Gefache an Giebelwand hinter Eternitverkleidung füllen

20.03.2021 Bort

Gefache an Giebelwand hinter Eternitverkleidung füllen

Hallo, wir haben ein Fachwerkhaus Baujahr ca. 1900 gekauft. Im Dachgeschoss ist eine nicht ausgebaute Wohnung, die wir nun kosteneffizient ausbauen wollen. Wir hatten auch schon jemanden da, der Dachdämmung, Wände und Fußböden machen soll. Er ist angeblich auf Altbauten spezialisiert, ich bin allerdings stutzig geworden, als er meinte, dass er an der Giebelwand, bei der man von innen direkt auf die Eternitfassade schauen kann, mit einer Folie (gegen den Wind) und Dämmwolle die Gefache schließen will. Verblendet würde es innen dann vermutlich mit Rigipsplatten. Ich hatte mich natürlich auch etwas schlau gelesen und überall nur Tipps gefunden, dass das ausgemauert werden soll, am besten mit weichgebrannten Ziegeln und dann mit Lehm Verputz werden sollte. Meistens ging es da allerdings auch um Sichtfachwerk, was bei uns nicht zutrifft. Daher die Frage: Ist die Vorgehensweise mit Folie und Dämmwolle sinnvoll? Um nicht an die Fassade zu müssen, würde die Folie ja von innen gesehen vor der Lattung angebracht werden müssen, also je Gefach ein Stück Folie... Sollte ich mit meiner Vermutung richtig liegen, dass das keine fachwerkgerechte Lösung ist, wäre ich dankbar für Gegenvorschläge. Es soll zwar möglichst günstig sein, es sollte aber auch ein paar Jahrzehnte halten und vor allem nicht die Substanz des Fachwerks angreifen.



Marke "Billig&Schnell"



so liest sich was der Altbauspezi da vorschlägt.
Hat dir wahrscheinlich noch einen Super-Sonder-Pauschalpreis angeboten? (mit extrem hoher Gewinnmarge)

Schon auf dem Foto kann man erkennen dass die Eternitverkleidung nicht winddicht ist.
Wenn der Spezi da einfach nur (wahrscheinlich Mineral-) Dämmwolle rein haut, bläst die Kaltluft durch die Wolle bis an die Innenbeplankung. Heißt: Dämmwirkung gleich Null.
Dazu kommt, dass so es nur minimalen Schallschutz gibt. Ums mal ganz platt auszudrücken: Wenn dir von außen ein Vögelchen gegen die Eternitplatten kackt, hörst du das drinnen.... ;-)
Sorry, ich würd sagen, schicke den Spezi in die Wüste zum Sandschaufeln. Da kann er nix falsch machen.

Wenn du es richtig machen (lassen) willst, dann sollte das Fachwerk ausgemauert werden:
Entweder, wie du schon schreibst, mit Ziegelsteinen, oder mit Lehmsteinen. Beide am Besten mit Lehm-Mauermörtel vermauert, Kalkmörtel geht zur Not auch noch, Kalkzementmörtel auf keinen Fall. Wie das im Detail gemacht wird, kannst du hier im Forum suchen, oder auf den websites der beiden größten Lehmbaustoffhersteller nachlesen (gibts detaillierte Arbeitsanleitungen als pdf-Datein zum runterladen).
Wenn das Fachwerk ausgemauert ist, kannst du darauf eine Innendämmung anbringen.
Dabei ist es empfehlenswert, weil wesentlich fehlertoleranter, die Innendämmung und deren weitere "Beschichtung" diffusionsoffen zu bauen. Also ohne Dampfbrems/-sperr-Folien.
Die Innendämmung muss dabei ebenfalls diffusionsoffen und kapillarleitfähig sein, damit irgendwo eingedrungene Feuchtigkeit wieder schnellstmöglich raus verdunsten kann.
Mit "Beschichtung" meine ich, entweder Verputzen, oder Lehmbauplatten.
Zum Verputzen kannst du entweder Lehm- oder Kalkputz verwenden.
Sollen es lieber Trockenbauplatten (dazu zählen auch die Lehmbauplatten) sein, muss gewährleistet sein, dass diese hohlraumfrei auf der Dämmung liegen (wegen der kapillaren Leitfähigkeit).
D. h., die Unterkonstruktion für die Trockenbauplatten müssen in der Dämmung liegen.

Ganz wichtig und grundlegend ist, dass die Innendämmung nicht zu dick wird.
Beim Fachwerk muss immer eine gewisse Restwärme in die Wand können, damit der Taupunkt nicht zu weit in der Wand liegt.

Soweit mal in groben Zügen.
Wenn du es genauer wissen willst, bemühe bitte zuerst die Suchfunktion hier rechts oben. Es gibt zu dem Thema schon gefühlte tausend Beiträge.
Wenn du dann noch Detailfragen hast stelle sie hier.



Gefache ausmauern



@ Karl-Heinz, wäre es sinnvoll, vor dem Ausmauern noch eine Unterdeckbahn in die Gefache an die UK der Platten zu bringen? Mir scheint die Fassade nicht schlagregendicht zu sein ( die Himmelsrichtung ist nicht bekannt) und eine richtige Hinterlüftungsebene fehlt auch. Und die Dreiecksleisten dürften auch nicht fehlen.



Unterdeckbahn hinter der Fassadenverkleidung



@Pope, kann man machen, wenns eine diffusionsoffene Unterdeckbahn ist.
Je nachdem wie groß die Löcher in der Eternitverkleidung sind.
Auf dem Foto habe ich nur ein paar offene Fugen zwischen den Eternitplatten entdeckt.
Wenns nur solche schmalen/kleinen Öffnungen sind, denke ich brauchts keine Folie.
Das bischen Wasser was da rein kommt läuft eher auf der Rückseite der Verkleidung runter als das es bis zur Ausmauerung kommt. Zumal man die Balken so wie du es beschreibst nicht mit "einpacken" kann.
Das Holz würde so und so naß werden.
Wenn abdichten, dann eher die vorhandenen "Abklebungen" (die grauen Klebstreifen auf dem Foto, könnte Steinband sein) der Plattenfugen durch dauerhaft klebende Streifen (Sika-Band, o. ä.) ersetzen.



Danke



Danke, das bestätigt meine Vermutung. Ja die Klebestreifen an den Eternitplatten haften größtenteils nicht mehr, die zu ersetzen scheint mir sinnvoll. Es handelt sich übrigens um die Nord- und die Südseite des Gebäudes. Auf das Angebot warte ich noch, dann bin ich mal gespannt was er da berechnen will, aber da werde ich wohl nochmal ein alternatives Angebot einholen müssen, wahrscheinlich besser direkt von einem Maurer...



Aber einer ders kann



Suche dir aber einen Maurer der weiß wie man mit Fachwerk umgehen muss !!!!
Z. B. hier: https://www.dachverband-lehm.de/firmen
Am Besten du machst dir die Mühe und beliest dich selbst erst mal ein bischen, damit du ihm die richtigen Fragen stellen kannst. Wo du nachlesen kannst habe ich dir ja schon geschrieben.

Viel Erfolg!




Gefach-Webinar Auszug


Zu den Webinaren