Grüne Rigips/Gipskarton Platten an den Innenwänden im Fachwerkhaus

15.04.2019 1980 Paula



Hallo Liebe Community, ich bin neu hier und setze auf Euer Schwarmwissen. Im Rahmen von diversen Sanierungsarbeiten wurden grüne Gipskartonplatten als Wand und Deckenverkleidung in Bad und Küche verwendet... Man muss dazu sagen, dass dies nicht geschehen ist, weil wir gerne gerade Wände hätten... Wir erfreuen uns an unserem "unperfekten" Haus und seinen Eigenheiten. Leider sind wir recht Ahnungslos an das Projekt herangegangen und haben es alles in fachlich kompetente Hände gegeben (so dachten wir zumindest damals...) und ab dann rollte die Lawine. Was ursprünglich mal nur eine abgehängte Decke werden sollte ist dann ein (bzw zwei) komplette verkleidete Räume geworden. Mal abgesehen davon, dass es meiner Meinung nach überhaupt nicht schön ist und nicht zum Stil des Hauses passt, haben wir nun einige (neue) Handwerker im Haus gehabt aufgrund eines Schadens. Ein Teil des Rigips musste deshalb geöffnet werden. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir gar nicht die Idee gehabt, dass Rigips ein Problem darstellen könnte... Wie wurden hellhörig als einer sagte "wenigstens ist es der Grüne" (ich weiß bis heute nicht was das zu bedeuten hat) Die weiteren Meinungen gingen von "Nicht so schön gelöst" bis "Geht gar nicht" oder "das kann man so nicht lassen" es gäbe aber dennoch auch Handwerker die es wieder so machen würden. ... Ich würde gerne verstehen was es nun auf sich hat mit dem Rigips.... Unsere Wände (unter dem Rigips sind Tapeziert und Gestrichen (falls das eine Rolle spielt?!) und darunter ist die Wand aus Lehm/Stroh-Gemisch.
Was ist die Alternative? Und was kostet die Alternative? Mir hilft es nicht all zu sehr einen Quadratmeterpreis für das Material zu kennen, da ich keine Vorstellung vom Arbeitsaufwand habe... Kann man für solche Projekte ungefähr sagen was es komplett pro Quadratmeter kostet mit den ganzen Nebenkosten? Die Gipskartonplatten sind übrigens bei uns nur auf die alte Wand geklebt worden mit punktuellen Haftmaterial (keine Ahnung was das genau war). Brauch es normalerweise eine Unterkonstruktion?



Innenwände im Fachwerkhaus gestalten



Hallo zusammen,

Die Kombination von Lehmfachwerk und Rigipsplatten hatte ich bei meinem Fachwerkhaus auch.

Das wurde früher gerne gemacht, weil so mit wenig Aufwand gerade Wände hergestellt werden konnten.

Je nach Lust und Laune wurde der Zwischenraum zwischen Rigibs und Fachwerk leer gelassen oder mit irgendwelchem Dämstoffen gefüllt.

Das ist vorsichtig ausgedrückt....suboptimal.... ;-)

Der Wandaufbau im Fachwerkhaus sollte immer diffionsoffen und kapillar wirksam sein.

Das bedeutet, die Feuchtigkeit kann aufgenommen, weitergeleitet ind wieder abgegeben werden.

Wenn die Wärmeisolierung keine Rolle spielt, dann kann man nachdem der ganze Rigibs entfernt wurde, einen Putzträger ( bsw. Schilfrohr ) auf die Balken bringen und alles hohlraumfrei mit Lehm verputzen..

Die andere Möglichkeit, wenn auch eine ernstzunehmende Wärmedämmung erreicht werden soll, ist die eine Innendämmung einzurichten.

Ich habe vor die Fachwerkaußenwände eine Ständerkonstruktion gebaut, diese mit einem Schilfrohrputzträger versehen und den Zwischenraum mit Blähton/Leichtlehm gefüllt.

Das hat den Vorteil, dass eine ordentliche Wärmedämmung erreicht wird, ohne das der Wandaufbau nachteilig für das Fachwerk wird.

Billig ist das allerdings nicht....


Gruß
Ralph



Naja, was sollte man nun tun!



Die Wege sind derart verschieden, die man gehen kann, doch diese wiederum hängen auch von ihrem Anspruch ab!
Leider kann ich den derzeitigen Zustand so nicht beurteilen un d kann jetzt nur vage eine Lösungsveränderung ansprechen.
Ob weiß oder grün, das spielt hierbei fast nur eine unwesentliche Rolle!!
Aus unserer langjährigen Erfahrung heraus und den Austausch mit anderen Kollegen und auch Kunden, würden wir hier eine Rückbauempfehlung aussprechen.
So, wie sie es zudem noch andeuten, entspricht es auch n icht euren Bauchgefühl und somit ist die Messe eigentlich schon gelesen!
Trotzdem stellt sich hier die weitere Frage, was wurde genau vereinbar und was wurde daraus ableitend ohne eure Absprache oder Freigabe eigenmächtig ausgeführt!

Wie mein Vorredner bereits erwähnte, ist im Fachwerkbau stets auf eine homogene und sorptionsfähige Wandaufbaukonstruktion zu achten.
Küchen und Bäder erarbeiten wir seit Jahren in einer hohen Akribnie in massiven bzw. homogenen Wandaufbaulösungen.
In Lehm gebettete Hertaklithplattenbeplankung oder gar eine Lehmsteinvorsatzschale.
Je nach Erfordernissen und auch finanziellen Machbarkeiten.
Decken bäuchten eigentlich gar nicht abgehangen werden, wenn nicht somit Leitungen etc. damit verdeckt werden müssen.
Hohlbereiche hinter Ständerkonstruktionen sind eher tödlich, da auch die Winddichtigkeit hier eine große und entscheidende Rolle mit spielt!

Klar, wird es immer verschiedenste Meinungen geben, doch was wir auch immer wieder bei unseren Kundschaften erfahren, spricht fast den gleichen Wortlaut!
Machen wir schon immer so und ist doch ein "Top"-Material!!
Weit gefehlt und hirnloses bauen!!
...oder eben das sogenannte "Lobbybauen"!

Haben sie Fotos von ihrem Dilemma??

FG Udo Mühle



Homogener Wandaufbau wäre ideal



Das tolle an den GK Platten ist, man kann Murks blitzschnell verschwinden lassen, genauso prima verschwindet die Haustechnik ohne intelligente Leitungsführung oder lästiges Schlitze fräsen hinter den Platten. Gekniffen ist der Kunde/Hausbesitzer, wenn es was zu verändern gilt, die Schimmelpilzzucht geerntet werden will oder sonstige größere Reparaturen anstehen. Dann reißt man den Mist meist wieder raus und hat die Entsorgungskosten . In unserm Landkreis kostet 1m² Gipskarton entsorgen soviel wie mich das Material im Einkauf kostet. Genug gemeckert... und noch etwas Antwort auf ihre Eingangsfrage.

1. Grüne GK-Platten haben einen imprägnierten Gipskern der etwas weniger feuchteempfindlich ist als die Standard (graue/weiße) GK-Platten. Dauerhafte Feuchteeinwirkung vertragen die Grünen aber auch nicht.

Probleme entstehen immer dann, wenn warme Raumluft über Wandöffnungen , wie z.b. Hohlwanddosen für Steckdosen an Anschlußfugen oder belüfteteten Fußböden in den Hohlraum gelangt. Immer wenn der Hohlraum kälter ist als der Wohnraum, wo die Luft herkommt , kann sich Kondenswasser bilden an kalten Wandteilen wie z.b. Innenseiten der Außenwände, Sockelbereich im EG an Innenwänden, alte Schornsteine, schlecht isolierte Kaltwasserrohre etc.
Warme Luft kann eine bestimmte Menge Feuchtigkeit als Wasserdampf aufnehmen. Kühlt diese Luft sich ab. wird Feuchte in Form von flüssigen Wasser an die Umgebung abgegeben und unter ungünstigen Bedingungen die Umgebung aufgefeuchtet.

2. Gipskarton mit Plaster (Kleber) auf Lehnm Kleben hält nicht dauerhaft. die Verbindung ist zu starr. Es kommt zu Schalenablösung . d.h. der Lehmputz im Untergrund wird abgerissen und die Konstruktion hält nur noch durch ihre Eigensteifigkeit. die Verbindung mit dem Untergrund ist aber dahin. Alte Tapete und anderes organisches Material auf der Oberfläche sollte zuvor in (späteren) Hohlräumen entfernt werden. Bei Montage auf Ständerwerk kommt es naturgemäß nicht zur Ablösung, da die Platten auf das Ständerwerk geschraubt sind. Hier ist das Problem die Anschlußfugen zwischen alter Substanz (Lehm, Fachwerk) und den GK-Platten rissfrei herzustellen, was dauerhaft nicht möglich ist. Acryldichtstoff ist dabei auch keine Lösung, es reißt neben der Dichtstofffuge nach einiger Zeit erneut.

3. Das Problem mit einem Rückbau ist, dass sie die Haustechnik wahrscheinlich gleich auch partiell mit neu machen können. Einige Kabel und Rohre werden mit Sicherheit zu kurz sein, wenn sie dann Unterputz gelegt werden sollen oder sie werden unschön im Sichtbereich verbleiben. Die alte Tapete sollte entfernt werden . Meist auch die erste Schicht Lehmfeinputz. In den alten Häusern gibt es oftmals mehrere alte Putzschichten aus früheren Renovierungen, welche nicht immer noch feste mit dem Untergrund verbunden sind. So kommt es manchmal beim Schlitzen der Wände für Installationarbeiten zur Ablösung ganzer Platten die evt. dann auch wieder mit aufgebaut oder entfernt werden müssen. So kann schnell aus einem kleinen Vorhaben eine Großbaustelle werden.

Änderungen an der Haustechnik sind per Ferndiagnose nicht einzuschätzen. Zu den Kosten für Verputz kann ihnen der Udo sicher mehr sagen.

Gruß
Det