OHNE Dampfsperre

19.06.2012 Danene



Eine Einschätzung von Euch wäre toll.
Ich möchte beim Ausbau des Dachstuhls auf Dampfsperren möglichst verzichten.
Zum Aufbau des Daches von außen:
- Ziegel
- Gutex Multiplex 35mm
- Gutex Flex Dämmung 180mm als zwischen Sparrendämmung
- Fichten Schalung 28mm (keine N+F)
- Schilfrohr
- Lehmputz ca.30mm

Kann ich auf Intello+ oder ähnliches verzichten?

Vielen Dank!





Hallo,

an der multipex gibt es unten Kondensat, da geht kein Weg dran vorbei. Also besser ist die intello innen.
Bei abweichender Nutzung, z.B. selbsttätig bedarfsgesteuerte Lüftung, wird die Gefahr geringer.

Grüße vom Niederrhein



Hallo Danene,



scha mal bei steico (http://www.steico.com/de/anwenden/steildach/dachsanierung-von-aussen.html)
nach, da geht es auch ohne Dampfsperre zwischen den Sparren.

VG Gerhard



Woher …



… kommt die Gewissheit, dass es bei der Multiplex unten Kondensat geben wird?
Vorher müsste ja noch die 180er Schicht Flex absaufen, davor müsste die 30mm Lehmschicht und die 28mm Schalung von der Feuchtigkeit durchdrungen werden.

Lt. Datenblatt gilt die Gutex Multiplex-Platte als diffusionsoffen und feuchtigkeitsregulierend, genau wie die Gutex Flex, wo ist das Problem, saubere Abdichtarbeit mit Lehm vorausgesetzt?





Kondensatausfall wird es dort auf alle Fälle geben. Die unteren Bauteile durchfeuchten deshalb nicht, da die Feuchtigkeit diese in der Dampfphase passiert und im Winter an der kältesten Stelle als Kondensat ausfällt – und das ist an der Unterseite bzw. in der Multiplexplatte.

Entscheidend ist, ob das Kondensat ausreichend kapillar an die Oberfläche transportiert wird, dann funktioniert das. Der Dampfdiffusionswiderstand, die Einzelwerte eines Bauteiles sollten nach außen hin abnehmen, was nach Gutex-Datenblatt auch bei diesem Aufbau erfüllt wird.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Gibt es Angaben …



… über die exakte Feuchtigkeitsmenge, die sich überhaupt auf den Weg durch die Schichten macht?

Gibt es genaue Berechnungen über die exakte Lokalisierung des Taupunktes in der Dämmung?

Das dürfte doch stark von der Art und Intensität der Nutzung der Räume, sowie von der jeweiligen Außen-/Innentemperatur abhängig sein. Bei letzterem Punkt kommt noch die Art der Heizung ins Spiel.

Taupunkt bei Einsatz von WEM-Wandheizung in den Dachschrägen? Sicherlich ein anderer als bei Konvektionsheizung. (Vor)-Berechnungen und praktische Beispiele bzw. gemessene Ist-Werte müssten gegeneinander abgeglichen werden.





Die exakte Feuchtigkeitmenge zu bestimmen wäre nicht hilfreich, da diese von der jeweiligen Raumnutzung und der bewohnenden Person abhängt. Ein Bauteil muss auch funktionieren wenn sich eine Nutzung ändert, bzw. ein Bewohnerwechsel stattfindet.
Zur Berechnung wird landläufig von einer rel. Luftfeuchtigkeit von 50% bei 20°C innen und 80% rel. LF außen bei -10°C ausgegangen. Gleiche Werte in der Grundannahme führen zur Vergleichbarkeit.

Der Taupunkt kann exakt lokalisiert werden. Das geht rechnerisch ebenso wie durch Bauteilöffnung.

Wandheizungen entschärfen die Problematik deutlich, doch trotz allem sollte das Funktionieren eines Bauteiles weder auf einer Folie noch auf der Funktion einer laufenden Wandheizung basieren. Es muss auch funktionieren, wenn ein Dachgeschoss beispielsweise in einigen Jahren unbewohnt und dann erfahrungsgemäß unbeheizt oder kaum beheizt wäre.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer





Was vergibt man sich dabei, eine Dampfbremsfolie an der Unterseite der Sparren anzubringen? Ist natürlich Arbeit, kostet auch Material - aber dennoch wäre es mir sicherer.

Ich habe mir jetzt nicht das Datenblatt der Gutex Multiplexplatte angeguckt. Aber vom Namen her verwechselt man sie halt schnell mit den normalen Multiplexplatten, welche dampfbremsend (z.T. sogar fast "dampfsperrend") sind.

Nunja, also ich würde auf die Folie nicht verzichten oder vielleicht darüber nachdenken, statt der Schalung OSB-Platten zu nehmen.



Je mehr ich weiß, desto mehr erkenne ich, das ich nix weiß.



Ich hatte nicht für möglich gehalten, das sich solche Depaten auf die Frage wegen entwickeln könnten. Ich danke aber in jedem Fall für diesen Austausch an Fachwissen und Meinungen.

Bin auch weiterhin an dieser Stelle offen für Meinungen und Diskusionen.



Wozu schreiben …



… Firmen wie Gutex, Pavatex etc. überhaupt ihre Datenblätter bzw. entwickeln überhaupt Produkte mit bestimmten Eigenschaften wie z.B. integrierte Unterdeckplatte?
Damit jemand, dem die Arbeit (und das Geld) nix ausmacht, in bester doppelt-gemoppelt-Manier noch eine zusätzliche, völlig überflüssige Folie dazupappt?

Oder ist es nur die bauausführende Firma, die den Bauherrn mit dieser Sonderleistung (weil man ja Multiplex-Platten und Gutex-Multiplex so leicht verwechseln kann…) beglückt?





@ Christian Bisping

Ist die Folie denn wirklich überflüssig? Dachbahnen sind inzwischen alle, wie auch die Gutex-Multiplex-Platte, diffusionsoffen und trotz alledem wird nicht auf eine Dampfbremsfolie verzichtet. Und das liegt nicht daran, dass fast nur Glas-/Steinwolle als Dämmmaterial verwendet wird.



Die Unterspannbahn…



… wird durch die o.g. Materialien ersetzt.

Ob eine Dampfbremsfolie bei jeder Art Dachdämmung zwingend sein muss, dazu werde ich mich nicht weiter äußern. Ich habe einige Beispiele gesehen, wo es schon lange funktioniert, habe es auch von einem Lehmbauer hier in meiner Nachbarschaft gehört, die es z.T. selber bei ihrem eigenen Dach so gemacht haben (kann gerne einen Kontakt herstellen).

Bei der IGB sieht man es auch nicht so eng, aber hier wird man offensichtlich gesteinigt, wenn man in diese Richtung geht.

Die Folien-Fanatiker packen ja auch ihre Dampfbremsfolie zu dicken OSB-Schichten unters Dach.

Anderseits bin ich keine Fachfirma, die etwas verkaufen will und ggf. für die Schäden geradestehen muss.

Vielleicht melden sich hier ja doch noch ein paar Bauherren, die erfolgreiche Erfahrungen ohne die ganzen Folien unterm Dach gesammelt haben. Früher ging es ja auch, damit meine ich nicht ganz früher (saukalte Buden mit Wärmeflasche im Bett, Kacken im Hof auf den Misthaufen, Lebenserwartung 30 Jahre), sondern die Jahrzehnte bis vor etwa 20 Jahren, als es auch schon Holzweichfaserplatten oder Heraklith-Putzträger gab, die unters Dach kamen und ggf. noch mit Holzpanele verblendet wurden, wohlgemerkt ohne! Gespinstwolle-Zusatz. Dem Dach und den Bwohnern scheint es bei geringen Komforteinbußen und etwas höheren Energiekosten auch nicht allzusehr geschadet zu haben.