Alte Stuckleisten ausbessern, Altanstrich entfernen, neuen Anstrich auftragen

07.02.2008



Hallo zusammen,

wir haben in unserem Altbau Stuckleisten vorgefunden, die teilweise beim Entfernen überlüssiger, nachträglich eingebauter Trockenbauwände beschädigt wurden. D.h. es fehlen jetzt Stücke von max. 30 - 50 cm.

Das man die Form mit einer Profillehre abgreifen kann, habe ich bereits gelesen. Aber wie geht man dann weiter vor?
Stelle ich dann eine Form her, in die ich den Gips fülle (an der Decke /Wand), oder wie funktioniert das Ganze.

Der Untergrund in einem Bereich besteht aus Plisterlatten, die auf einem Stahlträger (=Unterzug) befestigt wurden. Muss man den Untergrund mit Putz grundieren, bevor die Stuckleiste darauf kommt oder klebt man die Leiste im fertig getrockneten Zustand auf? Wenn ja, womit?

An anderer Stelle besteht der Untergrund aus Lehmunterputz und Kalkfeinputz. Wie sieht es dort aus?

Wie sollte denn eigentlich die Zusammensetzung des Gipses sein? Muss man da etwas Spezielles beachten?

Der Altanstrich, der nicht im jetzigen Zustand verbleiben soll, muss enfernt werden. Verschiedenen Beiträge befassen sich mit der Verwendung von Dampfstrahlern. Löst man damit nicht den Stuck auf? In unserem Fall handelt es sich z.T. um Lackanstrich, dem der Dampf meine Erachtens ohnehin nicht viel anhaben würde.

Außerdem würde ich gern wissen, wie man denn beim Neuanstrich richtig vorgeht. Die Wände werden mit Kalk-Kasein-Farbe gestrichen. Kann man die auch für Gips verwenden oder ist das eher ungünstig? Was nimmt man anstatt dessen?

Fragen über Fragen, ich weiss. Ich habe große Hoffnung, dass es hier Leute gibt, die sich besser auskennen als ich (was nicht all zu schwierig sein dürfte) und ein paar Tips geben können.

Vielen Dank schonmal

Tina





Hallo

Wenn es sich um gezogenen Stuck handelt (also gerade ohne irgendwelche Blattverzierungen oder sowas) dann kann man bei so kurzen Fehlstellen wie folgt vorgehen. Gips in einem Becher relativ dick anmachen (ohne klumpen, Gipspulver in das Wasser streuen, Handschuhe anziehen!, dann kann man beim streuen klümpchen zerreiben, nicht umrühren, Gips solange in den becher streuen bis die oberfläche bedeckt ist, langsam vorgehen, damit sich der Gips vollsaugen kann, dann kurz umrühren und an die Wand damit), wand vornässen, mit einer kleinen Spachtel den Gips an die Wand klatschen ( beim anwerfen mit druck verbindet sich das besser, das geht mit etwas übung) dann eine etwas längeres, festeres metalllineal nehmen, parallel zum Stuck mit der kante an die Wand setzen und am Stuck entlang nach oben ziehen dann entsteht fast automatisch das gleiche profil. Gips schwindet beim trocknen etwas, ja nach Dicke des Stuck musst du evt. in mehrere Schichten arbeiten. Da der Gips sehr schnell abbindet, kann man zügig übereinanderarbeiten. Wenn er ganz getrocknet ist kann man mit einer ganz dünnen gipsschlämme nochmal drüber gehen oder mit ganz wenig gips fehlstellen ausspachteln, dann im trockenen Zustand nochmal fein drüber schleifen, besser siehts aber ohne Ausflick arbeiten aus. Hierfür ganz feinen Gips nehmen (modellbau gips).

Dampfstrahler halte ich für Gift für den Stuck. Den Lack abzubekommen wird auf einen Versuch ankommen. Probier mal ob er sich "abziehen" lässt wie eine Haut(mit einem dünnen Messer anheben und wegzeihen), ansonsten würde mir nur ganz feines Schleifpapier oder Abbeizer einfallen. Aber vielleicht weiß noch jemand was dazu . Wenn Schleifen dann nur ganz langsam . sobald der Gips zusehen ist aufhören, sonst schleifst du dir da Dellen rein und der Lack sitzt trotzdem obendrauf. Lass dir viel Zeit damit

Viel Spaß noch mit dem Stuck
Dorothée





Hallo Dorothèe,

danke für exakte Verfahrenanweisung. Damit kann ich auf jeden Fall was anfangen! Auf die Plisterlatten muss ich also keinen Putz oder ähnliches auftragen, zur Vorbereitung?
Und haftet das ganze also auch auf Lehm- oder Kalkputz?

Gruß
Tina





Wozu hab ich eigentlich gelernt und einen Haufen Geld für meine Meisterausbildung ausgegeben, wenn das jeder/jede nach 3-4 erklärenden Sätzen hier aus dem Forum auch hinkriegt.Also irgend wo hörts dann auch auf mit kostenlosen DIY-Tipps !

Was kommt als nächstes? Wie mache ich meinen Scagliola-Boden selber, oder ich hab 1 kg moltofil, was brauche ich noch um den Stuckmarmor bei meiner Oma auszubessern!



Call- Center.......!





@Roland



natürlich hast Du recht, das wir nicht deinen erlernten Beruf auf ein paar Zeilen kürzen können und auch hier nicht einen oder eine Zum Gesellen oder gar zum Meister machen können. Aber ich gebe Dir zu bedenken das meistens die Leute die vorgestern selbst sich mit solchen Dingen einmal beschäftigt haben, nach Ihren Erfahrungen, meist unsere Arbeit besser zu schätzen wissen. Menschen welche nur nach Industriestandarts und unnatürlichen Anspruchsdenken aus Ihrer Unkenntnis heraus das Unmögliche in Punkto Oberflächenbeschaffenheit vordern ohne jemals selbst einen Papierhut selbst gebastelt zu haben, gibt es leider (auch bei Architekten und Bauleitern) nur zu viele.


Grüße

Jürgen Jobmann



Hallo,



mit einer Handvoll Gips in einem Becher ist noch lange keine Stuckleiste neu gezogen. Herr Welsch kann da schon mal beruhigt sein - es gehört neben dem Gips auch noch ein bisschen Erfahrung dazu.
Ein guter Stuckateur bewältigt solche Arbeiten suveräner und schneller.
Zum Thema "Stuckfreilegung im Dampfstrahlverfahren sei Gift" bin ich persönlich etwas verwundert. Vielleicht kann mir das Frau Ziller mal näher erläutern (Welche Möglichkeiten bieten sich mir stattdessen, einen Abbeizer rückstandslos von der Stuckatur zu entfernen?).
Eine mechanische Freilegung mit dem "dünnen Messer" klingt für mich nach einem bedeutend höherem Verletzungsrisiko (auch für die Stuckoberfläche).

Tina - den Altanstrich (vermutlich Dispersionsanstriche, Latex oder Ölfarben im Sockelbereich) kann man getrost mit Abbeizer (diverse Anbieter - bspw. Scheidel Asur) entfernen und abdampfen. Mit dem Dampf wird bedeutend weniger Wasser in die Wand und in den Stuck gebracht als beim abwaschen.
Der Stuck wird sich dadurch nicht auflösen.
Kalkkaseinfarben kann man durchaus auch auf Stuck verwenden.





@ Thomas

Wenn ich von einem Laien Dampfstrahler höre, denke ich an die Dinger die auch für Fensterscheiben, Teppiche, Fußböden, Autoreinigung etc. verwendet werden. Da Gips nunmal hygroskopisch ist, wird dieser das Wasser in sich auf nehmen und hinüber ist die ganze Pracht. Ich weiß nicht welche Möglichkeiten entsprechende Fachfirmen aufweisen können. Da kann sich ja gerne jemand anderes dazu äußern.

Ich vermute eher, das es sich bei dem Lack um Latexfarbe handeln könnte. Und da wäre es evt. möglich diese wie eine Haut "abzuziehen". Das Messer würde in dem Fall nur dazu dienen, einen Anfang zu finden, den man greifen kann.

Einen schönen Abend

Dorothée



Hallo Dorothée



Die meisten Stuckaturen die ich bisher freilegte bestanden in den seltensten Fällen aus reinem Gips und waren durchaus in der Lage nach einem Dampfbad wieder abzutrochnen (Du hast schon recht, dass es bei bei einem reinem Gussstuck - je nach Qualität - zu bedenklichen Nebenwirkungen führen könnte, aber das habe ich bissher auch noch nicht erlebt).

In den meisten Fällen, vermutlich auch bei Tina, hat man es mit einem Kalkstuckgips zu tun.





Sehr geehrter Herr Welsch,

ich bin etwas verwundert ob Ihres emontionalen Ausbruchs. Es dürfte Ihnen doch sicher klar sein, dass in diesem Forum in der Regel nach einem Rat zum Umgang mit einer Materie gefragt wird, zu der der- oder diejenige bisher keinerlei Zugang hat. Es ist keiner verpflichtet sich zu äußern. Vielen Dank übrigens, dass Sie mir die Realisierung nach 3-4 Sätzen Anleitung zu trauen.

Sie wären sicherlich nicht begeistert, hätten Sie 10 Bauherren die Ihnen einen Auftrag für das Ausbessern von insgesamt etwa 80 cm einfacher Stuckleiste erteilen wollten.
Im Übrigen würde ich mal gern darauf hinweisen, dass nicht jedes Gebäude in dem Stuck vorzufinden ist, als denkmalpflegerisches Kleinod zu betrachten wäre. Sie als Restaurator würden sich wahrscheinlich beim Anblick der einfachen Leisten sofort abwenden. Ich als Bauherr möchte diese aber dennoch erhalten!

Versöhnliche Grüße
Tina