Gefache dämmen?

12.03.2016 vetmad



Hallo, sind gerade an der Sanierung eines 200 Jahre alten Fachwerkhauses und da wir gerne in einem Bereich das Fachwerk Freilegen möchten aber auf halbwegs vernünftige Dämmung (zur Zeit ist das Eichenfachwerk mit Kalkstein ausgemauert ca. 14 cm Wandstärke) in diesem Bereich nicht verzichten möchten haben wir uns folgenden Aufbau überlegt:

In den Gefachen mittels verputzbarer Holzfaserdämmplatte (Bestwood Schneider Wall 140) die Ausmauerung ersetzen. Anschließend Gefache aussen mit Kalkputz Verputzen und mit Mineralfarbe (Keimsche Mineralfarbe) streichen. Balken mit diffusionsoffener Farbe ebenfalls streichen.

Folgende Fragen stellen sich geradde:

1.)Funktioniert so ein vorgehen und welche Nachteile sind zu erwarten

2.)Schadet dies dem Eichenfachwerk

3.) Welche Methode der Befestigung der Holzfaserdämmplatte wäre zum empfehlen (Verschrauben mittels Leisten, Einkleben mittels z.B. Weber Therm 301?)

Nebenbemerkung: Eine Innendämmung können wir nicht durchführen (Innen massiv und dekorativ verputzt, Haus bewohnt)

Mit bestem Dank Martin Leidig



Sichtfachwerk



Zu Frage 1: Nein, massive Feuchteschäden am Verbandsholz, mangelnder Schallschutz.
Zu 2: Ja.
Zu 3: Erübrigt sich.

Lassen Sie die Steine drin.
Fachwerk außen nicht freilegen.



Re Herr Böttcher



Erstmal Danke für die schnelle Antwort. Das mit dem Schallschutz war mir bewusst. Die Feuchteschäden nicht wirklich. Deshalb folgende Nachfragen:

1)Mit welchen Materialen ließe sich dann eine Gefachdämmung umsetzen?(Ausschmieren mit Kalk-Lehm-Stroh-Kuhmist Mischung o.ä.?)

2)Oder wie ließen sich die Feuchteschäden bei genanntem Verfahren reduzieren? Und aus welchem Grund würden diese auftreten (vermute mal die Temperaturdifferenz zwischen Balken und Dämmung??)

Mfg und bestem Dank
M Leidig



Fachwerk



Ihrem Beitrag entnahm ich das Ihr Gebäude außen bekleidet ist.
Das hat normalerweise einen Grund und der liegt nicht in gestalterischen Fragen. Sichtfachwerk ist nur bei entsprechender Wetterexposition sinnvoll oder wenn es von Anfang an dafür ausgelegt wurde.
Wenn innen keine Dämmung mehr möglich ist dann außen, aber dann als Thermohaut oder Vorhangfassade. Wenn Sichtfachwerk möglich ist dann in Kombination mit Innendämmung und Wandheizung.

Falls Sie sich die Unterlagen des genannten Materials durchlesen werden Sie feststellen das dieses Material für Ihre angedachte Verwendung weder gedacht noch zugelassen ist.
Außerdem ist die Idee absurd, unter bewohnten Bedingungen das Mauerwerk abzubrechen und gegen was auch immer zu ersetzen ohne Schäden innen zu verursachen.



Hausbeschreibung



Das Haus war bis vor zwei Wochen mit "hübschen" Eternitplatten aus den 70ern als Vorhangfassade bekleidet. Mit ca. 2-4 cm Styroporisolierung zwischen der Konterlattung. Alles m.o.w. direkt auf den Putz aus den 19. Jhdt gedübelt (Kalkputz mit Schweineborstenarmierung). Aus ästethischen (Eternit fing an zu zerbröseln sowie Asbest) und Wärmetechnischen Gründen wollten wir eigentlich das Haus aussen mittels 60-100 mm Holzfaserplatte Isolieren und Verputzen. So wie die Häuser in den 1870ern in Würrtemberg(wir dachten bis dato an BJ um 1870) aussahen.
NB: Aufgrund eines Erlasses des Königs von Württemberg zur Brandverhütung wurden ab 1822 sämtliche Häuser verputzt ausgeführt und kein Sichtfachwerk mehr gestellt.

Doch beim Abbau der Fassade kam ein sehr brauchbares Sichtfachwerk zu Tage (siehe Bild) und das BJ muß aufgrund der Ausführung und den Balkeninschriften auf 1815 korrigiert werden. Da der "Bauzustand" also mit Sichtfachwerk war, und es gut aussieht bin ich halt nun am Plan B. Fachwerk auf der Strassenseite nach Süd-Süd-Osten zeigen.

Da die Innenverputzung aus über 30 mm Gipsputz auf Schilfmatten äusserst massiv ist und auf ca. 2 metern die Gefachausmauerungen(Kalkstein)uns beim Abbau der Vorhangfassade schon komplett entgegen kamen, bin ich mir sicher dass selbst bei kompletter "entfachung" die Innenverputzung unbeschadet stehen bleiben würde.
Und die Innensiolierung scheue ich (noch) wenn es sinnvoll auch ohne gesamtes umreißen der bestehenden Innenausbauten geht.

Aber wie gesagt, isolieren wäre, v.a. weil mir der im Winter angefrorene Tau an den Innenwänden nicht gerade spass macht schon wichtig. Wenn ich dabei nicht die Holzständerung ruiniere.



Fachwerkdämmung



Ich muß mich ausnahmsweise selber zitieren:
" Sichtfachwerk ist nur bei entsprechender Wetterexposition sinnvoll oder wenn es von Anfang an dafür ausgelegt wurde."
Damit wäre das geklärt.
Obergeschoss Sichtfachwerk möglich, aber ohne Abbruch des Gefachmauerwerkes und schon gar nicht mit Ersatz durch Holzfaserplatten.
Für Sie steht die Entscheidung:
Dämmung außen oder
Sichtfachwerk und Innendämmung
an.
Eine andere Option wäre mehr heizen.
In jedem Fall sollten die Fenster gewechselt werden.



Frevel lassen



Wenn Ihr Fachwerkhaus bis dato verputzt dastand, es somit keine konstruktiven Holz- und anderweitige Bauschäden aufweist, dann belassen sie es dabei.
Es ist auch aus ihrem Foto ersichtlich, dass sämtliches Balkenwerk gehackt ist, um eben den Putz gut zur Haftung mit zu verhelfen.
Nun ist er aber eben schon ab und sie können da eine vollflächige Außendämmung mittels verputzbarer Holzw3eichfaserdämmung neu und homogen aufbringen.
Ich würde eine Unger Diffutherm

http://unger-diffutherm.de/udi-produkte-systeme/fassadendaemmung/

aufbringen.

FG Udo Mühle