Giebelseite abreißen oder Schadstellen reparieren?

18.12.2019 Marcel



Hallo Fachwerk Community!

Nun habe ich über Jahre exzellente Beiträge mitgelesen, konnte vieles anwenden und nutzen - eine Wissensdatenbank, die es so zu erhalten gilt wie ein altes Gemäuer!

Zur Fragestellung:
An meinem Fachwerkhaus war nun die neue Wetterseite geplant. Die alten Schiefer (wohl schon ewig dran?) weichen einer neuen Schieferfassade. Durch jahrzehntelange Undichtigkeiten an den Fensterlaibungen hat sich allerhand entwickelt. Größtenteils durch Ameisen zerfressen, aber auch leider Spuren vom Schwamm/Fäule direkt an den Fenstern, wo es dauerfeucht war/ist.
Ich habe auf dem Bild die Schadstellen grün markiert, eine rote Linie für die Bereiche wo der Fraß vorher aufhört und das Holz massiv ist.

Stelle 1: Ameisen haben ganze arbeit geleistet, siehe folgendes Detail
Stelle 2: Das Rahmholz ist zerbröselt aber trocken - hier war vor 40 Jahren eine Undichtigkeit, die repariert wurde
Stelle 3: Siehe Detailbild, Zerfressen und denke Fäule durch Feuchtigkeit durch Laibung.
4er Stellen: jeweils zerfault durch Feuchte.

Ich würde die Schadstellen gerne durch KVH ersetzen lassen. Im OG kann die Wand innenseitig kaputt gehen, Fenster raus - im EG sehr ungünstig aber teils verkraftbar.
Alles andere zu sehende Holz ist trocken und ohne Mangel.

Wie sind eure Erfahrungswerte?
Mein Zimmermann möchte die Wand komplett abtragen und eine neue Wand bauen - heißt mein Haus ist auf und innen alles kaputt. Seht Ihr die Austauscharbeiten als Lösung?
Ich möchte ungern das Haus zerlegen.
Als Aufbau folgt vollständig Faserdämmplatte mit Schiefer etc.

Ich danke euch!
Marcel



Detail Ameisenfraß



Detail Ameinsenfraß



Detail Position 3 - Fäule



Fäule durch eindringendes Wasser am Sturzriegel und Fensterpfosten, Teils Schwelle



Giebelreparatur



freilich wird der Zimmermann einen Komplettneubau vorschlagen, er hat ja auch ein wirtschaftliches Interesse. Ich würde vorab eine Schadensaufnahme machen, also betroffenen Balken Abbeilen um zu ermitteln, wie tief der Schaden tatsächlich geht. Vom Foto her vermute ich Eichenbalken. Auch werden wohl Teile der Ausfachung raus müssen. Jedenfalls gilt es, bei der neuen Verschieferung besonderes Augenmerk auf die genaue Ausführung der Fensterbretter zu legen. Wie ist die Wand jetzt aufgebaut von innen nach außen?



Lösungssuche...



Hallo Pope, danke dir!
Die Fensterlaibung wird in Kupfer ausgeführt werden. Somit absolut dicht und extrem langlebig.

Innen EG und OG sind leider GK Platten an der Wand. Im OG sollen diese zwecks Renovierung ab eh runter. Folgend Holzfaser + Kalkputz. Im EG ist bereits alles fertig. Ich denke die betroffene Stelle wäre dann teils defekt da ich das Fenster ausbauen muss. Es gab innen nie Probleme mit Schimmel oder sonstigem.

Danke und Grüße



Fachwerkreparatur



Prinzipiell sollte bei alten Bauwerken doch nur das erneuert werden, was tatsächlich nicht mehr zu retten oder reparieren ist-
dh wie schon vorgeschlagen bis aufs gesunde Holz abtragen mit Beil, Stemmeisen oder Kettensäge.

Sofern notwendig einzelne Balken erneuern.
Wenn gedämmt werden soll wäre Zellulose besser, da es alle Unebenheiten ausfüllt und diese bei Ameisen wegen der enthaltenen Borsäure/Borsalzen unbeliebt ist.

Die Fensterlaibungen würde ich nicht mit Kupferblech abdichten, da dann auch keinerlei Austrocknung von innen eingedrungener feuchter Luft mehr stattfinden kann.
Ich würde eher Lärche- oder Eichenbretter für die Laibungen verwenden, evt mit Kompriband abdichten.

Zuerst Fensterbänke mit seitlicher Aufkantung setzen mit Luft zur unteren Auflage.

Bei Metallverkleidungen ist mit Kondensat zu rechnen, das Ablaufmöglichkeiten benötigt



Auch ich rate dazu,



nur befallenes Holz auszutauschen. Das müssen auch nicht ganze Balkenlängen werden, ein Zimmermann sollte die Holzverbindungen zwischen Bestand und neuem Holz hinkriegen. Wenn Zimmermann 1 zu neubauinteressiert ist, besser auch 'mal nach Zimmermann 2 schauen.

Die Kupferverkleidung halte ich für besser und dauerhafter als Holz, zudem formstabil. Ein Kondensatproblem sehe ich an dieser Stelle über Holz nicht, solange das Fenster richtig eingebaut wird. Holzbretter hingegen arbeiten, dichte Fugen wären nur von kurzer Dauer. Im schlimmsten Falle sieht es mittelfristig wieder so aus wie jetzt, weil unerkannt Wasser eindringt. Und das immer eindringende Regenwasser wäre weitaus schädlicher als etwas Kondensat in der Heizperiode.

Zellulose? Sobald da 'mal Wasser drankommt, sackt sie zusammen. Das halte ich, zudem hinter Schiefer, für nicht sinnvoll.

Grüße

Thomas



Fachwerkfassade sanieren



Wie soll die Kupferabdeckung der Laibung dauerhaft abgedichtet werden ohne dass unbemerkt Wasser von außen oder als Kondensat eindringen könnte?
Ein leicht austauschbares und mit Kompriband abgedichtetes Brett, das beliebig gestrichen werden kann
würde ich vorziehen.

Außen vor die Zellulosedämmung sollte zB eine Unterdachplatte oder Fassadenbahn.

Schiefer sind äußerst langlebig und bei senkrechten Flächen selbst bei kleineren Schäden wasserdicht.
Besser damit eine Maßnahmen gegen Ameisenbefall ergreifen

Welche Schieferplatten willst du verwenden und woher kommen die?



Balken tauschen klingt gut



Hallo Thomas, hallo Andreas,

danke euch für die Antworten.
Die Idee mit dem Kupfer kam, weil es langlebig und optisch passend zu weiteren Teilen am Haus ist. Bildung von Tauwasser hatte ich noch nicht bedacht - würde ich aber erst im nächsten Schritt besprechen, da bis dahin nunmal noch der Balkentausch/Schadstellentausch bevorsteht.
Ich muss nun erstmal wen in der Nähe finden, der mit die Balken Stück für Stück tauschen kann - nicht so einfach :-(
Vorbereitungsarbeiten erledige ich dann und helfe dabei. Alles Umliegende würde ich mit Imprägnieröl gegen Fäulnis oder Ähnlichem behandeln.

Welche Schiefer verwendet werden, kann ich noch nicht sagen - hier folgt noch Feinabstimmung mit dem Dachdecker. Ich habe lediglich mal eine Animation in Photoshop erstellt, wie es aussehen könnte. Die Fester im Giebel sind schon bestellt. Schiefermuster wird noch deutlich überarbeitet.

Danke & Grüße Marcel



Giebel sanieren



Wenn offenbar die Möglichkeiten bestehen ist Dämmung sicher sinnvoll.
Bei Stegträgern und Zellulosedämmung paßt sich die Dämmung an Unebenheiten an und müssen nicht vorher begradigt werden, wie für Dämmplatten.
Auf die Stegträger zB dünne Unterdachplatten, dann Konterlattung und Sparschalung für die Schiefer.

Musterfotos gibts zB bei Ratschek, wobei spanischer Schiefer viel günstiger ist und für senkrechte Flächen ohnehin ausreichend.