Fußbodenaufbau ohne Folie, Beton o.ä.

20.01.2013



Hallo an alle,
ich habe ein kleines Hexenhäuschen in Meck-Pom und mit eurer Hilfe - ich habe viel mit gelesen - schon einiges in die Tat umgesetzt.
Nun stehe ich vor dem nächsten Zimmer im EG, wo ein alter, ich denke mehrfach gelackter Dielenboden (einzelne Dielen biegen sich und es riecht manchmal muffig) drin ist.
Wenn wir dieses Jahr das Zimmer sanieren - verkleisteretes Fachwerk hervorholen, Lehmverputz etc. bin ich der Meinung, es sei sicherer, den Fußbdoden anzuheben, um sich zu vergewissern, dass entweder alles i.O. drunter ist oder wir den Hohlraum zw. dem Fußboden und dem Erdreich erneuern müssen. Nun habe ich schone eine Menge gelesen und meine Fragezeichen werden nur größer.
1. ich möchte keinen Beton, Estrich o.ä.
2. ich möchte gern auf Folie oder Bitumen etc. verzichten.

Kann ich mit Schotter, Kies, Schüttung etc. den Hohlraum von unten nach oben, von grob zu fein befüllen, dann OSB-Platten, Dämmung+Dielen oder ohne OSB und gleich Dielen verlegen?

Wie gehe ich da am besten vor, wenn ich so nah an der Ursprünglichkeit wie es eben möglich ist, bleiben und trotzdem aufsteigende Feuchtigkeit verhindern will?

Vielen Dank für eure Hilfe und euren Rat.
Anja



Fußbodenaufbau



Hallo Anja,
wenn wieder Dielung hinein soll werden Sie um eine Abdichtung nicht herumkommen oder Ihre neue Dielung geht den Weg der Kompostierung wie die jetzige.
Aber keine Panik, vorher ist erst mal die OSB- Platte dran.

Viele Grüße





Hallo,
schmunzel, ich habe befürchtet, dass es so ist. Wie haben die Leute früher das gemacht - nicht drüber nachgedacht???

Okay, Abdichtung: kann ich also Kies, Sand etc. nehmen, die Gefache damit ausfüllen, festrütteln - stampfen und dann eine PE-Folie drüber "legen"?

Wenn ja, wird dann Gefach um Gefach mit PE-Folie ausgelegt, damit die Balken dazwischen atmen können?

Muss ich die PE-Folienbahnen miteinander verkleben oder reicht es, wenn sie überlappend liegt?

Gibt es Alternativen zu PE-folien, wie anders könnte eine Abdichtung aussehen?

Vielen Dank und einen schönen Abend,

Anja



Fußbodenaufbau



Hallo Anja,
es ist eben nicht dasselbe was die Leute früher gemacht und gedacht haben und was Sie heute darüber denken.

Sie können es natürlich auf die alte Art angehen:
Teil A:
Neue Lagerhölzer auf Steinen ausrichten,
Dielung aufbringen,
das wäre wohl Ihre Idee.

Da fehlt aber noch was,früher kam dann noch Teil B dazu:
Zuluftöffnungen zur
Außenluft schaffen (die sind bei Ihnen sicher zugemauert), Kanonenöfenzum zum Heizen aufstellen.
Damit bleiben Ihre Lagerhölzer und Dielen trocken. Sie müssen allerdings damit- wie die Bewohner früher- leben das die Temperaturen im Winter sagen wir frisch sind, es immer schön durch die Dielenritzen zieht und das Sie fleißig Brennstoff in die Öfen legen müssen.
Das heißt: Wenn Sie A sagen müssen sie auch B sagen. Nur so schaffen sie es die Dielung und die Lagerhölzer im Winter von Kondensatausfall sicher zu schützen. Die meiste Feuchte kommt nämlich nicht von unten sondern von oben, aus der warmen, feuchteren Raumluft, die Sie beim Darüberlaufen in den Zwischenraum befördern. Die federnden Dielen wirken wie eine Membranpumpe. Der Verbrennungsluftbedarf der Öfen wirkt wie eine Zwangslüftung, der Unterdruck erzeugt und so kalte, trockene Luft in den Zwischenraum befördert. Das bisschen mehr Bodenfeuchte spielt da keine Rolle.

Sonst ginge noch undichte Fenster mit Einfachverglasung statt Zuluftöffnungen als weitere Variante.
Nicht ganz so sicher, wirkt aber auch. Die Fenster funktionieren im Winter als Zwangskondensationspunkte und halten die Raumluft schön trocken. Vorteil: Bei knackigem Frost können Sie sich an Eisblumen erfreuen. Nachteil: Sie müssen regelmäßig die Fensterbretter vom Kondenswasser (oder Eis) befreien.

Es könnte.. alles so einfach sein....isses aba nich!
Um mal Fanta 4 zu zitieren.
Das trifft auch auf einen neuen, verbesserten Fußbodenaufbau zu. Mit ein bisschen Folie oder OSB ist es da nicht getan.

Viele Grüße



"So wie Früher" - Märchen



Hallo

Wenn man es richtig macht - wie früher - muss es nicht kalt, ungemütlich und unbewohnbar sein und werden …

Das ist doch ein Märchen der Verfechter, der Meinung: "Alles Alte ist Scheiss und nur das Neue, Moderne und "wissenschaftlich Abgesicherte" sei das Gelbe vom Ei!"

Dem möchte ich entgegnen: Nein!

Die alten Konstruktionen waren einfach, nachhaltig, gesund und billig … und haben immer länger gehalten als die neu eingebauten Industrielösungen.

Wenn es heute nur noch vereinzelt Planer, Berater oder Handwerker gibt, die tradierte Konstruktionen verstehen, einsetzen, bewerten und mit denen umgehen können und auch noch herstellen können, sind meist nicht die Konstruktionen schuld, sondern die, die es nicht verstehen es richtig zu machen …

Wenn man so "alte" Konstruktionen einsetzen will, muss man das Gesamtsystem verstehen und mit allen Randbereichen einsetzen können …
ein Verständnis, wie es heute vorherrscht: "Bau mer mal ein bisschen BIO oder wie die Altvorderen …" so wie mit Zugriff auf ein Regalangebot: "Mal dies, mal das" geht nicht gut …

Gesamtsystem muss passen - nicht die Einzelteile.

"Die Kette (das System) ist so stabil oder stark wie das SCHWÄCHSTE Glied!"
… nicht wie das bunteste, oder das mit dem Blauen Engel oder mit dem bärtigen Bioproduktverkäufergrinsen versprochenen …

Zu einem passenden Gesamtsystem sollte möglichst alles einbezogen werden … Wenn ein Bach am Haus vorbei fliesst, wird es früher auch kein Holzboden im EG gegeben haben …

Meist hat man nicht "schön" gebaut - sondern "gut"!

"Wer sich nur auf die Schönheit fixiert, hat das Gesamte nicht verstanden!"

Florian Kurz



hallo anja



was hast du denn gegen beton? der tut doch keinen menschen was :-) er hat den entscheidenten vorteil nicht zu verfaulen und auf lange zeit gesehen ist er die bessere wahl. in meiner Küche hatte ich auch nen holzfußboden, der war in gutem zustand aber als ich meine küche saniert hab, hab ich den raus und durch beton ersetzt und bereue es nicht, gesundheitlich gehts mir dadurch auch nicht schlechter :-) und ich hab ruhe und weis das ich den garantiert kein 2.mal machen muß.

mfg alex



Beton?



Hallo,

ja Beton ist wohl die einfachste Alternative. Ich dachte nur, es gibt Menschen, die sich mit Alternativen auskennen und wollte mal reinhorchen, wie die das Thema umgesetzt haben ... Ich werde mich noch ein wenig im Forum belesen, entweder mit Schüttungen, Beton und Folie arbeiten. Ich bin gespannt. So ein Häuschen birgt viel Fantasie und Visionen. Ich finde es schön, mit seinen Aufgaben zu wachsen und so Schritt für Schritt zu den passenden Möglichkeiten zu finden. Und mit ein wenig Zutrauen schafft man eine Menge im Alleingang. Nur Zeit braucht man, und ein wenig Kreativität...

Danke für eure Antworten.
Liebe Grüße
Anja Senechal

Da wo der Ofen steht muß ich eh mit Beton arbeiten



Auch wenn...



...obige Antwort von Herrn Kurz fast den ganzen Bildschirm füllt, finden Sie darin nicht einen konkreten Hinweis. Vielleicht mag er ja 'mal einen kompletten Aufbauvorschlag hier zur Diskussion stellen, statt Unfähigkeitsdiplome breitzuwerfen.

Ich schließe mich Georg an. Mit heutigen Wohnansprüchen und -bedingungen ist ein Fußbodenaufbau in "klassischer" Form, also Balken auf Steinen, Bretter drauf, Unterlüftungslöcher von außen, nicht vereinbar.

Grüße

Thomas



einleuchtend



Hallo,

ja heutige Wohnansprüche mit traditioneller Vorgehensweise zu vereinen ist eine Herausforderung an sich ... Ich möchte ja kein Schimmelhaus haben, und auch nicht eine Ewigkeit damit zubringen, Lösungen zu suchen oder mich gar gar nicht mehr zu trauen.

Ich habe mal ein wenig gegooglt... und dabei bin ich auf Schaumglas-Schüttungen gestossen. Die sprechen von Noppenfolie auf Erde, darüber diese Schüttung und dann Betonfolie (oder so ähnlich). Ich frage mich immer, was mit den Balken passiert, worauf die Dielen genagelt wurden. Sind diese Schüttungen in den (heißt das auch am Boden) jeweiligen Gefachen?

Und falls ich zementieren, was mache ich dann mit den Balken, die da quer liegen - mit Bitumen oder Dachpappe abgrenzen?

Und darüber dann Folie und dann die Dielen mit z.B. steico Dämmung?

Wäre das denkbar?

Bitte verzeiht, falls ich Fachbegriffe nicht weiß, ich bin da eher visuell und praktisch veranlagt und komme daher mit einer Menge Enthusiasmus. Schmunzel

Danke für eure Hilfe... Alle lösungsorientierten Antworte helfen mir mit meinem Gehirnschmalz weiter zu denken...

Lieben Gruß
Anja Senechal



Fußbodenaufbau



Hallo Anja,
Glasschaumschotter ist ein Material das seinen Einsatzbereich bei Gründungen von Neubauten, bei Gründächern, bei Bauwerksüberschüttungen hat. In der Sanierung kann man es zwar auch einsetzen,aber dort sind seine wichtigsten Eigenschaften (die sie bezahlen), die hohe Tragfähigkeit und Schersicherheit, kaum gefragt. Die Dämmwirkung, die sich bei Gründungen im Neubaubereich quasi von selbst und nebenher ergibt ist im Sanierungsbereich nur gering, es sei denn man baut Dicken ab einem halben Meter und mehr ein. Das sind die Größenordnungen z.B. bei einem Gründungspolster unter einer Bodenplatte.

Es gibt verschiedene andere Möglichkeiten, einen Fußboden einzubauen, die Art hängt vom zukünftigen Belag, ob eine Fußbodenheizung gewünscht wird und von der zur Verfügung stehenden Einbauhöhe ab.

Hier zwei Varianten als Beispiele:
1. Für Dielenfußboden
- Abbruch des alten Bodens, alles organische muss raus,
- eventuellen Höhenausgleich aus Kiessand einbauen
- Planum herstellen,
- Betonsauberkeitsschicht ca. 8 cm dick waagerecht einbauen,
- Abdichtung (Dichtungsbahnen, mineralische Dichtschlämme, KMB 0.ä.) einbauen,
- Dämmung aus Weichholzfaserplatten mit integrierter Traglattung verlegen, Höhe ca. 100 mm,
- Dielung einbauen.

2. Für alle anderen Belagarten:
- Abbruch,
- Höhenausgleich, Planum,
- Sauberkeitsschicht,
- Abdichtung,
- Dämmung ca. 80 - 100 mm aus XPS/EPS o.ä.,
- Schrenzlage (Folie),
- Zementestrich ca. 45 mm,
- Endbelag (Teppich, Fliesen, Laminat, Parkett...).

Ob die Beispiele für Sie zutreffen ist eine andere Frage, dazu kenne ich die konkreten Randbedingungen nicht.


Viele Grüße



zur 1. Variante von Hr. Böttcher



Hallo Herr Böttcher,
vielen Dank für Ihren Beitrag.
Wir haben tatsächlich vor, nur einen neuen Dielenfußboden zu verlegen, keine Fußbodenheizung oder ähnliches. Es handelt sich um eine große Essküche, in welcher auch ein Kochherd, befeuert mit Kohle und/oder Holz drin stehen wird.

Die Schritte sind für mich nun leicht verständlich und sehr gut nachvollziehbar. Eine kleine Frage wäre da noch:

Wenn alles Organische raus soll, betrifft das auch die Balken, auf die die jetzigen alten Dielen genagelt sind, und auch die Balken auf denen die Seitenwände gemauert wurden?

Wenn ja, verändere ich dabei nicht ungemein viel am Fundament dieses Hauses mit der Gefahr, zu viel des Guten zu wollen?

Könnte ich diese auch drin lassen und mit einer Sperrschicht zw. Beton und Holz arbeiten, um dazwischen dann die Sauberkeitsschicht zu plazieren?

Vielen Dank für Ihre Antwort.
Liebe Grüße,

Anja Senechal



Küchenfußboden



Ein großer Kohle- oder Holzherd bringt einiges an Punktlasten mit sich, er muß auf ein Ofenblech gestellt werden, auch um die Dielung für glühenden Kohlenstücken zu schützen. Schon das beisst sich ein wenig. Dann steht in einer Küche auch immer eine Küchenzeile an der Wand,auch hier ist die schöne Dielung darunter praktisch verpufft, man sieht sie nicht, ihre guten Eigenschaften wie die Lauffreundlichkeit usw. bleibt dort ungenutzt.
Natürlich müssen die alten Lagerhölzer raus, sie stören den neuen Aufbau.
Die Hölzer unter den Trennwänden sind Grundschwellen, die stören nicht und müssen drinbleiben. Es kann allerdings sein das sie genau wie der jetzige Fußbodenaufbau geschädigt sind. Dann müssen sie repariert werden. Falls Feuchtigkeit am Fuß der Außenwand eingedrungen ist, muß hier im Zusammenhang mit dem neuen Fußbodenaufbau von außen Abhilfe geschaffen werden. An den Fundamenten ändert der neue Fußbodenaufbau nichts.

Viele Grüße



Ergänzend zu ...



Georgs Posting, auch wenn es an und für sich selbstverständlich ist: Die Betonschicht des Unterbaues muß unterhalb der Grundschwellen enden, an den Grundschwellen dürfen auch keine Folien hochgezogen werden, wie es ja vor massiven Wänden üblich ist.

Grüße

Thomas