diese sind sehr geschickt darin, die jeweils anderen Verfahren schlecht zu machen.
Man brauche sich nur die Prospekte und Homepages dieser Anbieter anzusehen, die die sogenannte schonende Mauerwerkstrockenlegung verkaufen. Fast alle Anbieter haben Hinweise darauf, dass die jeweils andere „Seite“ viele Fehler und Mängel hat und zu Schäden führt.
Es sind viele Parameter entschlüsselt, die „Saugfähigkeit“ der meisten Baustoffe ist gut erforscht. Diese Saugfähigkeit ergibt sich aus den Parametern:
· Anzahl und Verzweigung der Kapillaren
· Durchmesser, nach Größe und Häufigkeit eingeteilt
· Oberflächenbenetzung dieser Kapillaren
Was hilft eine Patentanmeldung?
Völlig falsch ist es natürlich, wenn behauptet wird, dass ein Verfahren nur deswegen funktioniert, weil es zum Patent angemeldet wurde. Auch wenn eine Patenterteilung erfolgte, so ist damit nicht ausdrücklich bewertet, ob ein Verfahren auch zum Erfolg führt, sondern nur, dass es sich um etwas Neues (noch nicht auf dem Markt) handelt.
Ausführliche Informationen hierzu auf meiner Homepage : www.isarbautenschutz.de unter Schriften.




Antwort von edmundbromm (Gast)
vom: 10.06.2004 um 14:39 Uhr
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Noch ein Praxisbeispiel:
Vor kurzem wurde in Landshut (also ein Jahr vor der 800 Jahrfeier) einer Fa. die sich mit elektroosmotischen „Trockenlegungsmaßnahmen“ beschäftigt erlaubt an mehreren Objekten so eine Anlage einzubauen. Es wurde auch in der Presse darüber berichtet.
Darauf hin haben sich einige Wettbewerber beschwert und einen Sachverständigen eingeschaltet.
Der Gipfel der Unverfrorenheit ist jedoch, dass bei dieser Auseinandersetzung zwischen einem Sachverständigen (der mich dazugezogen hatte) und der Städtischen Behörde sowie dem Geschäftsführer des deutschen Holz- und Bautenschutzes von einem Hersteller unter anderem behauptet wurde, dass die Lehr- und Versuchsanstalt Villach dieses Verfahren ständig wissenschaftlich überprüft und für gut befunden hat.
Es war für mich unvorstellbar, dass diese Angaben korrekt sein konnten.
Ich recherchierte in dieser Angelegenheit weiter und konnte mich nur wundern wie viel Verlogenheit auf einem Blatt Papier möglich ist. Als ich den zuständigen Mitarbeiter – einen Professor - erreichte und diesen zur Rede stellte, dass ein anerkanntes öffentliches Institut (vergleichbar mit unserer Bundesanstalt für Materialprüfung) sich so einen Fehler erlaube, bekam ich zu hören, dass gegen diese Firma bereits Strafanzeige erstattet wurde. Seit ich den Sachverhalt den Verantwortlichen der Stadtverwaltung vorgetragen habe herrscht Funksstille.
Dies wirkt deswegen so schwer weil, wenn ein Hausbesitzer oder Immobilienverwalter davon hört, dass sogar die Stadtverwaltung ihre Objekte mit solchen Verfahren „trockenlegen“ lässt, viele ohne weitere Prüfungen, auch auf solche untauglichen Verfahren hereinfallen.
Resümee
Fakt ist, dass es einige Phänomene gibt, die sehr komplex sind und dadurch von der Wissenschaft nicht immer und exakt im Zusammenwirken vorhersehbar sind.
Fest steht jedoch, dass die Baustoffe und die daraus resultierenden Gesetzmäßigkeiten, insbesondere die Saugfähigkeit; Oberflächenbenetzungen und die kapillaren Kräfte, sehr gut erforscht sind. Und nur wenn es gelingt, dieses Saugverhalten zu unterbinden, kann man von einem brauchbaren und für die Praxis tauglichem Verfahren sprechen.
Fachleute diskutieren nicht kontrovers, sondern sie sind sich einig, dass es sich bei den elektrophysikalischen Verfahren um ungeeignete Verfahren für die Praxis der Mauertrockenlegung handelt.
Seit über 30 Jahren beschäftige ich mich mit der Bauinstandsetzung. Ich arbeite viel mit Praktikern, Ingenieuren und Naturwissenschaftlern, außerdem mit namhaften Materialherstellern eng zusammen.
Niemand zwingt mich ein bestimmtes Produkt zu verwenden. Ich habe keine Verträge mit irgendwelchen Firmen, um daraus eine Abhängigkeit abzuleiten oder ein bestimmtes Produkt oder Verfahren verwenden zu müssen.
Alle meine Entscheidungen bei der Instandsetzung feuchter Gebäude werden ausschließlich nach „Denk-mal-pflegerischen“ und wirtschaftlichen Kriterien sowie unter den Gesichtspunkten der Ökonomie und der Ökologie festgelegt.
Ich gebe zu, einige Jahre an solche Verfahren geglaubt zu haben. Die meisten der so bearbeiteten Objekte sind jedoch in einem schlechten Zustand und nicht „trocken“.
Es hat viel Zeit, Kraft und Geld gekostet herauszufinden, welche Ursachen dies hat. Wenn ein Gebäude nach einer Instandsetzung z. B. mit Sanierputz neu verputzt wird, dauert es viele Jahre, um den Erfolg - oder den Misserfolg zu entdecken.
Es ist sicher wünschenswert Verfahren zu wählen, welche schonend und substanzerhaltend eingesetzt werden können. Ein ausgebrochener Ziegel ist dabei sicher kein Schaden. Es steht keinesfalls dafür, deswegen andere, als die in der Praxis bewährten Verfahren durch sehr umstrittene zu ersetzen!

Ich würde mich freuen, wenn hierzu jemand seinen Kommentar abgiebt.
Aber auch geschädigte sollten sich bei mir bitte melden.



geballte Faust in der Tasche...



Hallo Herr Bromm,
schön das Sie den Weg auch in dieses Forum gefunden haben, von mir bekommen Sie 100 von 100 möglichen Punkten an Zustimmung.
Grüße aus Leipzig von



Mit Zauberkästen zum Erfolg


Meine Wenigkeit im Büro  1   (der junge Kerl)

Hallo lieber Eddie

Jawohl beiß sie, diese skrubellosen Geschäftemacher !
Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie diese Gestalten es schaffen arglose Leute über den Tisch zu ziehen.

Anderseits muss ich schon immer wieder über die Leichtgläubigkeit der z.T. hochintelligenten Käufer wundern, denn der einzige Erfolg dieser Zauberkästen liegt doch beim Verkäufer.
Es ist schier zum Verzweifeln, dass es der Fachwelt nicht gelingt auf breiter publizitischer Ebene diesen Unsinn endlich zu entlarven. Jeglicher größerer Versuch der Aufklärung, wird mit massiven Klagen im Namen der "freien Wirtschaft" aus den prall gefüllten Kassen dieser Leute abgeblockt.

Hier könnte man an unserem Rechtssystem verzweifeln. Diese Verkäufer zweifelhafter Produkte, Abmahnvereine, Schwindelrechnungssteller, 0190-Nummerabzocker, Haustürgeschäfteschwindler etc. werden wohl nie aussterben.

Mit besten Grüßen



Lutz



...Elektroosmose und kein Ende in Sicht



Hier eine Geschichte in Stichworten zum Thema Elektroosmose - vielleicht eine Anregung ;-))
1999 : meine Schwiegermutter bekam ein Kästchen (ca. 6700.- DM)- bei mir (Nachrichtentechn.) kamen Zweifel auf - ich nahm es unter die Lupe - war im Innern ganz nett aufgebaut - Stromaufnahme rund ! ! 50mAmpere - reicht gerade zum Befeuern der Anzeigen (LED) - bei einer staatlichen Stelle ließ ich ein Funktionsprofiel erstellen - gemessen wurden lediglich die ! ! 50Hz Netzfrequenz - gehe zum Anwalt - bekam handfeste Briefe der Gegenseite - macht nichts - das Ganze gieng vors Gericht - kurz vor Termin sprang die Gegenseite ab, übernahm alle Kosten und erstattete den Kaufpreis - Fazit : wer so ne Kiste sein Eigen nennt und es anzweifelt, sollte sich nicht scheuen zum Anwalt zu gehen-je mehr es wagen, desto schneller wird auf die Machenschaften dieser Firmen aufmerksam gemacht.
PS : ...mein gestriger Gang zur Staatsanwaltschaft erhielt zwar Verständnis-aber auch den Satz : ...uns sind die Hände gebunden :-(((((



gebundene Hände



Lieber Peter

Ich frage mich, wer bindet hier wem die Hände und wer läßt sich aus welchem Interesse die Hände binden ?
Hier sind Entfessellungskünstler gefragt.

Gruß

Lutz



....gebundene Hände !?



Hallo Lutz, beim Vorsprechen diverser Stellen kam folgendes heraus :
Verbraucherschutz :-((((
Verbraucherzentrale :-((((
Staatsanwaltschaft :-((((
Kripo-Wirtschaftskriminalität :-((((
usw. usw. usw......
- Fazit: keiner ist dafür zuständig
Vielleicht sollte ich doch meine "GoldStrohMaschine" auf den Markt bringen :-)

Gruß
Peter



Traurig



Lieber Peter

Ach wie schade um unser schönes Land in dem die Dummheit jeden Tag reichlich Nachwuchs bekommt.

Wir müssen um so aufmerksamer sein.
Gruß


Lutz



Es hat fast geklappt !!



Danke für den Beitrag - Augenöffnend allemal !!, und Geldsparend !
Habe für die "Elektrophysikalische Mauerentfeuchtung" beinahe den Auftrag erteilt. Wenn das nicht sein soll, ist ja o.k. so, wer gibt mir einen Alternativen Rat !?
Danke. Frieder G.



wie weiter ?



Hallo Frieder

Wo befindet sich dein Problemfall?
Wir finden dann auch jemand mit Kompetenz in der Gegend.

Gruß

Lutz



Danke für schnelle Antwort



Hallo Lutz,
dank erst mal für die schnelle Reaktion.
Mein Haus ist Baujahr 1946, Teilunterkellert mit Feldsteinfundament ca. 60 cm dick. An einigen Stellen, nicht ringsum, sind Feuchte Salzflecken, max. bis 0,5 m übers Erdreich.
Grüße aus Sachsen
Frieder G.



Auch mal was von der Gegenseite.



Meine sehr geehrten Herren
Ich bin zwar noch Student und auch nicht hauptsächlich im Bauwesen tätig. Dennoch bearbeite ich im Zuge meines Studiums gerade ein Projekt, welches Elektroosmoseverfahren zum Thema hat. Sicher gibt es genug "Zauberer", die aus dem Magnetfeld der Erde genug Energie ziehen wollen, um das Wasser aus dem Haus zu verbannen. Aber stellen Sie sich bitte auf Ihre Zehenspitzen, um auch einmal über den Tellerrand blicken zu können. Allerdings gibt es auch Firmen, die mit genau definierten Feldern, welche aktiv erzeugt werden, die Teile des physikalischen Systems beeinflußen, welche an der Kapillarwirkung beteiligt sind.
Ach und an Sie Herr Bromm. Die Person, die in Foren und auf der eigenen Homepage am intensivsten gegen die jeweiligen Kontrahenten vorgeht, sind Sie, da Sie ausschließlich die passiven System beachten und nicht etwa aktive. Befassen Sie sich einmal mit aktiver Elektroosmose und nicht nur mit Medizinmännern. Den auf seriösen Seiten finden Sie als Argument gegen Horizontalsperren usw. nur den Kostenfaktor und den Bautenschutz. Kleiner Tip: Elkinet, Matrolan, DryTech.
Mit freundlichen Grüßen
Stefan Weber



Da Sie noch Student sind ist doch einiges zu entschuldigen....



Sie sollten jedoch, bevor Sie so laut schreien, einige Fakten auf den Tisch legen.
-Insbesondere wie die Leitfähigkeit immer noch möglich ist, wenn die Flächen abtrocknen.
-wenn bekannt ist, dass sich Wasser bei 1,29 Volt zersetzt, wie verhindern Sie, (oder auch andere)das Wasserstoff entsteht oder was genauso problematisch ist erklären Sie was der naszierende Sauerstoff anstellt. (Oxidation)
Von welcher Saugleistung gehen Sie aus?
Oberflächenspannung von Wasser sollte doch klar sein!
Was sagen Ihnen die Ergebnisse der Untersuchung von Scherpke und Schneider an der Universität Wien - die ja zu sehr negativen Bewertungen kommen?
Sollten Sie jedoch das Perpetuum Mobile doch erfunden haben, dann ziehe ich gerne den Hut.
Aber bis dahin eine fundierte Arbeit vorlegen.
Und mein junger Freund glauben Sie nicht alles was man Ihnen erzählt.
Schauen Sie sich die Argumente genau an und recherchieren Sie sehr sauber. Na dann....



40% Restfeuchte



rein physikalisch betrachtet funktioniert die Elektroosmose bei nassem Mauerwerk durchaus ... Problem ist nur, das die Wirksamkeitskurve mit zunehmender Trockenheit gegen Null ausläuft - und das bei roundabout 40% Restfeuchte im Baustoff.

Aber wem reicht das schon ???

Zum Lagern von Kartoffeln und Gemüse mag das vielleicht in Ordnung sein, aber für "normale" Wohn- und Lagerzwecke sicherlich nicht.

Gruß aus Wolfenbüttel

Stefan



Erklärt mir doch jemand, wie die Saugfähigkeit - die ja bekannt ist überwunden werden soll.



Es ist bekannt, dass die Saugleistung ungefähr bei 60 Volt ausmacht.
Mir erscheint es logisch, dass diese Saugfähigkeit erst zu überwinden ist.
Alles andere ist Wunschdenken!




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