Natursteingewölbe sichern / verstärken mit dünner Aufbetonschicht oder ganz ausgiessen?

20.07.2010



Hallo an alle!

Ich habe mein Natursteingewölbe sauber freigelegt und sollte es nun sichern, da es im Scheitel schon leichte Risse hat. Nach langem Überlegen bin ich mir noch nicht sicher ob ich über das Gewölbe eine dünne Betonschicht/Mörtelschicht ca. 8-10cm aufbringen soll -also der Gewölbeform folgend, oder ob ich die freigelegten seitlichen "Zwickel" mit Leichtbeton und Mindestbewehrung vollständig ausfülle und dabei den Gewölbescheitel ca. 8-10cm überdecke.
Bisher waren die Zwickel mit Steinen und Bauschutt aufgefüllt (alter Putz, Ziegelreste...).
Bei erster Lösung könnte ich den Oberen Teil der "Gewölbezwickel" zur Wärmedämmung nutzen und ich würde Gewicht sparen, die 2. Lösung würde meines Erachtens das Gewölbe stärker sichern.
Würde mich über zusätzliche Anregungen freuen.
Besten Dank, Max





noch ein weiteres Bild des freigelegten Natursteingewölbes





sowie eine Skizze der Gewölbeform und Abmessungen



never change a running system



Hallo

Ich hätte das gar nicht angerührt und das Zeug drinnen gelassen.
Eine Betonschicht macht alles starr und ändert das statische System.

In dieser Lage würde ich eigentlich nur noch Kalksplitt einfüllen und die Bodentraghölzer einlegen.

Warum muss denn immer alles "Alte" denn schlecht sein und der moderne Scheiss "gut": Die Argumente: hart, dauerhaft, dicht hat doch schon das 1000 jährige Reich nicht einhalten können.
Back to the roots - bzw. Let it be.

FK



Gewölbe sichern



Zuerst einmal empfehle ich Ihnen sich einen Statiker oder Bauingenieur zu suchen, der das Gewölbe genauer untersucht, Ihnen ein Konzept für die Sanierung erstellt und die Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen beaufsichtigt.
So sind Sie auch rechtlich abgesichert.

Was ich auf den Zeichnungen und dem Foto erkennen kann ist bei dem rechten Gewölbe eine grenzwertige Auslegung hinsichtlich der Tragfähigkeit. Selbst nach empirischen Regeln verfügt dieses Gewölbe über keine ausreichende Standsicherheit.
Zur Ertüchtigung kommen Sie um eine Sicherung durch Auflast in den äußeren Dritteln nicht herum.
Kalkschotter ist da eine Möglichkeit, aber nur in Verbindung mit einer Dielung und wenn der Gewölberücken im Bereich des Scheitels (oberes Drittel) nicht belastet wird. Das auf dem einen Foto sichtbare Lagerholz bzw. die auf den Zeichnungen müssen herausgenommen werden. Da die Spannweite für eine Dielung dann zu groß wird, muss die Last über eine Kreuzlattung in den Bereich der äußeren Gewölbedrittel abgeführt werden.
Nachteil der Kalkschotterauflage:
Sie läßt sich auf dem Gewölberücken nur schlecht verdichten, da sonst das Gewölbe Schaden nimmt. Eine gute Verdichtung ist aber unbedingt erforderlich.
Ich schlage Ihnen deshalb vor, die Gewölbezwickel mit Normalbeton auszugießen.
Der Beton (Körnung 0-16, Klasse 16/20 oder 20/25)sollte beidseitig lagenweise eingebaut werden.
Der Gewölberücken ist vorher von Staub zu reinigen und vorzunässen. Einbauhöhe bis max. Niveau des Scheitels.
Neben einer Dielung kann dann auch ein gedämmter Massivestrich eingebaut werden.

Noch mal:
Bei beiden Varianten muss vor Ort eine genaue Prüfung der vorhandenen Situation erfolgen, insbesondere auch ob die Fundamente die erhebliche Mehrbelastung auch verkraften.

Viele Grüße



Sicherung Natursteingewölbe



Hallo Hr. Kurz!
Hallo Hr. Böttcher!

erstmals danke für Ihre Mühe und Ihre Vorschläge.
Ich habe das Gewölbe deshalb freigelegt, da das auf der Skizze rechte Gewölbe im Scheitelbereich auf eine ziemliche Breite recht flach ist und im Keller im Scheitelbereich kleine Risse zu sehen sind.
Ein Statiker hat das Gewölbe mal angeschaut und gemeint, eine im Schnitt ca. 8cm dicke Betonaufschicht würde das Gewölbe sichern/stabilisieren. Er meinte die Gewölbezwickel müssten nicht unbedingt ausgeräumt werden.
Ich habe die Gewölbezwickel hauptsächlich deshalb freigelegt, um einen gewissen Verbund mit den Gewölbesteinen zu erreichen und damit die Horizontalkräfte welche am Rand des Gewölbes wirken abzufangen (Nach Recherche im Internet und Gesprächen mit einigen Personen bin ich nun auch nicht mehr so sicher / überzeugt davon dass ein Verbund der Füllung mit dem Gewölbe das Richtige ist.

Bei der derzeitigen Situation dachte ich dass die Gewölbezwickel mit Leichtbeton (ca. 1,5 to/m3 da dies ca. dem Gewicht der bisherigen Bauschuttfüllung entspricht) bis zum Gewölbescheitel aufgefüllt werden (vorher säubern und vorwässern und Lageweise eingebracht wie von Hr. Böttcher beschrieben). Für die Zwickel dachte ich ein Verbund wäre sinnvoll wegen der Horizontalkräft, ebenso das Verlegen einer geringen Menge Bewehrung. Seitlich könnte der Beton auf die Aussenmauer auflagern. Somit wäre das Gewicht bisher nicht wesentlich höher als bisher.....

Wegen dem Vorschlag eines wärmegedämmten Massivestrichs wollte ich fragen ob Sie damit meinen dass dieser im Verbund über den nun gefüllten Gewölbezwickeln liegt oder ob damit gemeint ist dass auf die nun gefüllten Gewöbezwickel eine Wärmedämmung aufgebracht und darauf ein schwimmend verlegter Estrich verlegt wird.
Danke für Ihre Info,
Viele Grüße, Max



Gewölbestatik ? Betonstatik



Hallo

seit Jahrtausenden funktioniert das Gewölbe als einfache und geniale Verteilung von auftretenden Lasten perfekt.

Dass das Gewölbe hier auch gut funktioniert sieht man daran, dass es noch nicht weggeklappt ist.
Die rein rechnerische Auslegung und betonierte Vorgehensweise mit Zwickelbeton, Armierung und Sicherheit ist m.E. ein Ausdruck von Unwissenheit, Angst und indoktriniertem Übersicherheitswahnsinn nach dem Motto: fest und hart ist gut - noch härter und noch fester ist noch besser.

Seht es doch nicht so festgeschraubt und verbissen - alles fliest!

Wenn überhaupt was machen: die Hohlräume zwischen den Steinen mit Luftkalkmörtel 0 - 8 mm auswerfen ca 5 cm dick
dann nach dem Trocknen mit Kalksplitt auffüllen, dann Lagerhölzer und Dielen.

FK





Ich halte das ausbetonieren des Gewölberücken für eine geeignete Instandsetzungsmethode.
Schließlich muss der Beton „nur“ Druckkräfte aufnehmen, dafür ist er bestens geeignet.
Bei der Wahl des Zementes würde ich aber die Verträglichkeit mit den Gewölbesteinen vorher prüfen (lassen).

Grüße aus Schönebeck



Gewölbestabilisierung



Von was ich auf jeden Fall die Finger lassen würde ist den Gewölberücken mit einer Stahlbetonschicht aufzupeppen. Das rechnerisch nachzuweisen halte ich für sehr schwierig wenn nicht unmöglich.
Stahlbeton hat auf Gewölben nichts zu suchen.
Dann können Sie gleich eine StB- Decke einbauen und das Gewölbe als verlorene Schalung verwenden, diese Möglichkeit ist sauber nachweisbar.

Es geht hier um die Lage der Stützlinie. Das ist die Linie, in der senkrecht dazu die Lagerfugen verlaufen sollten und in der nur Druckkräfte übertragen werden. Ihre Form, eine Kurve, hängt von der Größe und der Art der Belastung ab. Die Stützlinie sollte idealerweise im Gewölbebogen liegen, am besten mittig.
Die Lage kann man bei Kreisbögen bzw. Tonnengewölben mit Auflast im Zwickelbereich in gewissen Grenzen korrigieren. Die Auflast "drückt" die hochgewölbten äußeren Drittel des Gewölbes wieder nach unten, dadurch hebt sich der abgesackte Scheitelbereich wieder. Ob das so funktioniert, kann man nur abschätzen und hoffen.
Falls das trotz Auflast nicht ganz gelingt weil das Gewölbe grundsätzlich falsch ausgelegt bzw. ausgeführt ist dann kann die ausgewanderte Stützlinie auch im Beton weiterlaufen, der damit praktisch Teil des Gewölbes wird.
Der Beton sollte ähnliche Festigkeiten und damit ähnliche Elastizitätsmodule wie das Gewölbematerial aufweisen, deshalb auch mein Vorschlag für die Betonsorten.
Beim Einbau verformt sich das Gewölbe durch die Auflast bis zum Abbinden des Beton und wird in dieser Stellung fixiert.

Ich denke diese Aufgabe der Verformung durch Auflast kann auch der Kalkschotter übernehmen, sicher ist das aber nur, wenn die Stützlinie innerhalb des tragenden Gewölbemauerwerkes verbleibt. Mittragender Bestandteil des Gewölbes kann der Kalkschotter nicht werden.
Ob die Stützlinie dann im sicheren Bereich verläuft, traue ich mir nicht zu festzustellen.
Hauptursache des Einsackens der Kappe ist anscheinend die mittige Belastung im Scheitel. Eine Auswanderung der Außenwand halte ich für wenig wahrscheinlich, das würde man sehen können. Wenn die abgestellt wird (mittige Belastung), dann dürfte auch der Kalkschotter für Tragfähigkeit und Sicherheit sorgen. Wieviel?- Dafür würde ich mich nicht auf Zahlen festlegen lassen.
Feststellen kann man das nur durch eine Belastungsprobe.
Einen massiven Estrich würde ich bei dieser Variante auf keinen Fall einsetzen, Dielung in der beschriebenen Art der Auflagerung schon.
Was ist aber, wenn in 50 Jahren Ihr Nachfoger auf die Idee kommt, eine neue Dielung mit Auflager am Scheitel einzubauen?
Schreiben Sie ihm eine Flaschenpost und vergraben die unter der Dielung?
Deshalb halte die Betonlösung für sicherer.

Viele Grüße