Was ist das???

23.04.2008


Haben in unserem Haus (Baujahr 1880) im Erdgeschoss einen Raum, der zuerst Schweinestall war und dann zum Wohnraum umgebaut wurde. Wir haben nun begonnen (da neue Stromleitungen verlegt werden müssen), die vorhandene Vertäfelung abzureißen und dann folgendes vorgefunden (siehe Bilder). Was ist das? Ist es Schimmel? Und was ist nun zu tun? Bitte nur erstgemeinte Einträge zurück schreiben, denn wir brauchen wirklich Rat und keine Diskussionen, die am Thema vorbei gehen. Danke.

Vielen lieben Dank
Svenja




Kurze Beschreibung



Es sind mehrere weiße Flecken an der Wand (siehe Bild oben). Es sieht aus wie viele kleine Flocken und wenn man es anfaßt, fällt es zusammen. Kann es leider nicht besser Beschreiben.

Die Wand an sich macht aber keinen Feuchten Eindruck. Was nun? Ich kann gerne noch Bilder hier rein setzen, wenn man noch mehr sehen möchte um sich einen Eindruck zu verschaffen.

Bitte obiges nicht falsch verstehen. Aber wenn man hier Fragen stellt, entstehen oftmals Diskussionen und dem Fragenden wird damit nicht geholfen.

Lieben Gruß Svenja



Edwin Salpeter



... war hier nicht der Namensgeber, sondern das lateinische "sal petrae" das Felsensalz.

Hallo Svenja,

da handelt es sich wohl zweifelsohne um eine Salzausblühung, umgangssprachlich mit "Salpeter" bezeichnet. Es wird unterschieden in Ammoniumnitrat, Bariumnitrat, Natriumnitrat, Kaliumnitrat und Calciumnitrat.
Während noch im 30-jährigen Krieg Soldaten in den Keller kamen um das Zeug abzubürsten muss man sich heute leider selbst damit herumplagen.

Ursache ist wohl die vorherige Nutzung des Raumes als Schweinestall. "Fäkalsalze", Nitrate aus Urin und Kot der Schweine treten hier "blühend" an die Oberfläche.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer





Fast vergessen:

Ein wirkliches Ende der Ausblühungen ist nur durch absolute Trockenheit der Wand zu erreichern. Nur dann werden die in Lösung befindliche Salze nicht mehr "wandern".

Ursache der Feuchtigkeit abstellen, entsalzen und Verputzen - klingt doch einfach.

Wenn es sich um punktuelle Ausblühungen handelt wird die Ursache vermutlich recht einfach abzustellen sein, bei Erdfeuchte ist das schon etwas anderes. Ohne gehörigen finanziellen Aufwand verhält sich die Nitratatausblühung wie ein lästiger Pickel und kommt immer wieder.

Also: Sind die Ausblühungen großflächig im Ex-Stall verteilt oder nur punktuell vorhanden?

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Salz



Hallo Swenja,
Hier ein Link: http://www.ib-rauch.de/Beratung/salz-2.html
viele Grüße



Danke



Vielen lieben Dank, hier zu dieser Frage haben wir zwar nicht viele Antworten bekommen, aber die Antworten die kamen, haben uns ein ganzes Stück weiter gebracht.

Danke dafür.

Lieben Gruss
Svenja



da du auf mehr Antworten gehofft hast, hier meine.......



1880....!!!....Schweinestall!?

"Wir graben in manchem Haus das Recht haben wir vom König aus.
Wir fahren zur Salpeterei von Pflastergeld und Schranken frei, es lebe die Saliterei, sind Schranken-, Zoll und Steuerfrei."

Was sie als früheren Schweinestall bezeichnen war Wohnraum, zusammen mit den Schweinen!
Salpeter an der Wand war der Normalzustand eines jeden Hauses und vom König begehrt, diente es doch zur Schießpulvergewinnung.

Abfälle und Fäkalien landeten früher einfach auf der Straße.
Immer wird alles auf die Nutztierhaltung geschoben, schönes Alibi.
Dumm nur das selbst Paläste und Residenzen vom Adel mit Nitraten belastet sind, waren. Weil früher jeder seine Notdurft verrichtete wo er gerade stand.
Und das war völlig normal und wurde von niemandem als anstößig betrachtet.

Wer also war das Schwein?.......1880!!!

gruß jens



Abschweifung :-)



Wozu der Stoff notwendig war und warum man sich änstigte vor den Salitergräbern, schreibt Brunner in der Zeitschrift "DieOberpfalz":
"Ihnen war von der Regierung die Gewinnung des Salpeters und damit das Recht übertragen, das zur Bereitung des Schießpulvers so wichtige Salz überall, wo sie es vermuteten, zu gewinnen. Sie waren bei schwerer Strafe verpflichtet, jährlich eine bestimmte Gewichtsmenge abzuliefern. So gruben denn die Saliterer den Bauern in den Stuben und Kammern, in Scheunen und Ställen tiefe Gruben, sammelten die salpeterhaltige Erde und gingen wieder fort, ohne sich weiter um die Verwüstungen zu kümmern, die sie überall angerichtet hatten. Auch im Freien, wo immer sie salpeterhaltige Erde vermuteten, durchwühlten sie den Boden, um ihren Verpflichtungen gegen den Landesherren nachzukommen. Es ist erklärlich, daß diese Leute, die sich als Amtspersonen fühlten, infolge ihres rücksichtslosen Vorgehens allerseits gehaßte und gefürchtete Menschen waren. Ihr Geschäft galt als unehrlich wie das der Wasenmeister (-Abdecker) und Scharfrichter, weshalb man ihnen aus dem Wege ging, wo man konnte. Und doch brauchte man sie sehr notwendig,denn damals wußte man noch nicht, daß Salpeter in Unmengen in der Luft schwebe und ebensowenig hatte man von Chilesalpeter eine Ahnung. Im Jahre 1803 noch war die Gewinnung des Salpeters als "ein wesentliches Bedingnis zur öffentlichen Sicherheit" erklärt worden und blieb nach wie vor ein landesherrliches Recht, ein Regale."


aus: Von Häusern,Kirchen und Kapellen
Streifzüge 12/1992 Heimatkundlicher Arbeitskreis Vohenstrauß, Heiner Aichinger