Verträglichkeit von Gips und Sumpfkalk

15.10.2008



Hallo zusammen,

ich habe verschiedentlich gelesen, dass sich die mineralischen Bindemittel Gips und Sumpfkalk wegen drohenden Schwefelfraßes (Umwandlung des Kalks in Gips durch lösliche Schwefelreste in der Gipsphase) nicht vertragen sollen. Andererseits werden Gips und Kalk in "Gipskalkputz" offenbar gemeinsam verwendet.

Mir ist deshalb nicht klar, was das Zusammentreffen der beiden Bindemittel eigentlich bewirkt: Verändert sich das Abbindeverhalten des Sumpfkalks (in einem Anstrich oder einem Mörtel/Putz)? Lässt die Bindekraft des Kalkanstrichs auf einem Gipsuntergrund nach? Oder wird der Anstrich fleckig? Oder was ist ansonsten zu befürchten?

Für mich ist diese Informationen für zwei praktische Anwendungen wichtig:

(1) In einem denkmalgeschützten Altbau wurde der historische Kalkputz mit Gipsputz (Knauf MP 35; möglicherweise auch polymer gebunden) überputzt. Während offenbar keiner der Handwerker Sorgen hatte, der Gipsputz könnte auf dem Kalkputz nicht halten oder das Gewicht des Gipsputzes könnte den Kalkputz vom Mauerwerk reißen, wehren die bisher Beteiligten bei der Frage nach einem Kalkanstrich auf dem Gipsputz ab.

Wenn dabei lediglich mit einer verminderten Bindekraft (also vermehrtem "Mehlen") des Anstrichs zu rechnen ist, würde ich im Prinzip einen Zuschlag mit Zelluloseleim ("Tapetenkleister" in professioneller Variante) und evtl. eine Füllung des Anstrichs mit etwas Zellulosemehl probieren. Wenn bei Gips-Kalk-Kontakt allerdings Fleckenbildung durch "Schwefelfraß" zu befürchten ist, würde ich auf einen Kreideanstrich umschwenken.

(2) Für die eigene Anfertigung von Schall-/ Wärmedämmelementen im Wohn- und Werkbereich möchten wir eine stark mit Zellulosefasern gefüllte Spachtelmasse ansetzen, die sowohl mineralisch durch Gips als auch organisch durch Kasein gebunden ist. Das Kasein möchten wir lieber mit Sumpfkalk oder Kalkhydratdispersion als mit Borax aufschließen. Die gemischte Bindung ist aus verschiedenen Gründen wünschenswert, u.a., damit die Akustikelemente bei Brand trotz großem Zelluloseanteil ihre Form / Statik behalten und insgesamt schwerentflammbar bleiben.

Allerdings machen wir uns Sorgen, weil in der Spachtelmasse Gips und Sumpfkalk aufeinandertreffen würden.

Wegen dieser beiden Anwendungen bin ich für alle Hinweise zur Verträglichkeit von Gips und Sumpfkalk dankbar.

Grüße,
-- Dan.



Kalk und Gips



Mischungen von Kalk und Gips werden seit Jahrhunderten als Bindemittel eingesetzt.
Was kann passieren, wenn schwefelige Säure mit Kalk im Frischmörtel in Verbindung kommt? Es entsteht Calciumsulfat und Wasser.
Na, und?
Genau das ist sowieso im Mörtel drin.

Ob Säure im Gips enthalten ist, kann man übrigens sehr schnell mit einer ph- Wert- Bestimmung feststellen.

Etwas anders verhält es sich bei Mischungen von Zement mit Gips oder noch schlimmer Zementmörtel auf Gipsuntergründen. Hier kann es zu Treiberscheinungen durch Ettringitbildung kommen.

Gefahr für Kalk- bzw. Kalkgipsputz besteht nur, wenn er nach dem Abbinden mit schwefeliger Säure bzw. dem Anhydrit in Kontakt kommt. Die Bindemittelmatrix wird angelöst, der entstehende Gips wirkt volumenvergrößernd und ist wasserlöslich.

Viele Grüße



Gips + Kalk in flüssiger Phase OK



Hallo Herr Böttcher,

danke für Ihre prompte Reaktion.

Ich verstehe Sie so, dass Gips {CaSO4} und Sumpfkalk {Ca(OH)2} in flüssiger Phase verträglich sind, weil eine evtl. Volumenvergrößerung durch die Umwandlung von Ca(OH)2 in Gips vor dem Erstarren stattfindet; ich nehme an, dieser Prozess dauert an, bis die (evtl.) verfügbare schweflige Säure aufgebraucht ist.

Anders verhält es sich, wenn das Kalksystem abgebunden vorliegt und in Kontakt mit Gips gerät.

Aber müsste dann nicht im obigen Beispiel des mit Gipsputz überzogenen Kalkputzes drohen, dass der Gipsputz durch eine Volumenzunahme der oberen Kalkputzschichten abgedrückt oder zumindest die Haftung beeinträchtigt wird?

Herzlichst
-- Dan.