Bodenaufbau auf Erde/Sand

26.11.2012



Liebe Community,

wir haben Mai 2012 ein altes Bauernaus gekauft in dem wir gerade versuchen das Problem des Bodens in einem Teil des EGs zu lösen. Wir haben Wände entfernen lassen und der resultierende Boden war sehr uneben, deswegen wurden jetzt noch ca. 20 cm alte Fliesen, Estrich, Erdboden/Sand usw entfernt. Der Untergrund ist sandige Erde, mit wenigen grösseren Steinen/Bauschutt.

Ich kann nicht behaupten, dass der Boden staubttrocken ist, aber ziemlich trocken. Früher war zumindest ein Teil unterkellert aber vermutlich 1901 (letzter große Umbau) eingefüllt. Es wurden im August schon 50 cm tiefe Löcher für die Fundamente der Stahlträger gegraben und diese Löcher sahen trocken aus. Es gab aber im Frühling mehrere Rückstaue der Kanalisation, die zu Wasser im EG geführt haben. Soviel zur Trockenheit.

Da ich gerade vor Schock erstarrt bin, als ich den Kostenvoranschlag unsers Bauunternehmers gesehen habe den Boden zu ebnen, suche ich nach Alternativen bzw. Möglichkeiten die Kosten zu reduzieren.

Alternative 1:
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- Sand/Erde verdichten, ev. etwas Kies
- Trennlage aus Ölpapier
- 5 cm Unterbeton/ Sauberkeitsschicht: Beton C 25/30 0-16? Der Bauunternehmer will 12 cm, also ziemlich teuer.
- Abdichtung aus Dichtschlämme. Bauunternehmer will Schweißbahn, scheint mir ziemlich teuer.
- 8-10 cm Wärmedämmung. Oder einfach lassen, um Kosten zu sparen.
- Trennfolie
- 4.5 cm Zementestrich (günstiger?) Bauunternehmer will 5 cm Fliessestrich. Keine Fussbodenheizung geplant.
- Fliesenbelag

Alternative 2:
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- Sand/Erde lassen, mehr Sand oder Splitt
- Glassschaumplatten legen
- In der Anleitung der Platten steht: „Gegebenenfalls Ausführung einer einlagigen, bituminösen Abdichtung“. Flüssigem Heißbitumen ist ja teuer, aber es gibt auch 2 Komponenten Kaltkleber (PC 56 Bitumenkaltkleber von Foamglas)
- PE-Folie (zweilagig) überlappend
- Estrich
- Fliesenbelag

Alternative 2 würde ich mich auch selber zumuten. Obwohl ich mich noch weiter einlesen muss.

Ich wäre dankbar, wenn ihr mal diese Vorgehensweisen kommentieren würdet, wie wir den Bodn am Besten und möglichst günstig hinbekommen können.



Fußbodenaufbau



Fangen wir mit der zweiten Variante an:
So einfach und billig ist das mit den Foamglasplatten nun auch wieder nicht, allerdings machbar.
Bitte verwechseln Sie nicht Foamglasplatten mit Foamglasboards.
Die Platten werden meistens als lastabtragende Dämmung unter Bodenplatten eingesetzt, verlegt werden sie eingeschwommen in Heißbitumen auf einer Betonsauberkeitsschicht.
Foamglasboards (folienkaschierte Platten) können auf verdichtetem Unterbau auch direkt in Feinsandausgleich verlegt werden. Die Stöße werden mit Bitumenkaltkleber verklebt, das Einschwimmen entfällt. Darauf kann dann direkt auf einer Trennlage Zementestrich aufgebracht werden.
Nachteile: für den ungeübten Laien ist die ebene, setzungsfreie Verlegung nicht so einfach. Die Dämmwirkung ist im Vergleich zum Preis nicht überragend. Foamglas ist nicht so einfach im Baumarkt zu haben, es kann nur über den Fachhandel nach Bestellung bezogen werden.
Wenn Sie diese Variante bevorzugen dann empfehle ich Ihnen die Dämmung mit Polystyrolschaumplatten als obere Lage zu kombinieren um kosten und Einbauhöhe zu sparen.

Zur ersten Variante:
Ich halte sie mit ihren Änderungen für die kostengünstigere.
Ihr Vorschlag mit ca. 5 cm Sauberkeitsschicht, ca. 10 cm Dämmung und Zementestrich ist eine bewährte Lösung. Dämmung und Estrich wird von spezialisierten Firmen eingebaut, Ihr Bauunternehmer braucht nur die Sauberkeitsschicht einzubauen (die kriegen Sie zur Not selber hin).

Zementestrich braucht seine Zeit zum Abbinden und Trocknen, rechnen sie mit ca. 3 Wochen bis er belegreif ist. Schneller geht es mit Gußasphaltestrich. Auch hier wird die Dämmung und der Estrich aus einer Hand vom Spezialisten geliefer und eingebaut, auf Wunsch auch oberflächenfertig.

Viele Grüße





Vielen Dank Herr Böttcher. Gibt's ein Fachbuch das Sie empfehlen würden, damit wir uns in den Einzelheiten der Vorgehensweise einlesen können?



Foamglas



Ich kenne keines das für Laien gedacht ist.
Es gibt ein Handbuch "Bodendämmung mit Foamglas" herausgegeben von Pittsburgh Corning Europe, das ist aber nur für Planer gedacht und nicht im Handel erhältlich.
Mit dem Einbau von Betonschichten oder Estrich ist es wie mit allen handwerklichen Arbeiten. Man muß sie erlernen, das geht nur durch praktische Übung, Korrektur, Wiederholung unter Anleitung. Durch Theorie allein geht es nicht.
Das ist wie mit Hochseilakrobatik.
Ich kann ihnen gerne eine Instruktion verfassen wie Sie sich auf dem Seil zu verhalten haben. Da steht dann drin das Sie nur den Schwerpunkt Ihres Körpers immer mittig über dem Seil zu halten haben und schon fallen Sie nicht runter. Ich denke das wird Ihnen herzlich wenig nützen

Viele Grüße
p.s. Hier ein paar Preise für Estriche inklusive Dämmung:
Gußasphalt ca. 37,- €/m²
Zementestrich ca. 36,- €/m² (beim Neubau mit größeren Flächen ca. 22,- €/m²)



Im Großen und Ganzen



schließe ich mich Georg Böttcher an. Allerdings schließe ich mich, was die Betondicke angeht dem Bauunternhemer an und empfehle mind. 10 cm.
Als Dämmung sind mind. 11 cm Polystyrol 035 oder 12 cm 040 erforderlich (Grenzwert 0,30 W/m²K).
Die Abdichtung mit Bitumenschweißbahn ist eine sichere Sache. Bei einer Dichtschlämme muss man vorsichtiger sein. ich rate den Kontakt zum Hersteller. Dichtschlämme ist verhältnismäßig diffusionsoffen. Damit kann dann eine Diffusion aus dem Erdreich in den Fußbodenaufbau erfolgen und evtl. zu Schäden führen (Aussage eines Herstellers).





Bei der Alternative 1 des Bauunternehmers liegen wir bei ca. 150 Euro pro m2 plus MwSt. Macht bei den 28 m2 mehr als 5000 Euro. (Ein Ecke (5 m2) ist schon in der Vergangenheit betoniert worden und sollen nicht neu betoniert werden).

Bei Alternative 2 dachte ich an diese Lösung von Glapor:
http://www.glapor.com/files/003paw_1.pdf
http://www.glasschaum.com/DE/glasschaumplatten_4_DE.html#FB.Dämmung

"Fußbodendämmung auf Sand-/Splittbett mit/ohne Bodenplatten
(Sanierung/Neubau)

EIGENSCHAFTEN
Dampf- und gasdichte Konstruktion
Insekten-, nagetier- und bakterienresistent
Ökologisch aus 100% recyceltem Glas

NUTZEN
Geringe Aufbauhöhe
Abdichtung gegenüber Radon
Dauerhaft konstante Wärmedämmung mit eingebauter Kapillarsperre

UND SO EINFACH WIRD'S GEMACHT
Aufbringen einer Sand- / Splittausgleichsschicht auf der Bodenplatte bspw. tragfähigem Untergrund
Das Sand- / Splittbett ist mit einer Abziehlatte flächenplan herzustellen
Glasschaumplatten auf das Sand- / Splittbett im Verbund verlegen
Gegebenenfalls Ausführung einer einlagigen, bituminösen Abdichtung
Glasschaumplatten mit PE-Folie (zweilagig) überlappend abdecken
(Heiz-)Estrich gemäß statischen Erfordernissen herstellen
Bodenbelag verlegen
…und fertig "

Was ich nicht finde, ist wie dick diese Platten von Glapor sein müssen. Es gibt 40 mm (19 Euro/m2), 60 mm (26 Euro/m2), bis 120 mm (vermutlich sehr teuer).

Es gibt natürlich auch Glassschaumschotter (z.B. Geocell oder auch Glapor), wo man auch keine Betonplatte zu benötigen scheint, aber da sehe ich folgende Probleme
1. "Die gewünschte Endhöhe der Glassschaumschicht sollte 20 cm nicht unterschreiten. Zulässig sind aber auch Schichtdicken ab 15 cm." 15 cm würde gehen, aber funktioniert das wirklich gut?
2. "Das tragfahige Planum muss mindestens 30 cm über dem höchsten Grundwasserspiegel (HGW) liegen." Vermute mal das dies stimmt, weiss es aber nicht genau.



Fußboden



Auszug aus meiner Baukostensammlung 2010/11:
Kellersohle als Betonsohle... aus C12/15,
D= 12 cm...PE- Folie, ohne Sauberkeitsschicht,
direkt auf vorbereiteten Untergrund,
Oberfläche für Estrich: 31,00 € pro m².
Ob Foamglas oder Glapor: die Produkte sind als Platten praktisch identisch.
Bei Foamglasboards gibt es durch die Folienkaschierung keine Höhenvorgabe.

Viele Grüße