Fußbodenaufbau nicht unterkellert - Schlacke weiterverwenden?




Hallo zusammen,

das Wohnzimmer unseres Hauses Baujahr 1897 ist nicht unterkellert. Der Fußbodenaufbau ist bisher wie folgt (von oben nach unten):

Dielen - Lagerhölzer in Schlacke - Schlacke ca. 50cm tief - Erde

Mir wurde von mehreren Seiten empfohlen, folgenden Fußbodenaufbau zu erzeugen (von unten nach oben):

40mm Splitt - 80...100mm Unterbeton - Sperrfolie oder Schweißbahn - 100mm Dämmung - Folie - Estrich - Fußboden

Meine Frage ist jetzt: Kann ich auf den Splitt verzichten und dafür die Schlacke (ggf. nachverdichet?) drinlassen und einen "Unterbeton" aus Zement und Schlacke einbauen statt Kies und Sand extra anfahren zu lassen und die Schlacke dafür wegzuschaffen?


In einem anderen Zimmer, unterkellert, habe ich mich an den Tipp von Herrn Böttcher gehalten und - nachdem ich die vorhandene Ziegelkappendecke komplett aus- und mit neuen Stahlträgern wieder eingebaut hatte - die Schlackeschüttung mit Zement gebunden und darauf den restlichen Fußboden mit Dämmung und Estrich aufgebaut. Dadurch konnte ich vorhandenes Baumaterial weiterverwenden und mußte weniger Schlacke entsorgen.

Vielen Dank für eure Antworten.

Martin



Bodenaufbau erdberührt



Was soll als Bodenbelag verwendet werden? Wieder Dielen?
Was war das Problem mit dem bisherigen Boden?
Verrottet?
Feuchtigkeit?
Absenkungen?
Zu kalt?
Wieweit die Schlacke mit Zement gebunden werden kann hängt von. Der Korngröße ab- bei guter Kornverteilung mit Fein- und Grobanteilen kein Problem.

Andreas Teich



Bodenaufbau erdberührt



Hallo Andreas Teich,

vielen Dank für Ihre Antwort.

> Was soll als Bodenbelag verwendet werden? Wieder Dielen?

Auf den originalen Dielen war nochmal so eine Art grober Spanplatte genagelt (schon älter), darauf 5mm Holzfasertrittschalldämmung und dann Laminat (neuer). Prinzipiell schwebt mir vor, wieder Laminat und als Estrich OSB-Platten auf der Dämmung zu verwenden.

> Was war das Problem mit dem bisherigen Boden? Verrottet?

Die Lagerhölzer waren an den Köpfen feucht und verrottet. Die Dielen teilweise auch, einzelne Felder wurden früher schon herausgeschnitten und ersetzt. Die Schlacke an sich macht keinen feuchten Eindruck (weiß nicht, inwieweit man das aufgrund der Körnigkeit tatsächlich beurteilen kann).

Haus hatte im Sockelbereich bis knapp 1m über Boden seit den 60ern epoxidharzgebundenen Putz, den ich entfernt habe. Der Putz hatte auf der Nordwest- und Nordostseite Beulen geschlagen und ist z.T. abgefallen. Der Fußboden innen liegt ca. auf Oberkante des Sockelputzes außen.

Kelleraußenwände wurden von mir in den letzten 2 Jahren gedichtet und gedämmt (bin noch nicht ganz rum ums Haus), so daß ich hoffe, daß nicht mehr soviel Feuchtigkeit in die Wände kommt.

> Feuchtigkeit?
> Absenkungen?

Keine Absenkungen.

> Zu kalt?

Etwas mehr Dämmung im Bodenbereich wäre wünschenswert.

> Wieweit die Schlacke mit Zement gebunden werden kann hängt von. Der Korngröße ab- bei guter Kornverteilung mit Fein- und Grobanteilen kein Problem.

Die Schlacke ist sehr heterogen: Von Staub bis Brocken von ca. 6cm Durchmesser ist alles dabei.

Vielen Dank im voraus für Antwort.

Martin



Erdberührten Boden erneuern



Eine Betonplatte unter dem Boden ist unnötig.
Bei solchen Verhältnissen könnte zB etwa 30 von OK Fußboden ausgeschachtet werden,
Schlacke mit Handstampfer etc nachverdichten.
Darauf eine dünne Estrichschicht aus Schlacke mit Zement herstellen.
Feuchtigkeitssperre verlegen, Bitumenbahnen oder
besser eine durchgehende EPDM-Folie auf Schutzvlies-
seitlich bis unter die späteren Fußleisten hochziehen.
Dann Kreuzlage aus KVH-Kanthölzern herstellen, zB 6/12 cm,
unterste Lage ca 100 cm Abstand, obere Lage ca 50 cm Abstand.
Untere Lage mit Gummigranulatplatten etc nivellieren.
Kreuzungspunkte miteinander verschrauben.
Hohlraum vollständig mit Zellulose, Schüttung etc dämmen,
als Belag am besten massive geölte Holzdielen verschrauben.

Das ergibt dann einen sehr gut gedämmten, trockenen fußwarmen Fußboden, der gut in Eigenarbeit erstellt werden kann.

Beim alten Boden hat die dampfdichte Laminatschicht zur schnelleren Verrottung der Hölzer beigetragen.

Andreas Teich





Hallo Herr Teich,

vielen Dank für die Beschreibung des Fußbodenaufbaus. Vielleicht können Sie mir noch ein paar Dinge näher erläutern:

> Darauf eine dünne Estrichschicht aus Schlacke mit Zement herstellen.

Was ist dünn? 50mm? 80mm?

> Feuchtigkeitssperre verlegen, Bitumenbahnen oder
besser eine durchgehende EPDM-Folie auf Schutzvlies-
seitlich bis unter die späteren Fußleisten hochziehen.

Darüber habe ich auch in anderen Beiträgen von Ihnen Informationen gefunden, danke dafür. ("erdberührt" war das Schlüsselwort)

> 6/12 cm

Hochkant legen nehme ich an?

> Untere Lage mit Gummigranulatplatten etc nivellieren.

Wenn ich die Schicht unter der Feuchtigkeitssperre gerade und lotrecht abziehe, kann ich dann die Hölzer direkt auf die Feuchtigkeitsperre legen?

> Hohlraum vollständig mit Zellulose, Schüttung etc dämmen,
als Belag am besten massive geölte Holzdielen verschrauben.

Baut man sich damit nicht ein großes Dämmaterialschwimmbad? Folgende Überlegung: Die Dielen sind diffusionsoffen (so habe ich das gelesen) und durch die Pumpbewegungen beim darübergehen wird auch immer wieder Raumluft unter die Dielen gepumpt (so dicht der Wandanschluß auch sein möge). Wandert diese Luft in die Nähe der Feuchtigkeitsperre, wird dann nicht der Taupunkt unterschritten und es sammelt sich Wasser an, was nicht mehr verdunsten wird und die Dämmung durchfeuchtet?


Der Aufbau "Schlacke-Zement-Schicht - Feuchtigkeitssperre - XPS-Dämmplatten - OSB-Platten - Holzfaserdämmplatten 5mm - Laminat" ist keine Alternative? (Randdämmstreifen um OSB-Platten und Laminat umlaufend)

Wo sehen Sie Vor- und Nachteile?

Ich würde aus Verschleißgründen wohl lieber Laminat als Dielenfußboden haben, der Raum schließt direkt an den Garten an und ich glaube daß weder ich noch andere beim Schuhwechseln konsequent sind.

Vielen Dank schonmal für die Antwort - ich hoffe, es sind nicht zu viele Fragen.

Martin



Erdberührter Bodenaufbau



Hallo Martin
zu deinen Fragen:
dünne Estrichschicht: Die Stärke hängt von der Stabilität und Verdichtung des Unterbaus ab- ca 5 bis 8 cm Dicke sollten ok sein.

-alternativ zum Estrich könnten auch feuchtigkeitssresistente zementgebundene Spanplatten (zB Betonyp,Cetris oä,ca 6,-€/qm netto) auf nivellierter Schüttung verwendet werden.
Jedoch schüsseln die bei einseitiger Feuchtigkeitsaufnahme.

Balken für Bodenunterkonstruktion immer hochkant legen-
bei größeren Stärken besser als Kreuzlage, Kreuzungspunkte verschrauben.
Der Boden wird nie so eben sein, dass die Balken gar nicht mehr justiert werden müssen- falls doch einfach auflegen.

Zum Schutz des EPDM wären im Abstand von etwa 50-80 cm untergelegte Gummigranulatplatten oä trotzdem günstig.

Bei erdberührten Fußböden betragen aller Erfahrung und Messungen nach die Temperaturen des Erdbodens kaum jemals unter 10 Grad.

Oberhalb der Schlackeschicht ist die Temperatur noch höher.
Durch Thermik geht der Luftstrom Richtung Decke und nicht Richtung Fußboden, der normalerweise die niedrigsten Oberflächentemperaturen im Raum aufweist- auch von daher ist hier Kondensation bei üblicher Raumfeuchtigkeit fast ausgeschlossen.

Holzboden hat mit Feuchtigkeit die geringsten Probleme und kann die gut wieder abgeben- siehe Außenverkleidungen, unbehandelte Dachschindeln, Holzboote, Weinfässer etc.

Dein Holzboden hätte ohne dichte Auflage sicher auch viel länger überlebt.

Wenn du astige Eichendielen nimmst kosten die ähnlich viel wie OSB und besseres Laminat zusammen, das Feuchtigkeit aber nicht gut übersteht.
Sobald es etwas zerkratzt wird siehts schäbig aus-
Holz kann immer wieder geschliffen und geölt werden.

Ich habe auch Eichendielen im Wintergarten gelegt, von dem es direkt nach draußen geht-kein Problem seit 2 Jahren.

Es gibt sicher auch noch andere Möglichkeiten, die aber nicht unbedingt einfacher ,ökologischer oder zuverlässiger sind

Andreas Teich



geht meiner Meinung nach



Sauberkeitsschicht aus gebundener Schlacke, wenn du das eben hinbekommst Dämmplatten, wenn nicht Schüttung auf Abdichtung.
OSB auf Mehabit geht gut. Trockenestrich auch denkbar. Zementestrich auf Styro....

Willst du es selber machen?



Bodenaufbau erdberührt



Hallo Andreas,

danke für die ausführliche Antwort mit den hilfreichen Erklärungen, die meine Sorgen entkräften. Offensichtlich gibt es keine stichhaltigen Argumente, die gegen deinen Vorschlag sprechen - dann werde ich das wohl so planen.

Eine kleine Frage noch zum Ölen der Dielen: Welches Öl ist dafür zu empfehlen? Im Arbeitszimmer, was ich voriges Jahr überarbeitet habe, habe ich zwar Laminat liegen, aber die Fußleisten aus den alten Dielen gebaut und mit Leinöl geölt. Leider riecht das doch anhaltend, kann also nicht die beste Lösung sein.

Wie dick sollten die Dielen sein? Bestand sind etwa 22mm.

Viele Grüße und vielen Dank!


Hallo Mo77,

danke für deine Einschätzung! Ich bin jetzt guter Dinge, daß es kein Problem ist, die Schlacke weiterzuverwenden. Fußbodenaufbau auf Dämmschüttung kann ich mir irgendwie nicht so richtig vorstellen, das erscheint mir (sicherlich unbegründet) zu "flüssig" ... ein fester Aufbau mit Dämmplatten oder wie von Andreas Teich vorgeschlagen erzeugt in mir da mehr Vertrauen.

Ja, ich will das in Eigenarbeit machen. Hat bisher auch alles ganz gut geklappt. Das Problem ist halt die fehlende Facherfahrung im Baubereich, die mache ich auch mit technischem Verständnis und handwerklicher Begabung nicht wett. Deswegen bin ich froh, daß ich hier fragen kann.

Viele Grüße,

Martin



Dielen ölen



Hallo Martin
Bei ca 50 cm Unterkonstruktions-Abstand genügen 21-24 mm dicke Dielen-
Eiche ist für Erdgschoßräume mit direktem Zugang nach draußen gut geeignet.
Reines Leinöl trocknet und riecht sehr lange.
Besser sind für Holzböden vorgesehene Holzhartöle, die es von vielen Naturfarbenherstellern gibt.
Immer nur sparsam ölen-lieber mehrmals dünn als einmal dick.
Gut nachpolieren, was mit einer Tellermaschine und Pads am besten geht.

Andreas Teich



Fußbodenaufbau



Ich fange von oben an:
30 mm Dielung
Ca. 80- 100 mm trittfeste Holzfaserdämmplatten mit eingebetteter Lattung. Oberfläche der Lattung ca. 2 mm tiefer als die Oberfläche der Dämmplatten. Die Lattung dient nur zur Fixierung der Dielen und ist nicht tragend.

Abdichtung (Schweißbahn, Folie...).

Sauberkeitsschicht aus ca. 5- 8 cm Estrichbeton 0-4, unbewehrt. Der Beton wird erdfeucht zwischen Lehren direkt auf den nachverdichteten, geebneten Untergrund eingebaut. Die Oberfläche muß abgerieben, eben und waagerecht sein.

Das ergibt eine Aufbauhöhe von ca. 20 cm ab Oberkante Fußboden.



Fußbodenaufbau



Du siehst es gibt verschiedene Möglichkeiten.

Wenn der Untergrund sehr eben ist wären mMn auch Holzfaserplatten bei geringeren Dämmstärken ok- dann aber am besten 2 lagig aufbauen, die Holzlatten mind 4/6 cm flach legen und den 40 mm Zwischenraum ebenfalls mit Holzfaserplatten dämmen.
Logistisch am einfachsten, wenn du HF-Platten in der Stärke nimmst wie die Latten dick sind und diese dann darunter mehrlagig verlegen.
Etwas schwierig wird es wenn du eine genaue Höhe benötigst- dann muß das vorher mit dem Unterboden geplant werden.

Bei dickeren Dämmstärken oder unebenem Untergrund finde ich Holzbalken unter den Dielen am Besten, wobei die Zwischenräume dann mit günstigen Dämmstoffen wie Zellulose gefüllt werden können.

Als Öl für die Dielen gibt's div Möglichkeiten_
Holzhartöl von Kreidezeit, von Natural, Naturhaus, Bona.
Rubio Monocoat habe ich auf meinen Eiche-Dielen.

Am besten geht's wenn das Öl mit einer Tellermaschine einpoliert wird- besonders bei größeren Flächen.

Lieber mehrmals dünn als einmal dick- wie bei allen Anstrichen..
Am schlimmsten ists wenn zu dick geölt und dann zu lange mit dem Abnehmen der Überschüsse gewartet wurde- dann gibt's eine nur sehr schwer zu entfernende Klebeschicht.

Andreas Teich



Fußbodenaufbau



Hallo,

sorry, daß ich nach dem letzten Beitrag nichts mehr von mir habe hören lassen, es ist einfach viel zu tun.

Vielen Dank für die vielen hilfreichen Informationen!

Ich werde nun mal sehen, wie ich das alles in meinen Zeitplan einarbeite und dann schaumermal.

Grüße und dickes Danke, Martin