Bewertung der Bemessung von Holzbalken für Flachdach einer Doppelgarage

07.10.2009



Hallo liebe Forumsteilnehmer,

ich bin gerade dabei eine Garage mit Flachdach zu bauen. Das Dach und den Sturz über der Einfahrt möchte ich mit Holzbalken ausführen. Kann mir jemand eine Auskunft zur Bemessung der Balken, der Balkenabstände und des Sturzes für das Flachdach geben.

Schätzung meines Vaters (Zimmermann) war folgende: Sturz: Leimbinder 18x30; Balken: 10x18; Abstand 65cm). Mein Vater ist allerdings schon 5 Jahre in Rente und ist sich nicht sicher. Deshalb die Frage an das Forum.

Die Garage misst 6,5 x 7,2m (B x L). Die Auflageflächen rechts und links der Einfahrt messen je 35 cm. Daraus ergibt sich eine freie Länge (Einfahrtsbreite) von 5,8m. Da die Mauersteine 17,5 cm breit sind, ergibt sich für die Querbalken eine freie Länge von 6,15m.

Da wir am Rande der Schwäbischen Alb wohnen gibt es hier eine erhöhte Schneelast (ca. 146 kg/m2). Das Dach wird mit 24 mm Brettern verschalt und dann mit Pappe für Flachdächer abgedichtet. Auf das Dach soll dann Garagenkies kommen. Die Zwischenräume der Balken werden mit Glaswolle ausgefüllt, unten mit Fermacell verkleidet und dann verspachtelt.

Ich denke der Unterbau ist ausreichend tragfähig. Der Boden wurde vom Kellerbauer aus Beton mit Baustahlmatten gegossen und hat zusätzlich ein umlaufendes frostsicheres Fundament. Die Garage wird aus Ytong Steinen (17,5cm breit) gemauert und erhält oben einen umlaufenden Betonring mit Baustahl (in U-Schalen).

Ich hoffe ich habe alle relevanten Informationen eingestellt.

Vielen Dank schon mal im Voraus, M.Haag



Wird die dunkel gebaut?



Hallo M.Haag,

wird die Garage "dunkel" gebaut?

Kann mir gerade nicht vorstellen, dass eine Garage in BW ein verfahrensfreies Bauwerk ist.

Marius Tapp



Wie jetzt,



Hallo,
Braucht man in Baden Würtenberg keinen Standsicherheitsnachweis?
Aus dem Bauch eine Bemessung der Balken vorzunehmen ,ist bei einer Spannweite von 6,15m ziemlich mutig.
Ich rate Ihnen dringend einen Standsicherheitsnachweis (Statik) anfertigen zu lassen.

Auch der Ringanker MUSS berechnet werden!

Mit U- Schalen bei 17,5er Wänden wird das nix.

viele Grüße



Garage



Nun, jetzt habe mich mal kurz in BW nachgeschaut. Genehmigungsfrei scheint eine Garage nicht zu sein. Geht es also nur noch um das Verfahren zur Genehmigung.

Also, selbst wenn die Garage im Kenntnisgabeverfahren eingereicht wird ist immer noch mindestens "die Erklärung zum Standsicherheitsnachweis" bei der Bauaufsicht einzureichen. Ebenso im normalen Verfahren, hier jedoch wahlweise mit den bautechnischen Nachweisen.

Bei dieser Erklärung geht es nur um den Entfall der Prüfung der bautechnischen Nachweise, sie sind somit erforderlich.

Ach ja, an einem Ringbalken in 17.5er U-Steinen habe ich ebenfalls meine Zweifel.

Das hier klingt nach wir bauen ein Fertighaus (da deutet mir der "Kellerbauer" drauf hin) und haben uns nun überlegt noch eine Garage dranzufummeln.

Marius Tapp



Garage



Und wegfliegen kann so ein Dach auch noch.
Vielleicht auf die nächste Bundesstraße ?
Aber das, und wie Sie das verhindern, erzählt Ihnen der Tragwerksplaner.

Grüße vom Niederrhein



Ergänzungen vom Bauherrn



Hallo liebe Forumsteilnehmer,
also erst mal vielen Dank für die schnellen Reaktionen. Habe ich so nicht erwartet.
Nun zu meinem Projekt:
Bei unserem Haus handelt es sich tatsächlich um ein Fertighaus, welches größtenteils von mir selbst ausgebaut wurde (Wände und Deckenverkleidung, Dämmung, Bodenbeläge, Tapeten Rauhputz). Die Garage soll nicht drangefummelt werden, sondern steht frei mit Abstand von 2 Metern zum Haus und ist so genehmigt (Kenntnissgabeverfahren).
Ich will die Garage in der Tat selbst bauen. Schwarzarbeit ist dass meiner Meinung nicht, da ich die meiste Arbeit verrichten werde und nur meine Brüder helfen werden. Wenn das Schwarzarbeit währe, währe ja unser halbes Haus schwarz erstellt.
Um die Standfestigkeit mache ich mir auch keine Sorgen. Die Bodenplatte wurde nach Abgraben der Humusschicht auf gewachsenem Boden mit Ringfundament zur Frostsicherheit erstellt. Die Bodenplatte selbst hat eine Dicke von über 50 cm, da der Kellerbauer diese zuerst statt 16 cm über ERFH 16 cm unter ERFH erstellt hatte. Da mir das gleich aufgefallen ist, hat er nochmal 32 cm drauf betoniert. Beim dranfummeln hätte ich auch Bedenken wegen der Festigkeit des Arbeitsraumes. Der Arbeitsraum neben der Garage wurde zudem mit Schotter aufgefüllt und verdichtet. Sollte also auch was aushalten.
Zu den U-Schalen hatte ich bisher auch keine Bedenken. Zu was kann man diese sonst kaufen. Ich habe letzte Woche zudem mit dem Mann von der Technik bei Ytong telefoniert und ihm beschrieben, was ich vorhabe. Der hat auch nichts Negatives gesagt. Außer, dass ich für die Deckenverkleidung besser Gipsfaserplatten nehmen soll und keine Gipskartonplatten, wegen der Feuerfestigkeit. Diese U-Schalen kann man übrigens auch bewehrt kaufen. Ich dachte eigentlich schon, dass das ausreichen würde.
Zum Thema wegfliegen ist doch meines Wissens der Ringanker da. Darin sollen die Balken ja reingeschraubt werden oder liege ich hier falsch?
Vielleicht helfen diese Infos ja mein Projekt zu erläutern und die Bedenken etwas zu zerstreuen.
Gruß M.Haag



Trotzdem -



- wird gemäß Bauordnung ein Standsicherheitsnachweis benötigt. Ganz einfach. Da sind diese Informationen enthalten.

Auch wenn es im Kenntnisgabeverfahren 'genehmigt' wurde, heisst das nicht, dass auf eine Statik verzichtet werden darf. (siehe Bauordnung und Bauvorlageverordnung) Diese Unterlagen sind spätestens vor Baubeginn nachzureichen.

"dunkel" hieß nicht "dunkel entlohnt" sondern "rechtlich dunkel zu errichtet" in diesem Zusammenhang.

Nehme hier mal eine U-Schale von "Y", schaue mir die an und stelle ich folgenden Überlegungen an:

1. das Ding (Ringbalken) ist auf den Außenwänden
2. also muss es: auch Biegung aufnehmen
3. Schale in Breite 17.5cm ergibt einen Netto-Betonquerschnitt von 7.5cm in der Mitte.
4. Für Biegung müssen dort rein: Bügel und Längseisen
5. Frage: Wie bekomme ich dort diese Bügel und Längseisen mit ausreichender Betondeckung rein und kann das auch noch verdichten und erhalten eine statisch wirksamen Querschnitt?
6. Wofür gibt es diese Dinger sonst? Gute Frage - für Ringanker. Das ist allerdings was anderes als das Ding auf den Außenwänden; oder auch nicht und manchmal doch.
7. Diese Unterschiede und die Erfordernis legt wiederrum ein Statiker in seiner Aufstellung fest.

Alles klar?

Marius Tapp



Was erwarten Sie für eine Antwort?



Hier im Forum kann doch nur die Antwort kommen, die Sache von einm Statiker oder Tragwerksplaner "nach Massgabe aller wesentlichen Umstände" planen zu lassen. kostet nicht die Welt und man ist auf der sicheren Seite.
Oder man legt irgendwas drauf und hofft, dass es schon hält. Aber eine Absegnung der zweiten Möglichkeit hier wird niemand geben, wie auch.
Stellt sich noch die Frage, warum man sich nicht schon vor der Aufmauerung Gedanken über das Dach gemacht hat, und ob es Holzbalken sein müssen oder es noch eine andere Möglichkeit gibt. Holz unter Flachdach ist prinzipiell problematisch, beim kleinsten Problem mit der Dichtfolie geht der Unterbau den Weg alles Vergänglichen.



Hallo die Herren



Das man einen Standsicherheitsnachweis einreichen muss ist mir neu. Zum Haus habe ich auch eine Statik vom Hersteller erhalten. Diese habe ich nie bei der Behörde eingereicht und es wurde auch nicht danach gefragt. Das ist jetzt über 1 Jahr her. Außerdem dachte ich bisher, dass man bei eingeschössigen Gebäuden in der Tat auf einen Statiker verzichten kann.

Was den Betonkern angeht es sind 11,5 cm und nicht 7. Ich denke, dass ist schon mal besser.

Ich dachte, dass man ein so vergleichsweise einfaches Bauwerk wie eine Garage auch einfach Berechnen und erstellen kann; ist wohl nicht so.

Zum Thema Statiker: Kann mir jemand sagen mit welchen Kosten ich ungefähr rechnen muss? Liegen wir hier bei ein paar hundert Euro oder bereits über 1000.

Herr Paulsen,
ich habe noch nicht mit der Aufmauerung begonnen, es ist also alles noch möglich. Für einen Tipp oder Vorschlag bezüglich des Dachaufbaus oder der Gesamtkonstruktion währe ich ihnen dankbar. Für mich erschien die Ausführung mit Holz als die einfachste. Holz kann mann leicht bearbeiten und dürfte auch günstig sein.
Gruß M.Haag



Hallo die Herren (Ergänzung)



Habe eben nochmal in den Unterlagen bei "Y" nachgelesen. es sind doch nur 7,5 cm übrig für den Betonkern. U-Schale mit Wandstärke 3 cm wahr wohl bei einem anderen Hersteller.
Gruß M.Haag





Ich würde das Dach mit Mittelfirst und konventioneller Ziegeleindeckung machen. Die Konstruktion ist einfach und dauerhaft und leicht instand zu halten, was bei Flachdächern nicht gegeben ist, und im entstehenden Raum kann man so manches verstauen. Da ich die umgebende Architektur nicht kenne, muss das aber nicht unbedingt passen.



Statik



Moin zusammen
Dir wird hier keiner die Statik rechnen, schließlich leben die meisten hier von solchen arbeiten, da macht man das nicht umsonst, sondern verweist auf den Fachman.

Mein Tip. Gehe in den nächsten Baumarkt und guck dir dort die Carports an. Die haben sicherlich die erforderlichen Gutachten.

Baue deinen eigenen einfach stärker und du bist auf der sicheren Seite.

Wenn ich mir ansehe auf was für Hölzchen bei manchen Doppelcarports das Dach liegt, würde ich mir bei einer 17,5 cm Wand mit aufliegenden Usteinen bestimmt keine Gedanken mehr wegen der Haltbarkeit machen.

Gruß Jürgen



Naja



also ich weiß nicht, Jürgen. Es ging ja eigentlich um eine Garage :-)
Bei der Idee, das eigene Carport einfach etwas stärker als jenes vom Baumark zu bemessen, sträuben sich mir sämtliche Haare. Ich finds immer köstlich, wenn der Benz für 40.000 Euro unter einer Holzlege aus dem Baumarkt für 300 Euro steht. Ich würd nicht mal meinen Schubkarren unter so ein Ding stellen, aber das liegt wohl an einer gewissen Voreingenommenheit aufgrund meines Berufes :-)
Die weiter oben genannte Idee, anstatt des Flachdaches ein Satteldach aufzubauen, find ich spitze. Neben dem Vorteil der Wartung, der relativ freien Wahl der Dacheindeckung (die haste bei einem Flachdach mit 5 Grad Dachneigung eben nicht) und dem nicht unerheblichen Aspekt des zusätzlichen Stauraums ist so ein Satteldach gerade was die Durchbiegung der Sparren angeht wesentlich sinnvoller. Ehrlicherweise muß man eingestehen, daß so ein Satteldach auch teurer kommt.
Man könnte den Ringanker natürlich auch selbst einschalen und an der Außen- und Innenwand einen Putzträger wie Heraklith anbringen, um den Kern des Ringankers zu vergrößern. Du bist ja offensichtlich ein Selberbauer, so eine Schalung bekommst Du mit Bohlen bzw. Dielen auch selber hin.
Denoch würde ich Dir schon raten, das Gebälk von einem Statiker durchrechnen zu lassen. Ein Zimmermeister könnte das zwar ebenso, allerdings wird der dann den Dachstuhl auch selber machen wollen :)
Noch ein paar gutgemeinte Tipps:
Deine Sparren sind mit 10/18 cm auf alle Fälle viel zu schwach bemessen. Da scheiterts schon beim optischen Nachweis, zumal Du mit dem Kies nochmal zusätzlich gewaltig Eigenlast aufbringst.
Der Begriff Standfestigkeitsnachweis ist wohl etwas irreführend. Er bezieht sich nicht alleine aufs Fundament. Deine 50 cm starke Bodenplatte (ich hätte den Betonbauer erschlagen *lach*) nützt Dir wenig, wenn die Dachlast nicht unten ankommt. Dein Ringanker ist v.a. auch dazu da, Dein Dach vor dem Abheben (Windsog) zu sichern. Es ist deshalb auch von entscheidender Bedeutung, was Du für Dachvorsprünge bekommst und auf welcher Höhe Du baust (betrifft die Windlast-nicht die Schneelast)
Aber ne definitive Antwort wirste hier wirklich nicht kriegen.

Gruß Andreas