Kappendecke Sanierung

08.08.2010



Hallo,

in einem ehemaligen Kuhstall, Bj. wohl ca. 1900, habe ich eine Kappendecke, allerdings mit Holzbalken im Abstand von 57 cm als Träger. Dazwischen sind jeweils zwei Reihen von Steinen gegeneinander gestellt, Steingröße ca. 14x 32 cm (habs nicht abgemessen). Über der Decke war eine Masse eingefüllt, darüber eine Dielung. Aufgrund von Dachschäden wurden 3 Balken zerstört und mussten jetzt ausgetauscht werden. Ich habe vor, die Decke wieder herzustellen, d.h. die 4 Felder wieder zu füllen und dann auch die Dielung (direkt auf die Balken) wieder zu komplettieren. Der Raum dient als unbeheizter Lagerraum, d.h. Dämmung etc. spielt keine Rolle.
Meine Frage nun:
• Zwischen den Steinen findet sich weiße Masse, die ich laienhaft am ehesten als Gips ansehen würde. Dieser Gips(?) hängt seitlich und auch an den Schmalseiten in einer Stärke von 2-3 mm an den Steinen, so dass ich ihn abklopfen muss. Kann es sich dabei wirklich um Gips handeln, so dass man auch beim Wiedereinbau der Steine Gips verwenden könnte, um die Fugen zwischen den Steinen zu schließen bzw. als Kontaktmasse zwischen den Steinen? Oder ist das eine Kalkvariante?
• Müsste man diese „Fugenmasse“ vor dem Einsetzen der Steine bereits auf die Kanten aufbringen und die Steine dann mit Schwung zusammenschieben, so dass sich die Masse in der Fuge verteilt, oder kann man sie als Schlämme im Nachhinein von oben über die Steine gießen, damit sie sich von selbst in den Fugen verteilt?
• Um was könnte es sich bei der Füllmasse über den Steinen gehandelt haben? Das Material zerbröselt beim Anfassen zu Staub. Kann es sich ebenfalls um irgendeine Mischung mit Kalk gehandelt haben, da ja Zement zur Bauzeit damals wohl nicht üblich war. Was könnte man heute stattdessen verwenden, ohne den Steinen zu schaden?

Vielen Dank für jeden Hinweis.
Gruß, Walker





- Gips und Kalk kann man leicht unterscheiden: Gib einen Tropfen Zitronensäure drauf, wenns schäumt ist es Kalk.
Gips würde ich für den Zweck nicht verwenden, auch mit Gips versaute Steine nicht. Ein Mörtel aus hydraulischem Kalk sollte geeignet sein (da wissen sicher die Berufsmaurer hier Genaueres).


Kann es sein, dass es sich bei dieser Konstruktion um eine Art "falsches Gewölbe" handelt? Die Balken müssten unten breiter sein als oben, so dass sich die Füllung dazwischen verkeilt und nicht nach unten herausfallen kann. Weil das Holz Zug- und die Füllung Druckkräfte aufnimmt, wird die Sache, so primitiv wie sie ist, erstaunlich stabil. Zudem kann man krumme Balken, z.T. sogar Rundholz, verwenden.

Zum Wiederinstandstellen kann man unter die Decke eine Schalung anbringen, diese mit feuchtem Sand belegen, die neuen Balken da drauflegen (der Sand verhindert, dass Mörtel zwischen Balken und Schalung gerät, was nachher zu hässlichen Überzähnen führt) und die Füllung einbringen. Die Steine sollten vorher gewaschen und angenässt werden.
Man kann, wenn man sich nicht die Mühe des Ausmauerns machen will, auch mit Leichtbeton verfüllen.
Das Ausfüllen zu schmaler Fugen mit Mörtel ist mühsam oder gelingt gar nicht. Da die Füllung Druckkräfte aufzunehmen hat, ist es wichtig, dass die Fugen geschlossen sind.





Vielen Dank Jens Paulsen, für Deine schnelle Antwort. Leider kann ich anscheinend kein Bild eingefügen. In die Balken (schön rechteckig gesägt, also auch oben und unten gleich breit, keine Rundhölzer) ist beidseits eine Nut zur Aufnahme des einen Endes des jeweiligen Steines eingefräst. Das andere Ende des Steines steht ja dann gegen den gegenüberliegenden Stein. Zu dem Ausdruck „falsches Gewölbe“ kann ich insofern nichts sagen, als ich nicht weiß, was damit gemeint sein könnte.

Inwiefern sollte man mit Gips beschmutzte Steine nicht mehr verwenden (falls es sich um Gips handelt)? Ist das einfach aus optischen Gründen vorgeschlagen?

Die neuen Balken liegen bereits, ebenso die noch intakten Felder. Kann ich für die Wiederherstellung der ausgebauten Felder nicht einfach Feld für Feld meine Steine rechts und links in die Nut und in der Mitte gegeneinander wieder einsetzen, und danach wie von Dir vorgeschlagen einen Leichtbeton (kann man dafür diesen hydraulischen Kalk verwenden?) auf die Steine aufbringen? Wenn die Fugen zwischen den Seine halbwegs klein sind, sollte da ja von diesem Leichtbeton auch nichts durchdringen und dann von unten sichtbare unschöne Stellen erzeugen.

Was verstehst Du unter Ausmauern, was wäre das für eine Vorgehensweise?
Vielen Dank für Deine und sonstige weitere Angaben, ich wüsste nicht, wo ich sonst solche Infos herbekommen sollte.
Gruß Walker



Gips



dürfte das eigentlich nicht sein. Allein durch das Abbindetempo ist ein Stuckgips absolut ungeeignet. Gewölbe wurden meist ohne Schalung gemauert, das heisst, Stossfugen angeben und anbappen, zackzack. Dazu wird ein klebriger Mörtel benötigt, der sich nur mit feinkörnigem Sand und recht hohem Kalkanteil realisieren lässt.
MfG
dasMaurer





Hallo Walker,

wenn Sie sich hier anmelden, das tut auch nicht weh, dann können sie auch Bilder einstellen.

Grüße aus Schönebeck