Bei Holzbalkendecke die öffenen Fächer schließen

17.04.2008



Wir haben ein 50-ger Jahre Haus. Die Zwischendecke zwischen Erdgeschoss und erster Etage ist zu ca 1/4 geöffnet worden, da wir Balken tauschen mussten.
An den Balken seitlich waren Holzschienen zur Auflage von Brettern. Auf diesen Brettern lag loser Lehm. Darauf wiederum eine Schicht ca 2cm Beton.
Oben entsteht ein Kinderzimmer, eine Toilette und ein Schlafzimmer.
Unten wird es noch 2 Kinderzimmer und eine Küche geben. Die " gute Stube " ist in einem anderen Gebäudeteil also vom Kindergetrappel sowieso verschont.
Nun möchte ich die Decke wieder zu machen. Wer hätte es gedacht :-).
Das Augenmerk hätte ich eher an eine Schalldämmung ( Tritt und Luftschall ) als an eine Wärmeisolierung.
Leider ist der Geldbeutel eher schmal. Es darf also leider nicht die Welt kosten.
Ich habe schon viel, auch hier im Forum über die verschiedenen Möglichkeiten gelesen, bin aber noch nicht so recht schlau, was für uns hier die richtige Lösung ist.
Danke schonmal für Antworten.



Gewicht!



Das ist zunächst mal einfach:
1. seitliche Fehlbodenleisten ergänzen und vervollständigen
2. Fehlbodenbretter, also kurze Brettabschnitte zwischen die Halteleisten einpassen und lose auflegen.
3. Mit Ölpapier oder anderem Rieselschutz (PE-Folie eher nicht) die entstandenen Gefache auslegen, so dass die Folie seitlich hochgezogen ist.
4. Befüllen mit ausgeglühtem QuarzSand (ausgeglüht - damit keine organischen Bestandteile eingebracht werden), geschätzte Höhe 4-7 cm. Alternativ funktionieren auch Betongehwegplatten, allerdings sollten alle Hohlräume verfüllt sein.
5. Auf der Unterseite der Deckenbalken kann man bei darunter liegenden Feuchträumen über eine Dampfbremse nachdenken. Manche empfehlen sie, andere verweigern sie. Ich würde das nur bei extrem starker Beanspruchung machen, nicht bei normaler Nutzung z. B. eines Bades mit Tageslicht und Lüftungsmöglichkeit.
6. Aufbau auf der Oberseite entsprechend Bestand, bzw. Wünschen und den technischen Vorgaben der zu verabeitenden Materialien.
Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri



Alte Holzbalkendecken



Ich hab hier etwas zu Holzbalkendecken geschrieben.
http://www.holzfragen.de/seiten/holzbalkendecken.html
Vielleicht gibt Dir das ergänzend zu dem Vorschlag von Martin einen Überblick.

Text zum Bild: "Der Einschub wird aufgenommen und entsorgt. Gut, wer schon hierbei genau hinschaut, wie alles aufgebaut ist!"



Noch ne Frage dazu



Danke erstmal für die Antwort. Vor allem für den Tip mit dem Ölpapier. Wir hätten doch glatt PVC-Folie genommen.

Nun habe ich schon mit mehreren Leuten gesprochen und natürlich schon diverse Meinungen gehört.

Also würde ich gerne nochmal nachfragen.

Die Empfehlungen gehen in dem Punkt auseinander, ob nun Sand/Lehm oder Steinwolle als Schallschutz eingefüllt werden soll.

Leider konnte aber bislang noch niemand begründen warum das eine oder das andere verwendet werden sollte. Hauptsächliche Funktion der Füllung sollte wie oben geschrieben der Schallschutz sein.



Gewicht!



Im wesentlichen haben wir es mit drei Schallarten zu tun: Körperschall, Trittschall und Luftschall. Vereinfacht ausgedrückt tragen sich die ersten beiden über Feststoffe fort, während letzteres über die Luft übertragen wird. Tritt- und Körperschall werden im Gebäude erheblich störender wahrgenommen als der Luftschall. Um diese beiden Schallarten zu dämpfen müssen die trennenden Bauteile vibrationsärmer gemacht werden. Dafür gibt es zwei Wege: Gewicht einbringen und damit die Eigenschwingung dämpfen oder Auflager puffern. Ersteres ist im Wohnungsbau häufig einfacher durchzusetzen.
Luftschall und Trommeleffekte in Hohlräumen kann ich besser mit leichten Dämmstoffen, wie z. B. Mineralwolle dämpfen.
Luftschall ist nur einfach die marginalere Größe, daher werden Decken mit Gewicht ausgestattet und Leichtbauwände mit z. B. Mineralwolle ausgeführt.
Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri



Danke für die Antwort



Gerne würde ich noch wissen, was Trommeleffekte sind.

Und ob technisch etwas dagegen spricht einen Teil der Fächer mit augeglühten Sand aufzufüllen und den Rest dann mit Steinwolle.



Den Deckenaufbau...



würde ich ehrlich gesagt anders angehen, Martin.
Grundsätzlich sind deine Ausführungen bzgl. Schallschutz natürlich vollkommen korrekt, jedoch stoßen mir 2 Sachen etwas auf.
Ein Ölpapier würde ich nicht verwenden, da dieses nicht diffusionsoffen ist. Feuchtigkeit könnte sich in diesem Bereich ansammeln und zu Schäden an der Holzbalkendecke führen. Wenn überhaupt Rieselschutz nötig ist, (m.e. nur bei sichtbarer Holzbalkendecke ohne durchgehenden Verputz) sollte ein Textilflies verwendet werden.
Quarzsand würde ich heute auch nicht mehr im Wohnbereich (ungebunden) verwenden, da dessen Staub nachweislich Krebserregend ist.
Den Fehlboden würde ich mit Lehmsteinen auslegen, größere Fugen etc. mit Lehmmörtel füllen. Andere Möglichkeiten währen eben auch Lehmwickel oder ein Lehmschlag, Aus Kosten- und (Trocknungs)Zeitgründen aber wohl eher nicht das richtige für Sie. Der Lehm am Holz sorgt für optimalen Holzschutz, eine Dampfbremse ist nicht nötig.
Der Link von Herrn Rüpke enthält übrigens viele Infos und historische Zeichnungen dazu. Anschauen lohnt.

Gruß vom Edersee



Nachfrage



Hallo allerseits,

da ich bei uns in einem Zimmer vor demselben Problem stehe, lese ich hier interessiert mit und möchte mich bei der Gelegenheit mit zwei Fragen parasitisch einklinken:
Unsere Decken sind mit Wickeln ausgefacht, und ich denke bislang daran, dass an der offenen Stelle (ein Balken wurde ausgetauscht, also zwei offene "Gefache") wieder nachzumachen. Ist das im Selbstbau schaffbar, oder ist das eine Schnapsidee?
Und wenn man es so macht wie von Martin oder Mathias vorgeschlagen - was für einen Putzträger nimmt man von unten?

Beste Grüße,
Konrad



Ölpapier-Quarzsand-Trommeleffekt-Lehmwickel



Also gut, klären wir das Thema gemeinsam bis ins letzte, auch für alle "parasitischen" Mitleser:
Ölpapier - ist nicht wirklich diffusionsoffen, richtig. Zweck ist ja der Rieselschutz, also reicht eigentlich auch sogar Zeitungspapier oder noch besser etwas stabilere Packpapiere.
Quarzsand - das mit der kanzerogenen Wirkung war mir nicht geläufig, wäre aber ein wichtiger Grund, darauf als Schüttgut zu verzichten. Lehmbausteine hatte ich nicht auf dem Schirm, sind aber auch eine gute Variante.
(Das macht also 2 Fleisspunkte für die Einwände aus der Lehmbaufraktion)
Trommeleffekte - unsere beidseitig beplankte Gipskartonwand als Beispiel genommen, hier allerdings ohne innere Mineralwolle und ein lautstark geführter Ehestreit auf der einen Seite ergibt auf der anderen Wandseite die Aufnahme des exakten Wortlautes ungefiltert und teilweise in der Lautstärke verstärkt. Wer will das schon, wenn man die Klatschtante vom Dienst als Nachbarin hat.
Die gleiche Wand mit MiWo und es werden die Schallwellen durch das weiche Material gebrochen und kommen auf der anderen Wandseite noch als Gesäusel an, und werden vielleicht als Liebesgeflüster interpretiert...
Lehmwickel - kann man selber machen und ist keine Schnapsidee. Für Tipps und Tricks aber besser die Lehmbaufraktion fragen, ist nicht mein Kerngeschäft ;-)
Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri



Putzträger



Hallo Konrad,
als Putzträger bietet sich idealerweise
Schilfrohr, 70Stengelig gebunden an. Dieses muss gut befestigt werden, z.B. mit verzinkten Breitrückenklammern.

Viele Grüße