Altbau 1970er mit Aussenhautdämmung

07.06.2013



Hallo zusammen!

Auch wenn mein Haus nicht ganz in dieses Forum paßt, schätze ich jedoch die qualifizierten Beiträge und möchte zu unserem Haus eine Frage stellen:

Wir möchten ein Haus Bj. 1969 kaufen. Zweischaliges Mauerwerk, innen Kalksandstein, Hohlschicht, aussen Klinker. Der bisherige Eigentümer ist der Ansicht, das die Hohlschicht beim Bau des Hauses mit Styropor o. ä. gedämmt wurde. Dies muss ich noch prüfen.

Nun zu meiner Frage:

Ich habe in der Nähe eine Bausanierung beobachtet (50er/60er Jahre), bei dem der Klinker mit einer etwa 10-15cm Dicken Styroporschicht eingepackt und verputzt wurde. Scheinbar keine Hohlschichtdämmung.

Ist diese Vorgehenesweise üblich? Kann ich einfach ganz ums Haus eine weitere Dämmschicht umherziehen? Welche Risiken bestehen? Kennt jemand die m² Kosten? Wie effizient ist diese Vorgehensweise?

Die Fenster bei uns müssen erneuert werden, somit möchte ich mögliche Veränderungen der Fassade berücksichtigen.

Vielen Dank für Antworten!

Grüße aus Rheine
Claus



Das ist eine...



... wiederholt gestellte Grundsatzfrage, die sehr kontrovers diskutiert wird...

Ich empfehle zunächst eine google-Session mit den Suchbegriffen "WDV", "Styropor", "Dämmwahn" u.Ä. in Kombination...

Als erste Tendenz würde ich sagen, dass eine nachträgliche Fassadendämmung sich in zwei Generationen in Deinem Fall nicht "rechnen" wird, wenn denn tatsächlich schon eine 1969er Dämmung vorliegt; ansonsten wäre die Hohlraumdämmung via Ausblasen mit Zellulose o.Ä. wahrscheinlich die bessere Wahl.

Der Vorbesitzer muss Dir einen Energieausweis hinterlassen haben, oder ist verpflichtet, diesen auf Dein Verlangen hin zu erstellen/erstellen zu lassen. Daraus lassen sich standardisierte Energieverbrauchszahlen ablesen, wäre interessant, diese zu erfahren...

Effizientere Maßnahmen zur Energieeinsparung sind i.d.R. die Dämmung des Daches bzw. der obersten Geschossdecke, so dies noch nicht geschehen, oder auch der Kellerdecke von unten...

MfG,
sh



Viele Meinungen



Hallo!!!!

Das Problem ist nur: viele Meinungen - jeder sagt etwas anderes.

Was ist richtig?

Meine ursprüngliche Planung war:

Neue Fenster
Neue Dacheindeckung inkl. Aufsparrendämmung und Dachüberstand.
Innenausbau DG: Isolierung zwischen den Sparren, Folie (?), Lattung, OSB, Rigips.
Neue Installation Heizung (Keller aufwärts, Gas (20 Jahre) ist drin) und Wasser. Die alte Gasheizung würde ich tauschen, wenn sie den Geist aufgibt...
Elektro ggf. ergänzen.



Die Aussenwand bleibt - was ist richtig? Zumal sich da Ganze auch optisch aufwerten läßt....

Grüße
Claus



Der Planentwurf...



... scheint in die richtige sinnvolle Richtung zu gehen...

nach den energetischen Verbesserungen kannst Du anhand des Heizenergieverbrauches über 1,2,3 Jahre (solange wird der Atmo-Bolide wohl noch durchhalten) realistische Rückschlüsse auf die benötigte Heizleistung ziehen, denn der jetzt installierte Kessel wird dann mit Sicherheit absolut überdimensioniert sein und sollte nicht 1:1 anhand des Typenschildes ausgetauscht werden, was leider immer noch und immer wieder gängige Praxis ist. Bitte kalkuliere eine Schornsteinsanierung via LAS (=Luft-Abgas-System) mit ein, das wird beim Einsatz von Brennwerttechnik notwendig werden.

Auch eine Energieberatung durch einen entsprechend zertifizierten Fachmenschen kann finanziell gefördert werden!

MfG,
sh



Erfahrungswerte energetisch sanieren :



moin ,
nach meiner Erfahrung sind die effektivsten Maßnahmen bei der energetischen Sanierung am Altbau :
1. Fenster , wenn bisher einfach verglast
2. Heizung , da höchstes einsparpotential
3. Oberste Geschoßdecke / bzw Dach
4. dann erst Außenwände , wenn noch ungedämmt

Will heißen , bei vorhandener Dämmung ist das mit der Wand zu vernachlässigen , allerdings sollten die Fensterlaibungen beim Fenstertausch mit gedämmt werden .
Auch Anschlüße ins Dach sind zu überprüfen ,wenn das Dach
( bisher ungedämmt ? ) gemacht wird .
Zum Dach gab's grad einen Forumsbeitrag , ob Umdeckung oder dämmen von innen , gucke hier : forum 212502
Viel Erfolg bei Recherche und Umsetzung
Jürgen Kube
FensterEcke Brüggemann + Kube ZiMMEREi
www.fensterecke.de



Was



ich hier inzwischen regelmäßig sehe: Styropor-WDVS werden nach 20-30 Jahren ausgetauscht, weil sie zumindest optisch völlig am Ende sind (Risse, Platten lösen sich etc.). Diese - natürlich nur stichprobenartige - Erfahrung bezüglich Lebensdauer würde ich in alle Überlegungen mit einbeziehen.



WDVS



....ich hier inzwischen regelmäßig sehe: Styropor-WDVS werden nach 20-30 Jahren ausgetauscht, weil sie zumindest optisch völlig am Ende sind (Risse, Platten lösen sich etc.). Diese - natürlich nur stichprobenartige - Erfahrung bezüglich Lebensdauer würde ich in alle Überlegungen mit einbeziehen....


Kellergassenkatze



20-30 Jahre ist in der Regel die technische Lebensdauer von Vollwärmeschutz. Daher wird auch keine längere Lebensdauer angenommen.


Das Problem in AT ist so wie in DE die Tatsache, daß in den 70er/80er gerne 5cm von dieser weißen Krümelmasse aufs Haus gepappt wurde. War also eher Alibi denn Wärmeschutz.

Heute geht man eher den umgekehrten Weg und pappt mehr als notwendig drauf nach dem Motto der 60er.... "Nimm ein Ei mehr"


Dabei ist es eigentlich so, dass der Einspareffekt ab einer 18er Dämmplatte eher unwesendlich steigt und am Ende das Haus nur dick eingepackt wurde, das Mehr an Styropor aber nix bringt.



WDVS



.......
Dabei ist es eigentlich so, dass der Einspareffekt ab einer 14er Dämmplatte eher unwesendlich steigt und am Ende das Haus nur dick eingepackt wurde, das Mehr an Styropor aber nix bringt. Eher ist es so, daß eine bestimmte Restwärme entweichen sollte, damit die Fassade (Styropor) abtrocknen kann. An sonsten veralgen die Fassaden.



WDVS



Das WDVS an meinem Haus ist jetzt über 20 Jahre alt und weist keinerlei Verschleißerscheinungen auf. Keine Risse, keine Veralgungen, nichts löst sich auf usw. Was jetzt kommt ist ein neuer Anstrich.

Viele Grüße



Georg



"Das WDVS an meinem Haus ist jetzt über 20 Jahre alt und weist keinerlei Verschleißerscheinungen auf. Keine Risse, keine Veralgungen, nichts löst sich auf usw. Was jetzt kommt ist ein neuer Anstrich."


Vor 20 Jahren waren auch noch nicht so viele Maler und Anstreicherfirmen unterwegs, die einen auf "Fassadendämmfachspezialisten" machen. Und polnische oder ungarische Pfuschertruppen waren da auch noch nicht so viele unterwegs.


Ich könnte Dir hunderte!! von hingepfuschte Fassaden zeigen, die nach 5-10 Jahren ein Sanierungsfall sind...


Tatsache ist, und das wurde inzwischen offiziell bestätigt, daß WDVS eine Lebensdauer von 30 Jahren haben. In 30 Jahren bekommen wir ein Styroporentsorgungsproblem.... die Verbundsysteme sind nicht recylebar...


Ansreas



WDVS



Natürlich sind Verbundsysteme recycelbar, es hat sich nur noch niemand damit befasst da es noch keinen Markt gibt.
Sie sind sogar recht einfach recycelbar, durch gravimetrische Trennung. Dafür reicht ein Shredder, ein Sieb und ein Gebläse in einem Zyklon.
Für eine thermische Aufspaltung oder fürs Verheizen reicht das allemal aus.
Es macht Sinn statt das Öl gleich zu verfeuern erst mal Dämmung draus zu machen die 30 Jahre lang (Ich denke das wird viel länger sein) Energie spart und erst am Ende des Nutzungszyklus in Wärmeenergie umgesetzt wird.
Ich könnte Dir theoretisch sicher auch zehntausende! nicht verpfuschter Fassaden zeigen die funktionieren. Solche Vergleiche bringen nichts.

Viele Grüße



Die



schlimmste Fassade hier in der Gegend war sicher nicht von einer polnischen Billigpartie, war eine Schule der Gemeinde Wien, Baujahr 1989. Letztes Jahr wurde die Fassade komplett erneuert, sah vorher fürchterlich aus. Der Bau aus den frühen 80ern gegenüber von uns hält sich etwas besser, da wird nur in den letzten Jahren immer wieder stückweise Fassade erneuert.

@Andreas Kapitzke: die vom Hersteller angegebene (wirtschaftliche) und reale Lebensdauer können sich aber auch erheblich unterscheiden, durchaus auch zum Positiven.



Kellergassenkatze



"@Andreas Kapitzke: die vom Hersteller angegebene (wirtschaftliche) und reale Lebensdauer können sich aber auch erheblich unterscheiden, durchaus auch zum Positiven.
"


Da streite ich auch nicht ab. Es gibt immer Ausreißer nach oben und nach unten.

Was "teure" Partien angeht, die auch pfuschen, da hab ich so meine Erfahrungen auf Baustellen sammeln können.... Was nutzt es, wenn man eine teure Partie einkauft und dann ist nur der Vorarbeiter fachkundig... Das ist wie der Meisterzwang: ein Meisterbetrieb hat idR einen Meister, die Knalltüten, die für ihn arbeiten, können alles Ungelernte sein...


Da gibts doch im ORF? oder ATV diese tolle Sendung: "Pfusch am Bau" heißt die... Mehr Abschreckung bekommst Du nicht in geballter Form zu sehen.

Leider ist es heutzutage nicht mehr so einfach zu sagen, billig ist Mist oder teuer ist gut. Man ist als Bauherr der Ehre der Handwerker ausgesetzt.

Ich hab eine Heizung bauen lassen von einer Fachfirma, die mir mein Kollege empfohlen hat. Bei ihm war alles super, bei mir mußte ich alles noch mal neu machen...


Andreas



Genau



den Eindruck mit dem Meister und den ungelernten Knalltüten hab ich auch. Und selbst bei den Gelernten ist nicht mehr alles Gold was glänzt. Wirklich zufrieden war ich in den letzten Jahren nur mit einem Handwerker, ein Einmann-Installateurbetrieb vom Land, der sich bei Bedarf entweder den Kunden oder seinen Schwiegersohn als Helfer holt. Da stimmt alles. Aber sonst... *grusel*