Grundbalken durch Mauerwerk ersetzen

18.09.2018



Hallo,
wir haben ein Fachwerkhaus Bj 1890 gekauft. Nachdem nun die teilweise innen vorhandenen Wandvertäfelungen entfernt wurden mußten wir leider feststellen, daß ein ca. 6 m langer Grundbalken teilweise morsch ist. Dieser liegt direkt auf dem Sandsteinsockel auf.
Diesen Grundbalken wollten wir eigentlich erneuern lassen. Nun kam aber ein Zimmermann mit der Idee, diesen einfach zu entfernen und durch Mauerwerk zu ersetzen.
Was haltet ihr von dieser Idee? Ich kann leider nicht beurteilen, ob dieses machbar ist bzw. auch sinnvoll.
Vielen Dank im Voraus



Machbar ja, sinnvoll nein



Sind sie sicher das sie einen Zimmermann zu Besuch hatten?
Die Vorläufer der Fachwerkhäuser hatten Pfosten, die einfach in die Erde gehauen, bzw. auf Punktfundamente gesetzt wurden. Die mögliche Hausgröße war begrenzt, die Dauerhaftigkeit der Fußpunkte der Pfosten gering. Dahin kämen sie wieder zurück, wenn sie die Grundschwelle durch Mauerwerk ersetzen. Also zurück zu den Ursprüngen oder fachgerecht machen:

Schwellbalken haben eine lastabtragende Funktion zur Verteilung von Punktlasten. Sie halten auch das konstruktive Gefüge zusammen. Lasten dürfen nicht über die Gefache abgeleitet werden, diese sind nur Füllmaterial. Fehlen die Grundschwellen kann es zum Auswandern ganzer Wände kommen und erheblichen Verformungen.

Sind die Schwellen hin, warum auch immer, sollten diese erneuert werden. Statt mühsam auch gleich alle verfaulten Ständer am Fußpunkt instandzusetzen, ist zu überlegen ob man nicht wandweise diese soweit zurückschneidet, dass die meisten Ständer wieder i.O. sind und die neu einzubauende Schwelle außerhalb des Spritzbereichs liegt. Auf dem Weg lassen sich auch gleich eine oder mehrere horiz. Feuchtesperren einbauen und die Streifenfundamente ertüchtigen oder erneuern.
Die Feuchtesperren nicht direkt unter den Balken legen, besser mind ein oder 2 Ziegelreihen dazwischen mauern. Die Grundschwelle unterseitig mehrfach mit Leinöl einstreichen als Feuchteschutz.
Generell sollte ein Fachwerkbalken in Erdbodennähe immer luftumspült sein und niemals einseitig oder beidseitig von Beton oder anderen abdichtenden Materialien eingeschlossen sein, es sei, man möchte die Kompostierung beschleunigen. Seit den 50er Jahren ist viel Wissen um die Besonderheiten von FW-Bauten verloren gegangen. Man hat Schwellen zugeschüttet, einbetoniert, mit Bitumen angestrichen, mit Ytong zum Erdreich hin untermauert, mit Karickedraht und Zementputz überputzt, Fußböden im Inneren neu aufgebaut ohne darauf zu achen dass die Schwellen oder andere Fachwerkbalken auf einmal unterhalb des neuen Fußbodenniveaus liegen. Beliebt sind bis heute z.B. Innendämmungen mit MIWO oder begradigende Verkleidungen aus Rigips und insbsondere mit Hohlräumen zur Außenwand hin, niemals funktionierenden Dampfsperren. Allen o.g. Konstruktionen gemein ist ihre zerstörerische Wirkung auf das Fachwerk und und Schaffung idealer Bedingungen für Schimmelpilze und holzschädigende Pilze.

Gut zum Selbststudium ist Fachwerkhäuser
restaurieren - sanieren - modernisieren von Lenze. http://www.fachwerkhaussanierung.de

Fragen sie mehrere Zimmereibetriebe, vielleicht hilft auch eine Vermittlung durch die IG-Bauernhaus. Als Mitglied haben sie auch weitere Vorteile (z.B. Unfallversicherung für die Familie).

Gruß
Selle



Grundbalken durch Mauerwerk ersetzen



Hallo!

Meinem Vorredner stimme ich voll und ganz zu... insbesondere bei der einleitenden Frage: "Sind sie sicher das sie einen Zimmermann zu Besuch hatten?"

Viele Grüße :-)

Lehmbauer Marc



Horizontalsperre



Unter der Lage Ziegelsteine dann mit Dachpappe oder was wird hier empfohlen?
Gruß
Sebastian



Horizontalsperre



... da gibt es im Prinzip zwei Fraktionen: die einen sagen: "Musst Du auf jeden Fall machen!" und die anderen: "Lass den Quatsch!"
Ich selbst zähle mich zur letzteren Fraktion.

Viele Grüße

Lehmbauer Marc



DAnke



Hallo,
vielen Dank für die lehrreichen Antworten. Wir werden jetzt Zimmerer ansprechen und den defekten Balken entsprechend eurer Vorschläge ersetzen lassen.
Nochmals Danke
Ralf



Ziegelsteinreihe



Hallo,
nochmal eine Nachfrage zum Thema.
Wenn man so vorgeht, dass man unter den Balken eine Ziegelsteinreihe setzt.
Wird der Balken dann in Mörtel gelegt, also zwischen Ziegelstein und Balken, oder direkt auf den Ziegelstein?
Ich habe hier auch schon beide Varianten gesehen.
Grüße
Sebastian



Ich würde meinen



ohne Mörtel. Bei der Ausführung der Rollschicht ist einiges zu beachten, z.B. die nötige Druckfestigkeit der "Backsteine", da gibt es ein weites Spektrum.
An dieser Stelle nochmal der Verweis auf ein wirklich gutes Buch. Die passende Leseprobe (mit Bild) zum Thema gibt es hier:

https://www.fachwerkhaussanierung.de/feuchtesanierung-des-fundaments-mit-dem-schwellbalken

Grüße



Besten Dank



Für die Buchempfehlung.



Bei meinem Haus...



wurde vor ca. 100 Jahren die Schwelle teilweise entnommen und mit Sandsteinen aufgemauert. Da gab es keine weiteren Schäden. Ich kann mir vorstellen, dass das auch daran liegen könnte, dass in dem Zuge die Gefache ausgemauert wurden und sich durch die stabilen Gefache die Kräfte besser verteilen.
Mein Beitrag soll nicht als Aufforderung verstanden werden, dies so zu tun. Ich würde eine Holzschwelle bevorzugen. Leider lässt sich das Bild nicht drehen



Schwellensanierung



hi
Wir haben sowas auch schon gehabt.
Der Aufbau war folgend : Planum auf Bruchsteinmauerwerk, Horizontalsperre (fürs Gewissen), Backsteinsockel aus Mauerziegeln 24cm tief mit Kalkmörtelschicht zur Schwelle 20x14 Douglasie und darauf Fachwerk 14x14 mit Lehmsteinausmauerung.
Davor Holzweichfaserdämmung und hinterlüftete Putzfassade.
Die Schwelle wurde bündig zum Sockel in den noch feuchten Mörtel gelegt, ausgerichtet und nachdem sie belastet wurde gegen Verschieben mit Gewindestäben gesichert.

War ne schöne Arbeit und das Fachwerk war in recht kurzer Zeit "reingezimmert"
Habe in 7 Jahren keine Nachteile bemerkt und würde diese Sanierung weiterempfehlen

ole