Bekämpfung von Holzschädlingen ???!!! Wie ?




Hallo, wir haben am vergangenen Wochenende das Fachwerk unseres neuen Häusleins mit Leinöl von aussen gestrichen.
Da die Balken nun schön dunkel geworden sind, haben nun gesehen, dass in zwei Balken Schädlinge sitzen. Aus insg. 5 etwa 2 -3 mm großen Löchern rieselt etwas Bohrmehl heraus. Was kann ich hiergegen tun ???
Gibt es ein Mittel was ich mittels Spritze in die Löcher geben kann? Da noch einige (unbewohnte) Löcher im Umkreis der befallenen sind, stellt sich auch die Frage ob ich dort auch etwas einspritzen sollten.

Vielen Dank im voraus
Alex



Sekundärbefall



Hallo Alex

In vielen Fällen irritieren Ausmehlungen am Außenfachwerk die Hausbesitzer und verleiten auch "Holzschutzexperten" hier einen aktiven Befall durch Holzschädlinge zu diagnostizieren. Oft handelt es sich jedoch nur um einen sogenannten "Sekundärbefall" durch verschiedene Hautflügler wie z.B. die Grabwespen.

Einer der Gründe für eine solche Fehlentscheidung kann sein, dass der Auswurf von im Holz vorhandenen alten "Bohrmehl" durch Grabwespen, die die alten Gänge der Holzinsekten für Ihre Aufzucht nutzen, als Befallsmerkmal eingeordnet und daraus eine Holzschädlingsaktivität abgeleitet wird.

Die Grabwespen:
Grabwespen sind nächste Verwandte der Bienen. Wespentaille und beim Weibchen ein Stachel sind kennzeichnend. Ein Drittel der etwa 50 mitteleuropäischen Arten bevorzugt als Nistplatz bereits vorhandene Hohlräume.
Dem Menschen sind sie nicht lästig, da sie nicht stechen. Im Garten sind sie sehr nützlich. Das Vorkommen von Grabwespen und deren Verwandten im Holz (und auch im mineralischen Wandgefüge) ist von deren Klimaansprüchen abhängig. Sie lieben es trocken und warm. Nur wenige Schadensörtlichkeiten entsprechen daher ihren Anforderungen.
Weil die Vollinsekten von Nektar und Pollen leben, leisten sie auch Blütenbestäubung, während die Larven mit (uns lästigen) Insekten ernährt werden. Einige Arten der Grabwesepen "graben" und vergrößern alte Bohrgänge von holzzerstörenden Insekten, um sie als einzelne Brutkammern zu nutzen. Oft ist ein Pilzschaden vorausgegangen.

In den Kammern werden artspezifisch paralysierte (lebend, aber bewegungsunfähig bleibende) Insekten (Raupen, Fliegen, Wanzen, Zikaden, Blattläuse, oder Heuschrecken) als Larvennahrung eingebracht, und der Gang am Ende verschlossen.


Übrigens, auch das Mauerwerk wird neben Holz als Nistmöglichkeit illustrer Grabwespen - im Volksmund (falsch) Mauerbienen oder Mörtelbienen genannt - genutzt, was bei Architekten große Besorgnis hinsichtlich des Substanzverlustes hervorruft. Diese Besorgnis ist ganz unberechtigt, weisen die Nisthöhlen zuerst und ganz sicher auf eine mangelhafte Mörtelzusammmensetzung oder im weiteren auf andere Gefügeschäden hin. Entweder gab es z.B. schon beim Bauen zu wenig Bindemittel oder der Kalk konnte durch Witterungswasser auslösen.



Grabwespen-Lehmbienen



Hallo,
eine kurze Anmerkung zu den Grabwespen, der Substanzverlust
kann schon ganz erheblich sein. Bei uns werden die lieben
Tierchen Lehmbienen genannt und mein Stall ist ca 120 Jahre alt, bei der Dachstuhlerneuerung mußten wir einen Giebel
abreißen, weil die lieben Kleinen die Fugen zum Schweizer Käse gemacht hatten und man die Steine einfach abnehmen konnte.Vor dem Abriß haben wir jede Woche eine Kehrschaufel
voll Lehm auf gefegt.
Soviel zu der Aussage" diese Besorgnis ist ganz unbegründet".
U.Zipfel



Lehmwespen



Noch einmal kurz zur Problematik, hier kommen natürlich verschiedene Insekten in Frage:

Lehmwespen (Delta unguiculata)
Die Große Lehmwespe (Delta unguiculata), auch Delta-Lehmwespe genannt, gehört zur Familie der Faltenwespen (Vespidae) und wird manchmal der Gattung Eumenes (Töpferwespen) zugeordnet. Die Weibchen sind 20 bis 26 Millimeter, die Männchen 16 bis 20 Millimeter groß. Die Große Lehmwespe ist die größte mitteleuropäische Vertreterin der Solitären Faltenwespen.

Die Große Lehmwespe ist in Deutschland fast ausschließlich in Dörfern und Städten zu finden (Synanthropie). Sie baut ihre auffälligen Lehmnester einzeln oder in Gruppen meist an Hauswände.

Im übrigen bezog sich die Entwarnung darauf, dass der durch Insekten abgebaute Mörtel bereits eine erheblich reduzierte und damit besserungswürdige Festigkeit besitzten muß.

Gruß

L. Parisek



Lehmwandattacken



Aber du hast natürlich recht Uwe

Natürlich gibt es auch Zerstörungen an Lehm wie z.B. hier an einer Lehmwand durch Pelzbienen (Anthophora plumipes)



Pelzbiene (Anthophora plumipes)



Pelzbiene (Anthophora plumipes)

Die Gemeine Pelzbiene (Anthophora plumipes) ist eine solitär lebende Bienenart, die Ihren Nachwuchs ohne einen Staat aufzieht. Durch ihr dicke Behaarung und ihre kompakte Erscheinung erinnert sie etwas an eine Hummel. Die erwachsenen Tiere fliegen früh im Jahr (März - Juni) und sind häufig an Taubnesseln oder anderen Lippenblütlern zu sehen.

Sie fallen durch ihren pfeilschellen Flug auf und sind mit 14-16 Millimeter etwas kleiner als die gleichzeitig fliegenden Ackerhummelköniginnen, mit denen man sie verwechseln könnte. Das Männchen hat eine sehr charakteristische Behaarung am mittleren Beinpaar (siehe Bild) und eine auffällige hellgelbe Gesichtszeichnung. Das Weibchen hat eine rostrote Sammelbürste an den Hinterbeinen und ist ansonsten entweder ähnlich wie das Männchen braun, oder schwarz behaart.

Gemeine Pelzbienen sind typische Bodenbesiedler, die Weibchen bauen ihre Brutzellen gern in Steilwänden aus Lehm oder Löss. Wer Wände aus Lehm baut, um diesen Tieren Brutmöglichkeiten zu bieten und sie besser beobachten zu können, hat gute Chancen, dass die Gemeine Pelzbiene sich dort einnistet.