Zusätzliche Dämmung unter Dielen, wenn darüber Fußbodenheizung

21.01.2005


Hallo zusammen, nachdem ich diese tolle Info-Plattform seit Monaten mit steigendem Interesse durchstöbere, möchte ich nun gern auch einmal eine Frage loswerden, die ich bisher noch nicht eindeutig beantwortet sehe:

Wir haben ein großes 2-Familien-Fachwerkhaus aus dem Jahr 1868 gekauft. Im Erdgeschoss ist als Fußboden eine einfache 30mm-Dielung (kein Nut und Feder) und darunter bis zu 170cm Luft. Im Fundament sind rings um das Haus ca. 20 Luftlöcher, vor die ich lediglich Lochblech geklebt habe.

Da wir vor allem aus optischen Gründen die vorhandenen Radiatoren entfernen wollen, haben wir den Plan, auf die vorhandene Dielung eine Fußbodenheizung im Trockenbausystem (Styrodur-Trägerplatte, Alu-Blech, Heizschläuche, Wärmeleitblech, Fermacell-Estrich-Elemente, Fliesen/Auslegware (in zwei Räume Linoleum)) aufzubringen. Nun haben wir die Situation, dass wir von befragten Fachleuten viele unterschiedliche Aussagen darüber bekommen haben, ob eine zusätzliche Dämmung unter den Dielen angebracht werden muss. Die Meinungen gingen über Kellerdeckendämmplatten, 100mm Styropor/Styrodur bis zur Aussage, dass die Dämmung der Trägerplatte für die FB-Heizung ausreichend sei und das zusätzliche Alu-Blech unter den Heizschläuchen nur noch so wenig Wärme durchlässt, dass die Trägerplatte aus Styrodur diese dämmt.

Da ich selbst sehr wenig Ahnung habe, bin ich durch die vielen unterschiedlichen Aussagen sehr verunsichert und würde mich freuen, wenn aus diesem Forum die eine oder andere Meinung zu meiner Frage käme.

Danke Lutz



Zu allererst würde ich



empfehlen noch einmal über den Plan eine Fußbodenheizung einzubauen nachdenken. Zu diesem Thema gibt es auch einige Informationen hier im Forum.
Warum soll man sich die ganzen Nachteile einer Fußbodenheizung ins Haus holen, nur weil einen die Heizkörper stören. Es gibt, wenn man kein Interesse an Wandflächenheizungen hat mittlerweile viele gute und ich meine auch schöne Heizkörperalternativen auf dem Markt.



FB-Heizung



Guten Abend Herr Aschhoff,

es spricht m.E. wenig gegen eine Fußbodenheizung. Am ehesten noch der hohe Preis, Sie können aber sehr fachwerkverträgliche niedrige Vorlauftemperaturen darin fahren und auch, wenn Sie wollen, Solarwärme aus Pufferspeichern abzapfen.
Nun aber zu Ihrem Aufbau: Stutzig machen mich die 17 cm Luft; wahrscheinlich werden die auch noch durch die 20 kleinen Löcher belüftet, das hieße außen = innen. Auf so etwas kann man nicht einfach einen neuen Aufbau machen.
Die Löcher waren mal zur Entlüftung, also gegen Feuchtigkeit. Allerdings haben sich diese Konstruktionen nicht bewährt: bei Nahen einer Warmfront wird noch atmosphärischer Wasserdampf eingetragen, der im kalten Mauerwerk kondensiert.
Da Sie zudem ein Bauteil komplett ändern, muß ein Wärmeschutz entsprechend EnEv eingebracht werden. Wenn der drin und eine Feuchtigkeitsisolierung (Sperre von unten) verlegt ist, können Sie eine Fußbodenheizung nach Werksvorschrift einbauen.
Aber vorher müssen die alten Dielen herausgenommen werden.
Viel Erfolg !





Guten Morgen Herr Beckmann,

die Luftschicht unter dem Fußboden ist nicht 17 sondern 170cm. Ändert das etwas an Ihrer Meinung ?

Viele Grüße
L.Aschoff



Luftraum



Mahlzeit Herr Aschhoff,

in gewisser Weise ja. Ich glaube jetzt den Aufbau besser verstanden zu haben. Die Dielen sind wahrscheinlich der untere Abschluß des Wohnraumes und dann kommt ersteinmal gar nichts ?

Wenn das so ist, kann man ja auch von unten dämmen, ist billiger und sinnvoll: 10 - 12 cm nichtbrennbare Mineralfaser WLG 035 möglichst zweilagig unterkleben.

Wenn Sie es ganz solide machen wollen, können Sie auch die Dielen entfernen und Schwalbenschwanz-Platten montieren, auf die Sie einen 5-6 cm dicken bewehrten Zementestrich aufziehen. Darunter die oben beschriebene Dämmung, dadrauf die Fußbodenheizung nach Werksanleitung.
Dann haben Sie einen feuchtigkeitsbeständigen, brandsicheren (F 90) und gegen Insekten und Pilze unempfindlichen Boden.

Schönes Wochenende



Spätestens jetzt



kommt aber auch der Statiker ins Spiel.



Tragkonstruktion


DHD Holzweichfaserplatte mit integrierter Lattenaufnahme für Holzböden

Es wäre zu klären, wie die Tragwerkskonstruktion ausgebildet ist.
So wie ich es mir vorstelle, besteht diese aus Holzbalken.
Bringt man darauf nun die sogenannten Lewis-Platten (Schwalbenschwanzplatten; verzinkte Blechplatten), so wird sich über kurz oder lang auf den Auflageflächen der Holzbalken ein Bauschaden entwickeln. Unterschiedliche Temperaturverhaltensweisen!
Warum denkt Ihr nicht über ein diffussionsoffenes Aufbauverfahren nach, soweit es Eure Einbauhöhe hergibt.
Holzweichfaserelemente 50 mm, integrierte Holzlatte zur mechan. Befestigung der Holzdielung.
Auf eine Fußbodenheizung würde ich komplett verzichten, da diese zu einigen energetischen und auch gesundheitlichen Problemen neigt.

Grüße vom Lehmbauer.



Bauschaden ?



Hallo,

aus zahlreichen Anwendungsfällen ist mir bisher kein einziger Bauschaden bekannt. Wurde so etwas jemals publiziert ? Wenn ja, wo ? Für zielführende Hinweise bin ich dankbar, da m.W. die Konstruktion bis heute Stand der Technik ist.
Außerdem ist die Sache mit dem unterschiedlichen Temperaturvrhalten nicht ganz plausibel. Das "Problem", oder besser, den Sachverhalt, haben wir ja bei der Verbindung verschiedeneer Materialien immer, wobei in der richtigen Verbindungstechnik die Lösung liegt.

Gruß



Verhaltensweise



Es sind verschiedenste Schadbilder bekannt, wo es bei den Kontaktflächen zwischen Holz und Metall zu holzzerstörenden erscheinungen gekommen ist.
Braunfäuleerscheinungen, die sich als sogenannte Einschnürungen mit holzzerfallenen Rißbildungen darstellen, sind die augenscheinlichen Sichtungen.
Wenn es aus meiner handwerklichen Sicht richtig ausgebildet gestaltet werden soll, dann müßte eine Auflage mittels Hartholzauflagen oder Korkstreifen durchgeführt werden.
Desweiteren ist in den Zwischendeckenbereichen immer mit einer sich entwickelnden Thermit zu rechnen, die sich in den sogen. Schwalbenschwanzkanälen ausbildet.
Die Wandanschlußbereiche, zu denen diese Kanäle zeigen, werden somit mit einer erhöhten Thermik belastet und diese bringt immer eine erhöhte Feuchtigkeit mit sich.
Natürlich ist dies der heutige Stand der Technik, doch ist dieser langzeitbetrachtend, auch immer richtig?
Die meisten Bauschäden zeigen sich doch bekanntlicherweise erst weit nach 10 - 15 Jahren auf und dann sind die probleme eh groß genug!
Deshalb versuche ich mich immer an Systeme zu halten, wo ich als Handwerker ein gutes Bauchgefühl habe und wo ich diese Lösungen mit einem Fachplaner noch abzustimmer vermag.
Diese sog. Lewisplattensysteme werden ja auch häufig in Holzbalkendeckensystemen zum Einsatz gebracht, wo es auf Trittschall- und eine gute Tragfähigkeitsausbildung (Bäder z.B., weil nachher gefliest werden soll!) ankommt.

Grüße Udo



Unbekannt



Die Konstruktion mit den Blechplatten ist mir völlig neu, aber aus dem Bauch heraus würde ich aus baubiologischen Gründen auf den Einbau von Metallplatten verzichten.
Zu vermutende Folgeprobleme:
- Veränderung des Erdmagnetfeldes
- Abschirmung natürlicher Felder
- Anbindung an elektrische Felder
Aber beim Einbau einer Fussbodenheizung spielt das alles vielleicht keine große Rolle mehr.
Ich gebe Udo recht: Dielenboden auf gedämmter Balkenlage und anderes Heizsystem wählen.



Fachinfo



Unter dieser Seite sind ausführliche Daten zu Schwalbenschwanzplattensystemen (Lewis) zu finden.
Grüße Udo

www.spillner-ssb.de



@ Udo Mühlen



Danke für Ihre Hinweise. Theoretisch sind die Überlegungen richtig. Ich werde in Zukunft mal auf sich abzeichnende Schadensbilder achten. Es gibt allerdings eine Statistik über Bauschäden im Bauschadensbericht der Bundesregierung (erstmals Anfang der 80er Jahre erschienen, von Erich Schild und Rainer Oswald). Die große Mehrzahl der Bauschäden an Neubauten zeigt sich innerhalb des ersten Jahres, weitere innerhalb von 3 Jahren, nach 5 Jahren waren Erstsymptome nicht von normalen Alterungsersscheinungen zu unterscheiden. Schlußfolgerung daraus: Gewährleistungen von 5 Jahren sind großzügig bemessen, längere sittenwidrig.



@ Udo Mühlen



Danke für Ihre Hinweise. Theoretisch sind die Überlegungen zu Schäden an Kontaktstellen richtig, wenn auch im konventionellen Ingenieurholzbau jede Menge Stahlteile in Holzkonstruktionen schadensfrei eingebaut werden. Ich werde in Zukunft mal auf sich abzeichnende Schadensbilder achten. Es gibt allerdings eine Statistik über Bauschäden im Bauschadensbericht der Bundesregierung (erstmals Anfang der 80er Jahre erschienen, von Erich Schild und Rainer Oswald). Die große Mehrzahl der Bauschäden an Neubauten zeigt sich innerhalb des ersten Jahres, weitere innerhalb von 3 Jahren, nach 5 Jahren waren Erstsymptome nicht von normalen Alterungsersscheinungen zu unterscheiden. Schlußfolgerung daraus: Gewährleistungen von 5 Jahren sind großzügig bemessen, längere sittenwidrig.

Von Erdmagnetfeldern, Erdstrahlen und ähnlichem verstehe ich nichts. Das dazu geschriebene ist mir auch zu widersprüchlich, um praktische Handlungsanleitungen für Baukonstruktionen darauf zu gründen. Schließlich sind im Bereich von Bodenplatten solche Metalleinlagen üblich. Die halbe Bevölkerung oder noch viel mehr lebt über Stahlbetonplatten. Und einmal soll das gut sein (schützt vor Erdstrahlung, insbesondere Alpha-Strahlern), das andere mal schädlich, verändert irgendwas.

Soll jeder machen, wie er will. Mir wäre es wichtig, von unten nicht tierischen oder pflanzlichen Schädlingen zum Opfer zu fallen und nicht abzubrennen.

Ein schönes Wochenende noch



Vielen Dank für die vielen Informationen.



Hallo zusammen,

vielen Dank für die vielen Antworten auf meine Nachfrage.

Die vielen zum Teil kontroversen Beiträge zu meiner Anfrage zeigen mir, dass ich mich auf meinen Instinkt, die Liebe zu meinem alten Haus und auf die Gewissheit verlassen werden, dass die "Alten" damals nichts ohne Grund so gebaut haben, wie es heute nach fast 150 Jahren noch so toll erhalten ist.

Wir haben und mit der Gewissheit abgefunden, dass es für Normalsterbliche wie mich nicht im finanziellen und zeitlichen Rahmen des möglichen liegt, aus dem alten FW-Haus ein Niedrig-Energie-Haus zu machen. Die hohe Wohnqualität und der Charme des Alten werden uns hoffentlich für die vielleicht höheren Heizkosten entschädigen.

Noch einen schönen Sonntag und viele Grüße aus dem Harz
L.Aschoff



Schlußbetrachtung



Es ehrt Sie sehr, wenn sie für sich die richtige Lösung aus unseren Fachbetrachtungen sich herausnehmen und einfach das richtige Bauchgefühl für sich sprechen lassen.
Machen Sie weiter so und Ihr Gebäude wird es weiteren Generationen danken.

Grüße zum Sonntag



Von allen möglichen Varianten ist die einfachste immer die Beste!!!!!



Ein wenig spät, aber vieleicht liest es ja doch der Bauherr noch!
Ich hab nur den Anfang und das Ende der Diskussion verfolgt.

Sachlich ging es dem Bauherren wohl um eine neue Heizung, denn
erstens stören ihn die Heizkörper (Recht hat er) und dann hat er wohl kalte Füße.
Nun soll er den Baustoffhandel leerkaufen und eine möglichst teure und komplizierte Lösung für das Problem bekommen.

Mein Vorschlag:
Dielen drinnlassen, Heizleisten montieren, fertig.
Sicher können Sie auch eine andere Strahlungsheizung einbauen, aber ich bevorzuge aus Gründen der Einfachheit die
Heizleisten. Alles schnell und ohne Aufwand montiert und immer alles im Blick (falls doch mal etwas undicht ist - es gibt schon hunderte Firmen die sich mit der Trockenlegung abgesoffener Estriche dumm und dämlich verdienen).
Durch Strahlungsheizungen werden nicht nur die heizende Wand, sondern durch Strahlungswechsel alle anderen Begrenzungsflächen erwärmt. So sind gerade auf Dielenböden dann schnell angenehme 20 bis 23 Grad erreicht.

Sollten die Dielen schadhaft sein und nicht mehr zu halten sein, kann man neue Verlegen.

Ist es durch die Belüftung von unten zu kalt, einfach 2 oder
3 Lagen Rauhspund kreuzweise unter die Dielen schrauben.
So kommen dann schnell 7 bis 12 cm homogenes richtig gut "dämmendes" Material zusammen. Und ist auch noch richtig preiswert.
Heizleisten für einen Raum kosten auch nicht die Welt.
Ca. 6 Meter um die 200 €, ein bischen Rohr, ein paar Halter,
auf Wunsch ein Thermostatventil, ein paar Bretter zum Verkleiden: habe Fertig!

Schön warm, viel Geld gespart, und das Haus gesund gehalten!

Mit den besten Grüßen von der Ostsee

Der Ingo



Danke Ingo...



Hallo Ingo,

vielen Dank für Ihren in der Tat späten Beitrag, der aber wenigstens die Sinnhaftigkeit meines eingeschlagenen Weges untermauert.

Ich freue mich schon auf den Einzug in mein neues Domizil.

Einen schönen Tag noch und viele Grüße aus dem Harz.

L.Aschoff