Bruchsteingewölbe rieselt

01.09.2005



Im Stadtmuseum Obermühle Braunfels wurde in einem Kellergewölbe ein Standesamt eingerichtet. Durch die Trockenlegung dieses Raumes und einer eingebauten Fußbodenheizung beginnt nun das Gewölbe, es wurde cà. 1450 errichtet, zu rieseln, d.h. der Mörtel rieselt.
Auch am Hauptmauerwerk aus dem 13. Jahrhundert beginnt der Mörtel seine Festigkeit zu verlieren.
Wir stellen uns vor, daß mit einem farblosem und transparenten Material das Gewölbe und das Grundmauerwerk versiegelt werden kann. Aber mit welchem Material?



Gewölbe rieselt?



Dachog. Ja das kann so kommen. Da nun der permanente Feuchtegehalt als statische Komponente entfallen ist, muß Ersatz geschaffen werden. Der Mörtel in einem Gewölbe, dem Bogen an sich, dient ja nicht als Bindemittel. Er hat vielmehr die Aufgabe, dort an den Stellen, an denen die Gewölbesteine bedingt durch Unregelmäßigkeit ihrer Gestalt, keinen direkten Kontakt zueinander haben, diesen herzustellen. Ein Lückenbüßer sozusagen. In dieser Funktion muß er in seinem Festigkeitsverhalten, den von Außen einwirkenden Kräften, genügend Widerstand entgegenbringen, er darf nicht zwischen den Gewölbesteinen zermahlen werden, sprich aus den Fugen "gedrückt" werden. Ein transparenter Anstrich, nützt also wenig. Mein Vorschlag wäre, die Fugen, soweit bröselig, auszukratzen und zu säubern. In diese Fugen einen verlängerten Kalkmörtel aus scharfkantigen Kies tief eindrücken und aushärten lassen. Dabei nicht die ganze Gewölbefläche mit einem Mal säubern, sondern abschnittsweise und zwar beginnen an den Kämpfern. Einmal die Seite, dann folgt die gegenüberliegende Seite. Der Scheitel sollte zum Schluß drann kommen. So kann er sich im Laufe der Baumaßnahme noch setzen und man erwischt ihm quasi im Endzustand. Hier wurde noch erwähnt, daß auch der Mörtel der Widerlagermauern, aus den Fugen drückt. Zuallererst müssen also die Widerlager gesichert werden. Es ist nicht auzuschließen, daß durch den permanenten Wärmedruck auf die Widerlager, es zur Austrocknung des umgebenden Erdreichs kam. Die Widerlager sind also nur noch bedingt in der Lage, den aus dem Gewölbe kommenden Schub aufzunehmen. Wie lange noch, da der äußere Feuchtedruck fehlt. Es ist also angebracht, Ursachenforschung und Sicherungsmaßnahmen einzuleiten. Ein Gewölbe ist nur so gut wie seine Widerlager. Mfg ut de ole Mark.



Bruchsteingewölbe rieselt



Sehr geehrter Herr Kurze,

haben Soe Dank für Ihre schnelle und ausführliche Antwort auf meine Frage.
Ihren Ausführungen stellen das ganze Problem in ein anderes Licht. Unsere Überlegungen müssen nun in eine andere Richtung gehen.
Nochmals herzlichen Dank

U. Michael
Museumsleiter





mich würde interessen, ob die von ihnen geschilderten baumaßnahmen von einer firma ausgeführt wurden,die ihr handwerk versteht (hierbei ist nicht von wichtigkeit, ob es eine firma mit meisterbrief war oder nicht), oder von der firma mit den günstigsten angebot
vielen dank für ihre mühe
mit freundlichem gruss
c. heise



Bruchsteingewölbe rieselt



Sehr geehrter Herr Heise,

als die Renovierungsarbeiten im Stadtmuseum also auch in ehemaligen Hammerwerk, das ist besagtes Gewölbe, ausgeführt wurden, war ich nicht in Braunfels. Ich muß mich bezüglich Ihrer Frage erst schlau machen, Gebe Ihnen dann ausführliche Auskunft.
Eins weiß ich allerdings, man war sich der Problematik bewußt, ging aber davon aus, daß dieser Raum max. an 10 Tagen im Jahr geheizt wird, und da das seitlichen Mauerwerk ca. 1,5 mtr im Grundwasser steht, hat man sich sicherlich keine weiteren Gedanken gemacht.
Ein weiterer Faktor ist ein Jahr später hinzugekommen, man hat ein großes Wasserrad wieder Instand gesetz und erzeugt damit Strom. Die Erschütterungen, die von diesem Wasserrad und von dem mächtigen Getriebe ausgehen, sind in dem gesamten Gebäude zu spüren.
Ich melde mich wieder.

Mit freundlichen Grüßen
U. Michael
Museumsleiter