Gefache neu mit Lehm anstatt vorhandenen Ziegelsteinen

06.08.2013



Liebe Forumsteilnehmer,

ich habe wieder neue Fragen. Bei der Sanierung unseres alten Bauernhauses sind wir gerade dabei, im 1. OG (Fachwerk) innen und außen den alten Putz zu entfernen. Außen soll Sichtfachwerk entstehen. Allerdings sind die Ausfachungen (Ziegelsteine) außen am Fachwerk bündig, sodass ein Verputzen nur der Ausfachungen zwar nicht unmöglich, aber doch schwierig wird. Da viele Gefache nicht mehr fest sitzen, sondern mehr oder weniger wackeln und auch einige Steine ausgetauscht werden müssen, stellt sich die Frage, ob wir die Ziegelsteine komplett entfernen und die Gefache bspw. mit Lehmsteinen neu ausfachen. Diese könnten wir weiter nach innen versetzen, um so die Gefache außen bündig an die Balken heran zu verputzen und zudem auch eine bessere Wärmedämmung erhalten. Innen soll ohnehin noch einmal eine ca. 12 cm dicke Leichtlehmmischung (mit Blähglas) als Dämmung verbaut werden.

Nun meine Fragen:
Welches Material würdet ihr für die Gefache nehmen? Gleiches Material wie für die Innendämmung oder geht das nicht?
Wie ist das mit der ENEV? Bei alten Gebäuden ist bei einem Austausch des Materials bei mehr als 10 Prozent der Gebäudehülle des „betreffenden Gebäudeteils“ die EnEv einzuhalten - soweit wie ich die ENEV verstanden habe. Nun kann man über die Sinnhaftigkeit der ENEV streiten, aber trifft das bei mir zu? Das Haus ist ein zweigeschossiges Bauernhaus, bei dem nur im 1. OG an 2 von 4 Außenwänden (Nord- und Ostseite) ein Gefachaustausch erfolgen soll (restliche Gefache an Süd- und Westseite sind bereits Lehm).

Über Anregungen/Meinungen würde ich mich freuen.



Hier mal ein ...



... letztens für ein Objekt bei Jena projektierter und gerechneter Wandaufbau (von innen nach außen beschrieben):

3 mm Lehm-Feinputz, Rohdichte 1.600 kg/m³
15 mm Lehm-Grundputz für innen, Rohdichte 1.000 kg/m³
60 mm Leichtlehmputz, Rohdichte 500 kg/m³
115 mm Blähglas-Leichtlehmsteine zur Ausfachung, Rohdichte 520 kg/m³
25 mm Lehm-Putz für außen, Rohdichte 1.000 kg/m³

alle Lehmprodukte vom Kleinfahner Lehmwerk, Lehmbaustoffe Thilo Schneider

Bei einem Gefacheanteil von 57,1 % wird ein U-Wert von 0,547 W/m²K erreicht und damit die Forderung der EnEV (mindestens 0,8 W/m²K) erfüllt.

Die U-Werte im Gefache- und Balkenbereich sind nahezu identisch - 0,54 W/m²K im Feldbereich und 0,55 W/m²K im Balkenbereich.

In der Tauperiode fallen lt. der für den öffentlich-rechtlichen Nachweis mit dem Wärmedurchgangs- und Dampfdiffusionsprogramm von Rowa-Soft durchgeführten Berechnung 0,493 kg/m² Tauwasser im Feldbereich an der Schichtgrenze zwischen Leichtlehm-Stein-Ausfachung und Außen-Lehmputz aus. Die mögliche Verdunstungsmenge wurde mit 2.831 kg/m² ermittelt.

Im Balkenbereich wurde ein Tauwasserausfall von 0,066 kg/m² und eine mögliche Verdunstungsmenge von 0,415 kg/m² ermittelt.

In beiden Fällen bin ich mir allerdings sicher, dass bei einer Berechnung mit einem Programm wie WUFI der Tauwasserausfall deutlich geringer ausfällt.

Den v. g. Lehmputz für außen haben wir an einem der eigenen Gebäude sowohl zum Verputz von Gefachen als auch zum Ausgleich auf einer Lehmsteinwand des Erdgeschosses als Untergrund für einen im Herbst aufzubringenden Luftkalkputz verwendet (siehe nebenstehendes Foto).
Die Gefache im OG erhalten keine weitere Oberflächenbehandlung.
Das Gebälk wurde ausschließlich mit rohem Leinöl von Leinöl-Pro behandelt.


i. V. Dirk Meisinger



Vielen Dank



für die Antwort. Dies ist für mich schon sehr hilfreich. Da sich unser Bauprojekt sowohl auf die Sanierung eines Altbaus bezieht als auch ein weiterer Anbau als Neubau vorgesehen ist, stellen sich mir natürlich eine Vielzahl von Fragen. Hierzu würde ich gern zu gegebener Zeit direkt einmal auf Sie zukommen. Ihren Internetauftritt habe ich gefunden, so dass ich dann mit Ihnen in Kontakt treten würde, wenn ich noch weitere Fragen habe, die Sie ggf. für uns klären könnten.

Bis dahin erst einmal vielen Dank für die Info und Ihren Beitrag!



Es freut mich sehr,



dass Ihnen meine Ausführungen weiter geholfen haben.

Falls Sie Wärmedurchgangs- und Dampfdiffusionsberechnungen für Ihr aktuelles Sanierungsvorhaben benötigen bzw. diese als Nachweis gem. EnEV brauchen, können Sie sich natürlich auch an uns wenden.

Im Übrigen: Bitte denken Sie daran, dass Sie für den geplanten Anbau eine Baugenehmigung einholen müssen!

Wenn Sie möchten, würden wir gern zu einem persönlichen und objektbezogenen "Kennenlerntermin" vorbeikommen.


i. V. Dirk Meisinger



nochmals



danke für die Nachricht. Klar, für den Anbau benötigen wir eine Baugenehmigung. Wir haben bereits eine Architektin, die uns die ganze Sache projektiert. In Bezug auf bspw. eine Berechnung, wieviel Wand- und/oder Fußbodenheizung wir benötigen, wenn wir unser Fachwerkhaus innen mit Leichtlehm (ebenfalls aus Kleinfahner) dämmen wollen, konnte sie uns aber nicht weiterhelfen. Dies wären dann solche Aspekte, bei denen ich wahrscheinlich auf Sie zukommen würden. Unsere Architektin soll auch nur "baugenehmigungsreife" Unterlagen für den Anbau erstellen.

Viele Grüße,



Bezugnehmend auf unser Telefonat ...



... hier noch eine Aufnahme eines Innenfutters:


i. V. Dirk Meisinger