Parkettboden in ehemaliger Garage gibt nach/quietscht

19.09.2011



Guten Abend

Wir haben in unserem Haus im Keller bzw. einer ehemaligen Garage (Betonboden) von einem Schreiner einen Bodenaufbau vornehmen und Parkett Verlegen lassen.

Der Raum ist 8 x 3 m gross, der Bodenaufbau ist etwa 7 cm hoch und sieht wie folgt aus:
Dampfsperre (Dachpappe)
Isolierschicht (Hartschaumplatte)
Spanplatte
Trittschalldämmung (schaumähnliche Folie)
Parkett.

Das Parkett ist schwimmend verlegt.

Nun gibt es zwei Probleme, die der Schreiner scheinbar nicht lösen kann oder will:
1) das Parkett gibt an vielen Stellen ca. 1,5 cm nach, v.a. in Wand- & Türnähe
2) es "quietscht" beim Drüberlaufen ("typisches Styroporgeräusch")

Unsere Fragen an die Experten sind, ob es tatsächlich normal ist, dass das schwimmend verlegte Parkett in dem Maß nachgibt wie es bei uns der Fall ist (lt. Schreiner ist es normal)? Falls nein: welche Schäden sind durch die Bewegung des Parketts zu befürchten, bzw. wenn das Parkett z.B. durch Möbel heruntergedrückt wird?

Bzgl. "Quietschen": stimmt die Reihenfolge beim Bodenaufbau? Sollte der Trittschall nicht eher zwischen Hartschaum- und Spannplatte verlegt sein?

Wir würden uns über Antworten freuen.

Viele Grüsse
Familie Landschaf.



Ein Schreiner...



...ist nicht unbedingt auch ein Parkettleger. Und soviel "Spiel" ist nicht normal.

Andererseits: Bitte beschreibt den Aufbau genauer: Welche Materialstärken, ferner:welche Luftfeuchte, welche Heizung? Halt der Parkettboden ca. 15mm Luft zu Wand, oder stößt er etwa an? Was für Parkett ist denn da verlegt?

Grüße

Thomas



Danke für die Einschätzung...



...der Schreiner hat "Innenausbau" in seinem Profil stehen, insofern dachten wir... Nun ja, das nächste Mal sind wir klüger.

Wenn ich Dich recht verstehe, bestätigst Du unsere Auffassung, dass der Spielraum zu gross ist.

Du fragst nach dem genauen Aufbau, also:

Dampfsperre (Dachpappe): ca. 0,5 cm
Isolierschicht (Hartschaumplatte): 3 cm (siehe auch Foto)
Spanplatte: 3 cm
Trittschalldämmung (schaumähnliche Folie): 0,2 cm
Parkett: 1,4 cm

Das Parkett hat eine Länge von 108 cm, Breite 18,5 cm, Dicke 1,4 cm. Es handelt sich um Ahorn-Fertigparkett der Firma Greenkett (Clic-System).

Einen regelmässigen 1,5 cm-Abstand zur Wand hat das Parkett erst seit gestern abend; der Schreiner fräste überall ein Stück ab. Heute morgen gab das Parkett aber immer noch nach.

Die Luftfeuchte ist nicht gemessen worden. Der Raum hat einen Standard-Heizkörper (Horizontal-Warmwasserheizkörper), keine Fussboden- oder Wandheizung. Die Heizung an sich ist eine Ölheizung. Derzeit ist die Heizung aber noch nicht im Winter-Betrieb, d.h., der Raum wird noch nicht beheizt.

Die Fenster sind neu, derzeit wird der Raum nach aussen allerdings noch von einem alten Holzgaragentor verschlossen (Einbau einer Glasschiebetür erfolgt Mitte Oktober).

Verändern diese Angaben Deine Einschätzung?

Im Anhang noch ein Foto von der Hartschaumplatte, die als Isolierschicht dient und die wir als "Urheberin" des Quietschens in Verdacht haben.

Viele Grüsse
Landschaf.



Dann versuche ich...



...mal den Blick in die Glaskugel:

-eine mögliche Fehlerquelle ist der Betonboden. Der gewählte Aufbau bietet keine Nivelliermöglichkeit, Unebenheiten im Beton können für Bewegung in der Fläche sorgen. Daher könnte auch das Quietschen kommen.

-offenbar hat das Parkett vorallem über die Breite (8m!) gearbeitet, sonst hatte der Schreiner nicht so flink nachgearbeitet. Aber was ist mit der OSB-Platte? Hat die auch genügend Wandabstand? Auch von hier kann Spannung im Unterbau kommen. Ist die OSB-Platte in Nut und Feder in sich verklebt, oder nur gesteckt? Letzteres wäre eine weitere Fehlerquelle.

Daß die Luftfeuchte nicht gemessen wurde, ist ,mir jetzt ohne weiteres klar - bei einem nicht wirklich baulich abgeschlossenem Raum (altes Tor) wäre das sinnlos. Es gibt oder gab dort mit Sicherheit Luftfeuchten von 80 oder 90% und damit Bedingungen, unter denen ein Parkett keinesfalls hätte verlegt werden dürfen. Die Prüfpflicht hat der Verleger, und er hatte die Arbeit nicht zu diesem Zeitpunkt und unter diesen Bedingungen ausführen dürfen. Gegen Ende der Heizperiode werdet Ihr vermutlich Fugen im Parkett sehen.

Für den Sommer sehe ich aber auch in Zukunft die Gefahr von Kondensatausfall im Fußbodenaufbau.

Ahorn ist zudem ein eher "nervöses" Holz und arbeitet schneller als z.B. Eiche.

Das Folgende wollt Ihr jetzt bestimmt nicht lesen: So eine höhere Aufbauhöhe zur Verfügung stände, wäre eine Fußbodenheizung auf ausreichender Dämmung die bessere Wahl gewesen. Oder aber eine elektrische Temperierung des Bodens als Ergänzung zur Heizung. Ein Rückbau wird aber vermutlich nicht in Eueren Plänen auftauchen. So muß zumindest eine ganzjährig funktionierende feuchtegeführte Lüftung oder eine bessere Klimatruhe mit leistungsfähigem Entfeuchter durchgängig betrieben werden.

Grüße

Thomas



Wertvolle Informationen, Folgefragen



- mögliche Fehlerquelle ist der Betonboden
Wir hatten gestern ein Gespräch mit dem Schreiner und mein Mann hat das gemutmasst. Der Schreiner traf eine Aussage, mit der er u.E. zugab, das Nachgeben des Bodens beim Bodenaufbau auf dem Beton riskiert zu haben.


- Parkett vorallem über die Breite (8m!) gearbeitet
Ich glaube, hier liegt ein Missverständnis vor. Das Parkett hat sich nicht gehoben, sondern gibt beim Drauftreten "nur" 1.5 cm nach. Der Schreiner hat gestern den Abstand vom Parkett (bzw. vom Gesamtboden) zur Wand mit einer Fräse vereinheitlicht (auf die 15 mm).


-Aber was ist mit der OSB-Platte?
Der Abstand zur Wand beträgt jetzt an den meisten Stellen über den gesamten Bodenaufbau 15 mm, d.h., die OSB-Platte hat auch Abstand. An den Stellen, wo sie noch zu sehen ist (Eingangsbereich der Tür, dort ist das Parkett auf ca. 75 cm noch nicht verlegt), ist sie nicht verleimt, sondern nur gesteckt. Ob dies im gesamten Raum so ist, werde ich heute erfragen.


-Luftfeuchte, Aufbau Boden vor Einbau neuer Tür - hätte nicht passieren dürfen
Der Schreiner ist auch derjenige, der die Fenster und Tür einbaut, d.h., er hätte sich der Grundlagen und Folgen bewusst sein sollen?


- Folgeschäden: Fugen im Parkett, Kondensatausfall im Fussbodenaufbau
Vielen Dank besonders für diesen Absatz; die Informationen sind sehr wertvoll. Siehst Du eine Möglichkeit, die Gefahr der Fugenbildung und des Kondensatausfalls zu verhindern oder minimieren? Was könnte getan werden, um die Folgeschäden zu vermeiden? Unser Vorschlag an den Schreiner war, das Parkett aufzunehmen und den Bodenaufbau erneut vorzunehmen, dabei nach der Fehlerquelle zu suchen.

Eine grössere Aufbauhöhe (und damit z.B. Fussbodenheizung) ist nicht möglich, da sonst die Raumhöhe zu gering wird. Mit "feuchtegeführter Lüftung" meinst Du eine Lüftungsanlage?

Viele Grüsse
Landschaf.

PS: Würden weitere Fotos helfen, die Glaskugel weiter zu schärfen?



ich vermute mal,



dass die Dampfsperre ein Schweissbahn V60 S4 AL01 sein wird und an den Stössen verschweisst wurde. Durch die überlappung sind die Scheissnähte höher als die Bahn selbst, d.h. dass der Boden mit der Dampfsperre uneben gemacht wurde.
Kommt noch eine Unebenheit des Betonbodens dazu summiert sich das ganze hoch.
so wie die Platte aussieht, handelt es sich hier nicht um eine Estrichdämmplatte und ist somit nicht ideal für diesen Bodenaufbau.

Was die Lüftungsanlage anbelangt, wird hier eine dezentrale Belüftungsanlage empholen.

Grüsse Thomas



Dampfsperre/Estrichdämmplatte



Danke auch für den Tipp mit der Dampfsperre; wir werden heute den Schreiner darauf ansprechen und ihm eine Nachfrist setzen, bis zu der er den Bodenaufbau inkl. Parkettverlegung fachgerecht durchzuführen hat. Unseres Erachtens kommt er nicht drumrum, den Bodenaufbau rauszunehmen, nach dem Fehler zu suchen und den Aufbau komplett zu erneuern.

Die Aussage von Thomas Böhme (zu hohe Luftfeuchtigkeit aufgrund nicht dichtem alten Holztor) wies der Schreiner zurück; es sei Sommer, und da sei das mit der Feuchtigkeit irrelevant. Auch Temperaturschwankungen schliesst er als Ursache aus.

Gestern versuchte er, eine Folie zwischen Parkett und OSB-Platte zu schieben, das hätte ihm der Parketthersteller zum Ausgleich empfohlen. Der Erfolg blieb aus, es ist jetzt schlimmer als zuvor.



Der Mann hat...



...von Parkett und korrekten Verlegebedingungen offensichtlich keine Ahnung.

"es sei Sommer, und da sei das mit der Feuchtigkeit irrelevant. Auch Temperaturschwankungen schliesst er als Ursache aus."

In einem nicht wirksam von der Aussenluft angesperrten Raum kann es, wenn dieser kühl und die Außenluft schwülwarm mit hohem relativen Feuchtegehalt angereichert ist, zu beträchtlichem Kondensatausfall und sehr hoher relativer Luftfeuchte führen.

Die Temperatur ist sehr wohl interessant: Zieht die warme außenluft durch den kalten Keller, ist das eine Strapaze für das Parkett.

Er hätte das Parkett nicht einbauen dürfen, solange die neue Tür noch nicht drin ist.

Er hätte keinesfalls auf einem unebenen Boden einen Aufbau bringen dürfen, der nicht nivelliert.

Er ist seiner Pflicht, die Verlegebedingungen zü prüfen, nicht nachgekommen, oder hat die Ergebnisse seiner Prüfung ignoriert. Er hätte sowohl hinsichtlich der Dichtheit des Baukörpers als auch hinsichtlich der Ebenheit des Bodens Bedenken anmelden müssen. Das sind keine außerordentlichen Anforderungen, sondern Basics der Parkettlegerei.

Da hilft nur Rückbau. Ich habe allerdings den Eindruck, daß der Meister damit überfordert ist.

Ein korrekt gedämmter Aufbau ist allerdings ohne Abbruch des Betonbodens nicht machbar. Mit einer reduzierten Dämmung, der Aufbauhöhe wegen, würde ich zumindest die Heizung verändern: Decken- oder Wandheizung. Gerd Meurer (WEM) hier im Forum hat dazu brauchbare Module.

Viel Erfolg

Thomas

P.S. Die Geschichte mit der eingeschobenen Folie ist ein Witz, oder?