Greift Styropor und Bauschaum Holz an?

18.02.2022 SWhof321


Ich wohne auf einem alten Schwarzwaldhof, den wir in den letzten 3 Jahren mal wieder umgebaut haben, davor war man in den 1980ern dran und davor wurde auch alle paar Jahrzehnte was gemacht. Daher findet sich eine Vielzahl an Techniken und Materialen im Haus, auch die eine oder andere Bausünde....
An ein paar Stellen wurden Hohlräume zwischen Gebälk und angrenzenden Bauteilen mit Bauschaum ausgefüllt. Teilweise fährt Styropor direkt an das Gebälk dran.
Jetzt hatte ich diese Woche einen erfahrenen Denkmal-Architekten hier, der meinte, dass ich Kontakt zwischen Styropor bzw. Bauschaum und Holz vermeiden sollte, da das das Holz auslaugt und langfristig schädigt. Eine Recherche dazu im Internet hat nichts ergeben? Was meinen die Fachleute hier?

Als Alternative zum Bauschaum hat er Kompriband empfohlen. Ist das besser?

Es geht mir hier explizit darum, ob die Materialen das Holz schädigen?

Dass Styropor kein Abtrocknen des Holzes zulassen ist bekannt. Das Material ist auch nicht an Außenwänden und auch nicht komplett abdeckend verbaut.



Kondensatfeuchte



gibt es auch an Innenwänden. Es ist völlig egal wo das Styropor und der Bauschaum verbaut sind, Feuchtigkeit ist überall vorhanden. Allein Dein Atem entält eine Menge davon, der sich an kälteren Bauteilen (also hinter dem Styropor) absetzt und auskondensiert. In der Regel hält Holz das aus, nur an ungeeigneten Stellen kommt es manchmal/öfter zu zuhohen Wasserkonzentrationen die dann für Pilzliebhaber optimaler sind. Wenn die Dämmung allerdings nicht vollflächig ist, schadet sie vielleicht nicht, hat aber auch keinen wärmenden Effekt. Und keine Angst: die Kunststoffe knabbern das Holz nicht weg, der Schaden entsteht nur über den Umweg der Feuchtigkeit. Das sieht dann machnmal so aus.



Was ist denn das...



...für ein Bauesotheriker?

" da das das Holz auslaugt und langfristig schädigt."

Das ist Unsinn. Wie bitte soll es zu einer Auslaugung kommen? Kondensat wird sich ganz gewiss nicht an der Kontaktstelle Holz - Bauschaum/Styropor ablagern.

Kompriband nachträglich hineinzustopfen ist auch Unsinn. Dafür ist es nicht gemacht.

Es gibt viele gute Gründe, warum Styropor und Bauschaum bei einem historischem Gebäude vermieden werden sollten. Jetzt aber diese Materialien eines verpeilten Planers wegen auszubauen, nur, damit sie nicht mehr da sind, das wäre zum dritten Mal Unsinn.

Sucht Euch einen tatsächlich sanierungserfahrenen Architekten oder Bauleiter, lasst ihn die Situation begutachten. Er wird Euch Schwachstellen benennen (wenn diese denn da sind) und eine mit Eueren Bedürfnissen und Möglichkeiten abgestimmte Vorgehensweise empfehlen. Wie erkennt Ihr einen geeigneten Kandidaten? Er hat gute Referenzobjekte und zufriedene Bauherren.

Für auszufüllende Fugen ist zum Beispiel Stopfhanf gut geeignet. Nur bitte, kratzt jetzt nicht isoliert überall den Bauschaum 'raus, nur um Stopfhanf reinzustopfen. Das wäre sinnloser Aktionismus. Es gibt keine "guten" oder "schlechten" Baumaterialien, wohl aber richtige und falsche Verwendung ebendieser.

Grüße

Thomas



Ich habe herzlich gelacht :-)



Bauesoteriker, ein schöner Begriff. Wobei das Thema nur ein Randthema unseres Gesprächs war und im Rest des Gespräches viel Fachwissen gezeigt wurde.

Danke für eure Einschätzung und keine Angst, ich hatte nicht vor in blindem Aktionismus alles rauszureißen.
Falls mal wieder was gestopft werden muss, probier ich den Hanf mal aus.