Deckenbalken stückeln bzw. verlängern

12.06.2012 Hans-Jürgen



Hallo...

da ich mich nun um die Bestellung meiner Deckenbalken kümmern wollte, hatte ich gerade ein nettes Gespräch mit meinem Onkel...
Ich wollte eigentlich die Balken in einem Stück bestellen. Die Spannweite ist 7m, wobei mittig an der Mittelpfette nochmal abgefangen. Nun bietet mir mein Onkel die benötigte (lt. Statik) Dimension an (liegt seit Jahren trocken in der Scheune), allerdings sind die Balken nur 5.1m lang. Kann man solche Balken stoßen und wenn ja wie? Der Stoß wäre ja bei etwa 1/3 der lichten Weite von 3.5m...

Kann man diese einfach seitlich überlappen und miteinander verschrauben? Wenn ja, wie groß sollte die Überlappung sein?

Oder einfach stumpf stoßen und beidseitig ca. 3cm dicke Bohlen ansetzen (die sind leider nur 12-14cm hoch - wären aber da) und verschrauben - wenn ja, wie groß dann hier die Überlappung?

Hintergrund dieser Gedanken - das Holz bekäme ich kostenlos.

Danke für Eure Empfehlungen

Hans-Jürgen



Deckenbalken



hallo Hans- Jürgen,
Natürlich kann (und sollte) man sie stoßen. Das kann entweder auf dem Auflager (Unterzug)oder in den ungefähren Drittelpunkten geschehen. Sie finden das in der Statik; ich kann mir nicht vorstellen das der Statiker einen 7- m Balken gerechnet hat.
Es ergeben sich nämlich je nach Einbausituation 3 unterschiedliche statische Systeme:
Durchlaufträger (einteiliger Balken 7 m)
Träger auf zwei Stützen (2 Balken 3,5 m)
Gerberträger (3 Balken und 2 Gelenke bzw. 2 Balken und ein Gelenk)

Alle drei Systeme werden anders gerechnet, ihre Tragfähigkeit unterscheidet sich. Ob die vorhandenen Profile passen hängt also vom statischen System ab mit dem der Querschnitt bemessen und nachgewiesen wurde.
Besonders wichtig:
Beim Gerberträger kommt es auf die genaue Lage der Gelenke/des Gelenkes an, die sich im Momentennullpunkt der Profile befinden müssen.
Außerdem ist, wie die Ausbildung der anderen Widerlager, so ein Detail extra bemessen und konstruktiv festgelegt.
Also nichts an der Statik bzw. am System eigenmächtig ändern!

Viele Grüße



Verarbeitung der Deckenbalken



Hallo Hans-Jürgen,
also da sind viele Fragen zu klären, da die Konstruktion aus der Beschreibung nicht klar hervorgeht. Wenn eine Mittenauflage (Mittelpfette) existiert, dann ist dort der Stoß vorzusehen. Das kann durchaus auch stumpf passieren, eine Verbindung ist aber auf jeden Fall anzuraten (z.b. 1m Eisenbänder beidseitig mit M12 Gewindestangen an ca. 3 Stellen recht wie links). Das gilt , wenn die Auflagefläche gut ist (vielleicht 7,5 x 15 cm). Wenn die zu erwartenden Zugkräfte größer sind, ist auch eine Überlappungszone von 40-50 cm und 10 gut verteilte Spaxe 6mm x150 oder größer von jeder Seite eine gute Lösung. Die Überlappungsfläche sollte aber senkrecht stehen, sonst besteht für einen der beteiligten Balken (den oberen) Spaltgefahr.
Und bedenke : Balkenpreise steigen mit der Länge exponentiell und Transport und Verarbeitung auch.





So...nun ging gerade das große Blättern in dem Statikpamphlet los und in der Tat ist dort ein Stoß (wenn ich den Punkt in der Linie und die entsprechenden Zahlen so deute) dargestellt.
Lt. Statik wird 6x12cm gefordert.
Die Balken liegen aussen auf den Wänden auf und hängen unter der Mittelpfette (IPE300). Ein SToß auf dem Auflager fällt somit raus. Der Stoß ist bei 1/3 der 3,5m eingezeichnet. Die Abhängung ist mit HE-Ankern beschrieben. Wie der Stoß auszusehen hat, steht leider nicht drin.

Der Stoß ist somit nicht auf dem Auflager.

Der Beschreibung des Herrn Böttcher zufolge wäre das ein Gerberträger aus 2 Balken und 1 Gelenk, oder? Von einer Gerberverbindung habe ich schonmal gehört bzw. eine Skizze gesehen. Da wird doch der schräge Bereich von oben oder unten verschraubt, richtig? Kommen da seitlich keine Laschen dran?

Oder lieber seitliche Laschen und stumpf stoßen?!?

Bei den vorliegenden Balkenpreisen wird nach m³ abgerechnet - der Transport einmalig pro Anfahrt, aber das steht ja gerade nicht zur Diskussion, da ich ja die Schenkung gern annehmen würde - sowas tut der Hauskasse sehr gut.



Nach dem,



was ich hier lese würde ich den Gerberstoß favorisieren. Wenn ichs recht verstehe gibts rechts und links und in der Mitte ein Auflager. Der längere Teil des Deckenbalkens liegt dann über einem Feld und kragt in das andere über. In diesem Feld wird das Längere mit dem Kürzeren bei 1/3 bis 1/4 der Spannweite gestoßen. Als Verbindung würde ich ein schräges Blatt mit einem 16er Bolzen und einem Bulldog vorschlagen. Der Kürzere Teil wird UNTER den überkragenden Teil des Längeren DRUNTERGEHÄNGT. Im Gegensatz zu einem Stoß auf der Mittelunterlage kann ein Gerberträger wie ein durchgehender Balken gesehen werden.
Gruß
Ralph
P.S.: Soll die Balkenlage sichtbar werden?



Ach so,



die Blattlänge: ca. 25 cm
:-)





Hallo Herr Schneidewind,

die Balkenlage wird später nicht sichtbar - von unten kommt eine Schalung und dann Schilfrohr mit Lehmputz oder Lehmbauplatten...

Wo sitzt denn der einzelne Bolzen? In der Mitte und dann senkrecht zur Balkenunterseite oder senkrecht zum Blatt (der Schräge)?
In Erinnerung habe ich ein längeres Blatt (wenn das Blatt die Schräge ist) - mir schwirrt da 4 oder 5 mal die Balkenhöhe im Kopf rum...



Ich würde



den Bolzen mittig vom Blatt setzen, rechtwinklig zum Schnitt. Weil: wenn der rechtwinklig zum Balken gesetzt wird, funktioniert das mit dem Bulldog nicht mehr richtig. Daraus folgt, dass die Unterlegscheiben oben und unten schräg eingelassen werden müssen.
Sodele, hoffentlich habe ich das jetzt verständlich formuliert.
Gute Nacht
Ralph Schneidewind



Ach so, die Regel:



da hab' ich in der Lehre auch mal was gelernt. Mittlerewile halte ichs aber so, wie ichs mal in einem Treppenbauerbuch zum Verziehen der Stufen gelesen habe: Man kann es rechnerisch und zeichnerisch ermitteln. Erfahrene Handwerker machen es nach Augenmaß und Gefühl. Sorry, ich habe diese Regel schon vor Jahrzehnten vergessen. Ich glaub' aber meine schrägen Blätter funktionieren trotzdem:-)



Gerberstoss



Lange, lange ist es her. Ich stimme hier Herrn Schneidewind vollkommen zu, aber wenn Sie es genau wissen wollen konsultieren Sie nochmals Ihren Statiker, der sagt Ihnen wie er es haben möchte.

Grüsse Thomas





Ich danke Euch schonmal.

Nur mal noch zu meinem Verständnis - was spricht denn gegen den stumpfen Stoß mit den beidseitigen Anlaschungen, die man sehr oft sieht?