Modergeruch im Fertighaus! Kaufen oder lieber sein lassen??

11.06.2006



Hallo!

Wir sind schon seit längerer Zeit auf der Suche nach einem Haus. Jetzt haben wir endlich ein tolles Haus mit einem super Grundstück gefunden. Leider handelt es sich hierbei um ein Fertighaus (der Firma Speer und Gscheidel aus Crailsheim Baujahr 1977). Beim Betreten des Hauses fällt einem Modergeruch auf, der auch danach in den Kleidern sitzt. Wir wissen allerdings nicht, ob es sich hierbei um diesen berühmten "Fertighaus-Modergeruch" handelt, oder ob es daran liegt, dass das Haus schon einige Zeit unbewohnt ist (also ungelüftet) und sämtliche Wände und Decken mit Teppichböden beklebt sind (wie es damals anscheinend modern war). Vielleicht geht dieser Geruch nach Entfernen der Teppiche weg??

Kann mir jemand sagen, woran ich feststellen kann, um welche Art noch Modergeruch es sich handelt (ob er sich entfernen läßt)??? Kann dies ein Baubiologe durch eine Messung feststellen? Sollen wir lieber gleich die Finger von diesem Haus lassen??? Was würde eine Sanierung komplett kosten?? Um dies evtl. im Kaufpreis zu berücksichtigen?!?!

Bitte helft mir baldmöglichst mit einer Antwort, da es mir ziemlich schlaflose Nächte bereitet!! Und ich nicht weiß, was ich tun soll.



die meisten älteren Fertighäuser sind so gebaut,



daß Raumfeuchte nicht nach außen durchdiffundieren kann. Spanplatten , evtl. noch Kunstharzputze ,Mineralwolldämmungen können nun mal keine Feuchtigkeit kapillar weiterleiten ,wie das z.B. Ziegel-oder Lehmsteine in hohem Maße tun.
D.H: es entsteht ohne viel Lüftung im Fertighaus ein sog. Barackenklima.Die ausgelegten alten Teppiche oder alte Tapeten verstärken das ganze noch,sodaß es moderig riecht.
Wenn Sie die Teppichböden, Tapeten etc. entfernen, vor die Außenwände z.B. eine 6cm LehmLeichtbauplattenwand stellen,die anderen Wand-und Deckenflächen z.B. mit 2-3cm Lehmputz + LehmFarben umgestalten und ein Strahlungswärme-Heizsystem (Wandheizung-oder Heizleisten) einbauen, läßt sich ein passables Raumklima auch in Fertighäusern schaffen.



Hallo!



Danke für Ihre Antwort! Wenn wir die Teppiche und Tapeten entfernen, würde es dann ausreichen, wenn wir die Wände komplett verputzen?? Oder geht der Geruch da durch?? Die Teppiche sind verklebt! Wir wissen nicht, ob sich beim Entfernen die Gipsplatten oder Spanplatten mit lösen. Wäre es dann sinnvoll, dass komplette Innenleben der Wände zu entfernen und neu zu machen? Was einer Sanierung ja fast gleichkommt. Wenn wir die Wände mit Lehmplatten verkleiden, können diese dann noch atmen? Oder müssen die das gar nicht? Ich kenne mich damit doch nicht aus. Ist danach gewährleistet, dass dieser Geruch nicht mehr entsteht?? Das wäre für mich nämlich furchtbar. Und welche Kosten kämen dann auf uns zu??. Was würde hingegen eine Komplettsanierung kosten??

Wir haben schon daran gedacht, dass Haus von außen zu verklinkern. Wäre dass eine passable Lösung?? Und geht das überhaupt. Halten dem die Wände stand??

Wie gesagt, wir haben das Haus nur im Auge!! Gekauft ist noch nichts!! Sollten wir es lieber sein lassen und uns den Ärger und die Mühe ersparen! Oder gibt es die 100 % Möglichkeit durch Reparaturen kein "Stinkehaus" zu haben. Viele, viele Fragen ...... und vielen, vielen Dank für Eure Mithilfe!?!?!?



Wenn schon- denn schon!



Also ich würde die Finger davon lassen auch wenn man noch handeln kann und evtl einen Baubiologen einschaltet, der irgendwas feststellt man oder Sie kaufen die Katze im Sack .. und haben nachher die Scherereien.

Das Geld und die Zeit die Sie da hinein investieren ist m.E. vergebene Liebesmüh!
Und wenn Sie das "Sanieren" haben Sie immer noch im "Grunde" nichts "Gutes".

Ich würde mir da lieber was anderes Suchen, wo sich die "Sanierung" auch lohnt.
Diese Sanierungshochburgen mit damals neuesten Materialien werden "gerne" verkauft ... man muss nur einen dddd finden!

Mein Tipp - meine Meinung:
Finger weg!

schönen Sonntag

FK



durch die Vormauerung mit 6cm LehmLeichtbauplatten



und den empfohlenen Lehmputzen schaffen Sie in jdem Fall ein gutes Raumklima. Die vhd. Außenwand aus Spanplatten und Mineralwolle funktionieren als reine Wärmedämmeinheit ohne "Atmungsfähigkeit".
Mit naturbehandelten Bodenbelägen z.B. Holzdielen und Naturholzmöbeln und gesunder Strahlungswärme wird das Raumklima optimiert.
Es ist sinnvoller, Ihre Gelder in solche Baumaßnahmen zu investiren, eine Fassadenverklinkerung ist reine Optik, hat keinen Einfluß auf irgenwelche "Atmungsfähigkeiten".
Da ich nicht weiß, wie groß Ihr Haus ist, könne auch keine
Kostenangaben gemacht werden.
Jedenfalls rate ich Ihnen, vor dem Kauf einen erfahrenen Baufachmann (muß kein Baubiologe sein)zu rate zu ziehen, der die Bausubstanz gründlich untersuchen soll. Evtl. verstecken sich irgendwo alte Feuchteschäden (die den Modergeruch verstärken?).



Ein Abenteuer...



...ist ein Hauskauf immer. Für mich wäre zunächst wichtig, wie sehr mir die Lage des Gebäudes, das Grundstück, die Raumaufteilung gefällt. Ein Fertighaus ist ja an sich nichts Schlechtes. Bin ich dann bereit, die Mühe und Kraft und auch das Geld in die nötige Groß-Renovierung (und das ist es!) zu stecken? Was ist außer der Verbesserung des Raumklimas noch zu tun: Heizung, Sanitär, Elektrik, Dacheindeckung...?? Können "Feuchtequellen" ausgeschlossen werden?
Dann alle Teppiche, Tapeten etc. raus, Lehmputz dick an die Wände, Holzdielen rein... da kann man viel selber machen. Tja, und natürlich muss man eine Kostenrechnung aufstellen: derzeitiger Gebäudewert/Verkaufswert ohne Grundstück zzgl. Renovierungsmaßnahmen... und viel Verhandlungsgeschick einbringen. Wenn das "Drumherum" und der Preis stimmen, würde ich es wagen, aber nur eine baubiologisch korrekte Renovierung macht Sinn und schafft Wohlbehagen. Garantiert! Ansonsten: lieber weiter suchen...

Viele Grüße
Stefan



Vielen, Dank......



für die aufschlußreichen Antworten. Das erleichert einem die Überlegungen ungemein. Nun noch einmal zu den Kosten: Das Haus hat mit Erdgeschoß und ausgebautem Dachgeschoß eine Gesamtwohnfläche von ca. 170 qm. Welche Kosten müßte man dann in etwa für die Sanierung investieren?





Ohne mich im pro und contra zu verlieren oder schnell Aussagen zu treffen empfehle ich die passende Lektüre (immer gerne wieder) zum Thema Fertighaus.
Auf http://timberwork.de gibt es eine kleine Einführung in die Sanierung und Modernisierung von Fertighäusern.
Der typische Modergeruch in älteren Fertighäusern stammt vermutlich von Chloranisolen, einem Abbauprodukt von Holzschutzmitteln. Im Forum werden sie dazu sicherlich fündig.



aus Schaden wird man klug,



wie Herr Kurz schon sagte: besser die Finger davon lassen.
Es gibt die Notwendigkeit, - die innere Wandverkleidung zu öffnen, um dann das wichtigste Kriterium auszuschließen:
" sind die Ständer und die Dämmung und die Spanplatte in einem
einwandfreien Zustand, oder gibt es Anzeichen von Feuchteeintag und daraus folgend Wachstum von Pilzen?"



Chloranisole



Zu dem Sauzeugs hab ich hier schon einiges geschrieben:
Es sind bakterielle Abbauprodukte des berüchtigten Pentachlorphenols. Wer noch keinen Nervenschaden hat, kriegt ihn damit bestimmt.

Es kann aber auch "nur" Formaldehyd in extremer Konzentration sein.

Sanierungsvorschläge, die allerdings nur dem Sanierer helfen, sind reichlich im Umlauf.

Grüße vom Niederrhein





Hallo Herr Beckmann,
ich bin immer auf der Suche nach neuen Sachverhalten und Erkenntnissen. Zu Chloranisolen und deren explizite toxikoligischen Wirkung auf den Menschen habe ich bisher vergleichsweise wenig gefunden.
Können Sie bitte ein paar Qellen nennen?
Was hat das mit dem Formaldehyd in "extremer Konzentration" auf sich? Das riecht doch nicht modrig.
Andi



Chloranisole



http://www.arguk.de/infos/chloranisole.htm

mit umfangreichem Literaturverzeichnis.

Im Übrigen weiß Google alles.

Gruß
Dietmar Beckmann



Zitat aus dem ersten Absatz:



"Ein solcher unangenehmer Geruch kann von den Bewohnern als Belastung empfunden werden und Unwohlsein auslösen, auch wenn eine toxikologisch basierte Gesundheitsgefährdung nicht gegeben ist."





Sehr geehrte Damen und Herren

Wahscheinlich ist das Problem ein Pilz. Haupsächlich Mucoraceeen, wie Absida, Mucor, Rhizopus usw.Der überwiegende Teil sind meisst Actinomyceten ( auch Strahlenpilze genannt )
Diese sorgen meist für den typisch modrigen Geruch in Wohnräumen

Mfg

Bruno Kühn