Gefache mauern / Fachkompetenz des Maurerbetriebs

16.02.2020 Steffen


Hallo zusammen,

an unserem kürzlich erworbenen Fachwerkhaus (Wohnhaus) ist eine Schwellensanierung erforderlich weil einer der Vorbesitzer vor mehreren Jahrzehnten direkt an der Schwelle einen Sockel aufgeschüttet hat und diese dadurch verdeckt wurde. Nach diversen Jahren im feuchten Sand ist von der Schwelle nicht mehr viel übrig. Einen (hoffentlich) kompetenten Zimmermann habe ich bereits gefunden, das Angebot des Maurers bereitet mir aber körperliche Schmerzen.

- Er möchte die Schwelle mit Estrichbeton unterstampfen oder mit geschlitzten Ziegeln untermauern.
- Die Gefache sollen mit Kalkzementmörtel und Verblendsteinen (das sind für mich Klinker) ausmauern und mit Kompriband an die Balken anschließen. Immerhin ist auch die Rede von Dreikantleisten, ggf. aber auch Maueranschlussanker.

Ich stehe dem ganzen SEHR kritisch gegenüber. Mit Ausnahme der Dreikantleisten ist das alles Pfusch, oder? Für mich wäre richtig:
- Kein Kompriband
- Dreikantleiste verwenden
- weiche Vollziegel verwenden (KEINE Klinker / Vormauersteine, keine Schlitzziegel)
- Anderen Mörtel (zementfrei) hier würde ich mich über Tipps freuen, welcher Mörtel hier gut wäre (Trasskalk / Weißkalkhydrat...), soweit ich weiß braucht Kalkmörtel ewig zum Aushärten
- Estrichbeton unter der Schwelle kann ich nicht beurteilen, geht das?

Die Wand ist ansonsten, dafür, dass die Schwelle quasi weg ist, noch gut in Schuss, außer dass zwei Gefache etwas überstehen gibt es keine sichtbaren Schäden. Auch die Holzkonstruktion ist bis auf Kleinigkeiten an zwei Riegeln in Ordnung (hatte auch einen Sachverständigen vom DHBV da, der mir das bestätigt hat). Die Fassade ist die Ostseite, keine Wetterseite, wenig Schlagregen.

Liege ich mit meiner Einschätzung richtig? Ich würde mich hier sehr über Eure Meinungen und Tipps freuen!

Viele Grüße und Dank im Voraus,

Steffen



Gefache



bitte ein Foto von der Schwellensituation einstellen. Wie ist der Rest der Schwelle an den anderen Hausseiten verlegt? Und womit ist der Rest des Hauses ausgefacht. Nach Möglichkeit im System bleiben. Am wichtigsten , unabhängig vom verwendeteten Material ist, dass der Sockel unter der Schwelle zurückspringt, damit das Eindringen von Wasser verhindert wird.



Beispielfoto


Beispielfoto

So sieht es aus. Dass die Schwelle vorspringen muss ist klar, der Maurer bleibt schon im System (die Gefache sind mit Tonziegeln ausgemauert).



Sockel herstellen



es sollten Klinker ( Kanalklinker) verwendet werden und Mörtel, der für den Sockelbereich geeignet ist, also mindestens Kalk-zementmörtel. In den Gefachen eher weicheren Mörtel, eine niedriger hydr. Kalkmörtel vielleicht, der braucht auch nicht ewig zum Aushärten ( der Luftkalkmörtel braucht übrigens auch nicht ewig). Zum Balken hin ist ein Kellenschnitt nötig, als Steine sind die zu nehmen, die drin waren. Dreiecksleisten sind üblich, von Ankern würde ich Abstand nehmen, gern kondensiert am kalten Stahl Feuchte und dann Holz drumrum könnte weggammeln. Wichtig ist auch, wenn die Balken schon mal frei liegen, diese zu säubern und mit Leinölfirniß innen zu grundieren. Die neue Schwelle sollte tunlichst auch nicht mit einer Dickschichtlasur gestrichen werden. Wie sehen die restlichen Balken aus?



Balken



Hallo Pope,

danke für die vielen Hinweise! Nur zum Verständnis, die Kanalklinker sind für den Sockel gedacht, oder?
Die restlichen Balken der Fassade sind in Ordnung, ein alter inaktiver Schädlingsbefall und Wasserschäden an zwei Riegeln, aber alles nichts Schlimmes.

Gruß, Steffen



Rollschicht



Die Klinker kommen auf den Sockel, und zwar werden sie hochkant "gerollt", oft werden sie oben/außen abgeschrägt, so dass die Schwelle ein wenig überspringt. Ein Feuchtigkeitssperre ist dann überflüssig.

Die Fächer sollten so aufgebaut sein, wie es ursprünglich gedacht war (also ohne Kompriband).
Wenn man die alten Ziegel noch hat, kann man die ohne weiteres verwenden, die haben immer eine 'schöne' Seite, die kommt nach vorne, wenn auf den anderen Seiten feste Mörtelreste sind, ist das sicher kein Nachteil.
(pro wiederverwendeten Stein spart man mindestens 1€.)

Wenn es Risse in den Anschlussfugen gibt, die über einen großzügigen Kellenschnitt hinausgehen (das ist. nicht unwahrscheinlich, insbesondere bei Ersatz von Ständerwerk) : Nachverfugen wenn nötig!


Gruß GE



Klinker



ja, unter die Schwelle, es müßte ja so eine Art Fundament da sein. Nochwas ist mir eingefallen: Die Gestaltung des Außengeländes um das Haus herum sollte so sein, das Spritzwasser an Sockel und Schwelle vermieden wird, also entweder groberen Kies ( 16/32 oder 64) oder Rasen, Bodendecker



Fundament



Ja, ein Streifenfundament ist da. Sieht man auf dem Bild noch nicht. Es besteht unter der Schwelle aus abgeschrägten Ziegeln / Klinkern wie beschrieben.
Um Spritzwasser zu verhindern werden wir den Abstand Schwelle / Boden vergrößern und wie hier auch beschrieben mit Grobkies schottern.
Was ich noch nicht geschrieben habe:
Einige Gefache sollen neu gemauert werden, weil sie sch... aussehen. Einer der Vorbesitzer hat da teilweise Lücken mit einer großen Kelle Zement zugemacht und zwei Steine eingesetzt. Außerdem gibt es noch ein Uraltfenster was wir auch zumauern wollen. Wo ich drauf hinaus will:
Da haben wir keine alten Steine für und der Maurer will Verblendsteine und Kalkzement nehmen. Das halte ich für falsch, oder was meint ihr?



Verwirrnis



also, wenn schon ein Sockel aus Klinkern da ist, wo die Schwelle drauf liegt bzw. gelegen hat, muss doch nicht neu untermauert werden ? Oder verstehe ich da was falsch. Mach doch mal ein Foto von dem freigelegten Bereich.
Zu den Gefachen: Es sollten Ziegel zum Ausmauern genommen werden, die den vorhandenen ähnlich sind, das betrifft sowohl die Ziegelsorte als auch das Aussehen. Auf dem Foto sieht es so aus, als wären die Ziegel mal gestrichen worden und die Balken gleich mit, außerdem sind sie nicht im Verband gemauert, sondern mit Kreuzfuge. Ich habe den Verdacht, hier sollte über eine generelle Überarbeitung der Fassade nachgedacht werden, vielleicht auch hier ein Foto von weiter weg bzw. von einem etwas größerem Bereich. Zum Mörtel in den Gefachen habe ich doch weiter oben schon geschrieben.



Aussagekräftige Fotos folgen



Bitte entschuldigt, wenn nicht alle relevanten Infos drin waren.
Ich werde noch einige bessere Fotos machen. Die Schwelle liegt auf Fundament, das war halt komplett eingegraben.
Im Angebot des Maurers stehen zwei Optionen, entweder die Schwelle untermauern (wahrscheinlich wenn sie höher gesetzt wird) oder alternativ nur mit Estrichbeton unterstampfen (da habe ich Bedenken, weil Beton).
Die Gefache sind im Verbund gemauert (kommt auf dem Bild aber nicht so raus), rot gestrichen und die Fugen aus irgendwelchen Gründen weiß nachgezeichnet worden. Die Balken sind auch mal rot gestrichen worden, die Farbe schleife ich gerade ab. Danach werde ich die Balken mit Standölfarbe von Kreidezeit streichen.
Die Fassade wollen wir ja auch grundlegend überarbeiten, soweit ich das beurteilen kann heißt das aber bis auf einige Gefache "nur" Abschleifen und lasieren.



Foto


Foto

Blick entlang der Fassade



Das ganze Drama


Das ganze Drama

Hier die Fassade in ihrer ganzen "Pracht". Die Mauer habe ich bereits abgerissen



Bild Fundament


Bild Fundament

Hier die Schwelle mit Fundament, dieser Teil scheint zumindest noch sichtbar intakt (ist aber auch fertig)



Mauer?



meinst Du damit den weißlichen Vorputz? Und wie siehts drunter aus. Der Sockel mit der Rollschicht sieht doch noch gut aus, da muss nichts druntergemauert werden. Es scheint sinnvoll, den Klinker noch etwas zu hinterschneiden, sodass wirklich die Schwellenkante über die Phase drübersteht. Im jetzigen Zustand kann immer noch Wasser zwischen Schwelle und Rollschicht gelangen. Ist das ringsum so? Bei der Schwelle auf den Foto kann es durchaus sein, dass nur die ersten zentimeter abgegammelt sind. Da reicht möglicherweise ein Teilersatz. Das müsste ein Zimmermann ansehen, ein Maurer wird da vielleicht nicht viel sagen können. Ich würde erstmal ringsum ein genaue Schadensanalyse machen und vor allem den Sockel freiräumen. Wichtig wäre auch zeitnah die Balken von der Pein mit der Dichschichtlasur zu befreien. Auf jeden Fall hast Du Dir da ein Lebenswerk angelacht.



Mauer



Das kommt auf dem Bild falsch rüber, das ist (war) tatsächlich eine alte Betonmauer, Abstand ca. 50 cm von der Wand. Dazwischen wurde ja der schöne Sockel aus Sand aufgeschüttet unter dem die Schwelle verrottet ist..
Wie gesagt, es waren schon einige Zimmerer und auch ein Sachverständiger da, die Schwelle ist größtenteils hinüber und wenn wir jetzt dran sind, dann kann man sie auch einmal komplett ziehen.
Der Hinterschnitt kommt noch, der Zimmermann meines Vertrauens scheint ganz gut zu sein und achtet auf konstruktiven Holzschutz. Genaues weiß ich natürlich erst, wenn die Arbeiten laufen.
Die Lasur schleif ich gerade runter bzw. werde das in den nächsten Wochen tun. Erstmal die Schwelle machen, dann stelle ich ein Gerüst. Glücklicherweise geht die Farbe gut ab, ich kann hier Nylontopfbürste mit langsam laufender Flex empfehlen. Geht relativ schnell und das Holz (Kiefer) nimmt kaum Schaden. Messingtopfbürste geht auch, Stahltopfbürste schädigt das Holz zu stark.