Gefache verputzen oder Sichtmauerwerk?

19.08.2016 Spinatwachtel



Moin,

stehen jetzt davor die restaurierten Gefache mit neuen Ziegelsteinen (Weichbrand/Reichsformat) auszumauern. Können uns noch nicht zwischen Sichtmauerwerk oder Verputz-Variante entscheiden. Leider muss man die Steine entprechend bündig bzw. etwas nach hinten versetzt einmauern und die Entscheidung eben nun bindend ist. Welcher Argumente gibt es für und wider?



Putz



wäre für Weichbrand sinnvoll. Außerdem sollte man sich die Umgebung ansehen - ein Klinker unter vielen geputzten Fassaden oder umgekehrt kann auch ein Widerspruch sein.



Sichtfachwerk



Die Entscheidung ob Sichtmauerwerk oder nicht sollte VORHER getroffen werden, normalerweise im Rahmen eines Sanierungskonzeptes oder einer Genehmigungsplanung.
Warum vorher:
Man sollte ein Haus vorher im Kopf bzw. auf dem Papier bauen oder sanieren. Da kann ich Fehler leichter korrigieren. Im Orginal geht das schwerer und wird teuer.
Ob Sichtfachwerk oder nicht- für diese Entscheidung gibt es klare technische Regeln. Sie hängt ab von der allgemeinen und der speziellen Wetterexposition. Ob Verputz oder nicht- das hängt ab von der Qualität der Steine und dem allgemeinen Ortsbild.
Was sind eigentlich "Weichbrandsteine"?



Planung



Hallo,

natürlich dachten und denken wir vorher und nachher über das Haus und die Instandsetzung nach. Wir können eben noch im laufenden Unterfangen die Entscheidung treffen. Stur nach Plan, ist eben nicht immer zielführend! Weichbrand Steine und Erklärung für Fachwerk findet sich unter anderem bei der Firma Google!



Antworten



wieder einer, bei dessen unhöflichen Antworten ich mich verabschiede :-(



Weichbrandziegel



bei der Firma Google findet man aber auch Literaturhinweise, nach der "Weichbrandziegel" nur für Innenwände verwendet werden. Als Ausfachung sollten sie, wie Grünlinge auch, verputzt werden, es sei denn, man will in 5 Jahren wieder anfangen.



Hm?



Was habe ich jetzt verbrochen? Keine fachgerechte Auskunft erteilt?
Es erschien mit eben für meine Frage nicht relevant zu sein. Zumal die Steine, welche ich hier wohl aus den Gefachen holte, mindestens 100 Jahre hielten und deren Qualität eher als mäßig zu bezeichnen wäre.
Für meine Einschätzung ist Klinker, also hart gebrannter Ziegel für Fachwerk eben schlecht und so habe ich mich für:

Handstrich Kohlebrand Reichsformat Ziegel
- traditionelle Sortierung -
Maße: ca. 25 x 12 x 6,5 cm
Druckfestigkeit: ca. 15 N/mm2 Wasseraufnahmefähigkeit: ca. 16,4% Rohdichte: ca. 1500 kg/m3

entschieden. Die nach Angaben des Fachhändlers, die beste Wahl für Fachwerk sind.

Zudem bin ich keinesfalls der Meinung, daß meine Antwort unhöflich war. Es erspart nur unendlich viel Getippse. Sollte es so rüberkommen, dann sei hiermit klargestellt, daß dies nicht meine Absicht war.



Gefachausmauerung



Weichbrandziegel ist keine genormte Bezeichnung, das kann alles mögliche sein, wie hier wohl nachempfundene Vollziegel ("Backsteine") MZ 150. Die sollten Sie nicht als Sichtmauerwerk verwenden sondern verputzen.
Dafür hätten auch stinknormale Vollziegel Format NF nach DIN 105 Teil 1 Druckfestigkeitsklasse 15,0 Rohdichteklasse 1,2 oder 1,4 genügt. Die paar mm Breitenunterschied machen nichts aus.
Der Unterschied macht sich im Preis bemerkbar.
Bei verputzten Ziegeln ist es sch.egal ob sie kohle- oder gasgebrannt sind, aus dem Ring- oder Tunnelofen kommen, ob ein Roboter sie auf Palette stapelt oder ein Hilfsarbeiter- bis auf den Preis. Raten Sie mal welcher Ziegel billiger ist.
Abbruchziegel gehen übrigens auch.



Gas gebrannte sind...



...viel zu hart und haben kaum noch ein hygroskopisches verhalten!

Hier ein interessanter Tip:

http://www.teracota.info/



Ausmauerung



Ein Vollziegel oder einer mit geringem Lochanteil und gleicher Festigkeitsklasse unterscheidet sich praktisch nicht von einem kohlegebrannten Vollziegel was die Kapillarität betrifft wenn Rohdichteklasse und Druckfestigkeit übereinstimmen. Die Art der Wärmezuführung, der Ofen (Tunnelofen statt Ringofen) und das Heizmedium spielen bei diesen Eigenschaften keine Rolle; nur die Brenntemperatur und das Ausgangsmaterial, der Lehm.
Bei einem modernen Tunnelofen sind die Eigenschaften bzw. die Qualität des Endproduktes konstant, beim Ringofen gibt es eine breite Streuung was die Qualität betrifft. Hier muß sortiert werden.
Wenn solche Steine verputzt sind sieht man den Unterschied der sich in der Optik ergibt auch nicht mehr.

Wir haben als Lehrlinge einmal Hochlochziegel 1,5 NF aus einem Ringofen vermauert, dabei waren auch ein paar ungebrannte Grünlinge. Die sahen aus und klangen wie gebrannte Steine, quollen aber innerhalb einiger Wochen in der Wand wie Hefeteig auf. So etwas passiert beim Ringbrand weil die Brenntemperaturen in den Schürgassen höher sind als am Rand. In der Schürgasse Schmolz, am Rand Weichbrände, manchmal zu weich.
Man kann die Festigkeitklasse der Vollziegel niedriger wählen, z.B. 12 statt 15. Die Steine sind weicher und haben einen höheren Porenanteil.