Gewölbekeller als Büro, ist das möglich?

10.10.2015 Philo



Hallo,
ich war ein 200 Jahre altes Lehmhaus ansehen mit einem großen Gewölbekeller, der ebenso alt ist.
Der Keller liegt mehrere Meter tief, ist etwa 15 Meter lang, 3m hoch und 4m breit.
Das einzige Licht bei der ersten Besichtigung war leider nur eine Taschenlampe. Modergeruch oder irgend ein Geruch ist mir nicht aufgefallen.

Da ich am besten Arbeiten kann, wenn mich kein Mensch stört und es mitten in der Nacht ist dachte ich sofort daran den Keller zum Büro umzubauen.

Aber das ist und bleibt ein Gewölbekeller und kein Wohnraum. Ist es möglich so einen Keller als Büro zu benutzen?

Ich müsste also Computer und Bücher und auch Stoffe da unten haben und da frage ich mich schon ob das möglich ist?

Also sind fürs erste meine Fragen:
a) ist das prinzipiell möglich?
b) was muss ich wie in Erfahrung bringen um a beantworten zu können?

Der Keller wäre wirklich ideal als Büro, ich würde das wirklich gerne machen1

Danke für eure Geduld :)



Keller



Das ist prinzipiell und technisch möglich, allerdings weiß ich nicht was die österreichischen Bauvorschriften dazu sagen.
So eine hochwertige Nutzung wird kostspielig und aufwändig.
Es ist:
- ein ordentlicher Zugang getrennt vom restlichen Keller vom Hausflur aus über eine Treppe zu schaffen (Steigungsverhältnis, Laufbreite),
-das Büro braucht eine natürliche Fensterfläche von 1/8 der Grundfläche des Büros zur Belichtung und Beleuchtung. Das geht nur über einen Lichtschacht an einer Schildwand, sonst nur durch künstliche Belichtung und Belüftung.
- Eine sensorgesteuerte Zwangslüftung ist in jedem Fall ratsam.
- Als Beheizung bietet sich eine Fußbodenheizung an,
- die beiden senkrechten, ca. 1 m hohen Wände auf denen das Gewölbe aufliegt sollten eine Innendämmung erhalten, ebenso die Schlildwand.



Gewölbekeller als Büro nutzen



Luftfeuchtigkeit und Temperatur sollten kontrolliert werden.
Bei privat genutzten Büros sind die sonst üblichen Bauvorschriften irrelevant. Ob das steuerlich berücksichtigt werden kann müßte geprüft werden.

Es wäre sicher günstig, den Boden mit einer Feuchtigkeitssperre zu versehen, darauf Dämmung und zB Holzdielen (Lärche/Eiche) oder Kork verlegen.

Die Wände je nach Feuchtigkeit zB mit Mineralschaumplatten oder, falls unumgänglich, mit Kalziumsilikatplatten dämmen-
eine darauf verlegte Wandheizung würde evt vorhandene Wandfeuchtigkeit reduzieren.
Am besten in Kalkputz Verlegen und mit Kalk- oder Silikatfarben streichen.
Zur Belüftung und Einhaltung einer bestimmten Luftfeuchtigkeit feuchtegesteuerten Ventilator montieren.
Darauf achten, dass keine warme Außenluft an kühlen Wänden oder Decken kondensieren kann.

Wer Tageslicht haben möchte könnte ein Lichtlenkungssystem installieren.

Dann könnte der Raum ein fast ideales Büro ohne jede Störungsmöglichkeit werden.

Andreas Teich





Hallo,

danke für eure Meinung.

Zwischenzeitlich habe ich mir auch schon gedacht, dass der Keller im Grunde wie eine Außenwand behandelt werden müsste. Dann geht keine Grundfeuchte der Erde rein und wärmegedämmt wäre es auch.

Dann macht es Sinn, das ganze zu heizen und dann ist auch die Kondensfeutchtigkeit kein großes Problem mehr, oder?

Sagen wir, der Keller wird auf 24°C gehalten, dann gäbe es rein theoretisch nur im Hochsommer die Gefahr der Kondensfeuchte. Aber der Keller (ist übrigens getrennt vom Haus betretbar) ist ein paar Meter unter der Erde, d.h. dann doch, dass die heiße Sommerluft gar nicht in den kühleren Keller einströmen kann, oder?
Feuchtigkeit ist auch jeden Fall zu vermeiden!!!

Das Foto ist im Moment das einzige, dass ich vom Keller habe.

Ich dachte auch schon daran alles auszubetonieren. Eine Fußbodenheizung ist eine gute Idee.
Und wenn man die Wände Wasserdicht macht und wärmedämmt sollten die auch kein Problem mehr sein, oder?
Bleiben die Wände trotz eine Wärmedämmung kalt

Danke für eure Zeit :)



Thermische Trockenlegung



Wir haben schon mehrere Keller mit Wandheizung und Lehmputz trocken gelegt. Wenn kein drückendes Wasser vorhanden ist geht das ohne Probleme. Da passiert auch nichts mit Kondenswasser. Belüftung und Licht sind natürlich auch zu beachten.





Ja, die Belüftung ... wie ich das anstellen werde, da habe ich noch keine Ahnung.
Soll man den vorhanden Abzug einfach weiter nutzen?
Muss man ein Gerät vorschalten?

Die Beleuchtung würde ich am liebsten in die Wand mit Spots integrieren.

Der Keller ist trocken, so trocken so ein Gewölbekeller sein kann. Wie gesagt man riecht nichts und die Wände sind auch trocken.

Das geht wirklich nur mit Lehmputz und einer Wandheizung?
Heizt man die nicht wie blöd ständig in die Wand rein?
Wäre da irgend eine Art der Dämmung nicht besser?
Ich werde da unten viel Zeit verbringen, als müsste auch die Heizung ständig laufen. In dem Keller hat es laut Verkäufer konstant 15°C. D.h. von der Erde her wird mit ständig die Wärme abgeleitet. Ich habe keine Ahnung von dem ganzen - bis jetzt - aber eine Dämmung gegen die kühle Erde erscheint mir sinnvoll.

Kann/soll man die Wandfeuchte mit irgendetwas messen bevor man weiter etwas plant?

Meine Frau hat mich vor eine neue Herausforderung gestellt.

Der Keller ist etwa 4m Breit und eben mindestens 15 vielleicht 20m lang (das werde ich nächste Woche nachmessen). Die ersten Meter sind bereits mit Ziegeln neu gemacht worden. Der hintere Teil hat irgend einen Verputz.

Kann ich den vorderen Teil so lassen wie er ist, damit sie da unten ihren Gemüse/Obst Keller hat und dann zieht man einfach eine Wand ein und der Rest ist ein Büro?

Mir gefällt die Idee immer besser, nur die Kosten, da traue ich mich noch nicht nachrechnen.

Eine Frage noch zum Lehmverputz.
Wie gesagt ist der hintere Teil des Kellers nicht mit Ziegeln ausgegleidet. Was immer da drauf ist ... vielleicht ist das schon ein Lehmverputz, auf alle Fälle kein Beton. Auf alle Fälle kommen da feine Wurzeln durch.
Die Wurzeln würden doch beim Lehmverputz auch durchkommen, oder?
Ich habe eigentlich keine Lust, das Büro alle Jahre mal komplett auszuräumen, weil ich die Wände ausbessern muss, weil Wurzeln den Verputz zerstören.



Keller sanieren



Lehmputz würde ich in so einem Fall nicht nehmen, sondern Kalkputz, der feuchtigkeitsbeständiger ist und aufgrund hoher Alkalität Schimmel verhindert.

Gegen kleine Wurzeln wird Neuverfugen mit Kalk-Zementmörtel/hydraulischem Kalkmörtel helfen, sofern die Wurzeln klein sind.
Größerer Bewuchs um den betreffenden Bereich müßte ggf entfernt werden, da der alles durchwachsen und zerstören kann.
Zuerst untersuchen wie es unter dem Putz aussieht und wie der Bereich gemauert wurde.

Belüftung eines mehrere Meter unter Geländeniveau liegenden Kellers wird ohne Ventilator nur schwer möglich sein, falls er nicht in einer stark durchwehten Windschneise liegt.
Die Belüftung würde ich dann entweder mit Feuchtesensor oder CO2 Sensor ausstatten, damit sie nur bei Bedarf läuft.

Falls es Öffnungen gibt könnten die ggf für die Zuluft verwendet werden- für Ventilatoren mit geringer Luftgeschwindigkeit werden Rohrdurchmesser ab 120 mm benötigt- bei großen Räumen entsprechend mehr, um Zugluft zu vermeiden.

Die notwendige Heizlast in einem solchen Keller mit ganzjährig 15 Grad ist gering bei der benötigten Temperaturanhebeung von nur 5-8 Grad gegenüber den bei Außenwänden möglichen Temperaturunterschieden von über 30 Grad.
Statt Wandheizung wäre auch eine Heizleistenheizung möglich, die die optische Erscheinung der Wände nicht zerstört.
Bei gut gemauerten Ziegelwänden wäre das schade.

Das sollte aber im Zusammenhang mit dem gesamten Heizkonzept des Gebäudes entschieden werden, da Heizleisten eher höhere Vorlauftemperaturen verlangen und daher für Niedertemperatursysteme nicht so gut geeignet sind.

Wenn der Boden aus Holzdielen besteht, also fußwarm ist, sind niedrigere Raumtemperaturen möglich als bei per se kalten Steinoberflächen.

Um den Raumeindruck nicht zu zerstören könnte ggf ein Bereich unter einem Podest als Lagerfläche für Gemüse und Kartoffeln etc verwendet werden, dunkel soll es ja ohnehin sein-
nur bei Großfamilienversorgung vielleicht etwas unpraktisch.

Zumindest wäre es günstig, Lufttemperatur und Raumfeuchtigkeit zu messen- ggf einen Datenlogger zu installieren für eine ganzjährige Überprüfung und Kontrolle.

Zur Vermeidung von Kondensation müßte die Oberflächentemperatur gemessen werden bzw Kondensation durch Temperaturanhebeung der Wandflächen ausgeschlossen werden.
Bei zu viel Luftfeuchtigkeit hilft im Bedarfsfall ein Kondenstrockner, der mit Hilfe einer Fotovoltaikanlage betrieben werden könnte.

Wieweit es Möglichkeiten gibt, Oberflächenwasser vom Gebäude abzuleiten bzw was sonst evt im Zusammenhang mit der vorhandenen Bebauung beachtet werden sollte, müßte vor Ort geprüft werden.

Bei der gegenwärtigen Klimaerwärmung bietet so ein Raum zumindest einen angenehm kühlen Arbeitsplatz im Sommer, sodaß auch PC-Systeme kaum überhitzen können.

Andreas Teich



Wie sollten die Wandflächen bearbeitet werden?



Ich habe solche Keller immer mit dem I-Bausystem erfolgreich bearbeitet.
Um was geht es dabei?
- Reduktion der Raumfeuchte durch eine dampfdichte Folie
- thermische Trennung von der kalten Wand ca. 1 cm Luft dazwischen
- keine Verdunstungskälte an der Oberfläche
- Verputz (Kosmetik) spielt keine so wichtige Rolle
-usw. siehe auch: https://www.google.de/search?q=i-bausystem&ie=utf-8&oe=utf-8&gws_rd=cr&ei=NyIeVv3fD8mcsAHVh4CACQ