Gefache verputzen

23.04.2018 Herr Asmodeus



Hallo Fachwerk-Forum. Vorab vielen Dank für die Möglichkeit mir in diesem Forum Hilfe und Anregungen holen zu dürfen. Ich benötige Hilfe bei der Auswahl und Verarbeitung der richtigen Materialien. Es geht konkret um eine Scheune, gebaut um 1850, deren Gefache mit, teilweise Ziegel, teilweise Bimsstein, ausgemauert wurden. Die Gefache (außen) sollen nun verputzt und anschließen gestrichen werden. Das Gebäude wird aktuell wirklich nur als Abstellplatz benutzt, soll aber in den kommenden Jahren ausgebaut werden. Welches Material ist als Außenputz zu empfehlen? Ist im Nachgang Kalkfarbe für den Anstrich zu empfehlen? Für Tips wäre ich sehr dankbar.

Gruss
Marco



Kalkputz, Kalkfarbe



Hallo, ich weiß leider nicht wie viel fachliche Vorkenntnisse Sie haben, und sicher geht auch Kalkputz aus dem Sack. Ich habe hier in der letzten Zeit schon einiges verfaßt. In komplexer Form finden Sie es, wie einige andere Anregungen auf meiner Homepage unter //forum.derhausdoktor.net/#post8. Ich würde mit die Mühe machen, mir Weißkalkhydrat kaufen ihm einsumpfen und den Kalkmörtel selber herstellen. Näheres können Sie gerne noch erfahren. Abhängig von der Himmelsrichtung würde ich ein wenig Zement oder Leinöl zusetzen. In der Farbe würde Kasein zusetzen. Rezept finden Sie auch im Forum. Den Kalk würde ich mindesten ein 1/4 Jahr vorher einsumpfen oder direkt auf Sumpfkalk zurückgreifen, aber dazu ist mehr handwerkliches Geschick notwendig, weil die basische Reaktion stärker ist. Es stellt sich sicherlich die Frage warum. Werksmörtel sind dichter und geben einmal aufgenommenen Feuchtigkeit (Schlagregen) nur sehr schwer wieder ab. Lassen Sie die Gefache ballig vorstehen, dann haben Sie zusätzlich für das Holz einen konstruktiven Witterungsschutz.
Mit freundlichem Gruß
Michael Schmidt



Gefache verputzen



Nur zur Ergänzung: das empfohlene "ballige " Vorstehen der Gefache ( Kissenartig) beim Verputz wird kontrovers diskutiert und ist wohl regional und zeitlich unterschiedlich gehandhabt worden.





Wie man die Gefache Verputzen kann sollte objektypisch beurteilt werden. Schaue doch mal in deinem Ort wie dort haltbare Gefache ausgeführt wurden. Was ist mit der Schlagregenbelastung, wie ist der Dachüberstand.

Es ist gut möglich den Verputz mit Kalk zu realisieren. Den besorgst du vor Ort im Kalkwerk Diez, bei der Fa. Schaefer Krusemark. Die bieten beispielsweise einen "Kalk-Trassputz" an in der Körnung 0-4 und 0-1 mm.

Je nach belieben kannst du auch eine Baustellenmischung verwenden. Dann besorgst du dir dort Stückkalk (Branntkalk) und löschst das trocken, indem Sand und Kalk abwechselnd zum Haufwerk geschichtet und mit Wasser übergossen werden.

Die Flächen werden dann feucht in frisch mit Sumpfkalkschlämme (Sumpfkalk, (Kalkstein-) oder Marmormehl und Wasser) fertiggestellt.

Gestrichen werden können die Flächen dann noch mit Sumpfkalk dem etwas Kasein und Leinöl zugesetzt werden um die Wetterbeständigkeit zu verbessern aber die hohe kapillare Rücktrocknung nicht zu behindern.

Mach doch mal Bilder von der "Baustelle" da können hier genaue Ratschläge zur Ausführungsart erteilt werden.



Kalk und Kissenputz



Die Verwendung eines Kalkputzes für die Gefache ist ohne Frage zu empfehlen.
Ob es wirklich ein eingesumpfter Kalk sein muss wage ich mal zu bezweifeln. Handelsübliche Kalk-Außenputze (z.B. Schäfer-Krusemark 450/455) tun es, meiner Ansicht nach meist auch.

Kissenputz funktioniert und wurde historisch eingesetzt in Gebieten die geringen Niederschlag, gute Dachüberstände und entsprechende Abtrocknungseffekte haben.
In Gebieten bei denen dies nicht gegeben ist, sind Putzüberstände das, was sie sind ... schlechter konstruktiver Holzschutz der über kurz oder lang zu Problemen führt.
So z.B. bei uns im Bergischen. Ich kann deshalb im Allgemeinen von Kissenputzen nur abraten.

Viel Spaß beim Putzen - M.Mattonet, Ingenieurbüro Bergisches Land



gesumpft - nicht gesumpft



Hallo, diese Sachen werden gern in einen Topf geworfen, als ob es da keinen Unterschied gibt. Wer weiß, das CaO (Kalziumoxid) eine schwer wasserlösliche Verbindung ist, ahnt schon das es einen gravierenden Unterschied gibt, selbst wie lang er gesumpft hat (und mit wieviel Wasser). Kalkhydrat wird industriell gelöscht, mehr nicht. Wer ihn mal eingesumpft hat, weiß das er nicht gelöscht ist, nur vorgelöscht. Wer in Bautabellen schaut wird feststellen, da gibt es bei Mischungsverhältnisse zwei Spalten K-Hydrat 1 : 3, gelöschter Kalk 1 : 4. Ich behaupte aus meiner Erfahrung, das der Abbindeprozeß von Mörtel aus Hydrat nur einen Bruchteil des Kalkes zum Erhärten in Betracht kommt, weil ein großer Teil noch als CaO im Gemenge lagert. Damit erreicht er geringere Festigkeit und sein ph-Wert ist geringer. Es fehlt mir an Erfahrung zu sagen, wie lange sollte er optimal sumpften. Vielleicht ist jemand in der Runde, der darauf eine Antwort geben kann.
Mit freundlichem Gruß
Michael Schmidt





Es ist in Wirklichkeit nicht leicht tradierte Kalktechnik an einem Thema vollständig darzustellen und die richtigen Schlussfolgerungen für sein Projekt zu ziehen. Es führen immer viele Wege nach Rom, auch der längere.

Heute geniessen wir den Luxus, alle Materialoptionen in hervorragenden Qualitäten auf die Baustelle bekommen zu können.

Viel diverser die Anforderungen als Transporte mühsamer und über lange Distanz nahezu unerschwinglich waren.

Aber auch unter diesen Bedingungen wurden gute adaptierte Lösungen in der Kalktechnik gefunden.

Es ist unbestritten das ein farbenfreudiges Fresko nicht ohne mehrjährigen, feinkristallinen Sumpfkalk bester Qualität erstellt werden konnte. Die alten Meister machten da auch keine Kompromisse bei der Materialauswahl.

Heute versucht man beispielsweise lange Lagerzeiten durch dispergieren der Kalkmasse oder den Zusatz von "Netzmitteln" zu ersetzen. Da kaum noch über Generationen hinaus gepflegte Sumpfkalklager vorhanden sind, ist das auch alles recht teuer.

Für profane Verputzarbeiten hat man aber auf leicht verfügbare Materialien zurückgegriffen und bei tonhaltigen Kalken, hat man schon damals auf "trocken" gelöschte Kalke zurückgegriffen.

So wurden die Branntkalke in Körben kurz in Wasser getaucht oder direkt auf Baustelle im Sandbett abgelöscht, da eine Lagerung in der Grube nicht möglich war.

Die Werkmörtel sind eine Adaption dieser bewährten Technik.

Die Festigkeit wird durch die Erhärtungsreaktionen, die Sieblinie bestimmt und durch fachgerechte Verarbeitung.

Dort wo sich "reine" Kalkputze aus Sumpfkalk und meist zusammen mit Kalksanden, außen traditionell bewährt haben, spricht natürlich nichts dagegen die dort auch wieder am Baudenkmal einzusetzen.

Die unterschiedlichen Zuschlagsverhältnisse der "Richtrezepturen" für Baukalke als Kalkhydrat (-pulver) und Kalkteig resultiert aus den unterschiedlichen Dichten der Bindemittel.

So hat gesumpfter Kalkteig eine Dichte von 1,34 Kilogramm / Liter und Kalkhydrat etwa 0,55 Kilogramm / Liter.

Wenn ein Liter Kalkhydrat eingesumpft wird, erhält man ca. 0,7 Liter Kalkteig so das die Verhältnisse (fast) gleich sind.



Danke Mario



Mal wieder für die tolle Aufklärung. Den Doktortitel hast du eher verdient ;-)



Vielen Dank



Vielen Dank für die vielen, hilfreichen Antworten. Jetzt geht es daran die richtige Variante für mein Vorhaben zu finden. Nochmals Danke an alle Interessierten :-)