Gerbsäure tritt aus neuen Eichenbalken aus und hinterläßt rostfarbene Rückstände




Hallo,
wir sanieren derzeit einen Fachwerkresthof. Dafür mussten diverse Ständer sowie Riegel erneuert werden. Es wurde Eiche verwendet, ca. 1-2 Jahre alt, älteres Holz wäre unbezahlbar gewesen. Die Gefache werden nun nach und nach neu gemauert und mit Sumpfkalk verfugt. Nach dem letzten Regen hat sich nun Gerbsäure aus den Eichenriegeln gelöst und ist als rostfarbene Flüssigkeit über die Fugen und die Ziegel gelaufen. Unser Architekt, der mit der Sanierung von Fachwerkhäusern sehr erfahren ist, hat dieses Phänomen noch nicht gesehen und daher unsere Frage, ob jemand hier weiß, ob sich diese Verfärbungen mit der Zeit wieder rauswaschen bzw. ob man sie später wieder abwischen kann. Für Anregungen und Erfahrungen wären wir sehr dankbar. Vielen Dank im Voraus für jede Antwort.



Gerbsäure



Hallo Neuzugang,

bei einem Fachwerkhaus aus frischer Eiche ist es ganz normal, dass mit dem Regen Gerbsäure ausgewaschen wird. Es verschwindet mit der Zeit wieder, bzw. der nächste Schlagregen wäscht es wieder aus.

Wenn ihr Architekt es nicht kennt, würde ich sagen, er hat wenig Erfahrung.

Bei der Ausmauerung der Felder würde ich mit Kalk und wenig Zement arbeiten und den noch feuchten Speis mit einen Stück Gartenschlauch glatt streichen. Das Verfugen entfällt und es hält auch besser als wenn sie nachher nur einen halb oder einen Zentimeter Kalkmörtel drauf machen.

Viel Erfolg wünscht
Heinz-Josef



Mauermörtel



Als Ergänzung zu H. Burhorst:
Wenn Sie statt dem teuren Sumpfkalk normales Weißkalkhydrat nehmen sparen Sie auch noch Geld.



Mauermörtel



Hallo Georg,

über den Sumpfkalk hatte ich hinweggelesen.

Wir setzen auch immer normales Weißkalkhydrat ein.

Gerade sind wir damit angefangen, dass im letzten Jahr gebaute Fachwerkhaus auszumauern. Wir warten in der Regel immer ein Jahr mit der Ausmauerung, damit das Holz noch etwas trocknen und setzen kann. Die später unweigerlich entstehenden Fugen zwischen Holz und Mauerwerk sind dann nicht so groß.

Nachtrag am 13.4.2015
Zimmereien die hier noch regelmäßig Fachwerkgebäude erstellen, schneiden Eichenstämme in 14cm Bohlen und legen sie auf den Stock. Nach einer alten Zimmermannsweisheit sollten sie je cm dicke 1 Jahr lagern. Dass lässt sich bei den heutigen Kosten nicht immer realisieren. In der Regel lagern die Hölzer aber schon einige Jahre. Hängt natürlich auch von der Auftragslage ab. Wenn das Holz gebraucht wird, wird genommen was da ist. Die Ständer und Riegel werden dann auf ihrer vorgesehenen Breite zugeschnitten. Durch den Trocknungsprozess haben die Ständer noch ein Tiefe von gut 12cm.

Mir ist aber auch ein Betrieb bekannt, der das Holz komplett kammergetrocknet verarbeitet. Es wird dann präzise auf Dicke gehobelt und kann anschließend auch sehr präzise und der Abbund Anlage verarbeitet werden. Da wird dann ein Fachwerkhaus zu einem Möbelstück mit entsprechendem Preis und mit hohem Aufwand an Pflege um diesen Standard zu halten.

Wir sind dazu übergegangen, das Eichenholz sägerau zu Verarbeiten und anschließend nicht zu streichen, sondern natürlich grau werden zu lassen. Muss aber zugeben: Es hat einige Jahre gedauert bis ich mich für dieses Optik entschieden habe.

Heinz-Josef



Vielen Dank...



..für Ihre Antworten. Es beruhigt mich, dass sich die Spuren wieder auswaschen werden. Die Möglichkeit des Weißkalkhydrats wurde uns leider nicht genannt, Geld sparen müssen wir an allen Ecken und Enden, aber da wir diesbezüglich Laien sind und uns auf den Architekten verlassen haben, sind wir nun beim Sumpfkalk gelandet und die Maurer haben auch schon den Kalk geliefert. Uns wurde gesagt, dass das Mauern dadurch günstiger wird, da es sich um "Verfugen im eigenen Saft" handelt, so dass ein zusätzliches Verfugen entfällt. Aber gut. Vielleicht darf ich noch eine andere Frage anhängen, um evt. doch noch Geld zu sparen... Müssen Schwellen, die im Innenbereich verlegt werden, grundsätzlich aus Eiche sein oder könnte man da auch KVH oder ähnliches nehmen? Der Boden ist sehr trocken und eher sandig. Nochmaks vielen Dank für Ihre ausführlichen Antworten.



Neue Schwelle im Haus



Dann macht der Maurer ja schon dass was ich beschrieben hatte, die Fugen mit einem Gartenschlauch glatt reiben. Man kann es Fugenglattstrich, oder auch "Verfugen im eigenen Saft" nennen. Andere Firmen habe noch kreativere Bezeichnung für diese Art der Verfugung. Mit Weißkalkhydrat geht es genauso gut wie mit Sumpfkalk.

Wenn es eine Feuchtigkeitssperre gibt sehe ich keine großes Problem im Haus KVH als Schwelle einzusetzen. Wenn aber die Fachwerkwand nachher sichtbar sein soll, würde ich eine Eichenschwelle einsetzen.

Heinz-Josef