Schaden am neuen Gefache

12.11.2011



Hallo Fachwerkgemeinde,

als Fachwerkfreund möchte ich das Fachwerkportal nutzen um Tip’s und Ratschläge für unser neugebautes Häuschen auf dem Lande mit Giebelfachwerk zu bekommen,
das nach 4 Jahren starke Mängel zwischen dem Gefache und der Verfüllung aufweist.
Wie es so in vielen Fällen ist, wird zur Auftragsvergabe keine Bedenken angemeldet und jeder baut nach Bauplanung los und freut sich über das überwiesene Geld.
Bei späterer Mangelerscheinung schiebt ein Gewerke den Schaden auf das Andere und zum Schluß sind die Bauherren daran schuld, die ja so eine komplizierte Variante haben wollten.
Na jeden falls ist das sägeraue Lärchenholz stark geschrumpft und gerissen (was auf den Bildern sicher zu erkennen ist) und es klaffen Risse zwischen der Ausfüllung mit Leichttonmörtel (LTM 81) von 10-25mm bis zur dahinterliegenden OSB-Platte. Einige Verfüllungen haben sich schon an der eingesetzten Dreieckleiste getrennt und
kippen nach vorne raus.
Zurzeit eiern die Fachfirmen mit der Schuldzuweisung und der richtigen Ausführung der geplanten Sanierungsmassnahme noch rum, obwohl der Winter schon vor dem Hause steht.
Ich denke, ein Ausspänen der großen Risse und Spalten im Holz wäre schon nötig. Und bei den Abständen zwischen der Verfüllung sollte wenigstens vorübergehend als Winterschutz etwas unternommen werden.
Nun hoffe ich von Euch, den Gemeindemitgliedern, einige kompetente Ratschläge zu bekommen, um diese mit den Fachfirmen zu besprechen.
Ich danke Euch schon mal im Voraus und verbleibe

mit fachwerklichen Grüßen

Ein Fachwerkfreund



Fachwerkschäden



Hallo Marco,
wir brauchen noch ein paar Informationen zum Bauvorhaben.
1. Wie ist der genaue Wandaufbau der Gefache von innen nach außen?
2. Trägt das Fachwerk statische Lasten aus dem Dach bzw. der Decke ab oder gibt es eine innere Tragkonstruktion aus Mauerwerk?
3. In welcher Reihenfolge wurden die Gefache ausgemauert?
Von unten beginnend nach oben oder von oben beginnend nach unten?
4. Mit welcher Einbaufeuchte wurde das Tragwerk gestellt?
5. Wie wurde das Tragwerk malermäßig außen behandelt?

Der auf dem Foto zu sehende Fußpunkt einer Strebe ist ein konstruktiv bedingter Schwachpunkt, den jedes Fachwerk aufweist.
Bei Beregnung der Wand läuft Wasser an den Kanten und Spalten am Übergang Gefach/Holz wie in einer Rinne nach unten und wird in den zulaufenden Spalt zwischen Stiel, Strebe und Schwelle geleitet. Das Wasser sickert in die Zapflöcher. Dort verbleibt es, wenn die Löcher nicht durch Bohrungen nach unten entwässert werden. Da bei ihnen eine dichte Verblechung an der Schwelle angebracht ist, wird das hier nicht viel bringen; das Wasser verbleibt im Bereich der Schwelle.

Was kann man dagegen tun?
Ich kenne keine auf Dauer befriedigende konstruktive Lösung für das Problem außer Sichtfachwerk nicht in besonders schlagregenexponierten Gegenden zu errichten und durch entsprechende Dachüberstände für Schlagregenfreiheit zu sorgen.

Viele Grüße



Frischholz



schrumpft nun mal leider.Was war den im Abgebot angegeben?
Bild unten ist ein Eichenfachwerk,Gefache mit Lochziegeln und Dämmmörtel ausgemauert,verputzt mit Dämmputzmörtel,in die Zapfenlöcher kann hier nix reinlaufen,es gibt keine(Nagel und Schraubverbindung).Damaliges Argument des Zimmerers abgelagertes Holz schwindet auch,da kann man auch frisches nehemn und spart Geld!Der Bauherr hat s geglaubt....
Langfristig wird die Wand wohl verkleidet werden.

Grüße Martin



Kenne das Problem nur zu gut!



Habe stets offene Augen und sehe täglich und schon seit vielen vielen Jahren dieses Problem der Produktsymbiose.
Leider nur von geringer Dauer an Funktionalität.
Habe hier schon seit ein paar Jahren Schadbilder von diesen Lösungen eingepflegt und leider werden dieses Systeme immer noch großflächig angewandt.
Viel zu starre Ausfachung und dazu noch fast diffusionsdicht.

Hier ein erstes Beispiel:

Schadbild 2 Schadbild 2



Weiteres Schadbild



Mineralische Ausfachung: Ob das das Wahre ist?





Das von mir gezeigte Fachwerk wurde von einem Zimmereimeisterbetrieb erstellt,die Firma wirbt damit Fachwerksanierung in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz zu erstellen.Sind auch vom Gefachaufbau überzeugt,denn die machen das heute immer noch so.
Das wirklich irre ist doch ,das ich mich als Bauherr doch in alle Auszuführenden Gewerke einlesn muss,damit in meinem Bau alles "richtig"gemacht wird.Ich versuche von daher möglichst alles selber zu machen,was nicht heißt das ich alles richtig machen werde,aber ich weiß wenn ich da zur Rechenschaft zu ziehen habe.Selber machen verschafft mir vorallem Zeit,Zeit zu recherschieren,Zeit nachzudenken,mir Meinungen einzuholen und dann zu entscheiden.
Es scheint oft so zu sein das blindes Vertrauen nur zusätzliche Kosten und Ärger verschafft.

Grüße Martin



Fake-Fachwerk



Solch Fake-Fachwerk sehe ich hier auch manchmal mit ähnlichem Schadensbild. Sofern es Regen und Spritzwassergeschützt ist, kann das "Fachwerk" auch mal länger halten, wenn aber Regen oder Spritzwasser ans Holz kommt, ist es in ein paar Jahren durchgefault.

Frisches Holz für Sichtfachwerk zu nehmen ist natürlich dumm (zumindest bei Lärche). Und dann eine starre Ausfachung. Das hält nie am Holz. Darum auch die interessante Frage - wie ist der gesamte Wandaufbau.

Was mich hier mal interessiert wäre die Meinung der Profis zu "Baumit LeichttonMörtel LTM 81". Laut Beschreibung "Rein mineralischer Verfüllmörtel zum hohlraumfreien Schließen von Fachwerk-Gefachen in der
Sanierung und im Neubau, zum Verfüllen von Mauerwerksschlitzen, zum Ausgleichen von
Mauerwerk und zur Erstellen von Vormauerungen."
Bestandteile: "Tonmineral, mineralische Leichtzuschläge, schnellabbindender Spezialzement (chloridfrei),
sowie Zusätze zur besseren Verarbeitung und Haftung.
Eigenschaften Schnellabbindend, rein mineralisch, hoch standfest für hohe Mörteldicken, ausgewogene
Dämmeigenschaften (Wärme- und Schalldämmung)."

Kann sowas überhaupt mit Fachwerk funktionieren (Stichwort: Wasserabtransport von den Balken) - mich irritiert, dass der Mörtel direkt für Fachwerk angepriesen wird.

Ich stehe da mehr auf Lehm. Die Gefache, die hier in der Gegend mit "Mörtel" nachgebessert werden, sind nach ein paar Jahren dreckig und grünlich, während die Lehmgefache am gleichen Haus noch weiss sind.

Also meine laienhafte Meinung: Große Spalten ausspanen, kleine evtl. mit Holzkit zumachen, die Schlitze in den Gefachen mit Lehm ausspritzen, nochmal Streichen mit diffusionsoffener Farbe.
(Anm.: der Lehm dient dazu evtl. eindringende Feuchtigkeit aufzunehmen und nach und nach wieder abzugeben)





Hallo und willkommen Fachwerkfreund.

Man kann ja hier keine rechtsverbindlichen Hinweise geben aber wurden bei Auftrag Aussagen zur Gewährleistung gemacht oder vereinbart ? Ist ggf eine Mediation vereinbart worden ?
Wurden ggf die AGB's der Handwerker zu Grunde gelegt und was sagen diese aus (BGB oder VOB). ggf kann es wichtig sein, das noch keine 4 o. 5 Jahre abgelaufen sind ? War ein Architekt beauftragt ?

Aber sicher hast Du diese Sachen schon abgeklärt und auch in Erwägung gezogen einen Gutachter einzuschalten.

Meiner Ansicht nach kann man den Zustand, so wie er sich im Bereich Schwelle darstellt nicht belassen. Die Risse im Holz stören mich da noch am wenigsten.

Wie Herr Böttcher schon schrieb, eine optimale Lösung die Jahrhunderte lang hält, gibt es wohl im Fusspunkt der Strebe konstruktiv nicht. Die Ausführung wie auf dem Bild zu sehen ist, wird aber sehr schnell schadhaft werden. Da mußte meiner Ansicht nach, eine recht große Lösung gesucht werden um langfristig an dem Bau Freude zu haben. Das gilt auch für die losen Gefache, wie es bei dem unten rechts zu sehen ist.

Ein Ausspanen der Risse im Holz ist hier sicher nur das Kleinste kann aber gemacht werden. Das Problem scheint größer und müßte demnach auch größer angefasst werden.


Und ... Sorry Herr Wagner ... ich bin überhaupt kein Freund von Holzkit. Im Außenbereich Holzkit halte ich generell nicht für sinnvoll, weil der auch nur Kosmetik ist und die Bewegung des Holzes nie mit macht. Kosmetik gehört ins Schönheitsstudio.

Bin mal gespannt, was die rum-eiernden Fachfirmen als Lösungsansatz präsentieren. Nicht das am Ende ein Eiersalat dabei raus kommt der dir, der das auslöffeln muss, am Ende ganz schlecht bekommt.



Fachwerkschaden



Hallo Marco,
ich gebe hier mal ihre Antworten auf meine Fragen aus der Email an mich auch für die anderen zur Kenntnis und dazu meine Meinung:
Frage 1 zu genauen Wandaufbau (von innen nach außen):
Sie schreiben von 11,5 cm Ziegel (welche?), 60 mm Styropor, ?mm OSB, LTM 81 als Putz- und/oder? Mauermörtel.
Diesen Aufbau halte ich für fachlich bedenklich und bauphysikalisch falsch.
Die PS- und vor allem die OSB- Platte wirken wie Dampfbremsen. Gegen das Prinzip:
"Von innen nach außen immer diffusionsoffener" wird verstoßen. Der Feuchtestrom wird behindert.

Frage 2 ob das Fachwerk statische Lasten trägt, beantworten Sie mit ja.
Die Frage 3, in welcher Reihenfolge gemauert wurde konnten sie nicht beantworten.
Das bedeutet, das Fachwerk hat sich durch die Aufnahme der Lasten verformt. Wenn statt wie üblich von oben nach unten umgekehrt ausgefacht wurde, dann verformten sich die Gefachhölzer im EG durch die Lastaufnahme. Die fertige Gefachausmauerung folgt diesen Verformungen nur bis zu einem gewissen Teil.
Ergebnis: Risse, Spalten, wenn die Ausmauerung vor Abklingen der plastischen Verformung erfolgt.

Frage 4 nach der Einbaufeuchte beantworten sie mit 18-20%, allerdings als Angabe, die ihnen der Zimmerer noch nachträglich liefern will.
Das bedeutet, sie wissen nicht wie trocken (oder nass) das Holz zum Einbauzeitpunkt war.
Ich hoffe der Zimmerer weist Ihnen diese Angaben mit einer Kopie des Lieferscheins vom Holzhändler nach und nicht mit einer Unternehmererklärung.
Warum ist das so wichtig? 20% ist die max. Einbaufeuchte, die technische Regeln im Außenbereich zulassen. Ob das für ein Fachwerk gut ist, dazu mögen die Fachleute hier etwas sagen, auch über die Verformungsneigung von Lärche im Gegensatz zu anderen Holzarten im Fachwerkbau.
Wenn verbautes Holz eine Weile steht, stellt es sich auf eine bestimmte Feuchte ein, die Ausgleichsfeuchte.
Die hängt vom Einbauzustand, den Nutzungsbedingungen und dem klimatischen Umfeld ab. Ist die dann niedriger als die Einbaufeuchte, schrumpft das Holz. Das führt wiederum zu Spannungen und Rissen zwischen Holz und Gefachausmauerung.

Damit haben Sie ein paar mögliche Erklärungen für Risse und Verformungen am Fachwerk.
Wenn Sie Gewährleistungsmängel geltend machen wollen nützt das allein noch nichts.
Dazu müssen sie zweifelsfrei beweisen, das ein bestimmter Subunternehmer einen klaren Verstoß gegen die technischen Regeln und/oder die ihm übergebenen Ausführungsunterlagen begangen und das dieser Verstoß zum Schadensbild geführt hat. Das ist erfahrungsgemäß im Nachhinein sehr schwer.
Noch komplizierter wird es wenn auch noch Planungsmängel vorliegen sollten, denn dann ist weder dem Planer noch dem Ausführenden die Schuld zumindest in voller Höhe eindeutig zuweisbar.

Viele Grüße