Fußbodenaufbau Spitzboden




Liebe Fachwerks-Gemeinschaft,

wir sanieren derzeit ein Haus von 1900 mit Fachwerkanteilen und sind daher zu regelmäßigen Lesern dieses Forums geworden. Die hier versammelte Fachkompetenz war uns schon in vielerlei Hinsichten sehr hilfreich und hat uns eine Reihe an Fehlentscheidungen erspart! Vielen Dank dafür!

Nun wollen wir den Boden unseres Spitzbodens für die Nutzung als Wohnraum neu aufbauen, eine hier schon sehr häufig diskutierte Fragestellung (z.B. hier http://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/die-sache-mit-der-statischen-scheibe-bei-dielenboeden-218171.html).
Dennoch bestehen bei uns noch Unklarheiten.

Die Situation stellt sich folgendermaßen dar: Die Kehlbalken (lichte Spannweite zwischen den Mittelpfetten 4,25 m, Achsabstände ca. 82 bis 84 cm, 12/12 cm Stärke) hängen bis zu 4 cm nach unten durch. Weiterhin hat eine Wand im Dachgeschoss unter dem Spitzboden (womöglich zusammen mit dem Kamin) einen mittleren Kehlbalken gestützt und dadurch am Durchhängen gehindert. Dieser Kehlbalken ist in der Mitte ca. 4 cm höher als die umgebenden Kehlbalken. Zwischen den Kehlbalken befindet sich die Original-Schüttung (Schlacke, Sand, Lehm, Spelzen, ..., ca. 8 bis 10 cm Dicke), darunter befindet sich eine Sparschalung mit Lehmverstrich von unten direkt an die Kehlbalken genagelt und verschraubt, darunter eine Latten-Unterkonstruktion in die Kehlbalken verschraubt, darunter Gipskartonplatten (GKF 12.5 mm).

Nun wollen wir darauf einen Dielenboden mit minimaler Aufbauhöhe errichten, da der Spitzboden sowieso schon eine nur geringe Raumhöhe aufweist. Gleichzeitig soll die Geschossdecke feuerhemmend ausgebildet werden (F30).

Da die alten Dielen sehr zerstückelt und nicht verspundet waren, haben wir sie entfernt. Sie sollen mit Rauspund (Fichte, 21 mm dick, möglichst breit, z.B. 146 mm) ersetzt werden, da wir im Haus möglichst auf OSB verzichten möchten. Die Verschraubung soll wie hier häufiger angesprochen zweimal sichtbar erfolgen, um die (möglicherweise erforderliche) statische Aussteifung der Kehlbalken zu gewährleisten.

Nun zu unseren Fragen: Unser Zimmermann möchte neben den Kehlbalken zum Ausgleich der Höhenunterschiede parallel 6/12 cm Bauholz einbringen und darauf den Rauspund verschrauben. Die Korkstreifen, die er auf dem Bauholz einbringen wollte, haben wir abgelehnt.

Ist dies mit dem Erhalt der aussteifenden Wirkung ("Wirkung als statische Scheibe") der Decke vereinbar? Wie sollten die Bauhölzer mit den Kehlbalken verbunden werden (Schrauben)?

Alternativ sehen wir die Option, den Rauspund direkt auf den Kehlbalken (unbegradigt) zu Verlegen und darauf eine Ausgleichsmasse oder -schüttung aufzubringen. Die geplanten Fußbodendielen könnten dann
darauf begradigt montiert werden. Diese Lösung ist uns aber unsympatisch und wird durch die großen Höhenunterschiede der Kehlbalken auf kurzer Distanz auch handwerklich schwierig bis unmöglich.

Aus Gründen der Raumhöhe wollen wir direkt auf dem Rauspund Fußbodendielen verschrauben. Der Schallschutz muss dabei leider zurückstehen. Sollten die Dielen parallel zum Rauspund verlegt und wie der Rauspund in die Kehlbalken verschraubt werden, oder ist eine orthogonale Verlegung zum Rauspund, also parallel zu den Kehlbalken, vorzuziehen? Die Verschraubung des Großteils der Dielen wäre dann nur in den Rauspund möglich.

Vielen Dank für alle Antworten!

Herzliche Grüße

Claudia



Spitzboden



Die große Durchbiegung liegt daran das die Kehlbalkenlage nicht als Zimmerdecke ausgelegt ist, schon gar nicht als Fußboden. Bei der Länge beträgt die zulässige Durchbiegung 2,1 Zentimeter, die vorhandene ist praktisch doppelt so groß. Kein Wunder bei den vorhandenen Profilen. 12/12 Kanthölzer haben ein Widerstandsmoment W von 288 cm³. Erforderlich ist ein Profil 10/22 mit einem Widerstandsmoment von 807 cm³ und das wird schon eng da die Kehlbalken zusätzlich durch die Dachflächen und den Wind belastet werden.
Abhilfe sehe ich nur durch einen Unterzug, der allerdings Auflager braucht.Die Anbindung der Kehlbalken an die Sparren müsste ebenfalls abgefangen werden; üblich sind dafür Mittelpfetten auf Stuhlsäulen.
Der Brandschutz kann unterseitig durch die GK- Bekleidung gesichert werden. Auf die vorhandene 12,5 mm Platte einfach noch eine 9 mm Platte aufschrauben.
Wenn schon Brandschutz: Vergessen Sie den notwendigen Rettungsweg aus dem DG nicht. Möglich das infolge der Nutzung des Spitzbodens sich die Gebäudeklasse verschiebt und sich damit auch die Brandschutzbestimmungen ändern.



Anmerkung Kehlbalkenlage



Hallo Herr Böttcher,

vielen Dank für Ihre Antwort!

Wir hatten zwischenzeitlich schon befürchtet, dass die Balkenstärke schwach ausgelegt ist und daher die Durchbiegung aufgetreten ist. Das scheint sich nun zu bestätigen.

Es handelt sich um ein Pfettendach, nicht um ein Kehlbalkendach (das war in meiner Frage leider nicht angegeben); und damit auch nicht um eine echte Kehlbalkenlage. Tatsächlich habe ich (fälschlicherweise) die gewöhnlichen Deckenbalken im Spitzboden zwischen den beiden Mittelpfetten als "Kehlbalken" bezeichnet. Die Kräfte auf die Dachflächen sollten also nicht auf die Deckenbalken wirken.

Da wir auf den Spitzboden nur ein Bett und ein Tischchen stellen wollen (Galerie gut 10 Quadratmeter), können wir mit einer geringen Deckenlast von unter 100 kg pro Quadratmeter auskommen. Mehr Platz und Raumhöhe ist nicht vorhanden: Die Dachneigung beträgt ca. 50 Grad, der Raumbereich in der Mitte des Spitzbodens mit einer Raumhöhe über 2,20 m ist nur rund anderthalb Meter breit.

Die Schüttung ist schon seit mehr als hundert Jahren in der Decke, auch wurde der Spitzboden als Speicher genutzt. Weiterhin sind sowohl die Mittelpfette als auch die Deckenbalken des Spitzbodens durch ausgemauerte Fachwerkinnenwände des Dachgeschosses unterfangen, leider nicht immer an optimaler Position, sondern teilweise deutlich von der Mitte verschoben. Daraus resultiert wohl die starke Durchbiegung der Deckenbalken.

Herzlichen Dank auch für den wichtigen Hinweis auf den zweiten Rettungsweg im Spitzboden: Er wurde bereits eingeplant und ist genehmigt (Anleiterung). Die Gebäudeklasse ändert sich in unserem Fall durch den Spitzbodenausbau und die höhere oberste Geschossdecke glücklicherweise nicht.

Nun noch einmal zur seitlichen Aufdopplung der Deckenbalken mit den 6/12 Hölzern und zur statischen Aussteifung:
1. Verbessert die seitliche Aufdopplung neben dem Höhenausgleich auch etwas die Tragfähigkeit der Decke? Helfen ggf. stärkere Hölzer? Die schon bestehende Durchbiegung der Deckenbalken bleibt natürlich bestehen.
2. Kann die aussteifende Wirkung der Spitzbodendecke durch den doppelt in die 6/12 Hölzer verschraubten Rauspund erhalten werden, wenn die Hölzer wiederum seitlich in die Deckenbalken verschraubt werden?

Vielen Dank!

Viele Grüße

Claudia



Deckenbalken



Hallo Claudia,
bei 12/12 bleibt nicht genug Platz um die 6x12 Proflile anzuschrauben; dazu müsste die Füllung und der Einschub entfernt werden. Ich würde zweiseitigseitig 4 x 10 o.ä. nehmen und einen mittigen Unterzug einbauen. Als Beplankung empfehle ich 25 mm ESB- Platten in Nut und Feder verklebt, die sind einfacher zu Verarbeiten und steifen die Deckenlage zusätzlich aus.
Ich hoffe das sich der Gesamtaufwand für einen Schreibtisch samt Stuhl unterm Strich lohnt.



einige Gedanken



Die zerstückelten Dielen haben wohl eher weniger zur Scheibenwirkung beigetragen.

Mein Vorschlag:

Dielen 27 mm direkt aufgeschraubt, wir haben z.B. Douglasie.

Bestehende Balken + seitliche 6x12 Bohlen nivelliert.

Geeignete Schüttung je nach Statik, z.B. Blähton.

Unter die Bohlen OSB Platten als Fehlboden schrauben.

Abgehängte Gipsdecke

Wegen der Statik sollte Ihr Zimmermann vor Ort entscheiden.



Decke verstärken



Hallo Herr Böttcher,

nach Ihren Hinweisen kümmern wir uns nun vor Ort mit dem Zimmermann um die Statik. Das war wertvoll, danke!
Und ja, um Hölzer mit 6/12 cm Stärke neben den vorhandenen 12/12 cm Kehlbalken anzuschrauben, müsste die Schüttung (teilweise) entfernt werden. Diese Arbeit würden wir nicht scheuen, wenn es der Statik dient, und da ist ja die Höhe der Balken entscheidend.
Für einen mittigen Unterzug suchen wir Auflager und weiterhin wollen wir klären, ob und wie damit die unterschiedlich stark durchhängenden Kehlbalken unterstützt werden können.

OSB wollen wir weiterhin vermeiden, auch wenn sich damit natürlich eine echte Scheibe ausbilden ließe. Auch die Mehrarbeit für Rauspund ist uns bewusst.

Noch eine Frage zum Brandschutz: Sie schlagen vor, unter dei 12,5 mm GKF noch eine weitere 9,5 mm GKF anzubringen, also insgesamt 22 mm Gipskarton. Genügt nicht eigentlich einfach 12,5 GKF, wenn man die vorhandene Decke berücksichtigt, oder müssten es nicht 2 x 12,5 mm GKF sein für eine selbstständige F30-Decke?

Ach ja, und das Schlafzimmer im Spitzboden wird benötigt, da die Familie wächst. Andere Aus-/Anbauten sind hier in der Stadt leider nicht möglich.

Viele Grüße

Claudia



Deckenaufbau



Hallo yogumon,

vielen Dank für diesen Vorschlag, so ähnlich hatten wir es vor: mit Dielen direkt aufgeschraubt. Wegen des Brandschutzes wollen wir allerdings unter den Dielen noch eine Lage Rauspund einbringen.

Eine konventionelle Schüttung auf Lehmverstrich haben wir schon, daher können wir auf neuen OSB-Fehlboden und Blähton verzichten - zumindest sofern die alte Schüttung nicht aus statischen Gründen entfernt werden muss.

Viele Grüße

Claudia



Brandschutz



Das Minimum ist eine 15 mm starke Gipsfaserplatte, ersatzweise 1 x 12,5 und 1 x 9 mm GK.