Fußbodenbegradigung: Was tun mit der Schwarte unter dem alten Fußboden ?

07.01.2014 D.Selle



Hallo,

es geht um den Fußbodenaufbau in einem eingeschobenen Geschoss Raumgröße 320*480cm:
Bodenaufbau alt(von unten bis zum Belag):
1. Deckenbalken L320+2x25cm HxB~ 23x23cm, Auflager auf beidseitiger 12er Mauer (vorgesetzt (ca. 1900)) und FW-Riegel im lichten Abstand von ca. 50cm.
2. Schwartenbretter L 480cm x B ca. 24-30cm x Höhe 0 bis ~9cm in Längsrichtung des Raumes auf die Balken gelegt,
3. Spalten zwischen den Schwarten mit Wellerhölzern zugelegt und untersetig mit tierhaarbewehrter Kalkhaltiger Spachtelmasse zugeschmiert.
4. auf den Schwartenbrettern im Mittel Lehm ca. 10cm dick verstrichen. daruf dann Sand zum nivellieren bis ca. 15cm Dicke.
5. Zur "Scheibe" verleimte Bretter (von je ca. B30cmund Dicke 25mm) auf Latten in Raumlängsrichtung verlegt

Der Fußbodenaufbau aus Schwarte und Lehm ist von vor 1700 und war ursprüglich mit ca. 5cm dickem Gipsestrich belegt.
Irgendwann zwischen 1720 und 1760 wurde der Gipsestrich entfernt und durch in Sand gelegte Holzbretter ersetzt.
Die aktuell ausgebauten Bretter (Weichholz 25mm) wurden ca. 1870 verlegt.
Der Schiefstand des Bodens diagonal im Raum beträgt ungefähr 20cm.
Aus dem Schiefstand resultieren keine statischen Probleme (mehr).
Ohne Sand im Raum ist der Boden leichter. Er neigt jetzt schon zum Schwingen und die unterseitige Rissverspachtelung ist gerissen und bröselt ab.

Der neue Boden soll eben sein. Als Belag sollen alte Eichenbretter (L ~450cm * B ~35-45cm *Dicke 4-5cm verlegt werden.

Super einfach wäre es, den Boden bis auf die Balken auszubauen, auf die Balken 30mm Dielenbretter nageln, darauf Rieselschutz und Sand. Im Sand dann die Eichenbretter schwimmend verlegt.

Andererseits möchte ich den historischen Aufbau beibehalten.
Möchte ich keine Verluste an Raumhöhe und Durchgangshöhe am Eingang, müßte ich Sand und Lehm an einer Raumecke bis auf unter 0cm entfernen. Es liegt der neue begradigte Boden dann z.T. nur getrennt von Entkopplungsstreifen, direkt auf den angehobelten Schwartenbrettern.
Schwingen des Bodens und Schallübertragung wird die Folge sein.
Durch die Entlastung ist die jahrhunderte alte Vorspannung weg und der Boden bewegt sich.
Gibt es irgendwelche Erfahrungswerte, wieviel Vorspannung die Decke braucht um nicht in Schwingung zu geraten?
Welche Mindestüberdeckung mit Sand sollte ich einhalten?
Richt es vielleicht das vorhandene Material zumBegradigen zu nehmen und "dünne" Stellen am höchsten Punkt zu akzeptieren?

Gruß
Selle



Überlegung



Macht es wegen des großen Niveauunterschieds vielleicht Sinn, eine Stufe einzubauen ?





Guten Morgen,
Stufe geht nicht. Ich kann nur im betroffenen Raum und im Zugungsraum in die Höhe gehen. Höherer Aufbau = weniger Raumhöhe. Aktuell bekomme ich eine Raumhöhe, bei Verlegen auf höchstem Punkt der Schwarte ohne Lehm und Sand an dieser Stelle darunter, eine Raumhöhe ab OKFFB bis UK-Geschossdeckenbalken von mind. 2,17 bis 2,27m.
Bei Neuaufbau ab vorhandener Deckenbalken gewinne ich 6cm RH mehr.
Jeder cm Lehm und Sand auf den Schwarten läßt die Raumhöhe schrumpfen.
Bei Kauf des Hauses hatte dieser Raum 202cm Höhe durch mehrere Lagen Fußboden.
Es ist der zentrale Raum im Wohnzimmer. Die hier abgehende Küche und eine "Kuschelecke" haben unveränderbar 202 bis 206cm Raumhöhe.

Zerstöre ich alte Bausubstanz wegen 5cm Raumhöhe?
Eher nein.

Meine Frage konkretisiert sich dann darauf, ob ich die Eichenfußbodenbohlen direkt auf eine dünne ausgleichende Unterkonstruktion bzw. auf dieSchwartenbretter, wo sie denn sehr hoch stehen,verschrauben kann ohne evt. hinreichend Sand und punktuell damit Masse dazwischen zu haben.

Spricht etwas dagegen die lose aufliegenden Schwarten mit den Balken darunter zu verschrauben?

Unter disem Raum liegt ein unbeheizter trockener fensterarmer (35*50cm) Abstellraum (12,5m²)

Gruß
Selle



Ich würde...



die Konstruktion grundsätzlich ändern. Die uneingeschränkte Nutzbarkeit (ebener Boden) erscheint mir hier wichtiger als der historische Aufbau. Eine (ehemals) schwimmende Bodenplatte, maximale Aufbauhöhe und einen ebenen Boden bekommen Sie aber bei diesen Höhendifferenzen nicht zusammen.

Da die Untersicht der Balkenlage ja offenbar unwichtig ist, würde ich einen Einschub zwischen den Balken herstellen. Das ist eine historisch gebräuchliche Konstruktion, um Masse und Brandschutz zwischen den Balken (statt darauf) zu realisieren. An den Balken beidseitig angeschraubt bringen Sie raumlange Bohlen von 40mm Stärke, die mit dem Laser gleich in Waage befestigt werden. Jetzt haben Sie eine erstklassige Verlegeebene, auf der Sie die Platte schwimmend mit im Balkenzwischenraum liegenden bzw. hängenden Lagerhölzern, oder aber die Dielen mit den Bohlen verschraubt (meine Variante) montieren können. Die Schallübertragung nach unten ist ja wohl unwichtig?

Die angeschraubten Bohlen steifen die Balken gleichzeitig nicht unerheblich aus.

Grüße

Thomas

P.S. "Gipsestrich" klingt etwas ungebräuchlich. Steht Ihr Objekt in Thürigen? Da habe ich sowas mehrfach gesehen.