Fachwerk-Giebel-Verschalung

16.02.2006



Guten Tag,

ich soll für einen Bekannten an dessen Fachwerkhaus das Giebeldreieck verschalen!
Der Dachraum soll bewohnt werden.
Nun will ich ihm den Giebel auf jeden Fall Dämmen, habe allerdings Schwierigkeiten wegen des vorhandenen Dachüberstandes.

Der Giebel ist 16cm stark und wurde mit Ytong ausgemauert.
Der Dachüberstand am Giebel beträgt 20cm.
Gewollt ist eine Boden-Deckel-Schalung.

Nun müßte ich rechnerisch 100mm Dämmmaterial mit Wärmeleitfähigkeit von 0,045 einbauen, wenn ich einen U-Wert von 0,35 erreichen will. (der ist nach der EnEv einzuhalten)
Zum Aufbau kämen dann noch 2x 24er Lattung; 2x 24er Bretter hinzu und eine Winddichtigkeitsebene ist dabei noch nicht gegeben.
Insgesamt sind das nach Adam Riese 19,6cm, also verbleiben rechnerisch 4mm Dachüberstand.

Meine Fragen sind also;

Wie weit sollte das Dach über meine Schalung mindestens überstehen, um sie konstruktiv vor Witterungseinfluß zu schützen?
Kann ich als Winddichtigkeitsebene eine diffusionsoffene Unterspannbahn verwenden oder sollte ich lieber das Dämmmaterial geringer dimensionieren und zusätzlich DWD-Platten einbauen?
Welchen Sd-Wert dürfen diese dann nicht überschreiten?

Kann ich alternativ auch um "platz" zu sparen auch die Konterlattung weglassen, reichen die spalte der böden für eine ausreichende Hinterlüftung aus? muss ich die Traglattung dann versetzt anordnen?
Kann ich die Schalung an das Ortbrett dicht heranführen oder sollte ich für die Hinterlüftung eine Fuge lassen (wäre das auch wegen dem Quellen und Schwinden der Bretter angebracht?)?

Was hat es mit der sog. "Saug-Pump-Wirkung" bei der Hinterlüftung auf sich?

Ich habe auch die Option erwogen, den Ortgang zu verlängern, um entsprechenden Platz zu erhalten.
Allerdings würde dies den Arbeitsaufwand immens erhöhen (was mein Bekannter nicht unbedingt will) und ich müsste wahrscheinlich einen Bauantrag stellen, da ich somit das Haus verlängere, oder? Der Giebel befindet sich direkt an der Straßenseite, also der Grundstücksgrenze.

Ach ja, ich wollte "normale" Mineraldämmwolle verwenden, da diese schon z.T. vorhanden ist, das sollte doch kein Problem darstellen?

Ich hoffe mir kann jemand meine Unsicherheit nehmen und danke im voraus für eure zahlreichen Antworten!



Ziemlich eng!



Ein Dachüberstand von min 20 cm ist schon schön und auch wünschenswert. Ich weiß jetzt nicht wo das Haus steht, aber bei uns in NRW könnte die Verlängerung des Daches vermutlich ohne Bauantrag von statten gehen. Viel gravierender ist die Aufdickung des Giebels, wenn nicht genügend Grenzabstand vorhanden ist. Diese Dinge sollte man vorab mit dem Bauamt abklären.
Wie alt ist die Mineralwolle, dass sie nur einen Dämmwert von 045 hat? 040 ist heute eigendlich der Standard. Ob ich alte Minaralwolle einbauen würde? Ich hab aus meinem Bau alles rausgeholt und entsorgt.
Ich nehme an Stelle einer diffusionsoffenen Folie immer eine vergütete Weichfaserplatte. Die ist zwar 22 mm dick, hat aber schon einen entsprechend hohen Dämmwert.
Ist das Fachwerk von innen komplett verputzt? Mindestens genauso wichtig wie die Winddichte von außen ist ich Luftdichte von innen.



dankeschön



Danke Herr Heim für die schnelle Antwort!

Die Dämmwolle ist nicht alt, aber ich habe sie mit 045 gerechnet, um Sicherheit zu haben.
Innen ist noch nichts passiert, also noch nicht verputzt. Sollte schließlich die Außendämmung ausgeführt sein, wird innen eine Dampfsperre eingebaut und die Wand mit Fermacell verkleidet.
Das Haus steht in Hessen und der Giebel ist definitiv Schlagregen ausgesetzt.
Ich werde wohl um das Bauamt nicht herum kommen - danke für den Tipp; Ich hatte nicht gedacht, dass eine Giebelverstärkung lulassungsbedingt ist!

Für weitere Tipps bin ich jederzeit offen!

gruß,
Andreas Kähne



Vielleicht auch nicht,



aber es geht hier ja wohl um geringe Grenzabstände bzw. sogar um die Überbauung der Grenze.



genau



Guten Tag, ich kann mich Fred Heim nur anschließen. Eine Grundstücksgrenze darf erstmal prinzipiell nicht überbaut werden. Was vielleicht über Baulasten machbar ist muss im Einzelfall mit der Behörde und dem Besitzer des Nachbargrundstücks abgesprochen werden. Vermutlich wird aber nichts gehen.
Zur Wirkung des Dachüberstands: Ziehen Sie von der Dachüberstandskante unter 60° zur Waagerechten eine Linie richtung Fassade. Alles was zwischen dieser Linie und dem Dachüberstand ist ist bei gewöhnlichen Regenereignissen geschützt. Man erkent: eine ganze Geschosshöhe durch Dachüberstände zu schützen erfordert riesige Dachüberstände.
Die Doppelte Lattung ist bei Boden-Deckel Schalung immer erforderlich, sonst ist die Hinterlüftung nicht ausreichend.
An der Oberkante muss selbstverständlich eine Abluftöffnung angelegt werden.
Eine diffusionsoffene Unterdeckbahn funktioniert als Windsperre, eleganter (aber dicker) ist die Holzweichfaserplatte.
Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold