Gewölbebruch durch Mauerausbauchung

14.06.2018 Flogge



Hallo zusammen,
wir stehen vor der - doch wohl gewaltigen - Aufgabe ein altes Bauernhaus samt Nebengebäude zu sanieren.
Das Haus hat im Laufe der Jahre mehrere nicht näher datierbare Umbauphasen hinter sich. Das Nebengebäude ist im Kern offenbar aber noch Altbestand. Es handelt sich um einen zweiräumigen Stall mit (früherer) Wohnfläche (später Kornlager, dann Rumpelkammer) darüber. Die Zwischendecke ist pro Raum jeweils mit einem sechskappigen Kreuzgewölbe aufgeführt worden. Leider haben sich wohl im Laufe der Jahre die Außenmauern derart nach außen gewölbt (ausgebaucht), dass irgendwann der Kraftschluss der Gewölbebögen nicht mehr gewährleistet war und diese - sowie Teile der auf ihnen ruhenden Kappen - nach unten abgesackt sind. Dies sieht man sehr gut auf dem angefügten Foto, wobei der Bogen im Vordergrund lediglich einen kleinen Bauch aufweist, jedoch der Bogen im Hintergrund zusammen mit umliegenden Gewölbeteilen einen Satz nach unten gemacht hat.
Wir haben vor, die Außenmauern mittels geankerten Stahl-Streben oder -Seilen über den Gewölben und über die Zwischenmauer zwischen den Räumen (durch setzen von Mauerankern und ggf weiteren Maßnahmen nach Absprache mit dem Statiker) an weiterer Ausbauchung zu hindern.
Nun stellt sich allerdings die Frage, ob es möglich ist, die Gewölbe nicht nur vor weiterem Schaden durch das Ausbauchen zu bewahren, sondern wieder instand zu setzen und den ursprünglichen Bogenverlauf wieder herzustellen. Hier war leider auf den ersten Blick auch der Statiker relativ ratlos. Ein Bekannter brachte die Idee ins Spiel, die abgesackten Teile gleichmäßig zu heben um durch nachfallendes Material aus der Schüttung (Scheinbar Tonmehl) den Kraftschluss wiederherzustellen. Ich selber bin hier aber relativ skeptisch.
Da man wohl bei diesen Gewölben nur einen Versuch hat, sollte dieser gut überlegt sein. Darum meine Frage in die Runde:
Wie lassen sich solche Absackungen fachgerecht beheben? Gibt es überhaupt Möglichkeiten, die über Kosmetik hinaus gehen?
Ich werde noch weitere Bilder anhängen und die Schäden näher aufzeigen.
Vielen Dank im Voraus für die Hilfe!



Geöffneter Fehlboden im Obergeschoss



Unter dem oberflächlichen Staub und Dreck der letzten paar Jahrzehnte kommt leuchtend roter Ziegelstaub zum Vorschein. Hoffentlich die Schüttung und nicht die schwindenen Ziegel. Sollte aber wohl definitiv ersteres sein.



Abgesackter Bogen in Nahaufnahme



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Gleicher Bogen, andere Seite



Auch die umliegenden Gewölbeteile scheinen mit abgesackt zu sein.



Übergang Kappe zur Außenmauer



Hier lässt sich gut der Spalt erkennen, der sich durch die Ausbauchung der Außenmauer ergeben hat. Die Wandneigung durch die Ausbauchung beträgt an der schlimmsten Stelle ca 3.5° nach außen. Die Wandabrisse im Obergeschoss (nicht eingebundene Zwischenwand) betragen auf jeder Seite 5-7cm.



Mauerausbauchung kennt man auch vom Aachener Dom



Die früheren Baumeister haben Ringanker installiert und im 19. Jahrhundert haben den Bauingenieure entfernt.

Von vielen Bögen kennt man die Spannanker. Gothische Kathedralen oder die Hagya Sophia halten nur durch Stützbauwerke.

So muß man sich entscheiden: Spannanker oder Stützbauwerk